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qq&d&d:&dqqqqqqqqqq Katalog 330
anuscripte
des ]Mittelalter9 und fpäterer Zeit
6inzel-]Mtiitaturen « Reproduktionen
Jilit 2S €afeln
Karl ^* r)ierfeniann <bd Ceipzig
BtttbbSndlcr und Hntiquar SD Königettrafee 3 OD 1906
Ctlc(r.-Hdr.: Bucbbandluns nfcrrcmann, Ccipzig. Cdcpbon: 117s
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M«rk.
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Vorwort.
Der Katalog, den ich hiermit dem Publikum übergebe, ist der erste in seiner
Art, welcher aus meinem Hause hervorgeht Er unterscheidet sich von den
früheren dadurch, daß er ausschließlich Handschriften, mit und ohne Miniaturen,
daneben natürlich auch Reproduktionen von solchen aufführt Die Reichhaltigkeit
und die Mannigfaltigkeit des hier zusammengestellten Materials nach Inhalt und
Form, Ursprung und Zeit wird niemandem entgehen, der diesen Katalog auch
nur durchblättert. Im Vordergrunde steht das Mittelalter der verschiedenen Lander
vom X. bis XV. Jahrhundert, mit seiner zur Kunst ausgebildeten Schrift und jenen
in Miniaturen, Bordüren- und Initialen-Schmuck prangenden Pergamenten, gegen
welche auch die anspruchsvollste Buchausstattung unserer Tage ärmlich erscheint
An diese umfangreiche Gruppe teils geistlichen, teils weltlichen Inhalts, welche
in künstlerischer Hinsicht durch die reiche Miniatur- und Initialen-Sammlung in
Einzelblättem (No. 221 ff.) wesentlich ergänzt wird, schließen sich Handschriften
vom XVI. Jahrhundert an, historischen oder geographischen, diplomatischen oder
literaturgeschichtlichen Inhalts, sowohl zusammenhängende Hss., wie Urkunden
und Kollektaneen. Die slavische Welt, die orientalischen Sprach- und Länder-
Qebiete sind durch interessante Manuscripte in Pergamentrollen und in Buchform
vertreten. Auch hier ist auf das umfangreiche Bildermaterial in Illustrationen
und in selbstständigen Original - Malereien hinzuweisen, dessen rechte Inter-
pretation und ästhetische Würdigung dem künftigen Besitzer überlassen bleibt,
gleichwie die wissenschaftliche Ausbeutung der vielen unedierten Texte. Den
Sammler auf militärischem und auf nautischem Gebiete interessieren die unter
No. 207 ff. mitgeteilten Hss., Karten und Zeichnungen; den Musikforscher die
altkirchlichen Chorbücher und die Liedersammlungen späterer Jahrhunderte, ab-
gesehen von Keimelien wie No. 188 oder No. 189; der Kulturhistoriker nicht
minder als der Paläograph wird in vielen Kapiteln reiche Ausbeute finden.
So glaube ich, daß meine Sammlung den verschiedensten Studiengebieten,
den Interessen des Liebhabers, wie des Gelehrten in gleichem Umfange gerecht
wird. Sämtliche Nummern halte ich zur Übersendung, auch ansichtsweise, bereit
LEIPZIG
November 1906.
KARL W. HIERSEMANN.
1S3739
Preface«
The present catalogue is the firet of its kind whicfa I bring to the notice
of ifae public Dhreigently from my previous catalogues, it contains only manu-
scripts, partly with miniatures, and — of course — reproductions of same.
A cursoiy inspection will show its richness and varieiy and the following lines
may give an idea of its contents. The most notable place in it occupy
medieval manuscripts of the X^ to the XV^ centuries, calligraphically written
and richly decorated with miniatures, borders and Initials fai the splendid style
of those times, which has not hitherto been attained: a dass which in artistic regard
has a oonsiderable complement in the separate leaves with miniatures and faiitials,
enumerated under No. 221 sqq. There are further a great many valuable manu-
scripts of the XVI th to the last centuiy, also documents and oollectanea, bearing
on historical, geographical, diplomatic and literaiy subjeds. Other pieces are
written in oriental languages or in Russian or regarding the Slavonian ooncem,
both in form of books and rolls, some of them richly illustrated; besides a
quantiiy of oriental paintuigs on separate leaves. The explanation and esthetic
appredation of this pidorial material, as well as the utilisation of the numerous
unpublished texts is reserved to the acquirers of these treasures. — Students
of militafy and nautical matters will find numerous faiteresting writhigs, maps
and drawings. The medieval antiphonaries and song-books of the subsequent
thnes apply to the connoisseurs of music — not to speak of dmdies like n.
188 or n. 189. There are finally numerous pieces in all parts of the catalogue
whicfa wiU fumish valuable materials to the study of costumes and of palaeo-
graphy. I use therefore no language of exaggeration when I say that amateurs
of art as well as students of neariy all brancfaes of knowledge wiU be interested
in this catalogue.
On demand I am ready to send any of these works for examination.
LEIPZIG
November 1906.
KARL W. HIERSEMANN.
Pr^face.
Le catalogue que j'ai l'honneur d'offrir au public est le premier de son
genre qui sorte de ma maison. U se distingue des pr6c£dents en ce sens qu'il
traite exdusivement de manuscrits, avec ou sans miniatures, ou de reproduc-
tions de manuscrits. La richesse et la vari6t^ de la collection qui s'y trouve
annonc6e n'^chappera inline pas ä qui se contentera de le parcourir. Cette
collection se compose d'abord d'une grande quantit^ de manuscrits du moyen-
ftge — X« au XV« si^de — , de texte sacr6 ou profane, calligraphiquement toits
et dto>i^s de miniatures et d'omements, dans un style si somptueux que nos
plus jolies publications modernes ont ä cöt^ d'eux comme un air de pauvret^;
de nombreuses miniatures et initiales sur feuilles d^tach^es complMent cette
s6rie (nos. 221 et suiv.). Puis vient un certain nombre de manuscrits des
XVI« si^de et suivants, historiques, g^ographiques ou litt6raires; documents,
chartes, etc. Pour ce qui conceme la litt6rature slave et l'orient en g^n^ral, on
trouvera id toute une s6rie de rouleaux de parchemin et de livres manuscrits;
plusieurs d'entre eux sont illustres; beaucoup de peintures orientales s6par^es
sont ä y joindre. II est 6vident que la juste appr^dation des peintures et des
textes in^dits qui sont d^crits dans ce catalogue est laiss^e tout enti^re au soin
du futur acheteur. L'amateur de choses militaires et maritimes verra id des
dessins et des cartes propres ä Fint6resser (nos. 207 et suiv.), le musiden, de
vieux antiphonaires, des choix de chansons ainsi que des pi^s rarissimes (nos.
188 et 189), enfin Thistorien n'y trouvera pas moins de riches mat^riaux que
le pal^ographe lui-m6me.
C'est ainsi que j'ose esp6rer que ma collection exdtera I'attention des
amateurs et des savants aux titres les plus divers.
Les num^ros annonc6s peuvent §tre aussi envoy6s en communication.
LEIPZIG
Novembre 1906.
KARL W. HIERSEMANN.
Inhalt
Sdte
Manuscripte deutschen Ursprunges.
X.— XV. Jahrhundert 1
XVI.— XIX. Jahrhundert 18
Manuscripte englischen Ursprunges.
XIV. Jahrhundert 27
XVII.-XVIII. Jahrhundert 28
Manuscripte französischen Ursprunges.
XIII.— XV. Jahrhundert 29
XVI.— XVIII. Jahrhundert 58
Manuscripte italienischen Ursprunges (inbegriffen lateinische
Manuscripte).
XII.— XV. Jahrhundert 59
XVI.— XVIII. Jahrhundert 70
Manuscripte niederiändischen Ursprunges.
XIV.— XV. Jahrhundert 80
XVI.— XVIII. Jahrhundert 82
Manuscripte slavischen Ursprunges und solche, die auf slavische
Länder, besonders auf Russland Bezug haben.
XVII.-XIX. Jahrhundert 83
Manuscripte spanischen Ursprunges.
XIV.— XVIIl. Jahrhundert 88
Manuscripte byzantinisch-griechischen Ursprunges.
XIII. Jahrhundert 94
ORIENT.
A. Manuscripte orientalischen Ursprunges.
XIII.— XIX. Jahrhundert (europäischer Zeitrechnung) 95
B. Persische und indische Original-Malereien.
XIII.— XIX. Jahrhundert 115
Musik-Manuscripte.
XIV.— XIX. Jahrhundert 136
Manuscripte militärischen oder nautischen Inhalts: Portulan-
karten etc.
XVI.-XVIII. Jahrhundert 154
Miniaturen und Initial-Malerei in Einzelblättem.
XI.-XV. Jahrhundert 163
XVI.-XVII. Jahrhundert 181
Facsimile-Reproduktionen von Handschriften 182
Handschriftenkunde (Palaeographie), Schreibkunst, Handschriften-
verzeichnisse 193
Einige seltene Pergamentdrucke 208
Nachtrag 209
Karl W. Hiersemann
^ BUCHHÄNDLER UND ANTIQUAR ^
KÖNIOSSTRASSE 3 LEIPZIG KÖNIOSSTRASSE 3.
BHte tun gütige Weitersrabe
dieses Kataloges an Bücher-
kiufer, oder Mitteilung ihrer
Adressen.
noKopHtfinxe npomy nepe-
AATb 3TOT'& BaTajxori» no npo*
oMOTptniH aeasoMOMy hsh
coo6ii;HTb MBlk aApeozi zizi^'b,
nBTepeoyx>xi;nzofl SHHraMH.
Kindly hand this Catalogne
over to a bookbuying friend
after pemsal, or let me know
eeoeeeee addresses. eoeooooe
SapUcandohagandrcuIaresteCatälofi:o entre los Bibliö-
fUos, agradecer^ me envien las Direcdones de los que
gustaren redbirlo avisindome al mismo tiempo, soore
cnil ramo de arte 6 denda desean informarse.
Vons m*obIigeiiez beaacocp en faisant
drculer ce catalogne parmi ceux de vot
Is qui redierchent des Uvres on en
me laisant pari de leur adresse.
Manuscripte deutschen Ursprunges.
X.— XV. Jahrh.
1 Biblia latina: Libri R^^um I— IV. Lateinische Pergament-
handschrift in Fol. aus dem XIII. Jahrh. 182 doppelseitig beschr.
Blätter mit 5 großen und 4 kleinen Initialen. In altem Leder-
bande (XVIII. Jahrh.) mit Aufdruck: „libri Regum". 460.—
Die 30^8 X 20^8 cni große, mit kurzen Einleitungen d. Hieronymus ver-
sehene Handschrift ist in kräftiger gotischer Minuskelschrift meist in 3 Ko-
lumnen (stellenweise auch 2 u. 1) geschrieben und von einem Interlinear-
u. Marginal-Kommentar begleitet
Der verhältnismäßig wenigen Abbreviaturen des Textes nach gehört
das Manuscript in das XIII., vielleicht schon XII. Jahrh.
Für dies Alter sprechen auch die großen Initialen, die in ihrer eigen-
tümlichen eckigen Form und Ausführung (besonders des P) denen der
beiden Wiesbadener u. Heidelberger „Scivias-Handschriften"
ähnlich sind. (Wende des XII./XIII. Jahrh.).
Eins der Klöster des Oberrheins dürfte daher als Entstehungsort
auch dieser Handschrift anzusehen sein. Die 5 großen sehr schönen
Initialen V. P. P. E. P. zeigen hellbraunen Kern, der von farbenreichen,
arabeskenartigen Ornamenten, stilisierten Blumen (mit weißen Linien um-
sponnen) gefüllt ist; goldene Linien schließen den Buchstaben ab, der auf
eckigem, blauem Grunde steht Charakteristisch für die Initialkunst des
Oberrheins sind diese eckigen Buchstaben, deren Ausläufer in Schlangen-
leiber übergehen.
Die 4 kleinen Initialen heben sich mit goldenem Kern, ebenfalls farbig
gefüllt, von blauem oder braunem Grunde ab und haben goldene Ausläufer.
Viele kleine, rote u. blaue Anfangsbuchstaben zieren den Text, von
dessen Zeilenköpfen Randschnörkel u. Ausläufer in blauer u. roter Farbe
Karl W. Hiersemann in Leipzig« Königsstrasse 3. Katalog 330.
2 Manusaipte deutschen Ursprunges. X.-XV.Jahrh.
sowohl in freien Stellen des Textes, als auch zum unteren Rande sich
hinziehen.
Das Pergament enthält viele gestopfte u. ungestopfte Lödier.
Unter dem „Explidt liber Regum'* ist auf dem letzten Blatte ein Stüdc
leeres Pergament herausgeschnitten.
Die Erhaltung der Handschrift ist vorzuglich.
2 Bvangeliarii lat. codex membr. Saec. X. Fol. Verkattft.
Vgl. die Abbildung Tal. 1.
Handschrift auf Pergament, 33 cm hoch, 24 cm breit 198 Blatt ä 26 Linien,
mit reichem weißem Rand, rot rubriziert, staunenswert schön geschrieben.
Die prächtige Ausstattung beweist, daß die Hs. für e. reiche Kirche oder
hochgestellte Persönlichkeit hergestellt sein muß. Evangelien-Handschriften
aus dem 10. Jahrh., wie diese, kommen kaum jemals im Handel vor.
Daß sie nidit absolut vollständig ist, d. h. nicht Alles enthält, was der
Schreiber geschrieben oder der Illuminator gemalt hat, ist bedaueriich;
es wäre aber bei dem ein Jahrtausend erreichenden Alter der Reliquie fast
ein Wunder zu nennen wenn es anders wäre. Im Beginn fehlen einige
wohl den Brief des Eusebius an Carpian enthalt Blätter und die erste
Seite der Canones- Tafeln; von Canon I. Matth. 284 — Joh. 63 an sind
die librigen Tafeln, 6 Blatt, vollständig; diese 6 Blatt sind beiderseitig
prächtig in Miniaturmalerei, Farben, Oold u. Silber, in 5, 3 u. 4 Bogen-
hallen eingeteilt, mit immer wechselnden Farben, omamentalem Stabwerk
u. Säulenschmuck und haben außerdem zweizeilige Überschriften in Oold-
u. Silbermalerei. Das nächste El. 7 zeigt die reichverzierte Initiale P;
Blatt 10 „praefatio Hieronymi'* beginnt mit e. schönen in Oold u. Farben
mit Vogelomament geschmückten Initiale B. Die Vorderseite von Blatt 11,
vor welchem einige Blatt fehlen, ist ausgefällt durch das wundervoll auf
Purpur in Oold- und Silber- Umrahmung in geistreicher Verschnörkelung
ausgeführte Wort „über**, worunter in Silber das Wort „generationis*' steht;
ein Kabinetsstück der Miniaturmalerei. Auf Bl. 158 gestaltet sich die
künstlerische Initiale J zu einer Randleiste über die ganze Seite, ebenfalls
farbig, mit Oold und Silber gehöht Der Text des Evangeliums
Matthäi u. des Evangeliums Johannis ist vollständig, während
bei Markus u. Lukas je das 1. Bl. (1, 1 — 11 bei Mark., 1, 1 — 10
bei Luk.) fehlen, und bei Lukas das Schlußblatt Blatt 199 enthält das
Capitolare Evangeliorum bis z. Samstag der 4. Woche nach Theophania;
das letzte Blatt fehlt Aber nicht nur auf dem Altertumswert, sondern
ebenso sehr oder noch mehr auf dem Texte beruht die eminente einzig-
artige Bedeutung der Handschrift Das bestätigt eine Vergleichung, die
Professor Eb. Nestle zum kleinen Teil angestellt hat; vgl. „Zeitschrift für
neutest Wissenschaft", 4. Jahrg. 1904, p. 175, als Stichprobe für die Wichtig-
keit der Hs.: sie bietet Lesarten, die bei Wordsworth-White noch gar nicht
vertreten sind; eine andere Reihe von Lesarten, die dort nur von einer
einzigen Hs. bezeugt sind, werden durch die meinige bestätigt Aus ver-
schiedenen Untersuchungen ist nachgewiesen, daß meine Hs. mit keiner
der durch Wordsworth-White bekannt gewordenen Handschriften oder
Klassen geht; sie nimmt eine neue, originelle Stelle ein; sie verdient im
Interesse der Wissenschaft überhaupt, wie der Bibelforschung und ihres
Karl W. Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330*
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Manuscripte deutschen Ursprunges. X.-XV.Jahrh. 3
Textes insbesondere eine vollständige Vergleichung, die bei ihrer schönen
ungemein deutlichen musterhaften Mönchsschrift und sonstigen Erhaltung
das reinste Vergnügen wäre, eine Arbeit mit ihren hohen wissenschaft-
lichen Resultaten, welche ich selbstverständlich dem Käufer und künftigen
glücklichen Besitzer aufspare.
Nicht zu übersehen sind die Spuren von figüriicher Federzeichnung am
Rande von Bl. 9, welche von dem Schreiber hinweggewaschen wurde;
man bemerkt in lebhafter Bewegung den Oberteil einer, wie es scheint,
unbekleideten Jünglingsfigur. Was den sehr gut erhaltenen Buchschmudc
selbst betrifft, so sind als Farben verwandt — jede in mehrerlei, oft ganz
matten Abtönungen — blau, grün, grau, gelb, zinnober- und weinroi Die
Bogen-Architektur mit den eingeschriebenen Canones, eine besondere Zier
der Bibeln der Karolinger- und Ottonen- Epoche, zeigt als Kapitale bald
Blattwerk, bald Vögel oder menschliche Köpfe; die Basen und Sockel
mehrfach gegliedert; einige Säulenschäfte umwunden, andere nur der Länge
nach in mancherlei Weise und Farbe gestreift; ganz apart Bl. 1, S. 1; die
Marmorierung u. Äderung der Basen wird überall betont Übrigens teilt
sich auf Bl. 4 der letzte Bogen zu einer Art hohen romanischen Doppel-
fensters, während auf Bl. 5, S. 2 die letzten Bogen mit Unterabteilung
(tieferem Stockwerk) versehen sind. Das prachtvolle, die Seite füllende
farbige Omamentfeld mit starkem Rahmen und Edc-Verknotungen, der
bezeichnende Buchschmuck für das ganze letzte Drittel des ersten Jahr-
tausends, hat hier weinroten Orund, den Rahmen in verschiedeneriei Orün
und etwas Stahlblau gestreift, außen von Silber-, innen von Ooldleiste ein-
gefaßt; die innere durchbricht die vier Ecken und bildet dort ein Oeriemsel,
wie es sonst die Bandgeschlinge tun, erweist sich aber als ein Mittelding
zwischen knorrigem Oeäst und Bandwerk. In dem gleichen Stil hält sich
das herrliche Initialwerk im Innern (mit blauem u. grünem Orund), sowie
in den sonstigen Initialen, welche die Hs. zieren. Höchst interessant sind
natüriich die großen Vögel in dem B (Bl. 10), die wie junge Reiher aus-
sehen; sie stehen auf grünem Orunde, den das Buchstabengerüst mit
Ooldstreifen und Zinnoberrot (nebst silbernen Knoten) umschließt; die
Wirkung wird noch erhöht durch die Oold-Strichelung des Oefieders,
welches übrigens weiß auf grau gehalten und mit etwas Schwarz abgesetzt
ist; die Schnäbel rötlich.
Auf Bl. 107 schrieb eine ungeübte Hand i. J. 1794 folgendes: Anno 1794
den 5. octobris seynt die Francosen in Dansweiler gekommen und haben
alles geblündert; und auf der vorangehenden weißen Seite dieselbe Hand:
Anno 1794 den 5. octobris seynd die Francosen in Dansweiler kommen
und haben alles geblündert, und den 7. octobris seynd 11 regementer reuter
und Draoner in den Walt gekommen und den 20. octobris außgezogen
und in die Kantenierung gelegt worden aufs hintere Mansten (?) gegen
Bolheim, Pommeler (?) Buschbell (= Bouchebelle?) hüchlen sprechen
bachlien (= parlent?) gleiel. — Die Ortschaften, durch Dialekt noch ent-
stellt (so wahrsch. Thann*s oder Tann's Weiler), sind schwer aufzu-
finden (vgl. a. Nestle a. O.). Nach dem damaligen Stande der frz.
Revolutionsarmee müssen sie am 1. Rheinufer südl. von der Mosel ge-
legen haben.
Karl W« Hicrsemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330«
I M(umscripte deutschen Ursprunges. X.-XV.Jahrh.
Die auch ohnehin als deutsche Arbeit kenntliche Miniatur-Hs. muß sich
hiemach als ein altehrwürdiges Besitzstück schon lange am Oberrhein be-
funden haben und könnte vielleicht dort selbst entstanden sein.
3 FugTCr's Gebetbuch. Deutsches Gebetbuch eines Mitgh'edes
der Augsburger Patricier- Familie Fugger. Pergament- Hs. des
XV. Jahrh. 257 Bl. mit 20 großen Miniaturbildem, z. Tl. auf
Goldgrund, 4 großen farbigen Initialen, davon 3 auf Goldgrund
mit reichem Randschmuck, außerdem blauen u. roten Schrift-
und Randverzierungen das ganze Buch hindurch. Schöne
gotische Schrift, lözeilig zwischen scharf gezogenen rötlichen
Linien. Eintragungen aus verschiedenen Epochen, die letzten
1750 — 1888 auf angebundenen Papierblätterti von den schweizer
Familien Lehner u. Heimberg in Ober- Steinach u. Rorschach,
Canton St. Gallen. Der Einband, von 1700 spätestens, Holz-
deckel von schwarz. Leder überzogen, mit etwas Goldpressung,
mit Metall-Schließen, ist an den Rändern beschädigt; das Manu-
script selbst — abgesehen von einigen Gebrauchsspuren — in
vorzüglichem Erhaltungszustand. Bl. 138 u. vor Bl. 1 ist je ein
Bild ohne Text entfernt worden. Format 12^. 1680.—
Inhalt: Vorne Wappenblatt der Fam. Fugger mit einer Heiligen (ägypi
Maria?) in härenem Oewande. Dann ein Kalender mit großen verzierten
Kopftiteln, abwechselnd blau u. rot; manche Tage leer gelassen, ohne
Heiligen-Namen. Dieser Teil u. das Register am Schluß sind nidit ein-
begriffen bei der alten Paginierung, die in charaktervollen (roten) Ziffern
sorgsam, wie alles in der Hs., ausgeführt sind. Bilder zum Text, je eine
Seite einnehmend: Fol. 70: Christi Himmelfahrt; 90: Kirche mit Friedhof,
Einsegnung eines Toten durch d. Priester; 147: Inneres einer Kirche (im
Stil der vorigen) mit St Oregorius, der vor dem Altar kniet; dahinter die
Christus-Erscheinung; 149: die H. Katharina; 151: die H. Barbara; 157: die
H. Margaretha; 161: der H. Wolfgang, mit Beil u. Kirche; 162: St. Lien-
hard, Mönch mit Ketten u. Schloß; 163: St Sebaldus („Sebolt"); 164:
St Sebastian; 166: Christus u. Philippus; 168: St. Erasmus; 169: die
H. Apollonia; 171: die H. Ottilia, als Nonne; 173: oben in halber Figur,
aus Wolken hervorragend, Christus, Maria u. d. Heiligen, unten Landschaft
mit Bergen u. Stadt- Andeutung; 174: Erzengel, wohl Michael, mit Schwert
U.Wage; 176: Schutzengel, eine Seele aus der Hölle emportragend; 178:
die H. Helena; 182: Crucifixus, Mater dolorosa, Johannes. — Gewöhnlich
ist der untere Teil des Grundes (als Terrain) grün gehalten, der obere
vergoldet auf rotem Untergrund. Von den Bildern mit natüriichem Hinter-
grunde, wo dann Ooldumrahmung eintritt, betrachtet man namentlich
F. 164 mit Vergnügen. Der jugendliche Sebastian, mit rotem Barett auf
dem blondlockigen Haupte u. goldenem Nimbus, trägt einen bis an die
Füße reichenden, pelzveiträmten blauen Rock, in den Händen sein Attribut,
das Bündel Pfeile. Er steht auf grünem, leicht gemustertem Fußboden.
Hinter ihm Architektur in etwas ziegelfarbenem Rosa, niedrige Mauer mit
weiter Säulenstellung, durch welch' letztere hindurch man in die freie Land-
schaft blickt; grünes Terrain, blau und weiße Berge, ebensolcher Himmel.
Karl W* Hierseaiafm in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330.
Manuscripte deatsthen Ursprunges. X.-XV.Jahrh. 5
— Die farbigen Initialen Fol. 1, 71, 91, gänzlich auf Goldgrund, haben im
Gerüst welliges, leicht gerolltes Blattwerk mit Schattierung und schraffierten
Lichtem, den Rahmen nach zweierlei Hauptfarben (mit Abtönungen)
geschieden, ein Verfahren, das auch bei den obigen Miniaturen wahr-
zunehmen ist Die schweren stilisierten Ranken an den linken u. unteren
Buchrändem bekunden in der Bewegung nicht minder wie im Wechsel
der Farben (immer mit Gold dazwischen) den besten Stil der spätmittel-
alterlichen deutschen Buchmalerei. Die hübsche große Initiale Fol. 139 in
blau u. rot, weiß abgesetzt, mit grün und rot ornamentierten Querstreifen
im Innengrunde und den roten Randschnörkeln gehört dem Schreiber und
damit einer andern Entwickelungsreihe an. — Von den Eintragungen
stammt nur das Gebet auf den überschüssigen Pergt-Blättem ungefähr
aus gleicher Epoche wie das Ms. selber. Dieses unzweifelhaft Fugger sehe
Autogramm, 22 Seiten, welches natürlich ganz besonders interessiert, wäre
noch mit anderweitigen Dokumenten zu vergleichen.
4 Johann von Gmunden (de Gamundia), Professor u. Dekan
a. d. Wiener Universität, geb. in Gmunden um 1380, gest. in
Wien 1442. Deutscher Kalender. Am Schlüsse: Der Kalender
ist practizirt worden durch Maister Hannsen von Gmünd,
zu Wien ain bewerter maister der heiligen geschrift, vnd
ist geschriben worden zu Prawnaw Anno do 1470. Perg.-
Handschrift 36 Bl. 4. Moderner brauner Maroquinbd. 1250.—
Fol. Ib bis 13 a Kalender m. Tabellen zur Berechnung der gold. Zahl,
hierauf Tabellen zur Berechnung d. bewegl. Feste etc., m. d. Ephemeriden
auf die Jahre 1439, 1458, 1477 u. 1496. Folgen Aderlaßregeln, die Lehre
von den 9 Elementen, Planeten, Finsternissen „Vmbswaiff vnd dikch des
erdtrichs".
Sorgfältige, frühe Übersetzung der berühmten Ephemeriden,
durchgehends in deutscher Sprache. Den Text illustrieren
8 Federzeichnungen, Quadranten, Sonn- und Monddarstellungen (wie
der ganze Kalender rot und schwarz ausgeführt) u. 2 blattgr. Darstellungen,
Kronos mit den Zeichen des Tierkreises u. der Aderlaßmann, vorzügl.
durchgeführte Arbeiten eines tüchtigen Österreich. Meisters.
5 Isidorus Hispalensis, Btymolofi^arum %. Originum Über
I— IX. 1480.—
Schöne lateinische Pergamenthandschrift, vermutlich deutschen u.
zwar alemannischen Ursprungs aus d. 13., spätestens 14. Jahrh. 73 doppel-
seitig beschriebene Bll. von je 2 Columnen mit 40 — 47 Zeilen Text Die
Etymologien, eine Art Encydopädie des Oesamtwissens in 20 Büchern u.
in systematischer Anordnung, sind das letzte u. bedeutendste Werk des
hl. Kirchenlehrers Isidor von Sevilla (560—636) u. galten das ganze Mittel-
alter hindurch als eine unerschöpfliche Quelle vielseitiger Gelehrsamkeit
Die vorliegende Handschrift, welche nur die ersten 9 Bücher umfaßt,
zeichnet sich durch gute Erhaltung, sorgfältige u. deutlich lesbare Schrift
u. vortrefflichen künstlerischen Schmuck aus. Der Text weicht mannigfach
von dem bei Migne, Patr. Cat, Bd. 82, Sp. 73—368 gegebenen ab u. würde
Karl W* Hiersemann In Leipzig» Königsstrasse 3. Katalog 330*
Manuscripte deutschen Ursprunges, X,-XV.Jahrh,
wegen vieler eigenartiger Lesarten bei einer kritischen Ausgabe zu berüde-
sichtigen sein. Am Anfang u. Ende sind einige Lücken. Es fehlen Migne
L I, c 1,5—15, la— 26 u. 1. IX, c 6 von Abschnitt 23 an u. c 7 ganz. Da-
gegen sind zwischen Migne L II, c 21 u. 22 nicht weniger als 18 dort
fehlende Kapitel über Rhetorik eingeschoben. In L III, c 6 — 7 (über die
akuten u. chronischen Krankheiten) sind an die Ränder umfangreiche
Glossen von derselben Hand beigeschrieben. Beachtenswert ist die
künstlerische Ausstattung des Werkes. Am Anfang jedes der
9 Bücher findet sich eine große, sorgfaltig in Oold u. bunten Farben aus-
geführte Initiale, von der bei 7 Büchern ein kunstvoll verschlungenes, gleich-
falls buntfarbiges Rankenwerk mit stilisierten Blumen, Früchten
u. Vögeln ausgeht, das die Rander der betr. Seite ausfüllt Auf Bl. 1
ein koloriertes Wappen, vermutlich das des früheren Besitzers. Am
Anfang der einzelnen Kapitel kleinere u. einfachere Initialen, abwechselnd
in roter u. blauer Farbe. Über den Schreiber u. seine Heimat finden sich
keine Angaben.
6 Lectionar. — Pergamenthand-
schrift von ca. 1000 bis 1080,
wohl alemannische Arbeit. 20
Bl. in-Fol. in 2 Kolumnen zu
36 Zeilen beschrieben, m. 13 gr.
färb. Ornament Initialen u. einer
Randleiste. Holzdeckel, neu über-
zogen. Verkauft.
Vgl. d. Abbildung Tal. 2.
Inhalt: 1. Indpit esaie p.phe
T die natalis düi (so). 2. Ein zweites
Jesaias-Kapitel, ebenfalls für Weih-
nachten. 3. Sermo Leoni(s) papae.
4. Sermo f natale (so!) S. Stephani.
5. Sermo S. Augustini de miracul(os)a
B. Stephani morte. 6. 7. VI (in?)
Prindp. anni: Johannis evangeliste
l(ege) obitum (die Legende nach
Pseudo-Mellito). Mellito servus
Christi etc: Volo sollidtam esse
fratemitatem vestram etc — Adhuc
apud Asiam demorabatur etc 8.
Hodie fratres kfhi natalem illor.
infantium colimus etc 9. Sermo
unde (?) supra: Credimus Judeis
etc 10. Zelus quo tendat etc
11. Aus d. Evang. Matthaei. 12. Ho-
diema lectio fratres kihi comonuit
etc 13. 14. Prologus und vita S. Sil-
vestri — bis zu den Worten Ferias
\5 habere, wo das Ms. abbricht.
Lectionar. — Manuscrit sur
parchemin, 1000—1080 en-
viron, probablement d'origine
alamane. 20 feuilles, in-fol.,
ä 2 colonnes de 36 lignes cha-
cune, orn6s de 13 grandes ini-
tiales colori^es et omement^es
et d'une bordure. Reliure en
ais de bols, nouvellement re-
couverte de cuir. Vendu.
Voir la plandie 2.
Contenu: 1. Indpit esaie p-phe
T die natalis dni. 2. Un autre cha-
pitre d' Esaie, 6ga1ement pour Noel.
3. Sermo Leoni(s) papae. 4. Sermo
T natale (sie!) S. Stephani. 5. Sermo
S. Augustini de miracul(os) a B.
Stephani morte. 6.7. VI (in ?) prindp.
anni: Johannis evangel. l(ege) obi-
tum (la legende d'apr^s Pseudo-
MeUito). Mellito servus Christi etc
Volo sollidtam esse fratemitatem
vostram etc. Adhuc apud Asiam
demorabatur etc 8. Hodie fratres
kifii natalem illorum infantium co-
limus etc 9. Sermo unde (?) supra:
Credimus ludeis etc 10. Zelus
quo tendat etc 11. Morceau de
r6vangile St. Mathieu. IZ Hodiema
lectio fratres kihi c5monuit etc
13. 14. Prologus et vita S. Silvestri,
Karl W. Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalo^f 330«
Manuscripte detäsdun Ursprunges. X.-XV.Jahrh.
mit dem Wort clericor. unten
am Rande.
Große Aufmerksamkeit verdient
auch, abgesehen von seiner ästhe-
tischen Wirkung, der Initialen-
Schmuck (bis zu 11 cm Höhe),
welcher die Buchstaben A C H M N
P S Z bringt, A in zweierlei Gestalt
Am originellsten ist das M in Kap. 6,
welches durch zwei schlanke Vögel
gebildet wird, die aus einem auf
einer Säule stehenden Gefäße trinken.
Gewöhnlich aber ist der Raum mit
Ornament auf farbigem Grunde
mehr oder weniger, doch ohne
Überladung, ausgefüllt Als Farben
dienen blau, grün, Magenta-rot
(andre Nuancen nur nebensächlich)
und ein mattes, goldiges Gelb,
dieses besonders für die Balken der
fein (mit der Feder) konturierten
Buchstaben. Neben dem wohl-
tuenden Gesamt-Eindrudc, den die
Farbenverteilung bei durchsichtiger
Disposition der phantasievoll ent-
worfenen Zeichnung hervorbringt,
ist als charakteristisch — wohl für
die ganze Stilrichtung — eine ge-
wisse kühle Farbenstimmung her-
vorzuheben, welche hier noch sonder-
lich bedingt wird durch öftere Be-
nutzung des natürlichen Pergament-
grundes; ein Verfahren, das Ab-
wechselung in die Farbentöne der
Details (und des Ganzen) bringen
soll, gleichwie die mehrfach an-
gewandte Schraffierung mit der
Feder in Schwarz oder Rot —
Nicht leicht findet man unter den
Abbildungen von Miniaturen und
Initialen Beispiele dieses offenbar
deutschen, u. zwar alemannischen,
Stiles, welche den Pflanzen-Cha-
rakter der Dekoration so rein aus-
sprechen und in so unverkünstelt-
wirksamer, dabei doch altertüm-
lidier Weise zum Ausdrude bringen.
Denn allermeistens sehen wir die
jusqu'ä „Ferias vö habere", oü le
manuscrit finit par le mot „deri-
corum" dans la marge inf6rieure.
L'omementation des initiales,
Sans parier de son expression esth6-
tique, m6rite une tr^s grande atten-
tion. Elle atteint parfois une hauteur
de 11 centim. Ce sont les lettres
ACHMNPSZ (A en 2 formes
diff^rentes). L' M, dans le 6e cha-
pitre, est tr^s singulier: il se com-
pose de deux oiseaux de maigre
stature buvant dans une coupe
pos^e sur une colonne. En g6n6ral,
le fond, qui est colori^, est rempli
d'omements. Les diff^rentes Cou-
leurs sont: bleu, vert, magenta et
jaune mat Le jaune se trouve
surtout dans les barres des lettres,
dont les contours sont soigneuse-
ment dessin^s ä la plume.
A c6t6 de Texcellente impression
d'ensemble qu'offre la diversit^ des
Couleurs, il convient de signaler une
certaine froideur des tons qui con-
stitue la caract^ristique du style de
ce temps; eile est en partie produite
par la substance du parchemin lui-
m^me dont on s'est servi comme cou-
leur. Decettemani^reTartisteavoulu
diversifier le coloris, ainsi qu'en
dessinant des hachures ä Tencre
rouge ou noire, comme il Ta fait
parfois.
II est diffidle de trouver, parmi
les reproductions de miniatures et
d'initiales, des exemples de ce style
franchement alaman, exprimant aussi
purement et aussi efflcacement le
caract^re v6g6tal de la d6coration
et donnant aussi nettement Tim-
pression de la vetust^: en g^n6ral
ailleurs, les rameaux et les branches
se terminent tous uniform6ment,
comme des rubans, avec des bouts
obtus, des gamitures de fleurs, des
d^tails noueux et courts qui donnent
ä l'omementation quelque chose de
KafI W. Hlersemann In Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330.
Manuscripte deutschen Ursprunges. X.-XV.Jahrh,
Ranken und Äste in gleichmäßiger
Stärke wie Bänder verlaufen, mit
stumpfen Endigungen und kurzen
knotigen Blüten - Ansätzen : Um-
stände, welche den Gebilden leicht
etwas Hölzernes, Gedrechseltes ver-
leihen; wobei dann auch die Ge-
drängtheit gleichartiger Gebilde in
engem Rahmen mitspricht Hier
hingegen erscheint das Pflanzliche
in ursprünglichster Frische, freilich
noch ohne die Eleganz späterer
Stile, doch auch ohne Stilisierung
und Verkünstelung; die Schäfte und
Stengel nach oben dünner werdend,
wie Schilf sich neigend, doch unter
dem Gewicht großer Blätter und
Blüten; die Verästelung mäßig, und
wo Verschluigungen eintreten, dies
in so natürlichen Grenzen, daß der
Pflanzenwuchs, das eine auf- und
auseinanderstrebende Gebilde, die
Hauptsache bleibt und von ängst-
licher Raumfällung nicht die Rede
ist Eine Umrankung des Buch-
staben-Gebälkes selbst, wie sie sich
bei größerer Stilfreiheit ergibt, tritt
nur an wenigen Punkten ein: am
ausgiebigsten natürlich bei der Rand-
leiste, zu welcher sich am Eingang
der erste Buchstabe verlängert Das
Gebälk selbst wird inneriich durch-
brochen — wie dies der Stil mit
sich bringt — in der Mitte durch
ein Bandgeschlinge belebt, gleich-
wie seine Felder durch Farbe, Ro-
setten, Vögel. — Tiere kommen
natürlich nicht vor, außer dem einen
Kopf an der unteren Endigung auf
dem ersten Blatt, wo dann die lang
herausgestreckte Zunge sich wieder,
dem Stile gemäß, zum Blatte ge-
staltet Was die vegetabilen Ele-
mente anlangt, so finden sich Akan-
thus in zweierlei Ansicht, doch
ohne Überfall, großes Distelblatt,
kleines Kleeblatt, Epheu- od. herz-
förmige Blätter, auch Eichenblatt-
sec et d'artifidel, d'autant plus que
tous ces motifs sont entass^s dans
un espace relativement ^troit Ici,
au contraire, le caract^re v6g6tal
apparait dans toute sa fraicheur
primitive, sans enjolivement ni ajou-
tage de style post^rieur. Les tiges
vont en s'amincissant et se penchent
comme des roseaux sous le poids
de grandes feuilles ou de grandes
fleurs; lorsqu'il y a des ramifications,
les entrelacements sont faits d'une
fa^on si simple qu'on peut toujours
suivre le d^veloppement de la plante
et qu'il n'y a nulle part ä regretter
que Pespace soit trop 6troit La
diarpente meme de la lettre n' est
que rarement l^ch6e par la plante,
chose qui n'est propre qu*ä un style
plus libre; et cela n'arrive surtout
que dans la partie qui se trouve
dans la marge, comme ä la premi^re
initiale. Mais la charpente, divis6e
au milieu par des entrelacements de
rubans, s'entr*ouvre et forme quel-
quefois des compartiments remplis
de Couleurs, de rosettes ou d'oiseaux.
On ne trouve pas, naturellement,
de figures d'animaux; au bas de
la premi^re feuille seulement, on voit
une tete dont la langue, longuement
tir6e, emprunte la forme d*une
feuille, toujours selon la nature du
style. Quant aux esp^ces des plantes,
on remarque ce qui suit: Tacanthe,
pr6sent6e de face et de profil, des
feuilles de chardon, de tr^fle, des
f efiilles de lierre ou en forme de coeurs,
des feuilles de ch^ne en des formes
analogues, puis des types de calices,
tulipes et lotus, en forme de doches;
enfin, et le plus souvent, des 6toiles
form6es de quatre feuilles ä lan-
cettes, type propre k la toute primor-
diale antiquit6, qui s'est conserv^ ä
travers le moyen-äge (aussi bien au
nord qu'au sud); dans ce manu-
scrit, on a essay6 de les repr^-
Karl W» Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330*
Tafel 2.
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No. 6. LEKTIONAR. XI. Jahrh. Alcniaiinisch.
Manuseripte deutsdun Ursprunges. X,-XV,Jahrh, 9
ähnliche Formen, sodann verschie- senter quelquefois sans la quatri^me
dentliche Kelchtypen, namentlich pointe, mais sans arriver h, un effet
tulpen- und lotosartige, die Glocken- heureux. II y a encore d'autres
formen in leidit perspektivischer formes, mais moins caract6ristiques.
Darstellung; endlich mit Vorliebe On sent des influences de Tantiquit^
noch der Stern aus vier lanzett- dassique, laiss6es par les Carolin-
förmigen Blättern, welcher schon giens; elles se manifestent non seule-
dem frühen Altertum eigen, sich in ment dans les Clements d6jä cit6s
der frühmittelalterlichen, z. TL eben- (H du chap. 13), mais encore dans
falls geometrischen Ornamentik (in la reproduction exacte des games
Nord und Süd) und darüber hinaus des feuilles (bordure du commence-
erhalten hat; er wird in unserm ment), dans certains omements de
Codex öfter auch versuchsweise, marge (S du chap. 14, H du chap. 12)
doch mit wenig Glück, ohne das et dans les syst^mes de calices qui se
vierte Blatt verwendet. Einige andere d^veloppent en se recouvrant (H du
Blattformen sind weniger charakte- chap. 12, voir aussi le facsimile).
ristisch. — Antike Einwirkungen,
wie sie die Karolinger-Kultur hinter- scheiden (Eingangs-Randleiste), in
ließ, erkennen wir außer in einigen gewissen Ranken-Gebilden (S Kap.
der genannten Elemente (s. bes. H, 14, H Kap. 12) und Systemen von
Kap. 13) noch besonders in der Kelchen, die sich einer aus und
sicheren Behandlung der Blatt- über dem andern entwickeln (H 12).
7 Meißen. — Anonymi explicatio verborum theologicorum. Acced.
in fine moralia pulcherrima 233 sunt quattuor hoc modo valde
notanda et mente tenenda, tractatus de amicitia et multiplici
specie amicorum, forma degradationis pro aliquo elerico ingenti
crimine reperto, artis memorandi praecepta. Schöne, gut lesbare
Papierhandschrift eines (Mönches?) Donatus Cluge zu Meißen
aus den Jahren 1472—1479 in schwarz und rot mit vielen rot
und blau gemalten Initialen, oft mit Arabesken. 379 unbez.
Blatt Fol. Gleichzeitiger mit Schweinsleder überzogener Holz-
band, mit kleinen eingepreßten gothischen Stempeln verziert
und mit je 4 Eckbeschl|gen aus Messingblech in durchbrochener
Arbeit und mit Schutzbuckeln auf beiden Decken versehen, in
der Mitte der Vorderdecke ein etwas beschädigtes Beschlagstuck
in derselben Ausführung (das der hinteren Decke fehlt). 430.—
Sehr interessantes Manuskript, von ganz besonderer Wichtig-
keit für die Geschichte des Bistums Meissen. Auf der Innen-
seite der Vorderdecke findet sich eingetragen: per me donatum cluge
est conscriptum. Anno ab incarnatione domini nongentesimo fundata est
ecclesia Misnicensis hinc computando usque ad annum praesentem 1472
duravit annis quingentis et 72, cuius ecciesiae episcopi suis propriis
nominibus iuxta successionem temporum hie infra sunt inscripti. Folgt
die Aufzählung von 38 Bischöfen von Meissen, bei fast allen mit Hin-
zufügung charakteristischer Züge aus ihrer Regierungstätigkeit.
Auf Bl. 376 verso: Explicit tractatus de multiplici genere virtutum
amicorum finitus per me donatum 1479.
Karl W« Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330*
10 Manusaripte deatsdun Ursprunges, X.-XV.Jahrh.
Den größten Teil des Manuscripts nimmt die alphabetisch geord-
nete Erklärung der in der katholischen Theologie vorkommenden Wörter
ein, eine Art theologischer Encyklopädie, die aber nur bis zum Buch-
staben L u. dem Worte Luxuria fortgeführt ist Die kleinen Tractate
am Schlüsse, besonders die 233 Sinnsprüche, in deren jedem das Zahl-
wort quattuor vorkommt, sind sprachlich u. inhaltlich von Interesse.
Wertvolles, vorzüglich erhaltenes Manuskript in einem
charakteristischen Einbände der Zeit
8 Palästina. Wohlerhaltene Pergamenthandschrift deutschen
Ursprungs aus dem XIV. Jahrhundert. 184 Bll. in 8., doppelseitig
beschrieben mit je 19 Zeilen. Alter Holzband mit Pergament-
flberzug. Anscheinend ehemals im Besitz des Klosters Hersfeld.
Der Schreiber nennt sich nicht Das Latein ist fehlerhaft, die
Schrift voll von Abkürzungen. 1350. —
Inhalt:
1. Bl. 2b: Windrose mit lateinischen und deutschen Namen.
2. Bl. 3a— 112b: Beschreibung Palästinas und der hl. Orte. Anfang:
Cum in veteribus historiis legamus . . . Ende: Benedictus sit Dens Amen.
Der ungenannte Veri. gibt hauptsächlich auf Orund der Bibel, aber auch
unter Benutzung verschiedener nicht näher bezeichneter Pilgerschriften
einen systematischen Uberblidc über die topographischen Verhältnisse des
hl. Landes unter Hinweis auf die an den einzelnen Orten gesdiehenen
biblischen Ereignisse. Bei Röhricht, Bibl. geogr. Palaestinae anscheinend
nicht erwähnt
3. Bl. 113a— 129b: Epistola presbyteri Johannis. Anfang: Johannes
dictus Presbyter dei gratia rex . . . Frederico imperatori Romano salutem . .
Es handelt sich hier um eine sehr eigenartige Redaktion jenes unter-
geschobenen Briefes, den der sagenhafte Priester Johannes ums Jahr 1165
an den byzantinischen Kaiser Manuel und den abendländischen Kaiser
Friedrich Barbarossa gerichtet haben soll. Der hier vorliegende Text
weicht vollständig ab von dem in den Monum. Oerm. bist XVIII, 579 ff.,
bei Opperi (Der Presbyter Johannes, 1874, S. 168 ff.) und Zamcke (Abh.
d. Kgl. Sachs. Oes. d. Wiss., phil.-hisi Kl. VII, S. 909 ff.) gegebenen und
bedarf deshalb einer näheren Untersuchung. Über die zahlreichen, sehr
von einander abweichenden Handschriften uralter Drucke vgl. Zamcke
a. a. O. S. 872 ff.
4. Bl. 130 a— 145b: Alphabetisches Namenregister zu Nr. 2 mit Angabe
der Seitenzahlen.
5. Bl. 145 b— 176b: De Jerusalem et de totius terre sancte situ et de
distanda locorum et civitatum. Eine Anweisung für Pilger, um die Ent-
fernungen der hl. Orte zu bestimmen.
6. Bl. 176 b— 182b: Alphabetisches Namenregister zu No. 5.
Angebunden ist ein Bruchstück einer lateinischen Pergamenturkunde,
ausgestellt durch Henricus abbas monasterii in Hersevelde. Da keine
Datierung vorhanden ist, läßt sich nicht entscheiden, welcher der 7 Abte
dieses Namens zwischen 1127 u. 1316 gemeint ist
Karl W« Hlcrseinann in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330*
Manttscripte deutsdim Ursprunges. X.-XV*JahHu
11
9 P8alterittmLatiiittm,ca.l240.
KL-4. Schönes Manuscript des
XIII. Jahrh. auf Pergament, äußerst
regelmäßig und schön geschrie-
ben. 20 Zeilen auf jeder Seite,
mit einem prächtig verzierten,
ganzseitigen B am Anfang und
10 großen, ornamentierten Ini-
tialen, reich mit Gold ausge-
schmückt auf blauem und grünem
Grunde, sowie einer Anzahl
kleinerer ornamentierter Initialen
in rot, grün und blau gemalt.
Wohl gleichzeitiger Einband aus
Eichenholz mit Wildleder über-
zogen. 1900.—
Vgl. d. Abbildung Taf. 3.
Das oben erwähnte Buch ist
sorgfältig ausgestattet vermittelst
mannigfacher Linien in verschiedenen
Farben auf goldenem Orund, der
wieder auf einem dunkelblauen
Carr^e-Muster ruht Die Buchstaben
(B) „eatus vir" sind darunter ge-
schrieben, so daß die ganze Seite
ausgefüllt wird. Der erste der gol-
denen Initialen ist ein D auf Bl. 19;
der nächste wieder ein D auf Bl. 31 ;
der 3. ein Q auf Bl. 41 ; der 4. wieder
ein D auf Bl. 42; der 5. ein S auf
Bl. 53; der 6. ein E auf Bl. 67; der
7. ein C auf Bl. 80; der 8. ein D
auf Bl. 82; der 9. ein D auf Bl. 94;
der 10. noch ein D auf Bl. 140. Am
Ende des Buches sind einige Er-
gänzungen hinzugefügt um es zu
einem Gebetbuch zu machen durch
entsprechende Abänderung der
Litanei etc, und zwar sind diese
Eintragungen am Anfang des 14.
Jahrhunderts hinzugefügt worden.
Die Herkunft des Ms. ist nach der
der Notiz auf Bl. 138: „So wer da
wilt eine selig spreche vor di sunde
vnd die lebendige der spreche al se
her na geschreben steit" wahr-
Psalterium Latinum, en-
yiroiil240. Petit iii-4. Beau
manuscrit du Xllle si^ie sur
parchemin, d'une 6criture trfes
r^guii^re. Chaque page a 20
lignes; au commencement se
trouve une admirabie initiale
(B), couvrant entiferement la
page; de plus dix grandes
initiales omement6es, peintes
en rouge, vert ou bleu. Reliure
(du temps?) en ais de bois,
couverte de cuir. 1900.—
Voir U r^roduction pl. 3.
L'initiale B, d dessus mentionn^e,
est soigneusement ex^cut^e en di-
verses Couleurs, sur fond d'or; ce
fond repose sur un omement ^chi-
quet^. Les lettres (B) „eatus vir*'
sont ^crites en bas, de mani^re que
la page est enti^rement remplie. Les
initiales en or repr^sentent: D (f. 19);
D (f. 31); Q (f. 41); D (f. 42); S (f.
53); E (f. 67); C (f. 80); D (f. 82);
D (f. 94); D (f. 140). A la fin du
manuscrit se trouvent quelques ad-
ditions oü le texte des litanies est
chang^, de sorte que Touvrage peut
servir ä la fois de livre de psaumes
et de livre de priores. Ces additions
proviennent du commencement du
14e si^cle. Autant qu'on le peut
juger par une note toite sur le f. 138
„so wer da wilt eine selig spreche
vor di sunde vnd die lebendige der
spreche alse hema geschreben steif,
le manuscrit a ^t^ ^crit dans la con-
\x€t l'ouest de Cologne. II semble
qu'un feuillet ait ^t^ d^jä enlev6
depuis longtemps.
scheinlich etwas westlich von Köln
zu suchen. Ein Blatt scheint schon
in früheren Jahren herausgeschnitten
zu sein.
Karl W« Hiersemann in IxipüZf Könlgfsstrasse 3« Katalog 330«
12
ManusaipU dmtsdien Ursprunges. X.-XV.JahHu
10 SachsenspiegeL Schiassel des Landrechts. Papier. Hand-
schrift des XV. Jahrh. 420 Bl. Deutsch. Fol. Lederholzband.
850.—
Höchst interessante und wertvolle Handschrift des sogen. Sdilüssels
(slossil) des Landrechts, in unbekannter Zeit und von unbekanntem Ver-
fasser geschrieben. Nach Stobbe, Oesch. d. deutschen Rechts, hat sich
das Werk in 15 Handschriften erhalten; die unsrige ist demnach die sechs-
zehnte, Virelche bekannt sein dürfte. Der Verfasser erklärt im Prolog, sein
Werk sei nach drei Richtungen hin ausgearbeitet; virie in einer Summa
seien verschiedene Bücher benützt, wie in Konkordantien seien die zer-
streuten Materien unter bestimmten Rubriken zusammengestellt und wie in
Tabellen nach dem Alphabete geordnet Er habe das Kaiserrecht, d. h.
den Schwabenspiegel und den Sachsenspiegel mit seiner Glosse bearbeitet
und nenne sein Werk Schlüssel des Landrechts, weil es mit Leichtigkeit
den Kasten, in welchem Kaiserrecht u. Sachsenspiegel wie ein Schatz und
in Unordnung liege, öffne und herausnehmen lasse, was man bedarf:
Hirumbe habe ichs genant eynen Slossä des lantrechts wönne das Keyser-
recht vnde der sachschen Spiegel mit der glozen ist gegleiht einem Kasten
do vil edel Schatzes vnde mächerley montze ynne ist vnde durch ein-
ander gemenget ... hat her abir dis buch her mag von stund als mit
eynem slossil vff slissen den Kasten des lantrechts vnde neme doraus,
das em not ist — Darauf folgt die rhytmische Vorrede von 280 Versen
des Sachsenspiegels, welche über die Entstehung desselben einen aus-
führlichen Aufschluß gibt und zugleich die einzige Quelle ist, aus der wir
unsere Nachrichten über den Verfasser und über die Veranlassung des
Werkes entnehmen (vergl. Stobbe, Oesch. des Deutschen Rechts); die
wichtigsten Verse sind:
Nu dancket alle gemeyne
dem von Falkensteyne
der grone her isth genant
dis buch durch seine bete
Eyke von Repschaw is tete
er das aber oberquam
do er aber wmam
So gros des hn' begere
do hette her nye keyne were
des herren liebe en gar vorwan
das her des buches begä
das em was vil vnd zeit geacht
do her is hatte yn latyn brocht
ane hülfe vnd ane lere
do dauchte en das zu swere.
Das her is an deutsch brechte
bys zum letzthen her gegunde
dach des arbetes vnde tet is g'ne
durch des genante herren bete.
Nach dieser gereimten Vorrede folgt die: Olosa ibidem. Oot der do
ist etc Hye hebet her Eyke von Repschaw an do seyn buch eyn deutsch
brochte etc, schliessend mit dem Kapitel: von der h'ren geburth, welches
die sächsische, schwäbische oder fränkische Abkunft der in Sachsen woh-
nenden Herren angibt Nunmehr beginnt der eigentliche Schlüssel des
Landrechts in alphabetischer Anordnung. Den Schluß des Werkes bildet
ein Dankgebet Die Erhaltung des Codex ist bis auf wenige brüchige
Blätter, welche ganz geringen Textverlust aufweisen, eine sehr gute.
Karl W* Hiencmann in htipziZf Königsstrasse 3* Katalog 330*
Tafel 3.
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No. 9. PSALTER. Circa 1240. Niederrheinisch.
Mannscripte deutschen Ur^nmges. X.-XV.Jahrh. 13
1 1 Spiegel menschlicher Behaltnuss. Manuscript auf Pergament
In deutscher Sprache aus dem Ende (wahrscheinl. d. 70 er
Jahre) des XV. Jahrhunderts mit 96 großen, in den ver-
schiedensten Farben ausgeführten Miniaturen. 24 Blatt
zu je 2 Spalten von 35—41 Linien. Fol. 8500.—
Vgl. die Abbildnng Taf. 4.
Hervorragende und in den mannigfachsten Beziehungen
bemerkenswerte Handschrift. Ein hochbedeutsames Dokument
deutscher Miniturmalerei und Schreibkunst aus dem zu Ende
gehenden Mittelalter.
Die Handschrift, welche, so wie sie hier vorliegt, leider nur Bruchstück
ist, weist im allgemeinen den Text der 1476 bei Sorg in Augsburg er-
schienenen Ausgabe des seinerzeit so beliebten und weitverbreiteten Buches
auf. Damit ist nicht gesagt, daß es sich um eine Abschrift des gedruckten
Werkes handelt, denn die Handschrift bietet mehrere Anhaltspunkte, die
einer solchen Annahme zuwideriaufen. Es bleibt also nur die Vermutung
übrig, daß beide, die Handschrift und die Sorg'sche Ausgabe, auf eine
gemeinsame Quelle zurückzuführen sind.
Wir numerieren die 24 Blatt unseres Manuskripts ohne Berücksichtigung
des Fehlenden der Einfachheit halber mit 1—24 und geben nachstehend
die Kollation, indem wir vorausschicken, daß jedes Blatt auf der Vorder-
seite die zweite Hälfte eines und auf der Rückseite den Anfang (erste
Hälfte) des folgenden Kapitels enthält:
Bl. Ir— 6vo: zweite Hälfte des 9. bis zur ersten Hälfte des 15. Kapitels.
Bl. 7r— 17vo: zweite Hälfte des 16. Kapitels bis zur ersten Hälfte des
27. Kapitels. Blatt 18r— 20vo: zweite Hälfte des 29. bis zur ersten Hälfte
des 32. Kapitels. Blatt 21: zweite Hälfte des 31. und erste Hälfte des
34. Kapitels. Blatt 22 und 23: zweite Hälfte des 35. bis zur ersten Hälfte
des 37. Kapitels. Blatt 24: zweite Hälfte des 38. und erste Hälfte des
39. Kapitels.
Vollständig vorhanden sind demnach die Kapitel: 10—14, 17—26, 30, 31,
36, femer die erste Hälfte von Kapitel 15, 27, 23, 34, 37 und 39, sowie
die zweite Hälfte der Kapitel 9, 16, 29, 33, 35, 38.
Wie schon aus der Verteilung der Kapitel auf die einzelnen Blätter
hervorgeht, ist die Handschrift ganz gleichmäßig und einheitlich eingerichtet.
Dies gilt auch bezüglich der Miniaturen, von denen je 2 (ca. 9X10 cm)
den Anfang einer jeden Seite zieren. Bezüglich der Darstellungen muß
auch darauf aufmerksam gemacht werden, daß schon die ganze Anlage
der Miniaturen unserer Handschrift im Vergleich zu den groben Holz-
schnitten der Sorg'schen Ausgaben künstlerisch bedeutend höher steht.
Dem Kolorit nach zu schließen dürfte die Heimat des Manucsripts
und seines Schreibers am Rhein (Köln) zu suchen sein.
Der Text ist rot rubriziert; die Kapitel- Anfänge sind mit roten Initialen
versehen und ebenso die Kapitel-Überschriften und Erklärungen der Minia-
turen im Text in roter Farbe ausgeführt
Karl W* Hiersemann in Leipzigs Könisrsstrasse 3« Katalog 330*
14 Manusaipte deatsdien Ur^nmges. X.-XV.JahHu
Die ganze Handschrift ist außerordentlich deutlich geschrieben und
sehr gut erhalten.
Bei dem engen Zusammenhange, welcher zwischen diesem Werke
und dem lateinischen Speculum Salvationis Humanae besteht, ist
eine kurze Vergleichung nicht zu umgehen. Von den ersten etwa 8 Blät-
tern mit ihren Bildern, die im vorliegenden Ms. fehlen, können wir ab-
sehen; es sind casus Ludferi bis tres magi. Von da ab (tres fortes att
David) stimmen beide in der Reihenfolge wesentlich überein, so daß
unsem Bildern Nr. 33—96 dort fol. 24—39, 55, 40—51, (X), 59, 52, 53
entsprechen, nur daß (an der angekreuzten Stelle) zwei unserer Szenen
89, 90 fehlen, während hier einige der dortigen (Heliodor fol. 39, das
Manna -Wunder fol. 37) vermißt werden. Die ersten 32 Bilder oder
Szenen unseres Ms. finden sich nur zum Teil im Spec. (fol. 54, (X), 60, 61,
56, 57), wohingegen wiederum fol. 58, 62—64 hier keine Enteprechung
haben.
Diese Vergleichung betrifft aber zunächst nur die dargestellten Gegen-
stände im allgemeinen, nicht die bildliche Wiedergabe, welche bei mehr-
fachen Berührungspunkten doch ebensoviele Verschiedenheiten zeigt,
ja zum großen Teile grundverschiedene Kompositionen, wenn nicht gar
einen anders gewählten Moment aufweist Auch wo das gleiche Schema
zu Grunde liegt, ergeben sich oft noch sehr merkwürdige Differenzen
in der Auffassung. Ist es nun auch mißlich, wie schon bei dem Sorg'schen
Drucke unserer Hs. bemerkt wurde, Holzschnitte, selbst die einer vor-
geschrittenen Zeichenkunst wie der des Spec, mit farbigen Miniaturen
nebeneinander zu halten, welche die Deckmalerei und Belichtung mit
voller Sicherheit handhaben, so muß doch zugegeben werden, daß unser
Ms. auch die größere Vertiefung, Urwüchsigkeit und Kraft vor jenem vor-
aus hat Die Fehler beider Werke halten sich im Gleichgewicht: den evi-
denten Naivitäten u. Zeichnungsfehlem der Miniaturen steht dort vielfach
ein Verblassen der Charakteristik gegenüber, mit gedankenlosen, oft routi-
nierten u. gewohnheitsmäßigen Bewegungen, ganz zu geschweigen von der
absonderlichen Vorliebe für eine bestimmte Tracht, so daß Abraham,
David, Simson (38, 39, 40 etc) in Ritterrüstung auftreten. Unser Ms.
strebt überall nach eingehender Charakteristik, selbst auf Kosten der
schönen Linie, und erreicht dabei unverächtliche Wirkungen, so daß das
Krasse mancher Bilder, bes. in den Farben, gern in den Kauf genommen
wird. Schon das bloße Suchen nach eigener Gestaltung, selbst mit ge-
legentlichen Mißgriffen, vermag unser Interesse stets aufs neue zu er-
wecken und rege zu erhalten. Ein durchgehender Unterschied der beiden
alten Illustrationswerice besteht darin, daß unsere Hs. keine Horizont-
linien, nicht bergigen oder sonstigen entfernten Hintergrund angibt, femer
daß sie der Innen-Architektur aus dem Wege geht, während sie sich
in lustigen Bauten und Städtebildern nicht genug tun kann und, wo
diese nur als Seitencoulissen gezeigt werden, vielfach an die Nieder-
ländische Auffassung erinnert Die sonstigen Merkwürdigkeiten in Kos-
tümen usw. werden jedem von selbst auffallen. (Jede Seite hat zu
Oberst zwei Bilder nebeneinander; Oberschriften lateinisch.)
Karl W* Hiencmann in Leipzigs Königfsstrasse 3* Katalog 330*
Manascripte deutsdten Ursprunges. X.-XV.JahHu 15
1. Freiwilliger Opfertod des Kodrus, Königs von Athen.
2. Eleasar von dem turmbewehrten Elephanten der Feinde zertreten,
den er zugleich ersticht (Maccab.).
3. Verspottung des gekreuzigten Christus. Sehr schön Maria u. Johannes;
die Gruppe der Spötter, wie es scheint, ohne bestimmte künstlerische
Tradition.
4. Saul's Tochter Michal (vom oberen Stockwerk eines Hauses aus)
verspottet David, der mit der Harfe vor der Bundeslade geht.
(Vgl. 28).
5. Abraham's Rettung aus dem Feuer der Chaldäer; zu beachten die
Landschaft u. Perspektive.
6. Loth's Auszug aus Sodom.
7. Christus dem Grab entsteigend.
8. Simson, als Riese gebildet, trägt auf seinem Rücken die Stadttore
davon.
9. (Oberschriften links u. rechts vertauscht). Adam u. Eva am Sarge
Abels. Der Mann bäurisch, aber sehr charakteristisch in Haltung
u. Ausdruck.
10. Aus dem Buche Ruth: Naemi's Trauer um ihre Söhne.
11. Christi Grablegung.
12. David's Klage an der Bahre Abner's.
13. Simson (als Jüngling) den Löwen bezwingend.
14. Eglon von Ahud durchbohrt
15. Mater Dolorosa, ans Kreuz gelehnt Von hervorragender Schönheit
in Stellung und dem Arrangement des komplizierten Obergewandes,
sodaß der Zeichenfehler an der Schulter kaum auffällt
16. Judith tödet den Holofemes.
17. Der gute Hirte. Sehr stimmungsvoll, auch in den Farben vorzüg-
lich abgetönt: in dunkler Berglandschaft trägt Jesus (großartige
Gewandfigur In Vi Ansicht, Farben zu beachten) das verirrte Lamm,
dessen Lage sich nur durch den eingefügten Nimbus verschoben hat
18. Elias auf feurigem Wagen zum Himmel fahrend. Selbständiger Ge-
staltungsversuch.
19. Ausgießung des heiligen Geistes. Vortrefflich. Die Versammlung,
die Augen auf Maria gerichtet (am besten Johannes) mit dem Ober-
körper sichtbar, hinter den Zinnen der Stadtmauer; das Ganze in
leuchtenden Farben abstechend gegen das dunkle Hochterrain des
Vordergrundes.
20. Turmbau zu Babel.
21. Abimelech's Tod. Wichtig das Kostüm des Dieners (mit Brustplatte
und Kappe) womit die vollständige Panzerung auf dem nädisten
Bilde zu vergleichen.
22. David's Liebeshändel. Von der Geliebten am Seil heruntergelassen;
rechts die Krieger, die ihn verspotten.
23. ,Filius orat patrem pro nobis^ Christus betend. Die deutsche Er-
klärung etwas abweichend.
24. ,Der fromme Ritter Antipater^ vor dem Kaiser Julian.
25. Vom verlorenen Groschen.
Karl W. Hierscmann in Leipzig, Königsstrasse 3* Katal<^ 330*
16 ManuisaipU deutsdien Ursprunges. X,-XV,Jahrh.
26. David's Frau Michal wird von Saul einem Anderen gegeben. Prächtig
die Hauptfigur (Saul).
27. Krönung Mariae.
28. David musizierend der Bundeslade voranschreitend; in etwas anderer
Auffassung als No. 4.
29. Maria Himmelskönigin; Vision des Johannes.
30. König Salomo und seine Mutter. — Man bemerke in No. 27, 28,
30 die gemusterten Stoffe und ihre Behandlung.
31. Maria Fürbitte. Wegen des Kostüms interessant die erste (linke)
Figur der Gruppe rechts.
32. David oder Joab mit seinen Kriegern vor einer Stadt, im Gespräch
mit einem Weibe (II. Sam. 14 od. 20, 17). Nicht zu übersehen die
Waffen des ersten Kriegers. — Hier fehlt 1 Blatt.
33. David auf dem Thron, dem die drei Männer in Krügen Wasser
bringen. Hier zum ersten Male der schachbrettartig gemusterte Fuß-
boden in grün u. rötiich; vgl. 37, 39.
34. Salomo's Thron.
35. Maria mit dem kleinen Jesus im Tempel Das Kind mit Buch auf
(mit farbiger Leinwand bespannter) Estrade sitzend.
36. Die Bundeslade; in anderer Gestalt als bilsher.
37. Der Kandalaber Salomo's. Hier vielmehr Kronleuchter (vgl. Spec. f. 26).
38. Der Knabe Samuel im Tempel; die Estrade ähnlich 35, in anderer
Musterung. Die Mutter, welche dem Priester Tauben bringt, und
dieser selbst sehr gut in der Behandlung der Gewänder, wie das
ganze Bild sehr glücklich in der Farbenstimmung ist. Pendant zu 35.
39. Flucht nach Ägypten.
40. Bild der Ägyptischen Madonna. Sehr wirksam im Kolorit; beach-
tenswert die Gewandbehandlung.
41. Moses als Knabe zerbricht des Pharao's Krone.
42. Traum Nebukadnezar's.
43. Taufe im Jordan.
44. Das Prachtbecken im Salom. Tempel. Die bildliche Tradition zum
Nachteil des Gegenstandes verlassen.
45. Der aussätzige Naam geheilt.
46. Die Israeliten tragen die Bundeslade trockenen Fußes durch den
Jordan. Kostüme !
47. Christi Versuchung durch den Teufel.
48. Daniel erschlägt den babyl. Drachen.
49. David u. Goliath. Besser die Überlieferung Spec. f. 32.
50. David erschlägt einen Bären und einen Löwen.
51. Christus im Hause Simeon's mit der reuigen Magdalena. Bessere
Komposition als im Spec. f. 33.
52. Der gefesselte König Manasse im Gebet. Am Boden knieend oder
vielmehr hockend. Unvergleichlich viel schöner in Auffassung u.
Durchführung als in dem brutalen Typus Spec. f. 33. Beachtenswert
noch der Faltenwurf des weißen Gewandes.
53. Der verlorene Sohn.
54. David's Reue nach dem Ehebruch (besser als Spec f. 34), mit
Karl W* Hierscmann in Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330*
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Mtmusaipte deutsdten Ursprunges. X.-XV.JahHu \^
Spruchbändern in goth. Schrift (miserere mei etc.), welche aus dem
offenbar alten Bildtypus mit herübergenommen sind.
55. Jesus Einzug in Jerusalem.
56. Jeremias u. die Stadt Jerusalem. Mit Spruchband.
57. Das Passahfest
58. Melchizedek's Gaben an Abraham.
59. Jesus, die Feinde mit seinem Worte niederwerfend.
60. Simson erschlägt die Philister mit des Esels Kinnbacken.
61. Absalon's Tod.
62. Evllmarodoch zerstückelt den Leichnam seines Vaters Nebukadnezar.
63. Kreuzesabnahme.
64. Josephs Brüder bringen dessen Rock vor Jacob.
65. Samgar, die Feinde erschlagend. Rieht 3, 31. 5, 6. (Vgl. a. Jer. 39, 3.)
Die Waffe stereotyp: Spec. f. 40.
66. David erschlägt 800 Mann.
67. Der Judas-Kuß.
68. Joab durchbohrt den Amasas.
69. David vor Saul.
70. Kain erschlägt den Abel mit der Axt
71. Christi Verspottung.
72. Hur der Oatte der Miriam angespien.
73. Noah's Trunkenheit
74. Simson geblendet und verspottet
75. Christus an die Säule gebunden und verspottet
76. E)er Fürst Achior a. e. Baum gefesselt (Judith 6, 8). Besser als Spec. 45.
77. Lamech von seinen bösen Frauen geplagt
78. Hiob von Satan und Frau gepeinigt
79. Christus in der Dornenkrone; über seinem Haupt werden zwei Stabe
kreuzweis gebrochen.
80. Apame, Concubine des Königs Darius gekrönt
81. Simei flucht dem David und wirft nach ihm.
82. Davids Boten schnöde von den Ammonitem behandelt
83. Kreuztragung.
84. Isaac's Opferung (früherer Moment als Spec. f. 49).
85. Der Erbe des Weinbergs (Ev. Matth. 21) von den Knechten getötet
86. Die Kundschafter bringen Riesentrauben aus dem gelobten Lande.
87. Kreuzigung (vgl d. AbbUdting Tif. 4).
88. Kunstfertige Leute der Genesis: Jubal, Tubal-Kain, Lamech (vgl. Tif. 4).
89. Jabel (Jael) tötet den schlafenden Sissera (Rieht 4, 21). Die lat
Oberschrift ungenau.
90. Königin Thamaris (Tomaris) tötet den Cyrus und taucht das Haupt
In den Eimer voll Blut
91. Christus führt die Heiligen aus der Hölle.
92. Moses führt die Israeliten aus Ägypten.
93. Jesaias' martervoller Tod (nach der Legende).
94. König Moab opfert den Sohn an der Stadtmauer.
95. Golgatha: Christus am Kreuz zwischen den beiden Schachern.
96. Nebukadnezar's Traum (zu 42).
Karl W« Hiersemann in Lelptlgf Königsstrasse 3« Katalog 330.
2
18 ManuscripU deatsdutt UrsfHWiges. XVL-XIX.Jahrh.
Manuscripte deutschen Ursprunges«
XVL— XIX, Jahrh.
12 Carichter, Bartholomäus, Arzt, Paracelsist, Leibarzt K. Maxi-
milians II. u. Ferdinands I., geb. Anf. d. XVI. Jahrh. zu Reckingen,
gest um 1574. Ertznei Buch durch herr Bartholomeum von
Reckungen Carichter czu Emell, Königlicher Wird, czu Behem
Doctor beschrieben. 1561. Perg. 154 Bl. 8. Lederbd. 220.—
Schön geschriebenes Manuscript Jede Seite von einer je viermal
wechselnden ornamentiert Holzschnittbordüre in Schrotmanier umrahmt
Auf je 2 Bl. einer jeden Lage befinden sich an der unteren Leiste einmal
die sächsischen Kurschwerter, das andere Mal der Rautenkranz, ein Stunden-
glas etc. Um die rechtsseitige Säule einzelner Bordüren schlingt sich ein
Spruchband m. d. Monogramm IILV. Die Leiste ist offenbar ein Erzeugnis
der Sachs. Holzschnittschule d. 16. Jahrh.
Das sächsische Provenienz verratende Manuscript stammt wahrschein-
lich aus der Zeit, wo Carichter zur Behandlung der kranken Mutter des
Kurfürsten August nach Dresden berufen wurde, u. ist m. Rücksicht auf
die exceptionelle Ausstattung möglicherweise die dem Kurfürsten über-
reichte Original-Handschrift des Verfassers. Jedenfalls geht die Hs. den im
Drucke erschienenen med. Traktaten Carichters voraus. Ober Carichter
s. Hirsch, Biogr. Lexikon d. Arzte I, S. 671, über seine Tätigkeit in Wien,
wo er — in den Akten der med. Fakultät als Bartolomaeus Schwarte recte
Oarichter bezeichnet — als Empiriker verfolgt wurde, vei^gl. Hartl u.
Schrauf, Nachtr. zu Aschbachs Gesch. d. Wiener Univers. I, S. 11, Anm. 37.
13 Danzig. — Wilikuhr der Stadtt Dantzick womach sich jeder-
maniglichen Bürgere vnd Frembde im handeil vnd wandel vnd
sonsten tzu richten vnd zu viehalten haben sollenn. Fol. (Danzig
ca. 1600.) 58.—
102 Blatt sauberes Manuskript, von einer gleichzeitigen Schreiberhand-
schrift angefertigt und das lokale Recht Danzigs enthaltend in mehreren
Kapiteln, u. a.: Von Sdiipffswercke, Schippem etc. — Von Kauffman's
Handeln — Von Freiheitt der wercken vnndt Gilden — Von der Execu-
tionis-Ordnung — Von Testamentt Schicht vndt theilunge — Von Schme-
schrifften. — Vom Weigericht etc
14 Hackhof er, Joh., von der Mahler Kunst. Manuscript von 166 S.
in-4., ca. 1675. Pergt 85.—
Über das Ms. selbst gibt das 1. Vorblatt Auskunft, welches die Notizen
dreier aufeinander folgenden Besitzer trägt Die erste erwähnt, daß der
Maler Joh. Hackhofer auf Kosten des Stifts Voran nach Italien reiste, sich
dort bildete, dann nach s. Rückkehr mehrere Büder für die Kirchen der
Umgegend malte und u. a. dieses Werk hinterließ. Der letzte Besitzer
übernahm das Ms. am 20. Okt 1845. Auf der Innenseite des Vorder-
deckels befindet sich das handschriftl. Ex-Libris: ,Johann Hackhofer Maller
gehörig 1699*'. Die Handschrift selbst ist gleichmäßig und gut leseriich.
Karl W. Hicrscmann in Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330»
Manuscrifdi deutschen Urspruuges. XVL-XlX.Jahrh. 19
Auf Seite 39 schreibt der Verf.: Zu der Zeit, da die Ehr des Bourbonischen
Hauses glänzete und da Ludwig der dreyzehnte .... die macht seiner
faust denen feindten empfindtlich machete .... hab ich dieses weridi aus-
gearbeithet Hierauf folgt die deutsche Obersetzung resp. ein Kommentar
über die Schrift „de arte graphica^ von Ch. A. Dufresnoy (zuerst hrsg.
nach Dufresnoys Tode zu Paris 1668).
15 Leibniz. — Denkschrift für König Ludwig XIV. von Frankreich
über den Plan einer Eroberung von Aegypten in lateinischer
Sprache 1670. Manuscript von 240 Folioseiten nach dem
latein. Original. Vorangeht ein Brief von Konsul Mr. Udney
an Lord Orenville, datiert: Leghorn 16. April 1798 über die fran-
zösische Expedition geg. Aegypten unter General Bonaparte.
380.—
Ums Jahr 1670 trug sich König Ludwig XIV. von Frankreich ernsthaft
mit dem Gedanken eine Expedition gegen Ägypten zu unternehmen und
durch Eroberung dieses Landes und des angrenzenden Palästina und Syrien
ein großes nordafrikanisches Reich unter französischer Oberhoheit zu
gründen. Vorliegende Denkschrift wurde ihm zu diesem Zweck von
Leibniz ausgearbeitet Der Plan kam nicht zur Ausführung und wurde
erst 130 Jahre später von Napoleon I. durch seine Agypt Expedition wieder
aufgenommen.
Vorliegendes Manuscript ist augenscheinlich mit Rücksicht auf diese
Napoleonische Expedition vom englischen auswärtigen Amte hergestellt
worden.
16 Lieb-Opfer, himmlisches, oder geist-reiches Oebett-Buch, wo-
rinnen Morgens, Abends, Mess, Beicht, Communion nebst
anderen Oebettem zu finden. Zusammengetragen 13. X. 1738.
Kalligraphisches Manuscript mit 5 Feder -Zeichnungen
(Landschaften und symbolische Darstellungen), 5 großen deko-
rativen Initialen und einer großen Zahl von kleinen Zierinitialen,
SchlusstQcken etc, sämtlich in feiner Federzeichnung. Jede
Seite mit einer Einfassung. 108 EI. Ledbd. mit Obldpressungen
(etwas beschädigt). 30.—
Das Manuscript scheint nicht ganz vollständig zu sein. Einige Flecke.
17 Marino, Oiambattista. La Murtoleide fischiate del Cavaljer
Marino con la Marineide risate del Murtola al Molt' Illvstre
Sigre mio Colendissmo || Sig. Oiorgio Incuria. Manuscrit de
3 fnc et de 166 pp. 4. Veau de Vipoque; reliure aux dentelles
dans le genre Le Oascon, tr. dorie. Coins fatiguis. Cette belle
reliure est reproduit dans le Bibliophile frangais^ tonte VII,
planche No. 110. MO.—
Le manuscrit a €\€ compos^ par C. Beyer ä Francfort le 20 Aoüt
1626. „Le quali compositioni quantumque di lä dei Monti manuscritte
si leggano no son perö mai uscite alle stampe. Jo ho uoluto publican-
dole farle communi al mondo/' Evidemment notre manuscrit est la
base de l'^dition de Francfort 1626. Voir Hoefer, biographie 780 et suiv.
Karl W* Hicrsemanii in Leipzigs Könlgsstrasse 3« Katalog 330»
2*
20
Manascripte deutsdim ünprangts. XVL-XlX.JahHu
18 Frater Phillppus, Hortulus.
1525 — 31. Lateinische Papier-
handschrift deutschen Ursprungs
aus der 1. Hälfte des 16. Jahr-
hunderts. XVII, 162 BII. in 8«,
beiderseits beschrieben. Gleich-
zeitiger Holzband mit braunem,
Ornament. Lederüberzug. Auf
d. Innenseite der Deckel Bruch-
stücke einer lateinischen Perga-
menthandschrift theolodschen
Inhalts aus dem 14. Jahrh. Auf
El. I ein leider defekter kolorierter
Holzschnitt die Kreuzigung
Christi darstellend, darunter die
Opferung Isaaks und die Auf-
richtung der ehernen Schlange
in der Wüste. Das sehr inter-
essante Manuskript gehörte ehe-
mals dem Kloster Hersfeld und
enthält Kollektaneen eines dorti-
gen Mönches. Den breitesten
äum nimmt naturgemäß die
Theologie ein, doch finden sich
auch zahlreiche Notizen aus den
weltlichen Wissenschaften. Als
Quellen nennt er die Bibel,
mehrere Kirchenväter und zahl-
reiche mittelalteriiche Theologen,
namentl. Bonaventura, Lyra und
Cusanus. Auf den vorgebunde-
nen, unnumerierten Bil. findet
sich ein alphabetisches Register
über das Werk mit Angabe der
betr. Blattzahlen. Auf Bl. XVIa
nennt sich der Verfasser: Collegit
hosce flores fr. Philippus Hers-
feldie minorita Anno Christi 1525
exorsus. Auf Bl. XlVb liest man:
Finis anno dei 1531. 2150. —
Inhalt: 1. Bl. la bis 54a: Opus
nobile quod didtur sententia sen-
tentianim S. Bonaventurae, dictatum
per versus super quatuor libros sen-
tentiarum. Bonaventura, der unter
dem Namen doctor seraphicus ge-
feierte Scholastiker aus dem Franzis-
kanerorden , lebte von 1221—74.
Frater Philippus, Hortulus.
1525 — 31. Latin manuscript
on paper, of German origin,
of the first half of the 16. Cen-
tury. XVII, 162 leaves, 8^
covered with writing on both
sides. Contemporaneous oak
böards, covered with brown
leather. With fragments of a
theological Latin parchment-
manuscript of the 14. Century
on the inner surface of the
Cover. On f. 1 a defectiv
coloured wood engraving, re-
presenting the crucifying of
Christ, thereunder the sacrifice
of Isaac and the erection
of the bronzen serpent in the
desert This most interesting
manuscript belonged formerly
to the monastery of Hersfeld;
it contains literaty extracts
gathered by a monk there. Of
course theology occupies most
room, there are, however, also
numerous notes conceming
the profane knowledge. The
author cites the Holy Scripture,
several patristic writers and
numerous medieval theologi-
ans, especially Bonaventura,
Lyra and Cusanus. The un-
numbered leaves preceding the
manuscript contain an alpha-
betical index. The name of
the author is given on f. XVIa:
Collegit hosce flores fr. Phi-
lippus Hersfeldie minorita Anno
Christi 1525 exorsus. On
f. XIV b is to be read: Finis
anno dei 1531. 2150.—
Contents: 1. f. 1a to 54a: Opus
nobile quod dicitur sententia sen-
tentiarum S. Bonaventurae, dictatum
per versus super quattuor libros
sententiarum. Bonaventura, the
famous scholastic (doctor seraphicus)
lived 1221—74. Each verse is ac-
Karl W* Hierscmann in Leipzig:» Königfsstrasse 3« Katalog: 330»
Manusaipte daäsehen Ursprunges. XVI . - XIX. Jahrh.
21
Neben jedem Verse stehen erläu-
ternde Bemerkungen in Prosa. Am
Ende liest man: Anno dei 1527 in
Treviri (Trier) perfedt Phil. Hersfelt
2. Bl. 54b bis 104b: Indpit theo-
logia naturalis sive liber creaturarum
et sdentia de homine, ein scholasti-
sches Compendium der Naturphilo-
sophie ohne Angabe des Verfassers.
3. BI. 105a bis 112b: Indpit deda-
rado terminorum theologie S. Bona-
venturae.
4. Bl. 113a bis 136b: E nonnullis
Nicolai Cusani opusculis excerpta
(Nicolaus V. Cusa, der berühmte
Kardinal, 1401—64). Die Auszüge
sind vorwiegend theologischen In-
halts, doch finden sich auch astrono-
mische Notizen mit einigen Figuren.
5. Bl. 137a bis 153a: Computus
vulgaris perutile in astronomiam
continens introductorium incipit
Sammlung von Notizen über Astro-
nomie, Geographie, Meteorologie u.
Kalenderwesen mit zahlreichen kolo-
rierten Zeichnungen. Bemerkens-
wert ist auf Bl. 147 b eine kleine,
kreisförmige Erdkarte von 82 mm
Durchmesser. Sie stimmt voll-
kommen überein mit der gleich-
großen Weltkarte auf dem Titel-
blatte der höchst seltenen Druck-
schrift Globus mundi (A^gentorati
1509) beschrieben und reproduziert
bei Nordenskiöld, Faksimile-Atlas,
S. 40) u. ist offenbar nach dieser
kopiert In der linken unteren Ecke
erblickt man einen Teil von Süd-
amerika mit der Inschrift Nova Terra.
Ein erklärender Text auf Bl. 148a
gibt dazu folgende Erläuterung:
Nova terra iam inventa America
appellata situat iuxta Europam et
Africam a latere versus ocddentem.
Diese Bemerkung dürfte um 1528
geschrieben sein.
6. Bl. 154 a— 155b: Transsubstan-
dado panis Eucharistie, eine Dar-
companied by explanatoiy notes in
prose. At the end: Anno dei 1527
in Treviri perfedt Phil. Hersfelt
2. f. 54b to 104b: Incipit theo-
logia naturalis sive liber creaturarum
et scientia de homine; a scholastic
compendium of natural philosophy,
without name of the author.
3. f. 105a to 112b: Indpit deda-
rado terminorum theologie S. Bona-
venturae.
4. f. 113a to 136b: E nonnuUis
Nicolai Cusani opusculis excerpta
(Nicolas of Cusa, the famous Car-
dinal, 1401 to 1464). The extracts
relate in general to theology, but
there are also some astronomical
notes with figures.
5. f. 137a to 153a: Computus
vulgaris perutile in astronomiam
continens introductorium indpit
Extracts conceming astronomy, geo-
graphy, meteorology and almanac-
maJdng, with numerous colou-
red drawings.
On f. 147 b a small drcular map
of the World, diameter 82 mm,
apparently a copy of the map which
is to be Seen on the title-page of
the rarissime „Globus mundi" ( Argen-
torati 1509). The latter is described
and reproduced in „Nordenskiöld,
facsimile-atlas" p. 40. In the left
lower comer is to be seen a portion
of South America with the inscrip-
tion „Nova Terra". The explana-
toiy text on f. 148 a runs thus: Nova
terra iam inventa America appellata
situat iuxta Europam et Africam
a latere versus ocddentem. This
note might have been written about
1528.
6. f. 154 a to 155b: Transsubstan-
dado panis Eucharistie, an exposition
of the Communion.
Karl W. Hiefsemann in Lelptlsff Königsstrasse 3« Katalog 330.
22 Manusaipte deutschen Ursprunges. XVL-XIX.JahHu
Stellung der katholisdien Abend- 7. f. 156a to 162b: Exiracts con-
mahlslehre. cerning anthropology and mediane,
7. BL 156a— 162b: Sammlung with interesiing coloured drawings:
von Notizen anthropologischen und a bleeding-table a head and an
medizinischen Inhalts mit inter- opened human body, showing the
essanten kolorierten Zeichnungen: internal parts; both drawn by Frater
eine Aderlaßtafel, ein Kopf u. ein Philip, 1528; moreover four schema-
geöffneter menschlidier Körper zur tic representations of degrees of
Veranschaulichung der einzelnen relationship : arbor consanguinitatis,
Teile (beide laut Inschrift vom affinitatis, cognationis spiritualis and
Bruder Philipp 1528 gezeichnet), cognationis legalis.
sowie 4 schematische Darstellungen
der verschiedenen Verwandtschafts-
grade: arbor consanguinitatis, affini-
tatis, cognationis spiritualis u. cogna-
tionis legalis.
19 Rahiiy Joh. Heinr^ Eydtgnösische Oeschichten von dem Anfang
des Helvetischen Nahmens bis auff gegenwärtiges Läuffen des
1700. Jahres, aus allerhand sowoll von Hand geschriebene als
auch getruckten Scribenten wie nit weniger den Actis publids
zusammengetragen. Manuscript aus dem Anfang des XVIII.
Jahrhunderts. 3 Tle. Fol. Ober 3000 Seiten. Ppbde. 425.—
Tadellos erhaltene, saubere, gut lesbare Kopie a. d. 18. Jahrhundert
des in der Stadtbibliothek in Zürich befindlichen Originahnanuskriptes
der für die Geschichte der Schweiz außerordentlich wichtigen Rahn'sdien
Chronik, die im 18. Jahrhundert zu den gelesensten Schweizer Chro-
niken gehörte u. in vielen Abschriften in der Schweiz verbreitet war.
Die Exemplare aber sind fast sämtlich mit Ausnahme einiger weniger
in schweizerischen Bibliotheken aufbewahrter zu Grunde gegangen. Die
Chronik gilt noch heute als eine der besten u. zuverlässigsten, beson-
ders in Anbetracht der Ereignisse zu Rahn's Zeit, eines sehr angesehenen
schweizerischen Staatsmannes u. Historikers, geb. 1646, gest 1708. Ver-
gleiche über ihn auch Haller, Bibliothek der Schweizergeschichte IV
No. 457 u. Allgem. Deutsche Biographie XXVIl, S. 173/174. —
Nach dem Beschlüsse des Rats der Stadt Zürich durfte die Chronik
nicht vollistandig gedruckt werden; es erschien nur ein bis zum J. 1689
berichtender kurzer Auszug im J. 1690 in Zürich, der allgemeine An-
erkennung fand u. dem Verfasser ein größeres Geldgeschenk einbrachte.
Meine Handschrift enthält viele von der Zensur im Ori-
ginal nicht genehmigte u. durchstrichene Stellen, so z. B.
nach der Erzählung der Teil-Historie die Zweifel des Verfassers an deren
Glaubwürdigkeit
Teil III, die Jahre 1677—1700 behandelnd, ist von ganz besonderem
Interesse u. dürfte reiche litterarische Ausbeute in historischer u. kultur-
historischer Beziehung geben.
Ausführliche Register zu jedem Teile erleichtem den Gebrauch der
Handschrift
Karl W* Hiersemann In Lelptig^ Königsstrassc 3* Katalog 330«
Manusaipte deutsdten Ursprunges. XVL-XIX.Jahrh. 23
20 Roth, Oeorgius de (Rektor des Oymnasii zu Stade), geogra-
phische Beschreibung der beyden Herzogthfimer Bremen und
Verden. Nebst e. Anh.: Vom Lande Hadeln^ vom Amte Ritz-
bQttel, wie auch von der Insul Hilgeland. Mit e. vollständgen
Register, Fol. (Stade) 1718. Pergt. 160.—
Manuscript von 406 S. u. 16 Blatt, bemerkenswert besonders durch
seinen gleichzeitigen, kunstvoll verzierten Einband: Ein Oanzpeigamentband,
dessen beide Deckel mit roter Grundfarbe bemalt sind; das Mittelfeld zeigt
eine ornamentierte Kartusche in Oold und Silber, welche eine auf einem
Totenkopfe sitzende und mit dem Spiele der Seifenblasen beschäftigte
Kinderfigur (in Ooldpressung) einschließt Das Ganze mit einer
3 cm breiten dunkelbraunen, von Ooldborde begrenzten Einfassung. Den
äußersten Rand bildet eine Umrahmung in der roten Grundfarbe, von
Goldlinien eingefaßt, mit Figuren und Stempeln in Goldpressung geziert
Der Rücken in 5 Feldern mit Ornamenten in Goldpressung. Goldschnitt
Nicht minder interessant ist die Handschrift selbst, eine saubere Kopie
in großem, fließend lesbarem Ductus von der Hand eines geübten Schreibers;
sie enthält auf 406 num. Seiten historisch-topographisch-statist Nachrichten
vom Herzogtum Bremen, von der Stadt Bremen, Stade, Buxtehude, vom
Alten Lande, vom Lande Kedingen, vom Amte Himmelpforten, Neuhaus,
Bremervörde etc. etc. Am Schlüsse 16 Blatt Generalregister.
21 Scheffel, Joseph Victor v., Waldeinsamkeit Dichtung zu
Julius Maraks landwirtschaftlichen Stimmungsbildern, radiert v. E.
Willmann. Folio. Wien 1878. Abschrift des Original-Manuscripts
ausgeführt von Scheffels Sohn, mit mehreren Korrekturen und
Notizen von Scheffel selbst. Beiliegt, durchweg von Scheffels
eigener Hand geschrieben und unterzeichnet: „Vcrlagsvertrag
die Dichtung Waldeinsamkeit von Jos. Victor von Scheffel zu
Karlsruhe betr. mit Kunsthändler Feter Kaeser in Wien und
München" in 6 Paragraphen datiert: Karlsruhe, 21. Juli 1877.
Ferner der Begleitbrief Scheffels zu diesem Verlagsvertrag an
den Verleger Peter Kaeser in München nebst handschriftlichem
Titelblatt seiner Dichtung Waldeinsamkeit und auf dessen Rück-
seite die Worte: „Die Richtigkeit voriiegender Reinschrift und
ihre Übereinstimmung mit dem Manuscript des Verfassers be-
urkundet nach sorgsamer Revision, Durchsicht und Korrektur
der Schreibfehler. Karisruhe, 12. Juli 77, der Verfasser J. Victor
Scheffel." Folio. In Mappe mit Aufschrift von Scheffel. 360. —
22 Schulze, Ernst K. Fr., Dichter der „Bezauberten Rose", geb.
1789 in Celle, gest ebendaselbst 1817. Original-Manuscript
sämtlicher 20 Gesänge des Epos „Cäcilie" und verschiedener
anderer Gedichte, von denen mehrere ungedruckt sind, aus den
Jahren 1810-17. 2200.—
Das umfangreiche Manuscript des bereits im 28. Lebensj. verstor-
benen romantischen Epikers stammt aus dem Nachlasse der Frau von
Berlepsch, geb. Adelheid Tychsen, der Schwester der im Alter von
Karl W. Hiersemann in Leiptig^ Königsstrasse 3. Katalog: 330.
24 Manuscripte deutsdien Ursprunges. XVL-XIX*Jahrh.
18 Jahren verstorbenen und vom Dichter langgeliebten Cädlie, und
derjenigen, auf welche er nach dem Verluste seiner ersten Liebe seine
Neigung übertrug, ohne Erwiderung zu finden. Letzterer, resp. deren
Eltern vermachte daher der Dichter seinen noch vorhandenen Hand-
schriften-Nachlass, der in den oben angebotenen und im Folgenden näher
beschriebenen Stücken bestand, darunter verschiedene an Adelheid ge-
richtete oder sich auf ein Verhältnis zu ihr beziehende Gedichte, welche
bisher nicht zum Abdruck gelangt sind.
Obige wertvolle Sammlung enthält also folgende, verbürgt eigen-
händige, zumeist mit seinem Namenszuge unterzeichnete Ma-
nuskripte des Dichters:
1. Cädlie. Epos in 20 Gesängen, welches in einer Verherrlichung der
früh verstorbenen Geliebten den Sieg des Christentums über die
heidnischen Germanen schildert und reich ist an patriotischen An-
spielungen seiner Zeit Jeder Gesang bildet im Mscr. ein Heft, das
erste trägt die Notiz „Angefangen am 17. Januar 1813'' (Cädlie war
3. Dez. 1812 gestorben), das letzte am Schlüsse „Vollendet den
13. Dezember 1815''. Bouterwek schreibt im Vorwort zu s. Ausgabe
der Cädlie: „Dem Abdruck der Cädlie ist die Handschrift zum Grunde
gelegt, die der Dichter selbst den Eltern der Geliebten, deren Namen
das Gedicht trägt, übergeben hatte." Dies ist das vorliegende Manu-
skript
2. Gedicht (an Cädlie Tychsen gerichtet) mit der Oberschrift: „Se-
bastian Bach. Seiner Verehrerin geweiht Kühne Seglerin, Fantasie,
Wirf ein muthloses Anker hie! Schiller."
„Du Macht des Klanges, empor auf Adlerschwingen ..." 6 Blatt
3. „Du nennst ein Räthsel, nennst verschlossen mich ..." 2 Blatt
4. „Vergebens senkt mein Geist in der Wissenschaft
Verborgenes Reich sich, forschet der alten Zeit . . ."
Auch diese beiden sind an Cädlie Tychsen gerichtet
5. Rezension eines Trauer- und Lustspieles von Karl Thorbecke, mit
einer Blumenlese aus den beiden Stücken. 4 Bl. in 4. Ungedruckt
6. „Lilie." Eine poetische Erzählung. 20 Blatt (in der Ausg. s. i>oet
Werke nicht abgedruckt).
7. „Hero und Leander." Angefangen im Frühling 1810. 6 Bl. in 4
(nicht abgedruckt).
8. Poetisches Tagebuch. Das vorlieg. Msk. enthält alle Lieder mit Aus-
nahme von 4 (28. April 1814; 20. April 1816; 8. Mai 1816; 10. Febr. 1817).
Dagegen finden sich aber 12 weitere Lieder (an Cädliens Schwester
Adelheid gerichtet), welche, mit Ausnahme des ersten, sämtlich bisher
ungedruckt sind.
1 Am 28. Junius 1813:
„Das Blümchen schläft, die Sonne sank . . ."
5 Verse zu je 4 Strophen.
2. Am 10. Januar 1814:
„Geh, Lied der Minne, geh dahin . . ."
5 Verse zu je 4 Strophen.
Karl W* Hicfsemann in Leiptig^ Königsstrassc 3* Katalog 330.
Manusaipte deutschen Ursprunges. XVL-XIX.Jahrh. 25
3. Am 5. Februar 1815:
„Ein leichter Sinn mag oft in neuen Weisen . . J*
4 Verse zu je 8 Strophen.
4. Gesang der Elfen. Am 7. Febr. 1815:
„Aus der winterlichen Halle . . ."
9 Verse zu je 8 Strophen.
5. Am 28. März 1816:
„Könnt ich nur einmal fest ans Herz dich drücken . . .''
2 Verse zu je 8 Strophen.
6. Am 17. Juli 1815:
a) „Wie dürft ich sonst so friedlich mit ihr wallen . . .*^
8 Verse zu je 4 Strophen.
b) „Nimm mir alles, falsches Glück . . .''
2 Verse je 8 Strophen.
7. Canzone am 8. Januar 1817:
„Wie leis und lind in Hainen und auf Auen . . .'^
8 Verse mit je 9 u. 1 Vers mit 4 Strophen.
8. Der Sänger. Obersetzung aus dem Französ. „Le Troubadour^' (un-
datiert):
„Von Lieb entbrannt, von Ehr u. Mut getrieben . . ."
Im Original:
„Brulant d'amour et partant pour la guerre . . .''
4 Verse mit je 8 Strophen.
9. „O süBes Glück, wie lang soll ich mich sehnen . . .''
Obersetzung aus dem französ. Original:
„Ah, que, l'amour auroit pour moi de charmes . . ."
5 Verse mit je 4 Strophen.
10. Am 10. Januar 1817:
„O brich hervor aus deiner leichten Hülle . . .**
14 Strophen.
11. Am 11. Januar 1817:
„Wie hat so schnell die blühenden Gestalten . . .''
2 Verse mit je 14 Strophen.
12. Am 4. Februar 1817:
„Was mir die Liebe beschied, den unendlichen Schmerz der Ent-
sagung . . .''
66 Distichen.
Zu den ungedruckten Stücken gehören noch 3 Gedichte:
9. „Was seh' ich? Ha, ist das nicht Amors Binde . . .''
16 Verse mit je 14 Strophen auf 4 Blatt.
10. „Du, deren Geist auf Farben und auf Tönen
Sich in das Reich der heiigen Kunst erhob . . .''
83 Strophen auf 3 Seiten.
11. „Zarter Liebe leises Sehnen
Sinnend irrst du und allein . . J^
8 Verse mit je 10 Strophen auf 4 Seiten.
Alles Autographen des in der Blüte seiner Schaffenskraft
dahingerafften Dichters, wohl des hervorragendsten Epikers aus
Karl W* Hiersemann in Lciptig^ Königsstrassc 3* Katalog 330.
26 Manuseripte deutsdun Ursprunges. XVL-XlX.Jahrh.
der romantischen Schule; kommen sehr selten vor iL stehen hoch im
Preise; diese Sammlung ist daher, um so mehr als sie viele ungedrudcte
Stficke enthält, ein Unikum ersten Ranges.
23 Schulze, Ernst Konr. Fr., Dichter des Epos „Cädlie^ und der
^Bezauberten Rose"" (geb. 1789 in Celle, gest daselbst 1817),
Sammlung von 85 eigenhändigen Briefen an Adelheid
Tychsen, die ältere Schwester der 1812 im Alter von 18 Jahren
verstorbenen und von ihm heißgeliebten Cäcilie, geschrieben in
der Zeit vom 7/VI 1813 bis 26/V 1816 aus Oöttingen, Celle,
Altenwerder, Buxtehude, Moorburg, Harburg und Holm, davon
39 aus der Zeit vom 22/III bis 15/IX 1814 noch unveröffentlicht
und nirgends abgedruckt — Femer 9 noch ungedruckte eigen-
händige Briefe des Dichters an Adelheids Mutter, die Hofräthin
Tychsen in Oöttingen, geschrieben vom 22/III bis 19/ VIII 1814 aus
Celle, Buxtehude und Moorburg. Im Ganzen 94 Briefe auf 87
Bogen in 8^ 2450.—
Obige sehr wertvolle und hochinteressante Sammlung von Original-
briefen des vielgefeierten Dichters (s. No. 22) stammt aus dem Nach-
lasse der Adressatin, Frau Adelheid von Berlepsch geb. Tychsen und
gelangte durch ihre Enkelin in meinen Besitz.
Diese Briefe des Dichters an Adelheid, auf die er nach dem früh-
zeitigen Tode ihrer jtingeren Schwester Cädlie seine ganze Neigung
übertrug, ohne Erwiderung zu finden, sind von ihrem künstierischen,
wie von ihrem literarischen Werte ganz abgesehen, Dokumente von so
ungemeiner Wahrheit, so großem psychologischen Interesse, wie wir
ihrer in unserer Literatur nicht viele haben. Wir sehen aus ihnen, wie
der Dichter trotz der entschiedenen Zurückweisung, die ihm auf seine
Werbung ein halbes Jahr nach Cädliens Tode von Adelheld zuteil wird,
nicht mehr von ihr lassen kann, sondern sich noch drei Jahre lang in
der schwärmerischsten und hingebungsvollsten Weise um ihre Gegen-
liebe bemüht; denn wie eine fixe Idee beherrscht ihn der Gedanke seiner
Doppelliebe; er darf nur um ein Weib auf Erden werben, die Schwester
der Toten, weil nur dies ihm nicht als Untreue gegen die Tote erscheint,
weil er nur so in der Lebenden auch die Tote immer besitzen zu können
glaubt Als Ersatz für ihre Gegenliebe, die sie ihm nicht schenken kann,
nimmt er dankbar ihre Freundschaft hin, die sie ihm mitleidig gewährt,
und lohnt ihr diese in rückhaltioser Offenheit durch Schilderung seiner
bisherigen Lebensschicksale, seine zahlreichen früheren Liebesaffären nicht
ausgenommen.
Die 85 Briefe an Adelheid, die — ebenso wie die 9 Briefe an ihre
Mutter, die Hofrätin Tychsen — niemals aus den Händen der Familie
gegeben wurden, repräsentieren deshalb einen auBerordentiich hohen
Wert, weil erst 46 von ihnen im Druck veröffentiicht worden sind, sei
es in der Biographie des Dichters von H. Marggraff 1855, sei es von
K. E. Franzos im 16. Bande der „Deutschen Dichtung^' 1894. Dieser Ab-
druck erfolgte auf Grund von Abschriften der Briefe, die sich in dem
vom 8/lX 1811 bis 17/VII 1816 reichenden Tagebuche Ernst Schutzes
Karl W* Hiersemann in Leipzigs Königsstrassc 3* Katalog 330»
Manuscripie engUsdun Ursprunges. XIV. Jahrh. 27
befanden. Eine Vergleichung der Originale mit den im Tagebuche auf-
bewahrten Abschriften zeigt vielfache, wenn auch nicht wesentliche, stili-
stische Abweichungen, die der Dichter nachträglich vorgenommen hat
Marggraff erwähnt in der Vorrede der Biographie (S. 11), daß das
Tagebuch sämtliche Briefe Schutzes an Adelheid Tydisen einschließe.
Diese Angabe ist jedoch nicht zutreffend, da die Eintragungen in dem
Tagebuche von Anfang 1814 bis Mai 1815 eine fast U/|-jährige Lücke auf-
weisen, während gerade aus dem Jahre 1814 vom 22/111 bis 15/IX
39 besonders interessante Briefe des Dichters an Adelheid vorhanden
sind, die mithin in dem Marggraffschen Buche fehlen. Auch Franzos
kennt keinen dieser Briefe.
Die gleichfalls bisher vollständig unbekannten 9 Briefe des Dichters
an die Mutter Adelheids, die Hofrätin Tychsen in Oöttlngen, aus der
Zeit vom 22/III bis 19/VIII 1814 enthalten weiteres wertvolles Material
für eine Ergänzung der Margraffschen und Französischen Mitteilungen.
Diese 48 noch unveröffentlichten Briefe aus dem Jahre 1814, also über
die Hälfte der ganzen Sammlung, sind ganz besonders deshalb von hohem
Interesse, weil sie aus der Zeit stammen, in welcher der Dichter als
Freiwilliger des Beaulieu'schen Jägerkorps im Kampfe gegen Frankreich,
an der Niederelbe, teilnahm.
Alle Briefe sind sehr sorgfältig und leicht leserlich geschrieben, die-
jenigen an Adelheid sind mit E. Seh. unterzeichnet, während die 9 Briefe
an die Hofrätin die volle Unterschrift E. Schulze tragen.
Manuscripte enj^schen Ursprunges.
XIV. Jahrh.
24 Biblialatina: Liber Proverbiorum, Ecclesiastes,Canticuni
Canticorum. Epistola Jacobi, Epistolae I, II Petri, Epis-
tolae I — III Johannis, Epistola Judae, Apocaljrpsis.
Latein. Pergamenthandschrift von 140 Blatt (davon 3 unbeschrieben)
in Fol. aus dem XIV. Jahrhundert mit 6 größeren und vielen
kl. Initialen. Palimpsest. In altem Lederbande (XVIU. Jahrh.)
mit dem Aufdruck: „Proverb. Salom". 320. —
Diese 32x20^/s cm große Handschrift, die, mit den kurzen Ein-
leitungen S. Hieronymi, von einem Interlinear- u. Marginal-Kom-
mentar begleitet ist, stellt ein Palimpsest dar.
An den Rändern, teilweise auch mitten im neuen Texte tritt uns eine
Fülle deutlich lesbarer Reste der ursprünglichen Handschrift entgegen.
Dem eigenartig knieförmigen Duktus nach haben wir hier, voraus-
sichtlich, die Kurzschrift eines latein. kirchl. Textes vor uns, wie sie
im XII. Jahrhundert in England nachweisbar ist Bemerkenswert ist die
Dünne des Pergaments in der Mitte des Blattes gegenüber den, noch die
Karl W« Hiersemann in Ldpxigt Königsstrasse 3* Katalog 330*
28 Manusaipte engUsdim Ursprunges. XVII-XVIlLJahrh.
alten Schriftzeichen tragenden, wenig abgeriebenen Rändern, besonders
zu Anfang der Handschrift
Der Text ist in 3 Columnen geschrieben, von dessen Zeilenköpfen
hin IL wieder blaue u. rote Ausläufer ausgehen.
Die 6 großen und vielen kleinen Initialen sind blau u. rot gehalten,
leicht mit Linien ornamentiert u. zeigen den üblichen Charakter der Hand-
schriften des XIV. Jahrh.
Auf Blatt 11 — 41 sind die Anfangsbuchstaben nuBfarbig hervorgehoben,
ja fehlen z. T. ganz, da eine wohl für später beabsichtigte farbige Aus-
malung derselben unterblieben ist Blatt 1, 42 u. 60 sind leer. Das Per-
gament zeigt viele gestopfte u. ungestopfte Löcher. Die Erhaltung der
alten Handschrift ist vorzüglich.
Manuscripte englischen Ursprunges.
XVIL— XVm. Jahrh.
25 Neumajrr von Ramszla, J. W., The Joumey of John Emest
junior Duke of Saxony etc through France, England and the
Netherland from March 27th 1613 to March lOth 1614 described
by J. W. Neumayr von Ramszla. 4. Leipz. 1620. Hfrz. Deut-
lich geschriebenes Manuscript von 68 Seiten in-4. 60. —
Vorliegendes Manuscript ist eine englische Obersetzung des im Jahr
1620 zu Leipzig erschienenen deutschen Originals und zwar liegt in der
hier vorliegenden Obersetzung nur der Teil vor, der den Aufenthalt des
Prinzen in England behandelt (Seite 159—216 des deutschen Originals).
— Der hier vorliegende Abschnitt gibt interessante Aufschlüsse über die
kirchlichen, politischen und sozialen Verhältnisse Englands unter König
Jacob I., dem Nachfolger der Königin Elisabeth.
26 Palmer, Charies, Some account of, and remarks made in a Tour
throug France and Italy in the years 1739 and 1740, more parti-
culariy relating to the antiquities and paintings of those countries
by Charies Palmer (of Lichfield). 3 vols. in Quarto. Ca. 1750.
Hldr., Pgt u. Kart. Manuscript 120.—
Interessantes Reisejournal, das eingehend Aufschluss gibt über Ge-
mälde, Bauten, Skulpturen, Münzen etc. Italiens u. Frankreichs. Das
Manuscript besteht aus 3 Bänden, von denen 2, welche die Nachweisungen
u. kurze Skizzen enthalten, von des Verfassers eigener Hand sind,
während das ausgeführte umfangreiche Hauptwerk in sauberer Abschrift
vorliegt Zahlreiche Illustrationen, teils aus fremden Werken, teils von
dem Verfasser selbst in Bleistift und Tuschzeichnung ausgeführt, sind
zur Erläuterung der beschriebenen Denkmäler beigegeben.
Karl W* Hiersemann in Ldpxig» Königsstrasse 3* Katalog: 330*
Tafel 5.
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^tiintn cwm*i|*^tlTi(mt>ran»fuii^
tm^oit^ftiwu iny^tiruaitii'rti^llJxi*
No. 27. BIBLIA LATINA. Anfang d. Buches Arnos.
Circa 1280. Französisch.
Tafel 6.
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I^plj o e^^v^ «^
dtnmn<vt0t;cU'tt3antiid«T{eftaf<aM
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itiirf *i»€ttm mothrtM Af*r*iimif-4n^
tifilf* diditÄf*tttiir C5 crValf-ilvtifom
tvUttiaiilchMr* aimiVfiif« Cin«iir*iiAZa
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nt\n tn (j!U tn oni^cdii o ifi i < ttwin
ivf^UuIRt cgpcm Oll ff ctcrh OrniiTT
cSö^ctmii cimtfiaibTriit9.Cttcftr
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No. 27. BIBLIA LATINA. Anfang d. Buches Tobias.
Circa 1280. Französisch.
Manusaipte fmnzösisdim Ur^runges. XIIL—XV.Jahrh.
29
Manuscripte französischen Ursprunges.
Xm.— XV. Jahrh.
27 Biblia Sacra latina, editio
vulgata, cum prologis S. Hiero-
nymi. 8000.—
Vgl. die Abbildungen Taf. 5 n. 6.
Französisches Ms. kl.-4, von ca.
1280; 455 dünne Pergamentblätter.
Sauber geschrieben in kleinen goti-
schen Buchstaben, in zwei Colum-
nen mit 51 Zeilen auf der Seite,
geschmückt mit 66 prächtig gemal-
ten, stilisierten Initialen, 30 davon
mit äußerst feinen Miniaturen, viele
mit langen Rankenausläufem, die
den Rand der Pergamentblätter be-
decken und zahh'eiche Initialen in
Rot und Blau.
Original- Eichenholz- Ein-
band mit Kalbleder überzogen.
In beide Decken ist ein großes
Bild der Madonna mit Kind ein-
gepresst, von einer ornamentierten
Bordüre in Blindpressung umgeben,
die wieder von einer Bordüre um-
schlossen wird, welche die In-
schrift „Jhesus Maria'', in verschie-
dener Weise immer wiederholt, ent-
hält Die Innenseiten der beiden
Deckel sind mit Blättern eines
frühen lateinischen Manuskriptes
beklebt.
Ein Initial ausgeschnitten. —
Manuscripte in ihrem ursprüng-
lichen Oewande kommen sehr sel-
ten vor. — Das vorliegende Stück
In seinem frühen, wohl gleichzei-
tigem Einbände, hat deshalb neben
seinem textlichen und künstleri-
schen noch kunstgewerblichen Wert
28 Biblia sacra latina, editio
vulgata. — Kleine lateinische
Bibel des XIII. Jahrh. mit 80
Miniaturen und reicher Rand-
Verzierung. Französische Arbeit
683 Bi. feinstes Pergament, in
Biblia sacra latina, editio
vulgata, cum prologis S. Hiero-
nymi. 8000.—
Voir les r^roductions pl. 5 et 6.
Manuscrit d'origine frangaise,
petit in-4, environ 1280. 455 feuil-
lets de parchemin. Ecrit en petits
caract^res gothlques, en deux co-
lonnes, chaque page de 51 lignes,
avec 66 tr^s belies initiales, dont
30 sont om^es de miniatures pein-
tes avec la plus grande d^licatesse.
Beaucoup de ces initiales ont de
iongues tiges qui s'^tendent dans
les marges des feuillets. De plus,
beaucoup d'initiales en rouge et
bleu.
Reliure du temps en als de
bois, recouverte en veau. Dans les
deux plats, on a imprim6 unc
grande Image de la Vierge avec
Penfant, entour^e d'une bordure or-
nementde, repouss^ef ä froid ; le tout
dans un encadrement portant en
plusieurs endroits l'inscription
„Jhesus Maria''. Sur la surface In-
terieure des deux plats, on a collö
des feuillets d'un anden manu-
scrit latin.
Une initiale a €i€ enlev^e. Des
manuscrits dans leurs reliures ori-
ginales sont tr^s rares. A cöt^ de
sa valeur litt^raire et artistique, la
präsente pi^ce vaut aussi par Part
avec lequel sa reliure a ii€ falte.
Biblia sacra latina, editio
vulgata. Petite Bible Latine.
Xllle sitele. Avec 80 miniatures
et riches bordures. Origine
fran^aise. 683 feuilles de
parchemin; reliure andenne
Karl W* Hiersemann in Leipzig, Königsstrassc 3* Katalog 330*
30
Manuscripte framösisehen Ursprunges. XllL—XV. Jahrfu
altem dunkelrotem Leder- Ein-
band gleicher Epoche mit Blind-
pressung und Metall-SchlieBen
(eine fehlt). An den Innenseiten
des Deckels je ein Stück Perga-
ment von einer etwa gleichzeitigen
Hs. (Vita Sanctorum mit Neumen)
aufgeklebt; das vordere bei einer
Reparatur zum zweiten Male
befestigt Die beiden ersten
Blätter an der Innenseite voll
ausgemalt; das erste stammt
von einem älteren Ms. (wahrsch.
Brief oder Urkunde mit Unter-
schrift) größeren Formats, von
dessen Schrift die letzten Zeilen
oben und in der Mitte des vor-
liegenden Blattes standen und
wegradiert wurden; dazwischen
wurde geschrieben: In isto libro
cötinetur Textus Biblie cü inter-
pretationibus. In der Mitte der
Seite außerdem eine neuere
Rasur. Man liest dort in neue-
ren Schriftzugen (etwa 1. Hälfte
des XIX. Jahrh.): Codex e Biblio-
theca A (oder M) . . . . publice
divendita imperial, argenteis; dar-
über ist eine Zeile in gleicher
Schrift hinzugefügt, aber aus-
radiert bis auf die Spuren von
rede(mptus). Auf d. 3. Bl. ein
alphabetisches Inhalts-Verzeich-
nis von derselben Hand (XVII.
Jahr.) welcher die Paginierung
des Buches angehört; dieselbe
geht nur bis Bl. 628; unberück-
sichtigt bleibt das umfangreiche
erklärende Namensverzeichnis
des H. Hieronymus wie im Re-
gister die Einleitung, welche aus
mehreren prologi des H. Hiero-
nymus besteht: (Erat Ambrosius
— in lateos transferre sermonem).
Format 15X10 cm. 12000.—
Vgl. d. Abbildg. Taf. 7.
Solche ganz kleine Bibeln wurden
im Laufe des XIII. Jahrh. gar manche
de r^poque, en cuir rouge, re-
poussage ä froid et fermoirs
dont un manque. Sur chacune
des surfaces int^rieures de la
reliure on a coll6 un morceau
de parchemin d'un manuscrit
de ce temps (vita sanctorum
ä neumes). Les deux premi^res
feuilles sont enti^rement colo-
ri^es sur les deux cöt^s qui
se r^^ardent, la premi^re fut
d'un manuscrit ancien (appa-
remment lettre ou document
sign£) d'un format plus grand.
Les lignes finales du texte de
cette feuille ont £t£ ratur^es
et, ä leur place, on lit mainte-
nant: in isto libro cötinetur
textus Biblie cü interpretatio-
nibus. Au centre de la page,
on apergoit aussi un grattage
plus r^cent On y lit quelques
traits trac£s ä la plume, 6gale-
ment d'origine r^cente (environ
premi^e moiti^ du 19 si^cle):
Codex e bibliotheca A (ou M)
publice divendita imperial.
argentds. Au dessus, une
ligne ajoutte par la m€me main,
a tit gratt^ en suite, sauf
les traces de red[emptus]. La
3e feuille contient l'index alpha-
b^tique de la m6me main (17e
si^e) qui a pagin^ le livre.
La pagination ne va que
jusqu'ä la p. 628; la liste expli-
cative des noms de St J^rome
n'est pas pagin^e, comme
d'autre part Tintroduction (se
composant de plusieurs pro-
logi de St. J6rome) n'est pas
mentionn^e dans l'index cit£.
Orandeur 15X10 centim.
12000.—
Voir Im r^rodnction pl. 7.
De telles petites bibles ont 6t6
6crites assez souvent au 13^ si^de,
Karl W« Hiersemann In Leiptig^ Kftnlgsstrassc 3* Katalog 330.
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Manuscripte französischen Ursprunges, Xlll.-XV.Jahrh.
31
geschrieben, doch werden sich nicht
allzuviele Exemplare vorfinden, wel-
che von Anfang bis zu Ende so
gleichmäßig und sauber geschrieben
sind, ohne Flecke und Rasuren, ohne
Spuren der Ermüdung oder Zerstreut-
heit, ohne Vertauschung von Blatt-
lagen beim Zusammenheften und
was dgl. mehr; aber auch wenige
von so tadelloser Erhaltung, ohne
Recke, Risse, fehlende Blätter. Der
Text in zwei Columnen zu 47 Zeilen
geschrieben, in ebenso sichererund
scharfer wie eleganter friih-gothischer
Schrift, trotz der Kleinheit einen
breiten, opulenten Rand lassend, an
welchem man noch kleinere, fast
mikroskopische Notizen bemerkt,
schon dieser ist geeignet, das Ent-
zücken jedes Bücherfreundes zu er-
regen. Dazu kommt der vielfache,
mit großer Delicatesse verteilte
Farbenschmuck in Federzeichnung
und in Malerei, welcher sich durch
das ganze voluminöse Buch hindurch-
zieht Die ersteren Zeichnungen
smd in Blau und Rot gehalten, den-
selben Farben, welche auch in den
Seiten- und Kapitel - Oberschriften
abwechseln, doch lediglich in Haar-
strichen, die von einer stärkeren
Wurzel, gewöhnlich einem ver-
längerten Buchstaben ausgehen.
Lang ausfahrend gehen diese feinen
Linien bis fast an den unteren Rand
der Seite, wo sie unter leichten
Windungen oft auch, wohl der Quere
nach, umbiegend frei endigen. An
sie setzen sich seitlich, der Länge
nach, etwa nach dem Prinzip des
»laufenden Hundes« kahn- oder
schlittenförmige Figuren an, die wie
Sägen eng gezahnt (genauer ge-
strichelt) oder mit Fähnchen besetzt
sind wie halbierte Palmetten oder
Zweige; im Abschluß nach unten
vervollständigt solche Figur sich
zum trockenen Zweig- oder Fisch-
mais on ne trouve pas beau-
coup d'exemplaires qui soient ex6-
cut^s d'un bout ä Fautre avec
la m^me exactitude et r^gularit€,
sans tache in grattage, sans qu'on
puisse remarquer que T^crivain
ait €i€ fatigu^ ou distrait; on ne
trouve ^alement que peu d'exem-
plaires d'une conservation aussi
parfaite, sans tache, d^chirure ni
lacune. Le texte est ^crit en 2co-
lonnes ä 47 lignes, en caract^res
gothiques tr^s fins et tr^s ^l^gants.
Malgr^ la petitesse des lettres,
le livre a une marge tr^ large,
dans laquelle on voit des notes
encore plus petites, presque micros-
copiques. Tout cela offrira ä Tama-
teur un tr^s vif attrait. L'ornement
tr^s riche et d^licat de notre ma-
nuscrit se compose de dessins ä la
plume ainsi que de peintures et se
continue dans tout Touvrage, qui
est volumineux.
Les dessins ä la plume sont
execut^s en bleu et rouge (1^
memes couleurs ont servi ä ^crire
les titres) en d^li^s sortant ordi-
nairement d'une lettre allong^e.
Ces traits fins s'^tendent ä peu
pr^s jusqu'ä la marge inf^rieure
de la page, oü ils finissent
en fins contours auxquels sont
attaches des motifs semblables ä
des bateaux ou des traineaux, ceux-
ci finement dentel^s ou gamis de
petits drapeaux. Quand la struc-
ture de l'ornement est plus serr6e,
surtout lorsqu'il croit vers le haut,
eile donne plutöt Timpression de
plantes, poussant vers le haut, d'au-
tant plus qu' apparaissent partout
de petits ramifications. Tout cela
est repr^sent^ ä Taide d'un entor-
tillement de lignes fines sans aucun
dement v6g^tal (feuilles etc.).
Les grandes initiales repr^sen-
tent un autre genre, elles sont
Karl W. Hicfscmann in Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330.
32
Maimscripte framösisehen Ursprunges. XIIL-XV.Jahrh.
graten-Muster. Bei gedrängterem
Oefüge, besonders nach aufwärts,
entsteht das Bild von aufschießenden
Pflanzen, zumal kleine Ranken sich
überall leicht ansetzen. Jedoch dies
nur mit Hülfe zierlichen, durch-
sichtigen Linien -Oekräusels, ohne
daß jemals Blätter oder andere vega-
tabUische Elemente sich einmischen.
~ Anderer Art sind die großen in
allerlei Farben ausgemalten Initialen,
welche häufig ein Miniaturbild ent-
halten; so gleich am Eingang der
schreibende Mönch, offenbar St Hie-
ronymus; doch in der Regel Illu-
strationen zu den biblischen Szenen.
Nicht wenige dieser Büdtypen
haben auch sonst existiert, suid
aber nicht immer so getreu wieder-
gegeben worden. (So z. B. kann
man Bibeln gleicher Herkunft sehen,
wo bei dem Opfer Anfg. Leviticus
bei sonst genauer Übereinstimmung
eine der beiden wesentlichen Figuren
fehlt). Die Figur überschneidet
manchmal das innere Oefüge des
Buchstabens. Andererseits haben
in besonders großen Buchstaben
zwei dieser zierlichen Szenen Platz
gefunden; oder endlich mehrere
solcher sind übereinander zu einer
Randleiste vereinigt Die ersten
beiden Blätter sind an der Innen-
seite gänzlich ausgemalt, mit je
4 Bildern in Mandelform und einem
fünften in der Mitte. Alles in einer
Art von gothischem Rahmen werk;
unterhalb jedesmal die Figur eines
betenden Mönches. Auch bei diesen
kleinen figürlichen Malereien des
Buches spielt die Feder eine gewisse
Rolle, namentlich bei der Zeichnung
der Gesichter. Die Initialen mit
ihrem farbig gefüllten Innengrunde
stehen auf besonderem, andersfar-
bigen Grunde, meistens blauem, mit
winzigen weißen Punktgruppen; ihr
Gerüst wird durch kleine Kreise
peintes en diverses couleurs et ren-
ferment souvent une miniature, p.
ex., au commencement du llvre un
moine ^crivant, apparemment St
J^rome; en g^n^ral, cependant,
elles repr^sentent des seines bibli-
ques.
Beaucoup de types Olustratifs se
trouvent aussi ailleurs, mais n'ont
pas toujours ^t^ reproduits aussi
fid^lement; on connait par exemple
des bibles de la m€me origine
oü, dans la repr^sentation de
Toffrande, commenct Leviticus, ü
manque un des deux personnages.
Parfois la figure coupe le centre
des lettres, d'autre part on voit
deux de ces seines renferm^es par
une seule grande lettre, ou bien
plusleurs mlniatures sont r^unies en
une bordure.
Chacune des deux premi^res
feuilles contient quatre petites
Images (qui ont la forme d'une
amande) et une dnqui^me au
centre, le tout entour^ d'une sorte
de cadre gothique. Au-dessous de
ces Images on voit un moine
priant Ces petites pelntures ont
€i€ aussi en partie ex6cut6es ä l'aide
de la plume, surtout en ce qui
conceme les visages.
Les initiales sont peintes sur
un fond colori^, le plus souvent
bleu avec des points blanc; la
lettre proprement dite est agr^-
ment^e de petits cerdes ou boulet-
tes ou de longues ^querres; la par-
tie Interieure est orn^e de grandes
volutes et spirales. Aux extr^mit^s
on voit de petites tßtes d'ani-
maux et, parfois, l'^bauche d'une
feuflle.
La bordure est d^cor^e de longs
Corps d'animaux empruntant la for-
me de l^zards ou de serpents, sur-
mont^s parfois de t^tes humaines.
Karl W* Hiersetnann in Leip^rig» Königsstrasse 3* Katalog 330«
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Manuscripte französischen Ursprunges. XIII,-XV,Jahrh.
33
oder Kfigelchen, oder durch lange
aneinandergeschobene Winkelhaken
"^ belebt, das Innere durch große
Voluten und Spiralen geziert An
den Endpunkten erblickt man oft
kleine Tierköpfe, selten, und dann
wenig ausgeprägt, Andeutungen
eines Blattes. Die Randleiste ist
öfter mit langen eidechsenartigen
Tierleibem oder auch Schlangen
verziert, wobei nicht selten mensch-
liche Köpfe verwendet werden.
Trotz des kleinen Maßstabes ist in
ausgiebigem Maße Oold und Silber
verwendet worden, für Gewänder
und Ornamente besonders. Ober-
haupt bekundet sich in diesen
kleinen Bildern ein lebhafter Farben-
sinn, wobei blau, braun, kirsch-rot
und karmoisin vorwiegen, nebst
einer ganzen Reihe von Halbtönen
(grau, matt violett, ganz helles
Braun), wohmgegen grün nur sehr
spärlich, außer im Eingang, gelb
gar nicht vorkommt
Am unteren Rande des zweiten
Textblattes steht in derselben blassen
Tinte und der Schrift, wie sie der
Titel (In isto) zeigt, ein Vermerk,
welcher etwa Azilini ver: doäorfis)
beginnt und mit excudit zu schließen
scheint; eine genaue Entzifferung
würde das Interesse dieses in jeder
Hinsicht kostbaren Ms. wahrschein-
lich noch erhöhen.
29 Biblia latina, iuxta Hieronymi translationem cum cammentario.
Das Alte Testament Manuscript auf feinem Pergament; franzö-
sische Arbeit des XIII. Jahrhunderts. 449 Bll. (ursprünglich 472)
mit 92 reizenden Miniaturen, Initialen u. Randleisten in Farben u.
Gold, außer den zahllosen kleinen rotblauen Initialen und dem
in gleicher Weise ornamentierten Randschmuck in Federzeichnung,
der sich durch das ganze Volumen zieht. In drei Columnen
geschrieben. Text in d, Mitte in etwas größerer Schrift als der
Commentar, mit vielen kleinen u. kleinsten Randnoten: Alles in dem
Bleichen stilvollen, wunderbar scharf geprägten frühgotischen
chriftcharakter. Bei 7 Ell« sind Stücke aus d. Text, bei 5 solche
aus dem unteren weißen Rande herausgeschnitten. Sonst aus-
Karl W* Hiersemann in IMpzi^p Königfsstrasse 3« Katalog 330«
3
Dans ces iUustrations, pourtant d6ja
petites, on a souvent appliqu^ de
Tor et de Pargent, surtout dans
les ornements et dans les v^te-
ments.
Les peintures sont remarquables
pour leur richesse de coloris;
on voit surtout du bleu, du
brun, du rouge cerise, du rouge
cramoisi et un certain nombre de
demi-teintes (gris, violet, brun
dair) ; la cöuleur verte ne s'y trouvc
que rarement (sauf au commence-
ment) et le jaune ne s'y trouve
pas du tout
Dans la marge inf^rieure de la
deuxi^me feuille du texte on 11t
(^crit avec la m^me encre matte
et de la m^me main qui a trac6
le titre „in isto" etc.) une note,
commen^nt peut-^tre par Azilini
ver: doctor(i8) et finissant, selon
les apparances, par excudit Le
d^chiffrement de ce passage au-
gmenteralt certainement l'intdr^tde
ce manuscrit pr^cieux.
34 Manuscripte franxösisdim Ursprunges. XUL-XV. Jahrtu
gezeichnet gut und sauber erhalten bis auf den schadhaften Ein-
band aus späterer Zeit Oberer Rand beschnitten. 449 BI.
Fol Ldr. 10800.—
Vgl. (Ue Abbilditiig Tif. 8.
Inhalt: 5 B. Mos., Jostta, Richter, Ruth, Könige in 4 Büchern (ein-
schließend die 2 B. Samuel.), Paralipomena (Chronik.), Esdra u. Nehemia,
dann das seltene III. Buch Esra (unter dem Titel liber sec.), Tobias, Judith,
Esther, Hiob, Psalter, Sprüche, Prediger, Jesaias, Jeremias u. von den
Klageliedern die ersten 2 Kap. mit ihren je 22 Versen, welche mit den
Buchstaben-Namen des hebr. Alphabets Aleph, Beth etc. markiert sind;
endlich das B. Baruch. Im Eingang u. zu den Büchern die praefationes. Der
fortlaufende, oft sehr anschwellende Kommentar ist wohl die glossa ordinaria.
Die Anmut der französ. Buchmalerei seit dem XIII. Jahrh. ist bekannt
und muß auch in ihrer Zeit ihre Wirkung nicht verfehlt haben; sonst
würde sie nicht nach England und nach der östlichen Nachbarschaft hin-
übergegriffen haben. Doch sind ihre Nachahmungen leicht zu ^^ennen.
Das vorliegnde Ms. zeigt den Stil des XIII. Jahrh. in seiner originalsten
u. genialsten Gestalt Die langen schmalen, der Länge nach gestreiften,
umgebogenen, oder sonst wie gegliederten Leisten, endigen in quer ab-
stehenden 21acken, die an Möbelarbeit erinnern, öfter ausgebogenen Tisch-
füßen vergleichbar, aber ungleich und unsymmetrisch: in den Profilen
macht sich bereits im Zusammenstoß der kurzen, konkaven Kurven das
Stachelige, Domige bemerkbar, welches diesem Stil auch späterhin eigen
bleibt Von Pflanzenteilen ist hier noch keine Rede. Andere Randleisten,
kürzer und breiter, bieten Innendekoration und zwar fortlaufende Ranken,
je 2 nacheinander in verschiedener Färbung, jede mit 3 Schößlingen, die
nach dem Schema a, b, a, zurück- oder vorwärtsrollende Bewegung haben.
Das Leisten werk ist von allerlei munteren, drolligen Figürchen belebt:
spitzhütigen Männlein mit wunderlichen Leibern, Hunden, Hasen, Katzen,
Vögeln, musizierenden Affen, bald hockend, bald im Spiel oder Streit
miteinander; Knaben mit Hundsleibem oder mit Bocksbeinen, geige-
spielend oder mit der Armbrust oft nach ganz entfernten Tieren Pfefle
abschnellend, die man dann in der Luft fliegen sieht — Die biblischen
Szenen, 26 an der Zahl, finden sich auf Bl. 1, 27, 49, 68, 109, 130, 133,
143, 153, 175, 185, 196, 200, 206, 209, 213, 218, 233. 249 (Doppelbild),
269, 301, 320, 348, 429, 444. Sie bewegen sich, innerhalb des Buch-
staben-Oerüstes, auf einem blauen oder weinroten Grunde, welcher netz-
artig in der Weise gemustert ist, daß kleine Quadrate (mit Punkt dar-
innen) durch diagonale Eckfäden zusammengehalten werden. Mit welcher
äußersten Feinheit die Figürchen und namentlich die Gesichter in diesem
Stil gezeichnet werden, weiß man zur Genüge. Wenn dabei manchmal
der Ausdruck zu lebhaft gerät, so läßt sich diese Übertreibung bei den
vorliegenden Miniaturen und ihren zahlreichen Figuren nicht oder höchst
selten bemerken. Dabei sind die Bewegungen maßvoll u. doch sprechend.
Von den Darstellungen interessieren in künstlerischer Hinsicht wohl am
meisten die am Anfg. d. Kön., Hannah im Tempel, der auf dem Pfühl
ruhende König u. das ihm zugeführte junge Weib El. 153, der inbrünstig
betende König 185, der Perserkönig, dem der betrübte Nehemia den
Karl W* Hiersemann In Ldpzigf Königsstrasse 3* Katalog 330*
Manascripte flwtxösisehen Ursprunges. XUL-XV.Jahriu 35
goldenen Becher (Deckelgefäß) darreicht 200, der neue Tempel, welcher
gemalt wird 206, Judith u. Holophemes 213, der Tod des Jesaias 348.
Die zahlreichen Initialen lassen das Gerüst, welches anidem gern durch
(meist kirschbraunen) Lack technisch fixiert wird, deutlich hervor-
treten, trotz der reichen Omamentierung, deren Mannigfaltigkeit man be-
sonders da zu bewundern Gelegenheit hat, wo derselbe Buchstabe sich
mehrmals auf derselben Seite befmdet, was gerade hier, bei den gleichen
Anfängen in Text u. Kommentar, häufig der Fall. In den Dekorations-
motiven herrschen Voluten u. Spiralfiguren vor, sowie herz- und brezel-
förmige Verrankungen; den Ausgangspunkt bildet oft eine Fabelfigur,
tierischer oder menschlicher Art Für eine der biblischen Szenen mit
Randleiste, welche aber nicht zur Ausführung gekommen, ist auf BL 88
Platz gelassen. All diese Malereien halten sich überwiegend in dunkeln
Farbentönen, blau, weinrot, kirschbraun, grün, und auch das reichlich
verwendete Gold ist hier dunkler als sonst Für diese Tendenz war die
übrige Ausstattung des Buches maßgebend, nämlich die hellrot u« blau
gehaltene Illuminierung von Text u. Rändern, gegen welche nur durch ge-
dämpfte Farben aufzukommen war. Dieser Teil der Arbeit, welchen nicht
der Maler, sondern der Schreiber besorgte, trägt ein ganz verschiedenes
ornamentales Gepräge, wie schon die Buchstabenformen andere sind,
u. z. B. niemals das D in Form eines O mit Haken links oben begegnet
Diese feinllnige Feder-Ornamentik der frzös. Hss. der Zeit mit ihrem
ganz kurz gehaltenen Gräten-, Feder-, Kräusel- und Sägewerk, welches
immer wieder neu einsetzend die endlosen Grundlinien begleitet, bis
diese sich unten in seitlichen Schnörkeln verlieren: sie braucht nicht aufs
Neue beschrieben zu werden. Bemerkenswert sind außer den schraffierten
Kügelchen, welche sich hier oft an die Ränder ansetzen, abwechsehid mit
flatternden, kurzen Fäden, die originellen Buchstaben -Füllungen (z. B.
C 101), sowie die Flechtbänder und Sägemotive quer im Texte, endlich die
schrägen Buchstaben-Ausläufer 55 v., 391, 392, 401, 419.
30 Brttnetto Latin!» le Tresor. Branetto Latin!, le tr^sor.
Handschrift des XIV. Jahr- Manuscrit du XIVc sifede, fol.,
Hunderts in Folio, französi- d'origine fran^ise, demi-reliure
sehen Ursprungs, in einem en cuir du XVIIle si^e. 176
Halblederband des XVIII. Jahr- feuillets, pour la plupart en
hunderts, enthaltend 176 doppel- papier, en partie en par-
seitig beschriebene BL, meist chemin, Berits sur chacune des
Papier, zum Teil aber auch deux pages, avec texte fran^ais,
Pergament, mit französischem pr^c^d^s de 8 feuillets, sur
Text, vom eingeheftet außerdem lesquels les titres de chapitres
8 Bl. mit einem Verzeichnis der sont Berits en Italien , d'une
Kapitelüberschriften in italieni- main du XVlIle sitele. Qud-
scher Sprache von einer Hand ques feuillets sont un peu
des XVIll. Jahrhdts. Einige Bl. tach^s d'eau, d'autres portent
zeigen Wasserflecken, andere Oe- des traces d'usure ou sont
brauchsspuren u. ausgebesserte am^lior^s par endroits. Plu-
Stellen. Auf einigen Seiten be- sieurs pages portent un cachet
Katl W* Hiersemann In Leipxigf Könlgfsstraise 3» Katalog: 330*
36
Manuseripte finnxösisdtm Ursprunges. XIIL-XV.Jahrh.
findet sich ein etwas verwischter
Stempel m. . d. Wappen eines
früheren Besitzers, Kardinals
Albani.
Brunetto Latini, der be-
rühmte Florentiner Staatsmann,
Gelehrte und Dichter (1230—94),
wurde 1260 als Anhänger der
Guelfenpartei aus seiner Vater-
stadt verbannt und wandte sich
nach Frankreich, wo er unter
dem Titel „Tresor" eine Encyclo-
pädie des Oesamtwissens seiner
Zeit verfaßte, die nicht nur
durch ihren Inhalt, sondern auch
als französisches Sprachdenkmal
interessant ist Die hier vor-
li^ende Handschrift stimmt im
Wesentlichen mit dem Texte
überein, den Chabaille nach
der besten Pariser Handschrift
veröffentlicht hat (Li livres dou
Tresor, Paris 1863), doch fehlen
ihr die Kap. 92 und 94 bis 99
des 1. Buches dieser Ausgabe,
enthaltend die Geschichte der
letzten Hohenstaufen, sowie die
Kap. II bis VII des Anhangs. Da-
g^en findet sich das in den
meisten Handschriften fehlende
Kap. I des Anhangs. Zum Teil
sind die Kapitel etwas anders
abgeteilt als in dem Druck, ^zum
Teil schwanken auch die Über-
schriften. Das Werk zerfällt in
3 Bücher. Das 1. enthält die
Lehre vom Ursprung der Dinge,
einen Oberblick der biblischen
u. Profan-Geschichte, die Anthro-
pologie, Meteorologie, Astro-
nomie, Geographie, Architektur
und Naturgeschichte; das 2. die
natürliche und christliche Ethik,
das 3. die Rhetorik und Politik.
Im 1 1 1. Kap. des 1. Buches findet
sich eine berühmte Stelle
über den Kompaß. Die hier
vorliegende Handschrift
un peu effac£, montrant les
armes d'un possesseur ant^
rieur: le Cardinal Albani.
Brunetto Latini, le c^l&bre
homme d' £tat florentin, savant
et poite (1230—94) fut exil6
en 1260 comme adh^rent du
parti guelfe, et se rendit en
France, oü il ^crivit sous le
titre de „trfesor" une encyclo-
p^die des connaissances uni-
verselles de son temps, int^
ressant non seulement pour
son contenu, mais aussi comme
monument de la langue fran-
^aise.
Le präsent manuscrit corre-
spond en g6n£ral au texte que
Chabaille a publik d'apr^s
le meilleur manuscrit conserv^
ä Paris (li livres dou Tresor,
Paris 1863); il manque cepen-
dant les chapitres 92 et 94 ä
99 du Premier livre de cette
Edition (contenant Fhistoire
des demiers rejetons de la
race des Hohenstaufen), et les
chapitres II ä VII du Supplement
En revanche, on y trouve le
Premier chapitre du suppl^men^
manquant dans la plupart des
manuscrits. En ce qui conceme
la division des chapitres et
leurs titres, le manuscrit diff&re
en divers points de l'^dition
imprim^e.
L'ouvrage se compose de
trois livres: le premier con-
tient Torigine de toutes cho-
ses, un r£sum£ de Fhistoire
sainte et profane, Tanthro-
pologie, la m^ttorologie, l'astro-
nomie, la g^ographie, Tarchi-
tecture et rhistoire naturelle;
le deuxi^me contient la morale
naturelle et chr^tienne; le troi-
si^me, la rh^torique et le poli-
tique. Dans le llle chapitre
iCarl W. Hiersemann in Lcipzi?» Könlgsstrasse 3« Katalog 330.
Manusaipte framösischm Ursprunges. XUL-XV.Jahrh.
37
zeichnet sich vor den
meisten andern durch mehr
als 200 Abbildungen in
kolorierter Federzeichnung
aus, welche zur Erläuterung des
Textes dienen sollen. Von Inter-
esse sind vor allem die An-
sichten von Tieren und von
astronomischen Vorgängen, so-
wie die kulturhistorisch wich-,
tigen und auch als Trachtenbilder
merkwürdigen Darstellungen von
Vorgängen des bürgerlichen und
politischen Lebens im 3. Buche.
6500.—
31 Horae Beatae Mariae Vir-
ginis, et alia officia in usum
Romanum, cum calendario. Kl. 4^.
Reich illuminiertes Ms. auf
schönem Pergament, ca. 1480.
312 Bll. (einige fehlen) sauber
geschrieben, in sogen, lettres
oätardes, von einem Franzosen,
18 Zeilen auf jeder Seite, fast
jedes Blatt ist mit einer schönen
Längsbordüre, zieriiches Ranken-
werk darstellend, geschmückt.
13 Seiten sind vollständig um-
rahmt von prächtigen, reich ver-
zierten Bordüren, Laubwerk mit
Vögeln, Tiere und Grotesken
darstellend. Femer sind darin
enthalten 38 große Initialen mit
schönen, kleinen Miniaturen,
welche Heilige darstellen, und
ca. 2190 große, mittlere und
kleine reich illuminierte und
ornamentierte Initialen auf gol-
denem, rotem und blauem Grunde,
vielfach mit weiß gehöht Altes
französisches Kalbleder mit Gold-
schnitt, mit dem Ex-Libris des
Duke of Sussex und Edward
Hailstone's. Breite Ränder, gut
erhalten. 3200.—
Inhalt: Kalender; Gebete für die
Passionszeit; Gebete zur Verehrung
du |er livre on trouve un passage
fameux relatif au compas.
Le präsent manuscrit se
distingue de tous les autres
par le grand nombre de des-
sins ä la plume colori^s
aui illustrent le texte (plus
e 200). Les repr^sentations
d'animaux et d'^v^nements
astronomiques, offrent surtout
un int^rSt particulier, ainsi que
les seines de la vie priv6e et
publique qui se trouvent dans
le 3e livre. 6500.—
Horae beatae Mariae
Virginis, et aha officia in
usum Romanum, cum calen-
dario. Pet-in 4®. Manuscrit
trßs richement enlumin^ sur
fin parchemin, de 1480environ.
312 feuillets (qq. ff. manquent);
£crit en lettres bätardes, par
un Francis. Chaque page a
18 lignes; presque chaque
feuillet est om6 d'une belle
bordure longitudinale; 13 pages
sont entour^es de tous cöt^s
de tr^s riches encadrements
(feuillage anim6 d'oiseaux,
d'autres animaux et de grotes-
ques). De plus, 38 grandes
initiales, avec belles petites
miniatures repr^sentant des
saints et environ 2190 grandes,
moyennes et petites initiales
richement omementßes, sur
fond d'or, rouge ou, bleu,
souvent rehauss^es de blanc
Ancienne reliure fran^ise en
veau, tranches dor^es, avec
ex-libris du Duke of Sussex
et d'Edward Hailstone. Gran-
des marges; bien conserv&
3200--
Contenu: Calendrier. Prides
de la passion. Priores ä la Saintc
Karl W. Hiersemaim In Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330.
38
MoHuseripte franxäsisdim Ursprunges. XUL-XV, Jahrh.
des hl. Kreuzes; Oebete an den
hl. Oeist; Messe f. d. Jungfrau
Maria; die vier Evangelien; Oebete
an die Jungfrau Maria; Oebete an
«..? (das erste Blatt fehlt); Oe-
bete an die Jungfrau Maria; Li-
tanei und weitere Oebete an die
Jungfrau Maria; 38 Oebete als Oe-
dächtnisfeier für die verschiedenen
Heiligen, jedes mit einer kleinen
Miniatur; die sieben Bußpsalmen;
d. Litanei; Psalm d. hl. Hieronymus
und Psalmen der Passionszeit etc.
Centum medltadones cum cen-
tum petidonibus drca passionem.
Verschiedene Oebete an die Jung-
frau Maria, eine große Anzahl da-
von in französischer Sprache. Ordo
Mortuorum in brevi compendio.
Memoriae und verschiedene Oe-
bete in lateinischer u. französischer
Sprache von verschiedenen Schrei-
bern. Das Ms. stammt aus Nord-
Ost-Frankreich. Im Kalender sind
Amandus und Vedastus, Dionysius,
Martin etc. in goldenen Buchstaben
aufgeführt, und in der Litanei wer-
den Audomar, Bertin, Bavo, Ursula
angerufen. Es ist audi ein Oedächt-
nisblatt für den Hl. Jodocus vor-
handen. Die ursprünglich vor jeder
Abteilung befindlichen Miniaturen
sind herausgeschnitten u. nur die klei-
nen noch vorhanden, dadurch ist
jedoch der Text des Manuscriptes,
das in vorzüglicher Erhaltung ist,
nicht berührt worden, mit einer ein-
zigen Ausnahme. Einige besonders
fein ausgeführte Bordüren sind mit
Tieren ornamentiert; in einem Falle
sieht man einen Affen mit einem
Bären Schach spielen, femer sind
dargestellt Vögel, Pfauen etc.
Trotz der kleinen Mängel
ein schönes, auch künstlerisch
sehr gutes Manuscripi — Be-
sonders für die Entstehung u.
Entwickelung der Typen, so-
Croix. Priores ä PEsprit Saint
Messe pour la Vierge. Les quatre
^vangiles. Priores ä la Vierge.
Priores ä ? (manque le premier
feuOlet). Priores ä la Vierge. Les
litanies et d'autres priores ä la
Vierge. 38 Priores en memoire de
divers saints, diacune avec une
petite miniature. Les 7 psaumes p€-
nitentiaires. Les litanies. Psaume
de St J6rome et psaumes pour la
Passion etc. Centum Meditadones
cum centum petidonibus drca pas-
sionem. Diverses priores ä la
Vierge, dont une grande partie en
fran^is. Ordo mortuorum in brevi
compendio. Memoriae et diverses
priores en latin et en frangais,
Gentes par diverses mains.
Le manuscrit provient du nord-
est de la France. Dans le Calen-
drier, les noms d' Amandus, de
Vedastus, Dionysius, Martin etc.
sont Berits en or, et dans les lita-
nies les Saints Audomar, Bavo,
Berlin et Ursula sont invoqu^s. On
trouve aussi un feuillet en memoire
de St Jodocus. Les grandes mi-
niatures qui pr^c^daient chaque
division ont Üi enlev6es. Toutes
les petites existent encore Sans
que le texte alt ^t^ endommagi
— sauf une seule exception. Quel-
ques bordures, ex6cut^es avec un
soin particulier, sont illustr6es de
figures d'animaux; on voit, p. ex.,
un singe jouant aux ^checs avec
un ours, etc.
Belle et interessante pi^ce,
malgr^ les petits d^fauts.
Elle est surtout importante en
ce qui concerne le d^velop-
pement de l'^criture et Part
ornemental du livre.
wie für die eigentliche Buch
(Manuskript) -Ornamentik
sehr beachtenswertes Stück.
Karl W* Hiefsemann In Ldpxlg, Königsstrasse 3« Katalog 330*
Manusaipte fiünxösisdim Ur^nuiges. XIIL-XV.Jahrh.
39
32 Horae Beatae Vir^nia Ma-
riae cum calendario. Kl. 4^.
Schön illuminiertes Ms. auf Per-
gament (ca. 1350—1380) mit
gothischen Buchstaben rot und
schwarz geschrieben, 118 BlU
jede Seite zu 15 Zeilen, mit 9
schönen Miniaturen, jede mit
einer großen, ornamentierten
Initiale auf Goldgrunde und um-
geben von einer hübschen, reich
verzierten Bordüre in Epheublatt-
Muster. Darin femer 33 große,
133 mittlere und ca. 730 kleine
Initialen, alle hübsch stilisiert
und ornamentiert, die großen
und mittleren fast alle mit einer
ganzseitigen oder auch kleineren
Epheu-Ranke versehen. Dunkel-
violetter Samteinband mit Gold-
schnitt 22000.—
Vgl. d. AbbUdff. Taf. 9.
Ein schönes Livre d'heures
in lateinischer Sprache, zweifellos
französ., speziell Pariser Schule,
mit entzückenden Bordürenge-
schmückt, In der Art jener Mss., die
von damaligen Künstlern für den
Duc de Berry hergestellt wurden.
Inhalt: Kalender (in franz. Spra-
che); die vier Evangelien; Obse-
cro te und O intemerata; d. Leiden
d. hl. Katharina u. d. hl. Marga«
rethe; Oebete an die Jungfrau Ma-
ria; die sieben Bußpsalmen u. d.
Litanei; Oebete an den hl. Oelst
Les Qulnze Joyes de Notre Dame
und Les Cinq Requestes de Notre
Seigneur (in französ. Sprache);
Totenmesse.
Die neun Miniaturen, alle auf
wunderbarem, bunten Hintergrund
(eine auf Oddgrund) stellen dar:
Maria m. Kind; d. hL Katha-
rina; d. hl. Margarethe; die Ver-
kündigung; Christus als „Salvator
Mundi''; die Kreuzigung; die Aus-
gießung d. hL Geistes; Maria m.
Horae Beatae Virginia
Mariae cum calendario.
Petit in-4. Manuscrit sur par-
chemin, environ 1350 ä 1380
en caract&res gothiques rouges
et noirs; 118 feuillets, chaque
page avec 15 lignes. Con-
tenant 9 belies miniatureSy
chacune avec une grande ini-
tiale omement^e sur fond d'or
et entourße d'une riche bor-
dure de lierre; de plus, 33
grandes, 133 moyennes, et
environ 730 petites initiales*
Les grandes et moyennes ini-
tiales sont presque toutes
accompagn^es d'un rameau de
lierre plus ou moins £tendu.
Reliure en velours violet;
tranches dor^es. 22000.—
Voir U reproduction pl. 9.
Tr^s beau livre d'heures
en latin, sans doute d'origine fran-
9aise (^cole de Paris); avec des bor-
dures ravissantes dans le genre des
artistes qui ont travaill^ pour le Duc
de Beny.
II se compose de:
Calendrier, en fran^ais; les quatre
6vangiles; »obsecro te< et »O inte-
merata«; le martyre de Ste. Cathe-
therine et de Ste. Marguerite; priores
ä TEsprit Saint, les 15 joyes de
Notre Dame et les dnq »requestes«
de Notre Seigneur (en frän^ais);
messe fun^bre.
Les 9 miniatures, dont 8 sur
fond de couleurs vari^es et une sur
fond d'or, repr6sentent:
Vierge avec Tenfant; Ste. Cathe-
rine; Ste. Marguerite; l'annondation;
Le Christ comme »salvator mundi« ;
le crudfiement; la descente du St
Esprit; la VIeige avec Penfant (autre
repr6sentatlon); sc^ne fun^bre. Le
fond des miniatures, qui est 6chiquet^
est en bleu, rouge, ou rehau8s6 de
Karl W* Hicff emann In Leipzig, Könlgsstrasse 3« Katalog 330.
40
Manuscripte französisdim Ursprunges. XUL-XV. Jahrlu
Kind (ganz verschiedene Darstel-
lung von der ersten); eine Begräb-
nis-Szene.
Reizvoll ist das bei den Dar-
stellungen (in den Miniaturen) für
den Hintergrund verwendete
Schachbrett-Ornament, in dem
Blau und Rot, weiß gehöht, mit
Oold wechselt Nur die vorletzte
Miniatur: Maria m. Kind, hat nicht
das Schachbrett-Ornament als Hin-
tergrund, sondern im oberen Teile
der Miniatur ist ein goldener Hin-
tergrund m. stilisierten Blattoma-
menten; die untere Hälfte stellt
einen Wiesengrund mit Blumen dar.
Verschiedene der Miniaturen zeich-
nen sidi durch interessantes Bei-
werlc aus, einige haben auch den
bekannten landschaftlichen
Typus dieses großartigen Miniators.
Einen weiteren ganz außer-
gewöhnlichen und entzücken-
den Schmuck bilden die Bor-
düren, welche die Schrift zum Teil
ganz umrahmen, zum Teil nur den
Rand ausfüllen. Sie bestehen aus
vegetabilischen Ranken, die mit-
unter in Drachenformen auslaufen.
Die Blätter — es ist das dreigeteilte,
spitz lanzettenförmige Domblatt
verwendet — wechseln in der Farbe
zwischen Gold, Rot und Blau mit
Weiß gehöht, wie es auch sonst
im Codex Regel ist Die Ranken
werden abwechselnd blau und vio-
lett geführt Der Schluß der Ab-
schnitte ist durch lineare oder vege-
tabilische Ornamente auf Goldgrund
bezeichnet, der Anfang derselben
durch kleinere oder größere Ini-
tialen. Blau oder rosafarben hebt
sich der Kern des Buchstaben, mit
feinen weißen Ornamenten über-
sponnen, von dem Goldgrunde ab,
gefüllt und mit seinen Enden in
reiches, buntes Blattomament aus-
laufend. Diese Miniaturhand-
blanc Le fond de Tavant-demlire
miniature cependant (vieige avec
enfant) montre dans la partie sup^
rieure un feuillage artifidel, et, dans
la partie inf^rieure, un pr6 ^maill^
de fleurs. Plusieurs miniatures ren-
ferment des paysages, comme on"
les voit dans les autres oeuvres de
cette to>le.
Les ravissantes bordures
forment un omement tout ä fait
hors ligne de cette pi^ce prtöeuse.
Elles entourent le texte de tous
cöt^s, ou remplissent seulement la
marge ä droite ou ä gauche. Ces
bordures se composent de tiges ä
feuOles ^pineuses, en or, rouge ou
bleu, rehauss^es de blanc. Les
tiges elles-m^mes sont peintes en
bleu et violet A la fin de diaque
division du texte on voit des ome-
ments unfaires ou v^g^taux sur
fond d'or, tandis qu'au commence-
ment se trouvent des initiales de
diverses grandeurs. Le centre de
la letb-e, en bleu ou rose sur fond
d'or, est couvert de fins omements
blancs et se prolonge en un riche
feuillage.
Ce manuscrit est une pi^ce
admirable; les miniatures sont
ex^cut^es avec une finesse
extraordinaire, et les bor-
dures, d'une vari6t^ 6ton-
nante, sont 'peintes avec une
delicatesse extreme.
Le calendrier, en Fran^ais, [est
toit en rouge et noir. Dans les
litanies, St Corentin, St Ivo et
St Louis sont invoqu^s. Le manu-
scrit est pr6c6d6 d'un feuület de
parchemin, portant deux priores
6crites de deux mains diff6rentes
du 15e si^de, l'une ä St Adrien,
contre les plaies et la mort impr^
vue, Tautre ä la Vierge, ä St Au-
gustin, St Michel, St Nicolas et ä
tous les saints. Autant qu'on peut
Karl W« Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330*
Tafel 9.
No. 32. HORAE B. VIRGINIS. Die Madonna.
2. Hälfte des XIV. Jahrh. Französisch.
Manusaipte französischm Ursprunges. XHl.-XV. Jahrh.
41
Schrift ist als eine Perle zu be-
zeichnen. Mitwunderbarer Feinheit
und künstlerischem Geschick sind
die einzelnen Miniaturen entworfen
und ausgeführt, jede ein Kunstwerk
für sich bildend, während die Bor-
düren mit bewunderswerter Sorg-
falt, in reicher Abwechselung und
vornehmer Gediegenheit gezogen
sind und für den sauber geschrie-
benen, reich geschmückten Text
eine prächtige Umrahmung bilden.
Der Kalender, in französ.
Sprache, in Rot und Schwarz ge-
sdirieben, ist mit den Namen von
Heiligen angefüllt. In der Litanei
werden angerufen der hl. Corentin,
d. hl. Ivo u. d. hl. Ludwig. Dem
Buch ist ein Pergamentblatt vor-
geheftet, auf das zwei Gebete ge-
schrieben sind in verschiedener
Handschrift des 15. Jahrhunderts,
eins an den hl. Adrian gegen die
Plagen und plötzlichen Tod, das
juger de la demi^re pri^re, le livre
a appartenu ä une femme.
Cette pi^ce pleine de charme
et de beaut6, est un v^ritable
chef-d'oeuvre de l'^cole ä la-
quelle eile appartieni Elle est
tr^s bien conserv^e.
andere an die Jungfrau Maria, d.
hl. Augustin, d. hl. Michael den
Erzengel, den hl. Nikolaus und an
alle anderen Heiligen. Aus dem
letzteren Gebet ist zu ersehen, daß
das Buch einer Frau gehörte.
Ein wirklich erstklassiges,
wundervolles Stück, würdig
der Periode, in der es herge-
stellt wurde.
In sehr guter Erhaltung.
Drei Miniaturen sind ein wenig
restauriert, ohne daß die Schönheit
darunter leidet
33 Konzept- u. Kopialbuch des öffentl. Notars Bernard Oay
in Loudun. Papier. XV. Jahrh. (1497—1500). Ut 90 Bl. 4.
Prgt-Umschlag (Urk. a. d. J. 1462). 280,—
Kultur- u. wirtschaftsgeschichtUch sehr interessante Sammlung von
Konzepten u. Kopien verschiedener in der Kanzlei Oays („in botigia
mea") legalis. Urkunden, Kauf- und Verkaufskontrakte, Tauschtrans-
aktionen etc
Proc^s-verbal des actes l^galis^es par Bemard Oay, notaire publique
ä Loudun (Dep. Vienne) 1497—1500. EVun grand int^röt historique.
34 Le roman de la rose (commenc^ par Guillaume de Lorris et
achev6 par Jean de Meung). Perg. XIV. Jahrh. 160 Bl. KI.-F0I.
Altfranzös. Lederbd. 6800,—
Schöne Hs. des betr. Romans a. d. XIV. Jahrh. m. 14 sehr inter-
essanten Miniaturen in der Größe von 35x70 mm, auf Goldgrund,
grün, blau und grau gemalt
Beginnt fol. la:
Meintes gens cuident que en songes
Nalt se fables non et mensonges.
Mees on puet tel songes songer,
Qui ne sont mie mensoogier.
Der Lorris'sche Text schließt fol. 31a:
Si en ai duel et desconfort
Karl W« Hiersemann in Leiptigr Königsstlrasse 3. Katalog 330»
42 Manuscripti franxösisiken Ursprunges* Xlll.-XV.Jahrh.
James niert rien qui me fort
Si je pert votre bien veillance.
Car je nai mes ailleurs fiance etc.
Hierauf folgt — eingeleitet von einer Miniatur, den schreiben-
den Autor Jean de Meung darstellend — die Fortsetzung von
Meung, die foL 160b mit:
Par grant iol iuete cueilli
La fleur du bien rosier fueilli
Ainsi oi la rose vermeille;
A tant fu Jour et Je mes veille
schließt Darunter u. in der 2. Kolumne Schlußverse von einer Hand
des 16. Jahrh.:
„Par la grant hayne d'anverse
Qui de dans faul semblant converse
Fu Clopinel aux camps couvert
Pour ceu quil et voir descouverf ' etc.
Einige Bll. am weißen Pergamentrand, — 1 u. 2 mit geringem Textver-
lust — ergänzt, doch ist das Manuscript im großen u. ganzen vor-
züglich erhalten, die Miniaturen frisch in der Farbe, mit zahlr. rot
u. blau gezeichneten kleineren Initialen.
35 Libellus precuin cum hymnis, laudibus et psalmis. Perg.
XV. Jahrh. Ut 187 Bl. 12. Mod. Ldb. m. Schi. 2200,—
12 Bll. Kalendarium u. 175 Bll. Officium.
Herrlich ausgestattetes livre d'heures m. 10 blattgroßen, von
fein ausgeführter Blumenbordüre umgebenen Miniaturen, Darstel-
lungen aus der Lebens- u. Leidensgeschichte Christi etc., 13 größeren
ornamentierten und reich mit Oold gehöhten Initialen, von einer ähn-
lichen Bordüre umrahmt, endlich zahlr. kleineren farbigen u. goldge-
höhten Initialen. Die Bordüren sind am Rande etwas knapp beschnitten.
Die ganze Anlage und Ausführung des künstlerischen Schmuckes verrät
die geübte Hand eines hervorragenden französ. Miniaturisten.
Süperbe livre d'heures du XV^ si^de, l'ceuvre d'un miniaturiste
fran^s, om^ de 10 miniatures avec de riches bordures compos^es de
fleurs et de 13 initiales en or et en couleurs.
36 Liber precum. Pergament- Handschrift aus der 2. Hälfte des
XV. Jahrh., burgund.-franz. Ursprunges, in-4, in latein. Sprache.
137 doppelseit beschriebene Blätter mit 3 großen u. 20 (deinen
Miniaturen, 13 größeren u. ca. 1500 kl. Initialen u. Bordüren. In
altem, braunen Lederbande m. Schließen. 2600. —
Dies liber precum besteht aus 2 in Schriftart u. Alter durchaus
verschiedenen Handschriften. Die leeren Blattränder der eigentlichen
in gotischer Schrift hergestellten, bürg. -französ. Handschrift weisen auf
Blatt 1—53, 131—137 Eintragungen späterer Zeit auf. Es sind das die
auf der ersten Seite vermerkten: orationes propriae Sanctorum pro
Canonids regularibus S. Augustini congregationis Windesementis,
also besondere, aus dem 18. Jahrhundert stammende und im Augustiner^
Karl W« Hiersenuum in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330«
ManaseripU fianxösisdtm Ur^nmges. XIÜ.-XV.JahHu 43
Kloster zu Windesheim (Holland) gebräuchliche Oebete für die Kalender-
Heiligen. Die Eintragungen, mit dem Kirchenjahr (Advent, Dezember)
beginnend, enthalten die Oebete in kalendarischer Reihenfolge, hin u.
wieder mit holländischen Ritual-Vorschriften versehen.
Auf der ersten Seite ist unter der Eintragung: Religiosa et nobilis
virgo 1598 der Name der ehemaligen Besitzerin ausgeschnitten, eine
spätere Eintragung eines der letzten Besitzer vermutet, daß es s. Z.
Anne Marie, Erbtruchseß zu Fürstenberg gehört haben soll.
Der Inhalt der Handschrift ist folgender: 1. Titelblatt, dann das übliche
Kalendarium mit den Kalenderheiligen (bis Blatt 13). Horae Sanctae
Cruds mit 1 großen u. 6 kleinen Miniaturen (bis Bl. 21), Horae de
Sancto Spiritu (bis Bl. 24), Missa de Beata Maria Virgine, mit den übl.
Evangelien-Anfängen (bis Bl. 37), Horae Beatae Mariae Virginis secun-
dum usum ecdesiae Romanae, mit 1 gr. Miniatur (bis Bl. 51), dann
die „Landes'' (bis Bl. 71), Vesperae (bis Bl. 76), Completorium mit
14 kl. Miniaturen, die Heiligen darsi (bis Bl. 93), Bußgebete mit Litanei
(David) mit 1 großen Miniatur (bis 81.108), Vigiliae mortuonim (bis BL 137).
Die 3 blattgroßen Miniaturen stellen dar: 1. (Blatt 14) Christus
am Kreuz. Zu Füßen des Kreuzes stehen Maria in blauem, Johannes
in rotem Oewande, beide mit Nimbus. Im Hintergrunde die Mauer von
Jerusalem. IL (Blatt 38): Verkündigung Mariae. Maria, in blauem
Oewande mit Nimbus, vor einer Bank kniend, empfängt von dem durch
die offene Tür hereintretenden Engel die Verkündigung (Interieur einer
mittelalterL Bauernstube). III. (Blatt 94): David's Buße. Der König
in gelbem Oewande u. darüberhängendem roten Mantel kniet auf grüner
Wiese im Oebet versunken. Rechts oben Oott der Herr sichtbar. Im
Hintergrunde die Türme von Jerusalem. Reich mit Blumen u. Früchten
in lebhaften Farben dekorierte Rahmen umgeben diese 3 blattgroßen
Miniaturen, die besonders in ikonogr. Beziehung bemerkenswert sind.
Von den 20 kleinen Miniaturen schildern die ersten 6 Episoden aus
der Passionsgeschichte, die anderen stellen dar: Die hlge. Dreieinigkeit,
St Michael, Johannes den Täufer, St Christophorus, St Aduanus, St.
Sebastian, St Anthonius, St Nicolas, Sta. Anna, Sta. Catharina, Sta. Bar-
bara, Sta. Magdalena, Sta. Appolonia, Sta. Maria Magdalena, alle mit
ihren Attributen. Diese kleinen Miniaturen sind zierliche, flott in lebhaften
Deckfarben gemalte u. mit einem Ooldrand umrahmte kleine Bildchen.
Zur Ausschmückung des in braunschwarzer Schrift (mit rot einge-
fügten Ritual- Vorschriften) gehaltenen Textes sind ca. 1500 kleine Ini-
tialen verwandt Diese heben sich mit leuchtendem Ooldkem, oft
noch durch farbige, mit weißen Lichtem versehene Ornamente geziert,
von blauem oder rotem Orunde ab.
Ein weiterer Schmuck sind die jede Seite abschließenden prächtigen
Bordüren. Stilisierte blau u. rote Zweige, die von unten oder oben
ausgehen, verlaufen allmählich in ein ebenfals stilis. Blätter, Blumen
u. Früchte darstellendes Rankenwerk, das in den lebhaftesten, frischesten
Farben gemalt ist
Einen besonderen künstl. Wert haben die 13 Kapitel-Anfänge: Eine
große (3x3 cm) Initiale mit rotem und blauem, von feinen weißen Ran-
Karl W« Hicnemaim fn Leiptig» KAnlgsstf asse 3* Katalog 330.
44
Manuscripte französisdien Ursprunges. XIIL-XV.Jahrh.
kenoraamenten übersponnenen Kern in hellgrauem Gründe führt hier
den Text ein, der noch durch einen gold u. farbig gehaltenen Zier-
streifen eingerahmt ist Umgeben wird dieser Rahmen von einer hier
bis an den Blattrand gehenden, besonders reich ornamentierten Bordtire,
die in ähnlicher Weise, wie beun Texte, nur viel farbenprächtiger, in
ihrem Rankenwerk allerlei hiibsch gezeichnete Vögel bu^
Abgesehen davon, daß auf Blatt 1 der Name der ersten Besitzerin,
auf Blatt 9, 128, 130, 136, 137 die Bordüren herausgeschnitten sind, ist
die Erhaltung der Handschrift eine gute. Auf Blatt 108 ist der Text
von den Augustiner-Mönchen später ergänzt, sonst ist die Handschrift
lückenlos. Der Einband weist zahlreiche Wurmstiche auf.
37 Liyre d'heures. — Manuscript
auf Velinpapier aus dem XV.
Jahrh.(ca.l450). Text von 133 ff.
in Lateinisch (Maß der Seiten
18X12 cm). Brauner Maroquin-
einband, durchbrochene, franzö-
sische Arbeit aus dem XVI. Jh.,
mit reicher Ooldpressung. (Nico-
las oder Clovis Eve?). 6800.—
Vgl. d. Abbildungen Taf. 10 n. 11.
Manuscript, dem nördlichen
Frankreich entstammend, wahr-
scheinlich in Ronen entstanden. Es
beginnt mit dem Kalender (an dem
ein Blau [März und April] fehlt)
auf 5 Blättern. Jedes ist mit einer
reichen Bordüre von Blumen- und
Frucht - Ornamenten in Oold und
in Farben und mit zwei kleinen
Miniaturen, darstellend die Embleme
der Monate und die Zeichen des
Tierkreises, geschmückt
Auf Fol 127 findet sich das Por-
trät der Dame, für die das Buch ge-
malt ist Es ist eine weltliche Frau,
keine geistliche, sie kniet vor der
Madonna. Vielleicht hieß sie mit
Vornamen Barbara, da das Oebet
an die hl. Barbara sich zunächst
von diesem Bilde befindet und auf
der entsprechenden Randfigur (fol.
126) ein BB angebracht ist
Auf jeder Seite befindet sich eine
Seitenbordüre von Blumen- und
Fruchtomamenten in Farben auf
goldenem Grunde (Größe 8,5x2,7
Livre d'heures. — Manu-
scrit sur väin, datant du
XVe slfecle (ca. 1450). Texte
en latin de 133 ff. (mesure des
pages 18X12 cm). Reliure en
maroquin brun, d£cor6e d'ome-
ments de fleurs en or, et
d£coup£e, laissant voir le dessus
en papier rouge, dos omL
Remarquable sp^cimen d'une
reliure fran^aise du XVIe si^e.
(Nicolas ou Clovis Eve?)
6800.—
Voir les r^productions pL 10 et 11.
Manuscrit d'origine frangaise.
U commence par le calendrier (au-
quel manque 1 feuillet pour les
mois Mars et Avril) sur 5 feuilletSi
diacun avec une riche bordure d'or-
nements, de fleurs et de fruits en
or et en couleurs, et d^cor^ de
deux petites miniatures, repr68en-
tant les embl^mes des mois et les
signes du zodiaque.
Au folio 127 se trouve le Por-
trait de la dame pour laquelle le
livre a ^t^ peint C'est une femme
du monde; ce n'est pas une reli-
gieuse; eile est ä genoux devant la
Madone. Peut-^tre son pr^nom
^tait-U Barbara, ^tant donn6 que la
pri^re ä Ste. Barbara est celle qui
se trouve la plus rapproch^e de
rimage et que les lettres BB se
trouvent dans une figure de la
maige €gBltmeai proche du texte.
Karl W. Hiersemaim in Leiptig» Königsstrasse 3. Katalog 330*
Manusaipte französisdien Ursprunges. XllL- XV. Jahrh.
45
cm). Jede Bordüre ist mit einem
grotesken Tier oder einem Vogel
in Oold und in Farben illustriert
Ca. 1500 Initialen in Oold und
Farben Illuminieren den Text.
Außerdem enthält das Manu-
sdpt 15 große, schöne Minia-
turen (7,5x5,5 cm), jede umgeben
von einer großen Bordüre, dekoriert
mit Ornamenten von Blumen, Früch-
ten und grotesken Menschen- und
Tiergestalten, in Farben auf gol-
denem Orunde.
Die Miniaturen stellen dar:
St. Johannes.
Stammbaum der 12 Söhne Ja-
kobs; an der Spitze die heilige
Jungfrau mit dem Jesuskinde, um-
geben von Heiligenschein. Oroße,
die ganze Seite füllende Miniatur in
sehr schöner Umrahmung, einer
alten, reich mit Perlen und Steinen
besetzten Oolschmiedearbeit nach-
geahmt.
Die Verkündigung Mariae. Oroße
Miniatur; unten zwei kleine Minia-
turen, S. Cunera und Adam und
Eva, von der Schlange verführt,
darstellend. Das Oanze in sehr
schöner Umrahmung, nach einer al-
ten, gothischen Steinskulptur ent-
worfen.
Die Begegnung der heiligen
Jungfrau und der heiligen Elisabeth.
Die heilige Familie.
Den Hirten wird die Oeburt
Christi verkündet
Die Anbetung der Könige.
Simeon im Tempel mit dem
Jesusknaben.
Die Flucht nach Ägypten.
Die Krönung der heüigen Jung-
frau.
Der König David, Bathseba im
Bade bewundernd.
Jesus am Kreuze.
Die Ausgießung des heiligen
Oeistes.
Chaque page est oxnit d'une
bordure laterale (mesurant 8,5 X
2,7 cM.) d'ornements de fleurs et
de fruits en couleur sur fond d'or;
chaque bordure est illustr^e d'une
b£te grotesque ou d'un olseau en
or et en couleur.
Environ 1500 initiales en or et
en couleur enluminent le texte.
En outre, le manuscrit contient
15 grandes et heiles minlatures
(mes. 7,5x5,5 cm.) chacune en-
tour^e d'une grande bordure rem-
plissant la page enti^re et dicoxit
d'ornements de fleurs, de fruits et
de bötes ou personnages grotes-
ques, en couleur sur fond d'or.
Les miniatures repr^sentent:
S. Jean.
Arbre g^n^alogique des 12 fils
de Jacques le patriarche; au som-
met la S. Vierge avec l'enfant J^sus.
Orande miniature remplissant la
page enti^re dans un tr^s bei enca-
drement de perles et de pierreries.
L'annondation ä la S. Vierge.
Orande miniature ; au dessous d'elle
petites minlatures repr^sentant S.
Cunera et Adam et Eve tent^s par
le serpent Le tout dans un tr^s
bei encadrement gothique remplis-
sant la page enti^re.
La rencontre de la S. Vierge et
de S. Elisabeth.
La Salnte famille.
L'annondation aux bergers.
L'adoration des Rois Mages.
Simeon dans le Temple avec
l'enfant J6sus.
La fuite en Egypte.
Le couronnement de la S» Vierge.
Le roi David admirant Bethsab^e
dans son bain.
J^sus en croix.
L'effusion du S. Esprit
Job sur le fumier.
Karl W. Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330.
46 Manuseripte fnuuösisthm Ursprunges. XUI.-XV.Jahrh.
Hiob auf dem DOngerhaufen. La S. Vierge et Tenfant J^tu
Die heilige Jungfrau und das ador^s par une dame.
Jesuskind, angebetet von einer Toutes les miniatures sont d'une
Dame mit Namen Barbara, f&r die ex^cution süperbe en or et en cou-
das Manuscript angefertigt worden leur.
ist (siehe oben!). Tr^s beau manuscrity dans le
Die prächtigen, in Farben und m^me style que le num^o pr6c6-
Oold ausgeführten Miniaturen sind dant, d'une belle conservation, en
in tadelloser Erhaltung. une reliure tr^ remarquable. On
Ein kosftares StQck, wie es so- ne connatt que quelques sp^dmens
gleich nicht wieder auf dem Markte d'une teile reliure.
vorkommen dürfte.
38 Livre d'heures (Fragment). Manuscript auf Pergament
XV. Jahrh. Lateinisch. 41 Bl. gr.-8. Mod. Lederband. m. hüb-
schen altimitierten Blindpressungen. 1600. —
FoL la: Indpiunt vigilie mortuorum. Endigt abrupt auf foL 26b. —
FoL 27 a: Indpit missa beate marie virginis, Schluß auf foL 37 b. —
Fol. 38 a: Indpunt höre de sancto spiritu, Schluß auf foL 41b.
Fragment eines lat livre d'heures, das die oben angeführten Vigilien,
Messen u. Hören enthält Der besondere Wert dieses Bruch-
stückes liegt in der hervorragend künstlerischen Aus-
schmückung der einzelnen Seiten. Die — etwas kurzrandigen —
Anfangsblätter der einzelnen Teile tragen auf der Recto-Seite je eine
vierseitige Randbordüre auf Goldgrund mit figurenreichen Darstellungen
u. eine 40 X 40 mm große Bildinitiale mit entsprechender szenischer Dar-
stellung. Die erste stellt drei Mönche dar, die neben einer mit blauem
Bahrtuche bedeckten Leiche Vigilien lesen; die zweite die Anbetung
der h. drei Könige, die dritte die Erschaffung des Weibes. In gleicher
Weise wie die Anfangsblätter sind auch die Ränder der übrigen Sdten,
doch nur auf einer — abwechselnd d. rechten und linken — Randfläche
mit einer 25x120 mm großen Leiste geziert Auf das Oold des Unter-
grundes sind in mannigfacher Weise u. in reicher Abwechslung Ranken-
omamente in verschiedensten leuchtenden Farben aufgetragen. Die Mitte
eines jeden dieser Pflanzenomamente nimmt eine mehr oder minder
phantastische Tier- oder Menschengestalt, manchmal auch beide Dar-
stellungen kombiniert, ein. Besonders figurenreich ausgeschmückt sind
die ersten Bll. der einzelnen Teile, wo auch der größere verfügbare
Raum dem Künstler zur Entfaltung seiner Phantasie mehr Gelegenheit
bot Die Hs. enthält außerdem eine Unzahl — drka 350 — farbige,
mit Oold gehöhte kleinere Initialen, verzierte Stäbe zur Ausfüllung der
Zeilenspatien etc. ^
Die Ausführung des Bilderschmuckes weist auf die französ. Miniatu-
ristenschule des 15. Jahrh. hin.
Fragment d'un livre d'heures d'origine fran^aise, om6 d'initiales et
de bordures figur^es etc. 15^ si^de.
Karl W. Hierseinann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330»
Manusaipte fhmxösisdim Urspnuiges. XIIL-XV.Jahrh.
47
39 Livre d'heures. Pergament-
handschrift in 4^ in latein. u.
französ. Sprache. 189 doppel-
seitig beschriebene Blätter mit
20 Miniaturen, zahlreichen Ini-
tialen und Bordüren. Blatt-
größe 20X1 5^« cm, Schriftspi^el
10X11 cm, Größe der Miniaturen
mit Bordüren 18X13 cm. In altem
Lederbande mit Rücken -Ver-
goldung und dem Aufdruck:
Officium B. Mariae Virginis.
13500.—
Die in seltener Frische und Far-
benpracht erhaltene, außerordent-
lich schöne Pergamenthandschrift
entstammt der Blütezeit bulgun-
disch-französischer Miniatur-
Malerei, der Mitte des XV. Jahr-
hunderts.
Dem Exlibris-Zeichen nach be-
fand sich das Manuskript s. Z. im
Besitze des Dom. Carolus Pe-
trus Josephus Lecandele in
Antwerpen.
Der Inhalt des kostbaren Ma-
nuscripts ist folgender:
Auf das Kalendarium (12
Blatt), bei dem die Gedenktage der
Heiligen in schwarzer, roter und
blauer Farbe, die Marien-Gedenk-
tage aber in leuchtendem Gold ein-
getragen sind, folgen die für den
Anfang derartiger livres d'heures
üblichen 4 Evangelien -Ab-
schnitte (Ev. Jobs. I, 1—14, Ev.
Matth. II, 1—12, Ev. Lucae I, 26
bis 38, Ev. Mard XVI, 14—20) mit
je einer Miniatur, die Evangelisten
mit ihren Attributen darstellend
(8 Blatt). Hierauf das eigentliche
Officium Beatae Mariae Vir-
ginis mit 8 Miniaturen (66 Blatt),
Gebete für die Passion und für
Pfingsten, mit je 1 Miniatur
(8 Blatt). — Diese sind noch vor
das OfHdum gestellt, dann Gebete
für Buße mit ütanei (David) (23
Livre d'heures. Manuscrit
sur parchemin in 4^, en latin
et en fran^ais. 189 feuillets
om£s de 20 miniatures, d'un
\xhs grand nombre d'initiales
et de oordures. Grandeur des
miniatures, les bordures y
comprises: 18X13 cm. Reliure
ancienne en cuir, portant
l'empreinte „Officium B. Ma-
riae Virginis". Dos dor6.
13S00,—
Pi^ce extraordinairement belle,
d'une fratcheur ^tonnante, de Vi-
cole franco-bourguignonne, ex6-
cut^e vers 1450. Avec ex-libris de
Dom. Carolus Petrus Josephus Le-
candele d'Anvers.
Le manuscrit se compose com-
me suit:
Calendrier, 12 feuillets, avec
les f^tes des saints en noir, rouge
et bleu et les jours en memoire de
la Vierge, en or. Les quatre
^vangiles (St Jean I, 1 ä 14,
Mathieu II, 1 ä 12, St Luc I,
26 ä 38, St Marc XVI, 14 ä 20),
chacun d'eux avec une miniature,
repr^entant l'^vang^liste et son
Symbole, 8 feuillets. Officium
Beatae Mariae Virginis, 66
feuillets, avec 8 miniatures; prio-
res pour r^poque de la passion
et pour la Pentecöte, avec mi-
niatures, 8 feuillets (pr^cddant l'of-
fice); priores de p^nitence avec
les litanies, 23 feuillets; priores
fun^raires, 46 feuillets; pri^re
ä la Vierge, 4 feuillets; passion,
4 feuillets; chacune de ces parties
avec une miniature. (Jusqu'id le
texte est en latin.) 15 „Ave Ma-
ria'' avec une miniature, 6 feuil-
lets, en fran^ais; 8 „Paternos-
ter'' avec une miniature, 4 feuil-
lets, en fran^ais; courtes priores
en latin ä la Ste. Trinit6, ä la
Karl W« Hiersemaim in Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330*
4a
ManusaipU fnmiöusdim Urspnuiges. XllL-XV.Jahrk*
Blau), Begräbnis (46 Blatt), noch
1 Gebet an die Jungfrau Maria
(4 Blatt), Passion (4 Blatt), aUe
diese mit je 1 Miniatur. Alle bis«
her genannten sind in latein.
Sprache gesdirieben. Die nun fol-
genden: 15 „Ave Maria'' mit 1 Mi-
niatur (6 Blatt) u. 8 „Pater Nos-
ter'' mit 1 Miniatur (4 Blatt) haben
französischen Text Zum
Schluß folgen wieder in latein.
Sprache noch kurze Gebete an die
Cireieinigkeit, Maria, die Engel,
Jobs, den Täufer, Jobs, den Evan-
gelisten, die Heiligen: Sebastian,
Christophorus, Nicolas, Antonius,
Maria Magdalena und Katharina
(6 Blau). Mit einem Schlußgebet
von späterer Hand, das flüchtig
mit blasser Tinte geschrieben und
ohne jeden Schmuck ist (3 Seiten),
schließt das Manuscript
Die 20 Miniaturen, die stets
die ihnen folgenden Abschnitte in
Bildern verherrlichen, stellen dar:
1. Evangelist Johannes. Der
Evangelist mit goldenem Nimbus,
als Jüngling dargestellt, in blauem
Untergrund u. rotem Mantel, sitzt
auf einer Insel, deren Hintergrund
Felsen und Bäume ausfüllen, und
schreibt an seinem Evangelium.
Rechts von ihm sitzt der Adler,
unten hat ein kleiner Teufel das
Tintenfaß des Apostels umgeworfen
(spätere Einzeidmung). Weit hin-
ten das Meer, am fernen Strande
Türme einer Stadt 2. Evangelist
Matthaeus. Ebenfalls m. gold.
Nimbus, im Bart, m. blauem Unter-
gewand u. blaßrotem Mantel an-
getan, sitzt der Heilige in offener
Halle, die mit hübsch ornamentier-
ten (gotischen) roten und blauen
Teppichen bekleidet ist, an einem
Pulte mit darüber hängendem roten
Baldachin und schreibt im Buche.
Ein weißgekleideter Engel hält ihm
Vierge, aux anges, St Jean Bap-
tiste, St Jean TEvang^liste, St
Sebastien, St Christophe, St Nico-
las, St Antonius, Marie Madeleine,
St Catfierine, 6 feuUlets. A la fin,
une pri^re l^g^rement 6crite avec
de l'encre d^color^e, par une main
plus rtonte.
Les 20 miniatures fepr^entent:
1. L'Evang^liste St Jean.
L'Evang611ste avec nimbe d'or, jeu-
ne, en habit de dessous bleu et
manteau rouge, assis dans une tle
et öcrivant son ^vangile, au fond
des rochers et des arbres; ä droite,
l'algle. En bas, un petit diable qui
a renversö l'encrier du saint (ad-
dition plus r^cente). Au delä, la
mer et les tours d'une ville.
2. L'Evang^liste StMathieu.
Avec nimbe d'or et barbe, en habit
de dessous bleu et manteau rouge,
dans un portique gami de tapis
rouges et bleus, assis devant un
pupitre surmont^ d'un dais, et toi-
vant Un ange en v^tements blancs
lui präsente un livre ouvert
3. St Luc L'^vangeliste avec
barbe, en habit bleu et avec nimbe
d'or, 6crivant dans un livre qui se
trouve sur un pupitre. A ses pieds
le taureau ail^ avec banderolle.
4. St Marc Avec nimbe d'or,
%!gi\ en habit bleu et manteau
rouge, ä genoux dans un porche
gothique et ^crivant sur une bande-
rolle. A c6t^ de lui, le Hon.
5. Le Christ ä la croix. Le
Sauveur, attach^ ä la croix, la t6te
pench^e ä droite. Inscription I. N.
R. I.; soleil, lune et ötoües lui
envoient leurs rayons. Aux pieds
du Christ on voit Marie et St
Jean, tous les deux avec nimbes
d'or.
Karl W. Hierseaiann In Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330.
Tafel 10.
No. 37. LIVRE D' H EURES. .^Hiob.
XV. Jahrh. Franz.-burgundisch.
Tafel 11.
^W^f#
No. 37. LIVRE D'HEURES. Christus am Kreuze.
XV. Jahrh. Franz.-burgundisch.
Manuscripte französischen Ursprunges, Xlll.-XV.Jahrh.
49
ein geöffnetes Buch entgegen.
3. Evangelist Lucas. Der Evan-
gelist mit Bart in blauem Qewande
und m. Odd-Nimbus schreibt in
teppichbehangener Halle sitzend,
in einem auf dem Lesepult liegen-
den Buche. Zu seinen Füßen liegt
der geflügelte Stier mit Spruchband.
4. Evangelist Marcus. DerEvan-
gelist m. Oold-Nimbus, graubärtig,
in blauem Oewande u. rotem Man-
tel, kniet in gotischer Halle und
schreibt an einem Spruchbande.
Neben ihm ein affenartig aussehen-
der Löwe. 5. Christus am Kreuz.
Der Erlöser hängt, das Haupt nach
rechts geneigt, am Kreuze. (In-
schrift J. N. R. J.). Sonne, Mond
ü. Sterne beleuchten ihn. Zu den
Füßen Christi stehen Maria u. Jo-
hannes, beide mit Qold- Nimbus.
6. Pfingsten. In leicht gewölbter
Halle kniet Maria mit den Jüngern,
sämtlich mit Oold-Nimben, im Ge-
bet Der heilige Qeist, in einer
flammenspendenden Taube, schwebt
über Maria. Im Hintergrunde Türme
einer Stadt 7. Mariae Verkün-
digung. Im blonden Haar, mit
goldenem Nimbus, kniet Maria, ein
blaues Oewand tragend, in einer
hohen Halle unter einem Balda-
chin die Hände über der Brust ge-
faltet Vor ihr steht ein Engel mit
Flügeln und Spruchband, oben wird
Gott der Herr sichtbar, der Maria
segnet Einen besonderen Schmuck
hat dies Titelblatt des Officium
B. Mariae V. in den 4 runden Bild-
chen erhalten, die die Ecken aus-
füllen u. Joseph im Gebet, Einseg-
nung der Ehe Joseph u. Marias, die
Geburt Jobs, des Täufers, Maria
am .Webstuhle, darstellen. 8. Ma-
riae Heimsuchung. Die greise
Elisabeth in blauem Unterkleid u.
blaßrotem Mantel, Kopf u. Hals
durch ein weißes Tuch geschützt.
6. Pentecöte. Dans une ga-
lerie voüt^e, Marie et les disdples
priant ä genoux, avec nimbes d'or.
L'Esprit Saint, repr^sent^ par une
colombe, plane au-dessus de Ma-
rie. Au fond, les tours d'une ville.
7. Annonciation. (Feuille de
titre de l'office.) La vierge blonde,
avec nimbe d'or, agenouill^e, en
v^tement bleu, sous un dais, les
malus crois^es sur la poitrine. De-
vant eile, un ange avec banderolle;
en haut, Dieu le P^re b^nissant la
Vierge. Dans chacun des coins du
feuillet, on voit quatre m^daillons:
Joseph priant; mariage de Joseph
et de Marie; naissance de St Jean
Baptiste; Marie au mutier ä tisser.
8. Visitation de la vierge.
Elisabeth, en habit de dessous bleu
et manteau rouge, s'avan^nt vers
Marie rev^tue d'un habit bleu.
9. Nativit^. Sous le toit d'une
Stahle, oü l'on voit un boeuf et un
äne, l'enfant J^us est couch^surun
drap rouge. Derri^re lui Marie age-
nouilMe, et Joseph en habit rouge
avec un bäton.
10. Annonciation aux ber-
gers. Un ange avec banderolle
annonce la naissance du Christ ä
deux bergers faisant pattre leurs
troupeaux dans une vaste cam-
pagne. Au fond, les tours d'une
ville.
IL Adoration des rois-ma-
ges. La vierge, assise sur un si^ge,
en habit bleu, l'enfant dans son
giron. Un mage ä barbe grise,
portant la couronne dans la main,
en long manteau gris, präsente une
coupe d'or. Derri^re lui, les deux
autres mages, encore jeunes, cou-
ronn^s, en habits rouges et bleus»
et portant des cadeaux.
Karl W« Hiersemann In Ldptigt Königsstrasse 3«
Katalog 330.
4
50
Manuscriffie franxösischen Ursprunges. XUL—XV. Jahrlu
geht der Maria entgegen, die
in blauem Oewande heranschreitet
9. Geburt Christi. Unter dem
Dache eines Stalles, in dessen Ecken
der Ochs und Esel stehen, liegt
auf rotem Tuche das Jesus-Kind-
lein. Maria kniet hinter ihm, der
bereits bejahrte Joseph in blaß-
rotem Oewande mit Stab ist soeben
zu dieser Oruppe getreten. 10. Ver-
kündigung an die Hirten. Den
in weiter, felsiger Landschaft ihre
Schafe weidenden 2 Hirten, der
eine EXidelsack spielend, der andere
mit Spindel, verkündet ein vom
Himmel kommender Engel mit
Spruchband die Oeburt Christi. Im
Hintergrunde die Türme einer Stadt
11. Anbetung der Könige. Auf
rotbehangenem Sessel sitzt Maria in
blauem Oewande das Jesuskind auf
dem Schoß. Ein graubärtiger König,
mit abgenommener Krone, in lan-
gem grauen Mantel, überreicht
knieend eine goldene Schale. Hin-
ter ihm stehen die beiden anderen,
noch jungen Könige, mit Kronen
auf den Häuptern, in roten und
blauen Oewändern, Geschenke tra-
gend. Am Himmel ist der Stern
sichtbar. 12. Darstellung Jesu
im Tempel. Der Hohe Priester in
vollem Ornate, mit der Tiara auf
dem Haupt ^° gotischer Halle
stehend, empfängt unter Assistenz
eines anderen Priesters mit ver-
deckten Händen das Jesus -Kind,
das Maria, vor dem Altar knieend,
darreicht Hinter ihr eine Dienerin
mit Tauben. 13. Flucht nach
Ägypten. Auf einem Esel reitet
Maria mit dem Jesus-Kind durch
eine felsige, mit Bäumen bestandene
Landschaft Joseph, das Maultier
führend, schreitet voran u. Mnkt aus
einer Flasche. Im Hintergrunde Stadt-
türme. U.Mariae Krönung. Gott
der Herr, mit einer Krone auf dem
12. Präsentation au temple.
Le grand pr^tre en costume offidel,
avec la tiare, dans un porche go-
thique, re9oit Penfant J^us, pr6-
sent^ par Marie qui s'est agenou-
ill6e devant Tautel. Derri^re eile,
une servante, avec pigeons.
13. Faite en Egypte. Marie
avec Tenfant J^sus, mont6e sur un
äne, dans une campagne rocheuse.
Joseph conduisant Tine, court de-
vant eile et boit ä une bouteille.
Au fond, les tours d'une ville.
14. Couronnement de la
vierge. Dieu le P^re, en long
manteau rouge, portant une cou-
ronne, le globe imperial dans la
main gauche, assis sous un dais,
b^nissant la vierge qui est ä ge-
noux devant lui, couronn6e par un
ange. Le fond est ^chiquet6.
15. P^nitence de David.
Dans un porche gothique, avec alre
^chiquet^, David est ä genoux de-
vant un prie-Dieu, revßtu d'un
habit bleu et d'un manteau rouge
om^ d'or, la couronne ä gauche, la
harpe ä droite. Dans le ciel, Dieu
le P^re apparalt au suppliant dans
un rayonnement de lumi^re.
16. Mise au tombeau. Sur
le devant du cimeti^re, un corps,
envelopp^ d'un lin'ge blanc Le
fossoyeur creuse la fosse qu'entou-
rent des pr^tres. Au fond, irois
moines priant Plus loin, une croix
rouge, des cränes et des os.
17. Marie avec Tenfant J6-
sus. Marie en manteau bleu, Ten-
fant dans son giron, assise sous
un dais garni de tapis verts et
rouges. Devant eux, un ange age-
nouill6, en habit rouge, Präsen-
tant une coupe.
Karl m. Hiersemann In Leipzig» Königsstrasse 3. Katalog 330*
Manusaipte Jranxösisdim Ursprunges. Xlll.-XV.Jahrh.
51
Haupte und dem Reichsapfel in der
linken Hand, sitzt in langem, rotem
Mantel unter einem Baldachin mit
der Rechten die vor ihm knieende
Maria segnend, der ein herbei-
schwebender Engel eine Krone
aufsetzt Tapeten-Hintergrund blau
u. rot, weiß mit Oold gehöht
15. König Davids Buße. In wei-
ter, gotischer Halle, mit rot ver-
hangenen Wänden u. grünem, in
Schachbrettomament gehaltenem
Fußboden kniet der greise König
vor einem Betpulte, angetan mit
blauem Oewande und rotem, gold-
verzierten Mantel, die abgenom-
mene Krone zur Linken, die Harfe
zur Rechten. Dem Betenden er-
scheint Qott der Herr. 16. Be-
gräbnis. Im Vordergrunde des
Friedhofes liegt ein in weißes Lin-
nen gehüllter Leichnam. Der Toten-
gräber schaufelt das Orab aus, da-
bei Kanoniker u. betende Mönche.
Weiter hinten ein rotes Kreuz u.
im Rasen liegende Schädel u. Kno-
chen. An der Kirchhofsmauer eine
Kapelle. 17. Maria m. d. Jesus-
Kind. Maria, in blauem Mantel das
Jesus-Kind auf dem Schöße, sitzt
unter einem Baldachin, der mit
grünen u. roten Teppichen ausge-
kleidet ist Vor ihnen kniet ein
Engel in rotem Oewande, m. Schale L
d.Hand. 18. Kreuzabnahme. Der
Leichnam Christi liegt im Schöße
der vor dem Kreuze sitzenden
Maria, rechts von ihr Johannes,
beide mit GoM-Nimben, ' links
Engel 19. Maria m. Jesus-Kind.
Maria in blauem Oewande den
Jesusknaben a. d. Schoß, sitzt in
weiter Halle im Hintergrund. Vor
ihnen spielt ein Engel in rotem
Oewande auf der Harie. 20. Auf-
erstehung Christi. Christus in
blauem Oewande mit noch bluten-
der Seite, sitzt auf einem goldenen
18. Descente de la croix.
Le Corps du Christ repose dans
le giron de Marie, assise devant
la croix; ä drohe, St Jean, ä gauche,
ün ange, les bras crois^s.
19. Marie avec l'enfant J6-
sus. Marie en habit bleu, l'enfant
dans son giron,^ assise dans un
porche garni de tapis rouges; le
fond 6chiquet^. Devant eux, un
ange jouant de la harpe.
20. R^surrection. Le Christ
en v^tement bleu, un flanc saignant,
assis sur un arc d'or, surmont6
d'anges avec trompettes; en bas
les morts ressusdt^s levant les
yeux vers le Christ
Le texte, les initiales et les mi-
niatures forment un ensemble plein
d'harmonie d'une d6)icatesse si ra-
vissante qu'on peut compter ä bon
droit cette pi^ce entre les chefs-
d'oeuyres de T^cole franco-bourgui-
gnonne. Le texte rubriqu^, cn ca-
ract^res 6gaux ndrs (goüiiques),
est coup6| en maints endroits, par
des rituels, Berits le plus souvent en
fran^ais, en caract^res rouges.
Dans le texte, on trouve trois
sortes d'initiales. Les plus petites
sont peintes en or sur fond bleu
ou rouge et rehauss^es de blanc; le
centre des plus grandes cependant
est en rouge et bleu sur fond d'or
et rehauss^ de blanc. Au com-
mencement des psaumes on voit
des initiales plus grandes et plus
belies que les prec^dentes et sou-
vent orn^es de fleurs. Pour rem-
plir des espaces blancs on s'est
servi d'omements en deux couleurs,
rehauss^s de blanc, avec d^cors
lin(§aires.
Les bordures se composent de
motifs V(6g6taux tr^ vari^s et en-
Karl W* Hiersemann in Lclpzl^f Kdnigistriuse 3« Katalosr 330*
52
Manusaipte fituuösisdim Ursprunges. Xlll.-XV.Jahrh.
Bogen, rechts und lieks oben sind
En^fel mit Posaunen siditiiar, unten
stehen die Toten auf und schauen
zu Christus betend empor.
In wunderbarer Harmonie sind
in diesem PrachtstQck mittelalter-
licher Kleinmalerei Text, Initial
und Miniatur zu einem einheit-
lichen Kunstgebilde von so ent-
zückender Zartheit und Frische der
Farben, wie künstlerischer, phan-
tasievoller Gestaltungskraft zu-
sammengefügt, daß man es mit
Recht zu den besten Erzeugnissen
der burgund.-französ. Schule rech-
nen darf. Die gleichmäßig dahin-
fließende gotische Schrift wird
durch die meist in französischer
Sprache eingefügten rot gehaltenen
Ritual - Vorschriften unterbrochen.
Die kleineren Initialen sind auf
blauem oder rotem Grunde in Gold
gemalt und mit kleinen weißen
Lichtem leicht ornamentiert; die
größeren hingegen, rot und blau
im Kern, auf goldenem Grunde mit
Ranken- u. Linien-Ornamenten in
weiß gehöht Für die Psalmen-An-
fänge sind die größten u. farben-
prächtigsten Initialen verwandt, in
die oft Blumen (Winde, Waldreben)
eingezeichnet sind. Zum Ausfüllen
leerer Zeilenräume kommen noch
Zierleisten u. Schlußstücke
hinzu, 2-farbig, mit linearem Orna-
ment u. weißen Uchtem.
Den vornehmsten Schmuck aber
bilden die Bordüren, die in
stets wechselnden Kombinationen,
rechts und links Texte, durch
die ganze Handschrift gehen. In
ein stilisiertes, buntes Ranken-
werk sind die goldenen ,yDom-
blatf '-Ornamente eingefügt; außer-
dem aber gelbe, grüne und gol-
dene Blätter, Blüten und Früchte
(Nelke, Winde, Wakirebe, EM-
beere) in naturalistischer Darstel-
tourent le texte ä droite et ä gauche
dans tout le cours du volume.
Le branchage, en plusieurs cou-
leurs, renferme des feuilles ^pineu-
ses d'or et une succession varide
de feuilles, de fleurs et de fruits.
Le d^cor le plus remarquable
du manuscrit est repr6sent6 par les
miniatures peintes en couleurs opa-
ques avec un goüt exquis et une
d^licatesse ravissante. Au-dessous
de chaque miniature, on voit une
initiale ex^cut^e avec un soin
particulier. Le cceur en est peint
en bleu ou rouge, sur fond d'or,
et couvert d'un fin omement
Unfaire blanc. Une large bordure,
sortant de Finitiale et ex^cut^e
dans les mtoes couleurs, entoure
la miniature. Les encadrements que
Ton trouve sur ces pages excellent
en une richesse extreme de fan-
taisie et de coloris. La marge in-
f^rieure de la page est le point
de d^part de tiges en bleu, rouge,
vert et or qui, tout en se ramifiant»
renferment des motifs v^g^taux en-
core plus riches et se prolongent en
feuillages d'une finesse ravissante.
Le branchage est ranim6 de
nombreux oiseaux dans leurs cou-
leurs naturelles et de grotesques
anunales, en partie avec des faces
humaines. De plus, on voit des
pots de fleurs et des blasons blancs
destin^s ä contenir les armoiries de
l'acheteur du manuscrit.
La conservation de cette pi^ce
tsi enti^re et excellente; son ome-
mentation est d'une fraicheur re-
marquable.
lung. Zahbeiche fein gezeichnete
Vögel beleben das Gezweige, in
das die Phantasie des Künstlers
noch allerlei wunderliche Mischge-
stalten aus Teilen verschiedener
Karl W* Hiersemann in Leipzig» Königtstrasse 3* Katalog 330«
Manuscripte firanzösisdim Urspnmges. Xlll.-XV.Jahrh. 53
Tiere, manchmal mit menschlichen StadttQrme zur Staffage, die 12 an-
Qesiditem, eingezeichnet hat Blu- deren spielen sich in frühgoti-
menvasen u. leere Wappenschild- sehen Hallen ab, in denen rote
chen, in die beim Verkauf der Hand- u. grüne, goldomamentierte Tep-
schrift das Wappen des Käufers piche, sowie das Schachbrettoma-
noch eingezeichnet werden sollte, ment (blau-rot-gold) bemerkenswert
vervollständigen das omamentale sind.
Inventar. Zu besonderer Höhe er- Besonders prächtig wirken die
hebt sich die Illuminierungskunst unter der Miniatur stehenden Ini-
bei den Miniaturen. In wun- tialen, die mit rotem oder blauem
sehr geschickte Einfügung. In wun- von feinen weißen Rankenomamen-
derbarer Feinheit sind die im Ent- ten übersponnenem Kern von hell-
wurf, wie Ausführung gleichbe- goldenem Gründe sich abheben und
deutenden, künstlerischen Miniatu- den Ausgangspunkt eines breiten
ren gemalt, deren jede in lebhaften, die Miniatur umrahmenden Zier-
dünnflüssigen Deckfarben kompo- Streifens bilden,
niert, ein kleines Kunstwerk dar- Die Erhaltung der kostiiaren
stellt. Von den auch als solchen lückenlosen Handschrift ist vorzüg-
interessanten Darstellungen der lieh, das Oold und die Farben der
Szenerie haben 8 Landschaften Malerei sind von einer Frische, wie
mit Fels- und Baumpartien, ferner dies selten der Fall sein dürfte.
40 Livre d'heures. Französ.-burgund. Pergamenthandschrift aus
dem XV. Jahrh. in 8^ in lateinischer Sprache. 186 Blätter mit
14 Miniaturen, zahlreichen Initialen verschiedener Größe und
Bordüren. Blattgröße 18X1 IV« cm, Schriftspiegel 8V,X8 cm,
Größe der Miniaturen mit Initiale und Umrahmung W^l^yfi^U cni.
In reichem mit Hand- Vergoldung verziertem braunen Lederbande
mit|2 Schließen aus dem 16. jdrh. 5800.—
Vgl. d. Abbilds. Taf. 12.
Das flott geschriebene u. reich illustrierte Gebetbuch hat folgenden
Inhalt:
Kalendarium in französ. Sprache (12 Blatt) — Gebete an die Jungfrau
Maria (mit 5 Ave Maria etc.) (14 Bl.) — Landes (14 Bl.) — Prime (7 Bl.)
— Tierche (5 Bl.) — Midi (5 Bl.) — Noene (5 Bl.) — Viespies (9 Bl.)
— Complie (7 Bl.) — Heures de la croix (10 Bl.) — Heures dou Saint
Espir (9 Bl.) — Heures de la Trinitd (9 Bl.) — Heures dou sacrement
(19 Bl.) — les siept psahnes David (24 Bl.) — Vigilles des trespasses
^7 BL). Jeder Abschnitt ist mit 1 Miniatur geschmückt
Die 14 Miniaturen stellen dar:
I. Geburt Christi: Unter dem Dache e. offenen Stalles liegt das
Christkind auf Stroh. Maria in goldenem Gewände mit Nimbus u. der
bereits bejahrte Joseph knien zu beiden Seiten. Im Hintergrunde Ochs
u. Esel an der Krippe. II. Beschneidung Christi: Maria in blauem
Gewände mit Nimbus hält den kleinen Jesus im Arm, an dem ein
Priester die Beschneidung vornimmt III. Anbetung der 3 Könige:
Vor Maria, die ein blaßrotes Obergewand u. blauen Mantel tragt, u. dem
Jesuskind kniet der älteste der Könige, Geschenke darreichend, die 2
Karl W* Hiefsemann 2n Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330*
54 Manuseripte fiaruösisdien Urspmnges. XlU.-XV.Jahrk.
anderen stehen, Gaben haltend, daneben. IV. Flucht nach Ägypten:
Joseph in grauem Qewande fuhrt einen Esel am Zaum, auf dem Maria
in langem, blauem Kleide silzt, das Jesuskind im Ann. Im Hinter-
gründe Berge. V. Bethlehem. Kindermord: In Gegenwart des
Königs Herodes mit goldener Krone u. Qoldscepter erschlagen Kriegs-
knechte die Kinder. Berge im Hintergrunde. VI. Darstellung Jesu
im Tempel: Maria in goldenem Gewände u. blauem Mantel mit Nim-
bus stellt dem Hohenpriester das Jesuskind dar. Hinter der Maria steht
eine Magd mit brennender Kerze u. Tauben im Korbe. VII. Der
12jähr. Jesus im Tempel: Maria in blauem Mantel mit Nimbus
betritt den Tempel, in dem der 12 jähr. Jesus die Pharisäer belehrt
VIII. Christus u. Maria: Christus in langem, blaBrotem Mantel mit
Nimbus, die Rechte ertioben, redet zu Maria, die in langem, blauem
Mantel mit Nimbus gleich ihm auf gelbem Postamente 3itzt IX. Chris-
tus am Kreuz: Um den am Kreuze hängenden Heiland — Oberschrift
J. N. J. R. ^ stehen zur Linken Maria, zur Rechten Johannes, beide mit
Nimbus. X. Ausgießung des Heiligen Geistes: In Gestalt einer
Taube schwebt der heilige Geist zu den in gotischer Halle versammelten
Jüngern nieder, die, alle mit Nimbus, am Boden knien. XI. Heilige
Dreieinigkeit: Gott Vater, auf gelbem Postamente sitzend, hält vor
sich das Kreuz mit dem Leichnam Christi, zu dessen Häupten der heilige
Geist — Taube — schwebt. XII. Heiliges Sacrament: Vor einem
reich ornamentierten Hochaltar segnet ein Bischof in weißem Gewände
mit goldrotem Oberwurf die Hostie ein, hinter ihm kniet ein j&ngerer
Geistlicher. XIII. Himmelfahrt Christi: Christus in blaßrotem Ge-
wände mit Nimbus fährt auf einem Regenbogen gen Himmel. Rechts
u. links knien Maria u. Joseph, beide in Nimbus. Auferstehende Tote
blicken betend zu Christus empor. XIV. Totenmesse: Schwarz ge-
kleidete Kanoniker, die Kapuze über den Kopf gezogen, stehen u.
knien um einen von Lichtem umgebenen, verhüllten Sarg, über dem ein
Geistlicher in vollem Ornate Gebete spricht.
Der in braunschwarzer Farbe geschriebene Text mit den französi-
schen, wie üblich, rot gehaltenen Ritual- Vorschriften zeigt eine Fülle
zierlicher Initialen von verschiedenster Größe, die auf blauem oder
rotem Grunde in leuchtendem Gold gemalt u. mit kleinen weißen
Lichtem leicht ornamentiert sind. Hübsche Zierleisten und Schlußstücke,
2-farbig mit linearen Ornamenten u. weißübersponnenen Linien, füllen
die leeren Zeilenräume in anmutiger Weise.
In frischen Farben gehaltene Bordüren schließen die Text-Seiten
am Rande ab. Sie bestehen aus dem in Gold ausgemalten Domblatt,
sowie kleinen grünen, roten, blauen u. goldenen Blüten u. Früchten,
die in ein dünnes, schwarzes Rankenwerk eingezeichnet sind.
Die Miniaturen, in lebhaften Deckfarben gehalten, weisen in der oft
naiven Auffassung u. noch primitiven Art der künstier. Behandlung auf
eine ziemlich frühe Zeit der Entstehung.
Bemerkenswert ist bei diesen Miniaturen die viele u. häufige Ver-
wendung von Gold, besonders bei den Gewändem u. zur Ausfüllung
' größerer Flächen. Das damals sehr beliebte Schachbrett-Ornament zur
Karl W* Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330*
Manttscrtpte finnzösisekm Ursprunges, XIIL^-XV, Jahrh. 55
Dekoration des Fußbodens u. Hintergrundes ist ebenfalls mehrfach ver-
treten.
Besonders reich sind die 14 Seiten, welche Miniaturen enthalten.
Hier hat die Initiale einen roten oder blauen von feinen weißen Ranken
übersponnenen, farbig gefällten Kern, der von glänzend goldenem Grunde
sich abhebt Hübsche, farbig u. gold ornamentierte Ranken (bei d.
1. Initiale mit stilis. Erdbeeren) schließen als besonderen Rahmen Miniatur
u. Initiale ab, den dann bis zum Blattrande eine nach allen Seiten sich
ausdehnende Bordüre in noch farbenprächtigerer Ausfühnmg umgibt
Das stilisierte, mehrfarbige Rankenwerk der Miniaturbordüre weist eine
Fülle naturalist Blumen u. Früchte auf (Nelken, Kornblumen, Veilchen,
Erdbeeren etc.). Hin u. wieder sind auch Vögel (Pfauen) eingezeichnet
Der wertvolle Einband mit seiner reichen, geschmackvollen Hand-
vergoldung ist eine Arbeit des 16. Jahrhunderts. Die innere Fläche des
von einem breiten, hübsch ornamentierten Ooldstreifen umrahmten Ban-
des ist mit goldenen Sternchen ausgefüllt, in deren Mitte der sehr scharfe
Abdruck eines goldenen Zierstückes, Christus am Kreuz mit der In-
schrift J. N. J. R. u. Maria u. Johannes zu Füßen desselben, eingefügt
ist Beide Seiten des Einbandes sind gleich. Der Rücken ist späteren
Ursprunges. Die lückenlose Handschrift ist hinsichtlich der Farben u.
des Goldes von großer Frische u. auch sonst in vorzüglicher Erhaltung.
41 Livre d'heures. Fragment einer französ.-burgund. Pergament-
handschrift des XV. Jahrh. in Or. 8® in lateinischer Sprache.
123 Blatt mit 3 Miniaturen, zahlreichen Initialen u. Bordüren.
Blattgröße 18X13Va cm, Schriftspiegel 10X1 IV« cm, Größe der
Miniaturen mit Bordüren I6V2XI2 cm. In altem schlecht er-
haltenen Ornament. Lederbande. Goldschnitt 1200. —
Das Fragment setzt sich, soweit dies jetzt noch zu bestimmen ist, aus
den folgenden Texten des Officium B. Marie V. zusammen: Kalendarium,
Abschnitte der 4 Evangelien (Johannes, Lucas, Matthäus und Marcus) —
Oratio de beata Maria — Höre beate Marie virginis — das eigentl. Officium
beatae Maria virginis — Vesperae — Completorium — Septem psalmi
paenitentiales — Höre de cruce — Matutinae de sancto spirito — Vesperae
defunctorum — les XV ioies nostre dame — les VII requestes nostre
seigneur.
Von dem sonst schönen Manuscript sind leider 21 Blatt Kapitel-Anfänge
mit den Miniaturen herausgeschnitten, es sind dies die Blätter 13, 27, 35,
38/41, 54/57, 62, 67/68, 74/75, 78, 98/99, 102, 135, sodaß nur 3 Miniaturen:
Verkündigung der Geburt an die Hirten, David's Buße und Oberfall der
franz. Ritter durch Wilde, die beiden letzten mit je 3 kleinen Medaillon-
bildchen, noch vorhanden sind. Die Malerei weist auf die französ. (Pariser)
Schule hin, die Bilder sind gewandt gemalt, die Personen tragen die
Kostüme der Entstehungszeit der Handschrift —
Die sonstige Ausstattung ist die der livres d'heures des 15. Jahrh.
Der Text zu 15 Zeilen auf der Seite ist durch eingefügte Initialen, Zier-
leisten und Schlußstücke von prächtiger, frischer Farbengebung und in
Karl W« Hiersemann in Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330*
56 Manuscripte fituiMösisdun Ursprunges. XIIL-XV.Jahrh.
leuchtendem Oold geziert, jede Textseite ist von einer schönen mit Ranken,
Blätter, Blumen und Früchten reich ornamentierten Bordüre dekoriert
Die Erhaltung der noch vorhandenen Blatter ist eine durchaus gute.
42 Llvre d'heures. Französ.-burgund. Pergament-Handschrift des
XV. Jahrh. in A^ in latein. u. franz. Sprache. 138 Blätter mit
10 Miniaturen, zahlreich. Initialen u. Bordüren. Größe 24X15^/, cm.
In braunem Lederbd. mit Oold, Arbeit d. XVII. Jahrh. 1900*—
Der Inhalt des Manuscripts ist folgender:
Abschnitte aus den Evangelisten Marcus, Lucas (unvollst) u. Johannes
(unvollst), Officium B. Mariae Virginis: Matutinum (unvollst), Landes,
Prime, Tierte (unvollst), Sexte (unvollst), None (unvollst), Vespres, Com-
pletorium (unvollst), les sept pscaulmes, de la croix, les heures au Saint
Esperit, Vigiles de mors, Oroison de nostre dame, les XV ioyes nostre
dame mit 15 Ave Maria u. 9 Pater noster.
Die 10 Miniaturen stellen dar:
Die Evangelisten Marcus u. Lucas, Heimsuchung Mariae, Geburt Christi,
Verkfindigung an die Hirten. Fludit nach Ägypten, König David, Christus
am Kreuz. AusgieBung des Heiligen Geistes, Totenfeier.
Den in gotischer, schwarzer und roter Schrift gehaltenen Text schmücken
zahlreiche Initialen, Zierieisten u. SchluBstücke. Die Initialen mit goldenem
Kern stehen in blauem u. roten Grunde u. sind meist mit weißen Linien-
Ornamenten übersponnen.
Die Zierieisten u. SchluBstücke sind ebenfalls zweifarbig mit weißen
Lichtem. Die Bordüren zeigen das in der burgund.-franzds. Schule übliche
Domblatt, golden m. schwarzem Rankenwerk, in das arabeskenartige, bunte
Zweige, Blumen u. Früchte, auch menschl. Köpfe u. Vögel eingezeichnet
sind. Die Miniaturen sind im Entwurf u. Ausfühmng noch von eüier ge-
wissen Primitivität
Leider weist die Handschrift außer den vorstehend genannten Lücken
unsaubere Stellen u. Kritzeleien aus spater Zeit auf, auch haben hm und
wieder die Miniaturen auf die gegenüberstehenden Blatter etwas abgeförbt
Am Schlüsse die Emtragung: Fran^oyse du Chariot als de Boullier.
Der Einband tragt auf beiden Seiten die Devise: Nee sorte — nee
morte moutabor (!), darunter D. G.
43 Psalteritun. Lateinische Pergament-Handschr. vom Ende des
XIII. Jahrh. Nordfranzösisch. 289 Bl. mit 9 größeren Miniatur-
bildem auf Goldgrund nebst künstlerisch ausgeführten Rand-
leisten u. Figurenschmuck in Oold u. Farben. Zahllose kleinere
goldene Initialen mit Ornamenten und, durch das ganze Buch
indurch, fast auf jeder zweiten Seite, der gothische Text drei-
seitig von Oold und mannigfach profilierter mehrfarbis^er Leiste
umzogen. Von dem etwas beschnittenen Rande abgesehen,
ausgezeichnet erhalten. Das erste Blatt übermalt oder neu.
Leder-Einbd. des XVII. Jahrh. — 289 Bl. Format 12«. 2800.—
Inhalt Die Psalmen vollständig mit einem Anhang der gebrauch-
lichsten orationes. Die Einteilung, durch Bilder markiert, ist die von jeher
in Italien u. Frankreich (dort namentl. in den Hss. unserer Epoche) ge-
Karl W* Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330*
Tafel 12.
No. 40. LIVRE D^HEURES. Bild VIII.
XV. Jahrh. Franz. -burgundisch.
Manuscripte franxösisdim Ursprunges, XlU.-XV.Jahrh, 57
wohnliche. Ps. 1 Beatus vir. Ps. 26 (in der kirchlichen Zahlung; sonst 27)
Dominus illuminatio mea. Ps. 38 (39) Dixi custodiam. Ps. 52 (53) Dixit
insipiens. Ps. 68 (69) Salvum me fac Ps. 80 (81) Exultate. Ps. 97 (98)
Cantate. Ps. 109 (110) Dixit Dominus domino meo. —Jedoch gesellt sich
zu diesen 8 Bildern hier ein neuntes bei dem Ps. 52 vorangehenden
Psalm. Es stellt den Teufel und einen König dar, David oder Saul, nach
I Sam. 22, 9 mit Beziehung auf den Edomiter Doeg und mit Umdeutung
dieses Verraters (diabolos) auf den Teufel. Das Gebet am Schlüsse der
Hs. deutet auf einen geistlichen Besitzer oder Besteller. Ein solcher ist
denn auch in der Eingangs-Initiale betend dargestellt In der oberen Ab-
teilung des großen B erscheint dort Gottvater in Vorderansicht mit Welt-
kugel, segnend. Außerdem aber ist der freie Pergament-Rand rechts mit
einer großen Miniatur geschmückt: der hohen Gestalt des königlichen
Sängers, welcher auf einem Drachen stehend — den Ausläufern der Rand-
schnörkel — die Harfe spielt und nach der Richtung des B sein Haupt
erhebt (Wiewohl das 1. Bl. erneuert worden — daher das Kostüm des
Geistlichen aus späterer Zeit — so konnten diese Darstellungen doch
nicht frei erfunden, sondern nur an der Hand des schadhaften älteren
Blattes oder eines sehr ähnlichen hergestellt werden). Solcher Randfiguren
finden sich mehrere (zu Ps. 26, 68, 149). Häufiger jedoch sind es Tiere
und Vögel, wirkliche und phantastische, öfter das Einhorn, auch mensch-
liche Mischgestalten, die sich hier herum bewegen und tummeln. Manche
der hier angebrachten Scherze würde man in einem geistlichen Buche
kaum erwarten; so wenn bei Ps. 26 über dem biblischen BUde am Rande
eine langhaarige, rotgekleidete Person mit Tierbeinen und langem Schweif
knieend und betend erscheint vor einem der Maskenköpfe, welche an
diesen Rand-Ornamenten zu hängen pflegen, oder wenn unterhalb der
singenden Mönche Ps. 97 ein heftig brüllender Löwe auftritt Übrigens
kann man in diesen Randfiguren oft die Vorzeichnung mit Bleistift wahr-
nehmen. Sie sind mit der gleichen minutiösen Sorgfalt ausgeführt wie die
TextbUder. Im ganzen ist der Stil derjenige einer Obergangs-Periode.
Der Goldgrund der Bilder ist durch Punzierung leicht gemustert Die
Zeichnung der Hände gelingt bisweilen schon überraschend gut (Ps. 26. 80).
Es mehren sich die vegetabilischen Elemente, wenngleich die Zweige
immer noch ziemlich kahl (mit je einem farbigen Blatt am Ende) ausfallen
und sich noch nicht scharf von den breiten, stacheligen Ansätzen sondern,
welche in den laubsäge-artigen Stil des schmalen Leistenstammes ein-
schlagen. Einen wie prächtigen Eindruck jedoch diese in Gold und Farben
prangenden Randomamente gewähren, namentlich in Verbindung mit den
die halbe Seite füllenden Bild-Initialen, läßt sich an der Hand einer bloßen
Beschreibung nicht ermessen. Wo dieser schwere Seiten- u. Randschmuck
fehlt, wetteifert die Kunst des die Initialen und den Textrahmen malenden
Miniators mit der des Schreibers, welcher seinen blauen und roten Buch-
staben die lustigen, krausen, unerschöpflichen Randschnörkel anhängt und
jede freie Stelle in den Textseiten omamental belebt: um dieses schon
durch seinen verschwenderischen Goldreichtum auffallende Ms. zu einem
der am reichsten ausgestatteten Büchlein zu machen, welche sich in jener
Epoche in den Händen von Privatleuten finden konnten.
Karl W* Hierscnuum 2n Leipzig» Königsstrasse Z. Katalog 330*
58 Maimscripte fituaösisehm Ursprunges. XVL-XVHL Jahrk.
Manuscripte französischen Ursprunges.
XVL-XVm* Jahrh*
44 (Agullar, Chev. de). Notices sur les ouvrages et la vie des
peintres d'apr^s les tableaux qui composent la collection du
Cabinet de Miniatures de S. A. S. Mme. la Princesse de Holstein-
Beck ä Hambourg. Gr.-]n-4. A Hambourg 1795. Seidenband.
30.—
Meiicwürdiges Manuscript von 26 Blatt aus den letzten Jahren
des XVIII. Jahrhunderts. Es stellt einen handschriftlichen Katalog der
ca. 50 Pi^cen umfassenden Abteilung „Ecole Florentine'' der Holstein-
Beck'schen Miniatur-Sammlung zu Hamburg dar. Bei jedem Maler
befindet sich eine ziemlich ausführliche Beschreibung seines Lebens
und Wirkens. Insgesamt sind 26 derartige Essays vorhanden, über Allori,
Andrea del Sarto, Boschi, Rafael, Rubens, Albertinelli, Corregio, Tizian,
Leonardo da Vind etc. Das Ganze in regehnäßiger Kursivschrift mit
ornamentiertem Titel in Sepia und Wasserfarben. Der Verfasser dieses
Miniaturen-Verzeichnisses hat seinen Namen auf dem Titelblatt rechts
unten verewigt. Mit heraldischem Ex-libris eines französischen geist-
lichen Instituts. (Vita sine litteris mors est).
45 Bemal, J. C. Explication du Catechisme de Calvin. Klar ge-
schriebenes u. soweit nachzukommen, ungedrucktes Manuscript
von 617 eng geschriebenen Seiten in 8^ über Calvin's Institutio
christiana, bei den französisch Reformierten kurz der „Katechis-
mus" genannt. Ca. 1650. Kalblederband. 180. —
46 Terricr de la Terre et Seigneurie de St. Desirö fait en vertu
de lettres de Chancellerie du 13 Mars obtenues par Monsieur
Douet de Vichy, Conseiller du Roy en sa Cour de Pariement
de Paris: Baron de St Desirö et Van Sous Mondun; Seigneur
de la Crette, Chauvi^re, Chassemais, Moussais, Nassigny et Preuil,
Haut Chattelin de la Chaussi^re; Seigneur de la Salle, Cosne et
Louroux Bourbonnoise. Le dit Terrier receu Advenier et Fauvre,
Notaires royx. Sont contenus dans le dit Terrier les Titres honori-
fiques, Transactions et autres Titres essentiels de la ditte Terre.
Rousseau de Chatillon faciebat 1752. Le premier titre est dat6
13 Mars 1743, le demier le 9 juillet 1749. Manuscrit in-folio.
Maroquin rouge, tranche doröe. 250. —
Ce manuscrit sur papier timbr^ est enti^rement compos6 par la m^me
main, calligraphique. Les chapitres des actes, qui sont tous sign^s par
les dits notaires, commencent par des beaux fleurons calligraphiques.
25 lignes ä la page, 902 pages, soigneusement num^rot^es et pr^c6d6e8
du titre et 5 pages, observations et noms des terres, corv6es seigneu-
riales etc.
Magnifique reliure de parfaite conservation en maroquin rouge; les
deux plats munis des armoiries de M. Douet de Vichy, en or et argent,
l'aigle, au milieu des armoiries, en noir, sur une plaque d'ivoire.
Karl W* Hiersemann in Leipzig:^ Königsstrasse 3. Katalog: 330«
Manuseripte italie n isehm Ursprunges. XIL-XV.JahHu 59
Manuscripte italienischen Ursprunges.
Inbegriffen lateinische Manuscripte.
Xn.— XV* Jahrji.
47 Aegiditts de Columna, Augustiner, Theolog in Paris, Erz-
bischof von Bourges, geb. zu Rom 1247, gest zu Avignon 1316.
Liber de regimine principum. Handschrift auf Pergament
XIV. Jahrh. 151 BI. Fol. Altvenez. Maroquinbd. 800*—
Das berühmte Werk des Erziehers Philipps des Schönen, eines der
ersten über Prinzenerziehung u. RegentenpfUcht, liegt hier in einer sehr
sorgfältigen Niederschrift von einer italien. Hand des 14. Jahrh. vor.
Das erste Blatt ist von einer hübschen Pflanzenbordüre — weiß u. gold
auf blauem Orund — eingerahmt, am Unterrande ein Kardinalswappen.
Dort u. auf mehreren Bll. hat die Farbe etwas gelitten, im großen u.
ganzen jedoch ist die Handschrift vorzgl. erhalten.
48 Aeneas Sylvius. — Enea Silvio Piccolomiiii, Euryalus
und Lucretia. Prächtige lateinische Pergament- Handschrift des
XV. Jahrhunderts, italienischen Ursprungs, tadellos erhalten, von
schöner Ausstattung und ausgezeichnet sorgfältiger Ausführung.
51 beschriebene Bl. in-4 mit Goldschnitt. Kunstvoller modemer
grüner Lederband von Bauzonnet mit reicher Ornamentpressung.
Vorn eingeklebt 2 Exlibris von Vorbesitzern: Bibliotheca Ambrosii
Firmini Didoti 1850 und Exlibris Marigues de Champ Repus.
Der Band enthält 3 Schriften des Piccolomini:
1. Bl. 1— 28 a: Eneae Silvii poetae Senensis de duobus amantibus
Euryalo et Lucretia opusculum. Von dieser 1444 entstandenen, dem
deutschen Reichskanzler Kaspar Schlick gewidmeten Liebesnovelle, dem
berühmtesten und gelesensten Werke des späteren Papstes, erschienen
zahlreiche Drucke in fast allen Kultursprachen. Die Incunabeldrucke
verzeichnet Hain I, 25 ff und Copinger II, 1,7 ff. Der hier vorliegende
Text weicht von den ältesten Drucken, namentlich auch von dem Ab-
druck in der Gesamtausgabe der Werke Piccolominis, Basel 1571, S. 623
bis 644, in vielen Einzelheiten ab. Am Anfang ein künstlerisch ausge-
führtes goldgehöhtes M auf blau und grünem Hintergrund.
2. Bl. 286 — 40: Oratio Papae Pii habita in conventu Mantuano VI.
Kai. Octobr. anno 1458, enthaltend einen Aufruf an die christlichen Fürs-
ten zur Veranstaltung eines Kreuzzugs gegen die Türken, deren Ober-
macht seit der Eroberung Konstantinopels bedrohlich wurde. Gedruckt
In den Werken 1571, S. 905—914. Auf der ersten Seite eine prächtige
farbige Bordüre, bestehend aus stilisierten Ranken, Blumen und Vögeln,
sowie ein vorgoldetes C. als Anfangsbuchstabe.
3. Bl. 44 — 51 ein päpstliches Sendschreiben: Pius Episcopus servus
servorum dei universis et singulis Christi fidelibus salutem et aposto-
licam benedictionem. Romae, VI. Kai. Novembr. 1463; wiederum eine
Karl W* Hiersefnaon 2n Lelpzl^f Königfsstrasse 3* Katalog: 330»
60 ManusaiffU UaUenisdim Urspmngts. Xll.-XV.Jahrh,
Auffordeniiig zu allgemeiner Beteiligung an dem geplanten Kreuzzuge.
Oedrudct in den Weiicen S. 914—923. Am Anfang gleichfalls eine kunst-
volle Bordüre mit Initiale.
49 Barbaro, Francesco, Podesta von Venedig, geb. 1398, gest 1454.
De re uxoria. Am Schlüsse: Francisci baii^ veneti patricij ac
equestris ordinis uiri illustrissimi ad Laurentium medicum ciuem
florentinum de re vxoria Über explicit Perg. 91 Bl. 8. Sehr
schöner gleichzeitiger florentinischer Lederbd m. reichen omam.
Pressungen u. Messingbeschlägen. 850.—
Sehr schöne Italien. Humanisten-Handschrift, aus der Mitte des 15.
Jahrh. Der Titel auf fol. Ib in Blau- u. Qoldschrift innerhalb eines
reich stilisierten Blumenkreises; auf foL 2a der Anfang der Hs. um-
rahmt von einer ebensolchen vierseitigen Girlande m. Blumen» Blüten
u. figur-omamentalem Beiwerk. In Initiale M das Porträt Lorenzo da
Medids, am Unterrande das Wappen. Obwohl leider die 2 Bll. in der
Farbe z. T. gelitten haben, bieten sie immer noch ein sehr schönes
Muster der Italien. Handschriften-Illustrationen des 15. Jahrh.
50 Blblia sacra« Novum Testamentum Latinum, etwa 1180.
8^ Schönes Manuscript auf Pergament, sauber u. r^elmäßig
geschrieben in zwei Columnen. 244 Bll. mit 30 Zeilen auf der
Seite, mit zahlreichen roten und blauen Initialen. Eine prächtige,
ganzseitige Miniatur, die Kreuzigung darstellend, befindet sich
vor der Apostelgeschichte, und femer sind in dem Manuscript
28|große, reich ornamentierte und figurierte Initialen enthalten«
Neuer Eichenholz-Einband, roter Maroquin-Rücken, mit Schließen.
6800.—
Dieser wertvolle und gut erhaltene Codex des Neuen Testamentes
ist wahrscheinlich in Italien am Ende des 12. oder Anfang des 13.
Jahrhunderts hergestellt worden. Er enthält: S. Matthaeus, S. Marcus,
S. Lucas, S. Johannes, Acta Apostolorum, Epistola S. Jacobi, Epistolae
Petri, Epistolae Johannis, Epistola S. Judae, Apocalipsis S. Johannis,
Epistola ad Laodicenses, Epistola ad Romanos, Epistolae ad Corintiiios,
Epistola ad Oalatas, Epistola ad Ephesios, Epistola ad Philippenses,
Epistola ad Colossenses, Epistolae ad Thessalonicenses, Epistolae ad
Thimotheum, Epistola ad Titum, Epistola ad Philemonem, Epistola ad
Hebreos. Die apocryphische Epistola ad Laodicenses ist selten in hand-
schriftlichen Bibeln zu finden.
Die Malereien in diesem Ms. sind in byzantinischem Stil. Die ganz-
seitige Miniatur, welche die Kreuzigung darstellt mit Maria und St
Johannes (letzterer ein Buch in der Hand haltend) ist prächtig in Farben
auf Goldgrund ausgeführt In den Ecken des reditwinkligen, ornamen-
tierten Rahmens sind Medaillons mit emblematisdien Darstellungen der
vier Evangelisten. Am Anfang jedes Buches ist eine große, ornamen-
tierte Initiale, die in einigen Fällen fast die ganze Höhe der Seite ein-
nimmt, ein oder zwei davon enthalten den Kopf eines Heiligen.
Karl W* Hiefsemann in Leipzig, Königsstrasse 3. Katalog 330*
Manttseripte Ualienisdien Ursprunges. XIL-XV, Jahrk. 61
51 Boccaccio. Nimfale Fiesolano nel quäle si contiene l'innämora-
mento di Affrico e Mensola. Poemetto in ottava rima. Papier.
Ital. XV. Jahrh. 79 BI. Fol. Lederbd. 680.—
Schöne Handschrift der ,,Nymphengeschichte von Fiesole'S ,,Boccac-
do's vollendetstes Gedicht überhaupt (Wiese).
Mit einigen in Oold und Farben gemalten Initialen mit Ranken-
ornament in Federzeichnung. Auf dem 1. Bl. innerhalb eines Ornaments
ein Wappen: 2 Delphine, zwischen diesen 2 Apostelkreuze, Oold auf
blauem Grund. Das erste Bl. etwas fleckig; die Hs. leicht wurm-
stichig. Mit zahlreichen wichtigen Abweichungen von den gedruckten
Texten.
52 Cicero. De senectute. — De amicitia. — Paradoxa Stoicorum.
XV. Jahrh. Perg. 76 Bl. 8. Sehr schöner gleichz. ital. Hlzldb.
mit reichen Blindpressungen mit Beschl. u. 1 Schließe.
580.—
Sehr sorgfältig geschriebene u. vorzügl. erhaltene Hs. ital. Pro-
venienz. Auf fol. 1 eine sehr hübsch komponierte Randleiste mit einer
Initiale O, in Farben u. Oold gehalten, am unteren Rande eine Spitz-
leiste ähnlicher Ausführung mit einem Wappenfeld, in das 3 Bäume auf
einem dreifachen Berge eingezeichnet sind. Zwei weitere zierliche Initialen
zu Beginn der anderen Traktate. Der weiße Perg.-Rand einiger Bll.
ergänzt
Sehr schönes Stück. — Interessanter Einband.
53 Cicero. De officiis 11. III. Pergament-Ms. XV. Jahrh. 70 BI.
4. Altimitierter Ldbd. mit Blindpressung. 980.—
Vgl. die Abhildiing Taf. 13.
Sehr schönes Manuscript ital. Provenlenz aus der 2. Hälfte d. XV.
Jahrh. Jedes der 3 Bücher ist mit einer großen Initiale in Oold u.
Farben geschmückt; die Ausläufer derselben ziehen längs des Seiten-
randes in Form einer reizender Bordüre. Am Unterrande des 1. Bl. inner-
halb eines Lorbeerkranzes ein Wappen: 3 silberne Balken auf blauem
Orund. Schöne itaL Humanistensdirift m. zahlr. Interlinear- und Mar-
ginalnotizen. Auf fol. 65 b— 67 a „Antonij Geminianensis oratio ad splen-
didum equitem Frandscum condvem coram populo et in foro habita
felidter'^ Die Rede ist an den aus Ungarn zurückgekehrten Frandscus
Useppius gerichtet, dem die Stadt Bologna das Kommando der städt
Miliz zu übertragen beabsichtigte. Auf Bl. 70 Federzeichn. aus spät Zeit
Aus der Sammlung Firmin-Didot
54 Collectanea. Papierhandschrift italienischen Ursprungs aus dem
XV. Jahrhundert, mit Nachträgen von verschiedenen ungenannten
Händen bis ins XVII. Jahrh. hinein. 76 nur zum Teil beschrid)ene
Bl., davon einige ausgebessert Neuerer Halblederband. 60. —
Der Inhalt besteht aus meist lateinischen, teils aber auch italienischen
Collectaneen sehr mannigfacher Art, die ohne einheitlichen Gesichts-
punkt zusammengestellt wurden: Sentenzen u. Stilproben aus antiken
Schriftstellern, der Bibel und den Kirchenvätern, grammatikalische No-
Karl W* Hierscnuum in Leipzic^ Königsstrasse 3* Katalog: 330.
02 Manusaipte UaUenischm Ursprunges. XIL-XV.Jahriu
tizen, ein kurzes griechisches Vocabular mit lateinischer Übersetzung,
eine Sammlung lateinischer Wortformen u. Phrasen in alphabetischer
Reihenfolge mit beigef>er Erklärung, sowie gelegentlich auch mit
Belegstellen aus den Klassikern.
55 Gratiani Decretunu Concordia discordantium canonum ac
primum de iure constitutionis nature humane. Pars I, II, III
distinctio 1—5. Pergamenthandschrift aus dem XIV. Jahrh. in
2 Columnen mit Interiinear- u. Marginal-Commentar. 272 Blätter,
wovon 3 fehlen. Fol. Alter Hlbldrbd. 580.—
Der in brauner u. roter Schrift geschriebene Codex zeigt blau u.
rote Anfangsbuchstaben, oft mit Ausläufern u. breiten Initialen, die das
ganze erste Wort des Kapitel-Anfanges in verschlungenen Buchstaben
aufweisen.
Blatt 48, 148, 149 fehlen, sodaB die Handschrift nicht lückenlos ist
Blatt 216—238 sind ohne Commentar. Paris I enthält 101 distinctiones,
pars II 36 causae, pars III geht bis distinctio 5.
56 Guido de Colonna, Historia Troyana. 155 numerierte,
doppelseitig beschriebene Blätter in fol., teils Papier, teils Perga-
ment. Handschrift des XV. Jahrhunderts mit lateinischem Text,
von verschiedenen Händen. Buntfarbige Initialen und Goldschnitt
Hervorragend schöner, tadellos erhaltener brauner Maroquin-
band mit sehr reichen und geschmackvollen eingepreßten und
vergoldeten Ornamenten. An 2 Stellen findet sich die Bemerkung:
Bound by Riviere (im Orolier-Stil). 850.—
Guido entstammte dem berühmten Hause der Colonna, das auch in
Sizilien verbreitet war. Er wurde an den ersten Jahrzehnten des 13.
Jahrhunderts in Messina geboren, widmete sich juristischen und literari-
schen Studien und kam dann an den Hof des Kaisers Friedridi II.
Hier entwickelte sich seine poetische Begabung, so daß er eine Reihe
von Minneliedem verfaßte, von denen noch 6 erhalten sind. Nach dem
Sturze der Hohenstaufen-Herrschaft übernahm er ein Richteramt in Mes-
sina. Um 1276 begann er auf Anregung seines Freundes, des Erzbischofs
Matthäus von Salerno, in lateinischer Sprache einen Prosaroman ,His-
toria destructionls Troiae' zu verfassen, den er 1287, kurz vor seinem
Tode, vollendete. Als Hauptquelle diente ihm das umfangreiche franzö-
sische Gedicht ,Estoire de Troie^ des Trouvern Benoit de Sainte-More,
der um die Mitte des 12. Jahrhunderts blühte. Außerdem scheint er die
,Historia de exddio Troiae' des Dares benutzt zu haben. Daneben fügte
er auch zahlreiche gelehrte Excurse und moralische Betrachtungen aus
anderen Quellen bei. Das Werk fand allgemeinen Beifall, ist in zahl-
reichen Handschriften verbreitet und wurde in die neuesten Kultursprachen
übersetzt. Die in Deutschland vorhandenen Handschriften stammen fast
sämtlich aus dem 15. Jahrhundert, z. B. Berol. Meerm. 192, 524; Dresd.
F. 88b, 96a; Monac. 61, 106; Vindob. 3154. Später folgten bis weit ins
17. Jahrhundert hinein zahlreiche Drucke in lateinischer, deutscher, fran-
zösischer, italienischer, spanischer, niederdeutscher, flämischer, dänischer
Karl W* Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse Z. Katalog 330*
Manusaipte italie n isdun Ursprunges. XIL-XV. Jahrti,
(Ü
und tschechischer Sprache, sowie mehrfache Umarbeitungen. Ober die
Incunabeldrucke vgl. Hain, Repertorium I, S. 177 f; Copinger, Supple*
ment II, 1, S. 185; Häbler, Bibl. iberica S. 71. Der Text der vorliegenden
Handschrift weicht an vielen Stellen von dem der lateinischen Friihdrucke
ab. Näheres über Guido und seinen Roman vgl. bei H. Dünzer, die
Sage vom Trojanischen Kriege 1869, S. 61 ff; R. Bartii, Guido da Columna
1877; Gröber, Grundriß der romanischen Philologie Bd. II, Abt 1, S. 321
und 1075.
57 Justinianus. Digestorum seu Pandectorum libri I— XXIV, 2.
Pergament-Handschrift in 2 Columnen mit Interlinear- und
Marginal-Commentar aus dem XIV. Jahrh. 279 Blätter (wovon
2 fehlen). Fol. Alter Halblederbd. 420.—
Die Handschrift geht bis über XXIV. 2: de donationibus inter virum
et uxorem u. ist mit mehreren Commentaren verschiedener Hand ver-
sehen. Bemerkenswert ist die breite Kapitel- Anfangs-Initiale, die stets
das ganze erste Wort in verschlungenen Buchstaben zeigt. Rote u. blaue
Anfangsbuchstaben zieren den Text. ^
Leider fehlen Blatt 10 u. 76 ganz, aus Blatt 1, 15 u. 233 sind Stücke
herausgeschnitten, auch ist die Schrift der ersten 8 Blätter verwischt
58 Orazioni Latine manoscritte del Orazioni latine manoscritte
Padre Giovanni Leonardi della del Padre Giovanni Leonardi
Congregatione delF Oratorio di della Congregatione deir Ora-
S. Filippo Neri. 1200.—
Sorgfältig ausgeführte und gut
erhaltene italienische Pergament-
handschrift in folio aus der ersten
Hälfte des XV. Jahrhunderts von 2
verschiedenen Händen mit Rand-
bemerkungen von 3. Hand. Der
oben erwähnte Titel steht auf dem
Vorsatzblatt und ist erst gegen Ende
des XVII. Jahrhunderts beigefügt
worden, war also ursprünglich nicht
vorhanden. 46 beschriebene BU.
mit 3 Oold gehöhten Initialen auf
blau und grünem, geschmackvoll
ornamentiertem Hintergrunde. Der
Text besteht aus 2 Reden in elegan-
tem Humanistenlatein: De instituenda
militia und De principatu Oraedae.
Der Titel des Werkes ist irreführend,
da der darin genannte Giovanni
Leonardi, der Stifter des Ordens der
Clerid reguläres Matris Dei unmög-
lich der Verfasser sein kann, denn
er lebte wesentiich später (1543-1609)
und war lediglich Theolog, keines-
torio di S. Filippo Neri.
1200.—
CarefuUy written Italian manus-
cript on parchment, in good condi-
tion, folio, from the first half of the
15 th Century, in two hands, with
marginal notes of a third band.
The above-mentioned titie is written
on the fly-leaf and has been added
only at the end of the 17th centesy.
46 leaves with 3 initials heightened
with gold on blue and green oma-
mented ground. The text consists
of two Speeches in an elegant huma-
nistic Latin: de instituenda militia
and de prindpatu Graedae. The
titie of the volume is incorred, as
the therein mentioned Giovanni
Leonardi, the founder of the order
of the Clerid reguläres Matris Dei,
cannot have been the author, for
he lived 1543—1609 and was a theo-
logian, but not a humanist and his-
torian. Apparentiy the author was
one of the Italian humanists living
Karl W* Hiersemann In Leipzig:, Königsstrasse 3. Katalog 330»
64
Manuseripte Uaüenisthen Ursprunges. XI L - XV. Jahrh.
wegs Humanist und Historiker.
Vielmehr wird man den Verfasser
unter den italienischen Humanisten
aus der Zeit bald nach 1400 suchen
müssen. Er zeigt sich als gründ-
licher Kenner der griechischen und
römischen Litteratur, schreibt einen
geschmackvollen dceronianischen
Stil, kommt wiederholt auf die
IHorentiner Verhältnisse jener Zeit
zu sprechen, über die er genau unter-
richtet ist, und erwähnt gelegentlich,
daß er einen Commentarius rerum
graecarum geschrieben habe. Alle
diese Angaben passen vortrefflich auf
den berühmten Leonardo Bruni,
genannt Aretino.
Man kann deshalb beide Reden
mit hinlänglicher Wahrscheinlichkeit
ihm zuschreiben, obwohl sie sich
unter seinen bisher gedruckten
Werken nicht befinden und obwohl
sie in den bisher veröffentlichten
Beschreibungen seines Lebens nicht
erwähnt werden.
in the beginning of the 15^ centesy.
He proves himself to be a deep
connoisseur of Oreek and Roman
litterature, writes in tasteful Cicero-
nian style, alludes repeatedly to the
condition of IHorence in that time,
in which he is thoroughly versed,
and mentions that he has written a
„Commentarius rerum Oraecarum*'.
All these indications point at the
famous Leonardo Bruni, named
Aretino.
For these reasons one may ascribe
to him these two speeches, although
they are not to be found in the
printed editions of his worics and
although his biographers do not
mention them.
59 MlsceUanea. Papier-Handschrift 1433. 112 Bl. Fol. Beschäd.
Ldhlzb. a. d. Z. m. omam. u. figur. Pressungen. 1400.—
Der äußerst wertvolle Codex enthält folgende StQcke:
1. Fol. 1— 20b. Mussato, Albertino. Ecerinis. Beg.: Tragedia Alberti
Musattj Historiographi paduani et tragedl de gestis per Ecelinum de
Castro romano districtus marchie taruisahe et Albricum eius fratrem.
Schluß fol. 17b: Explidt tragedia Albertini musati paduani historio-
graphi et tragedi de gestis per Ecelinum de romano et Albricum eius
fraü'em. Deo gratias. Amen. Fol. 18—20 Commentar zur Tragödie.
2. Fol. 21a— 48b. Ovidius. De arte amandi. Schluß fol. 48b: Ex-
plidt über Ouidij de arte amandi die 4. mensis Apprilis Anno dom.
1433 in urbe Romana Laus Deo Amen.
3. Fol. 49a— 59b. Ovidius. De remedio amoris. Schluß fol. 59b:
Explidt Über Ouidij de remedio amoris Rome die 14. mensis Apprilis
Anno natiuitatis Christi Millesimo Quadringentesimo Tricesimo terdo.
Laus Deo.
4. FoL 60a— lila: Alanus de Insulis: Antidaudlanus. Schluß föL
lila: Explidt über Magistri Alani Antidaudiani de Antirufino etc.
Liber reverendissiml philosophi magistri Vrbani de Oali-
sano artium liberalium doctoris dignissimi fvit exemplar.
Hierauf fol. 111b Kommentar zum Antidaudlanus.
Karl W. Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse Z. Klatalog 330«
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ManuscripU itaätnisthm Unpnu^fes. XIL—XV.JahHu 65
Albertino Mussatos Ezzelino-Tragödie gehört zu den hervor-
ragendsten Werken der toskanisdien Periode der ital. Literatur. Schon
zu Lebzeiten des Dichters (geb. in Oazo, einer Vorstadt Paduas, 1261»
t zu Chioggia 1329) war die patriotische Dichtung ein Gegenstand der
höchsten Verehrung; so bestimmte der Senat von Padua, daß die Tragödie
jeden .Weihnachtstag öffentlich vorgelesen werde, danach sollen sich die
Professoren u. Studenten nach des Dichters Wohnung begeben, um ihm
als Sinnbild der Tragödie ein Ziegenfell zu überreichen. Die Tragödie
hat die Taten Ezzelins, des treuen Parteigängers Kaiser Friedrich IL u.
des Führers der Ohibellinen in Oberitalien, zum Gegenstand. „Um seine
Mitbürger vor Cangrande della Scala, der nach Padua Gelüste trug, zu
warnen, führte er ihnen die scheußlichen Gestalten des Ezzelino da Ro-
mano, der seit 1227 Herr von Padua war, und seines Bruders Alberico
vor" (Wiese).
Das Stück liegt hier in einer sehr sorgfältigen Niederschrift vor. Zahl-
reiche Wort- u. Sinnerklärungen, Angaben über Chor etc sind teils
interlinear, teils am Rande untergebracht
Das zweite Hauptstück unseres Codex, Alanus' Anticlaudianus,
ist eines der berühmtesten lat. Gedichte des Mittelalters. Der
Verfasser Alanus de Insulis (geb. zu Lille in Flandern, f 1202 in Citeaux)
führt in dem Gedichte gegen die Satire Claudianus' in Rufinum den Be-
weis, daß nicht ein Sünder, von den bösen Geistern hiezu verleitet, das
Weltall zerstören, sondern daß ein Gottesfürchtiger, von den Tugenden
unterstützt, die Menschheit glücklich machen wird. Das Gedicht wurde
erst im Jahre 1S36 (Basel, Henr. Petri) gedruckt
S. über das Gedicht: Leist, Der Anticlaudianus, ein lat Gedicht d.
12. Jahrh. Stendal 1878—82, über seine Beziehungen zu Dantes Divina
Commedia: Bossard, Alani de Insulis Anticlaudianus cum Divina Dantis
Alighieri Comoedia collatus, Angers 1886.
Auf fol. 110 befindet sich die Abschrift eines Briefes Kaiser Sigismunds
an die Florentiner, dat Lucca, 6. Juni 1432, worin er diesen ener-
gische Vorstellungen macht, daß sie ihn trotz seiner friedlichen Ab-
sichten unter dem Vorwande einer Feindseligkeit gegen die Stadt
Lucca angegriffen hätten; er habe aber ihre wirklichen Absichten er-
kannt, denn „psalterium non concordat cum dtara". Die Antwort der
Florentiner ist nur zum Teil erhalten^ da das letzte Bl. der Hs. bis auf
ein geringes Bruchstück defekt ist Das hochinteressante Schrei-
ben fehlt bei Altmann, Regesta Imperii XL und ist bisher un-
gedruckt
Vorgebunden ist ein halbseitiges Fragment eines Blattes aus einer —
wie es scheint — Kölner Universitätsmatrikel d. 14. Jahrh. m. 56 Namen
(darunter die Rubriken „In mediana'^ u. „Licentiati in jure''). Die hier
folgenden Namen dürften die Identifizierung des Fragments ermöglichen:
Wilhehnus de Breda, Johannes de ErpeH, Henricus Wesalie, Georgius
Gladbach, Goiswinus Kempgyn, Wigerius de Embrica, Henricus de
Judeis, Henricus de Kerpena, Georgius Heseler, Gerardus de Berka»
Gerardus Hom, Henricus Manegold, Joh. Kerckhoff etc.
Karl W« Hiersemann In Leipzig» Königsstraue 3« Klatalog 330»
5
66 MoMttstriptg itaiiaUsdm Urspnu^sa. XiL-XV.JaMu
60 Missae geometrica demonstratio per figuras. 4. S. L et a.
(ca. 1450). Pergt 160.—
Pergament-Manuscript aus der Mitte des XV. Jahrli., 10 Blatt
mit 27 geomctrisdieii Figuren in roter Fart>c, weldie die gesamte An-
ordnung der Messe darsteOen, mit den dazwischen geschriebenen btein.
Erläuterungen der einzelnen AufsteOungen.
Ein früherer Besitzer bemerkt auf dem Vorsatd>latt: J^lannscrit sur
v^lin du XV. siMe avec figures tr^ curieux. 290 frc''
Mit einem heraldischen Ex-libris CExcelsior'O-
61 Montai^one, jeremias de, Compendium moralium notabilium.
Pergament-Codex saec XIV (1376). UL 172 BIL Fol Mod
gepr. Lederbd. m. SchL 1680. —
6 BlL Prohemium. Beginnt: Indpit compendium moralium notabilium
compositum per Jeremiam iudicem de Montagnone dvem Patvdinum.
2 BO. Index (von späterer Hand, am Schlüsse: ,,Ego Frater Bonaventura
de Mantua scripsi et ordinavi istam tabulam secundum ordinem alfabeti
non cum parvo labore, que est quidem utilis et correcta atque iustissima
1479"'). Am Schlüsse des Textes (foL 164b) „Completum hoc opus die
dedma mensis Novembris in vigilia sancti Martini episcopi et confessoris
(am Rande in anderer Schriftart: 1376). Festum Martini det nobis fiocula
vini." Die Handschrift ist eine aus den Kirchenvätern, röm. u. griech.
Klassikern, frühmittelalterlichen Dichtem u. Schriftstellern (u. a. Johannes
Solobriensis, Anglicus, Bakio versilogus, Oualterius de Castellione, Henri-
cus Samariensis versilogus, Oaufridus Anglicus, Montenarius Paduanus
etc.) geschöpfte Sammlung von moraL Zitaten u. Sprichwörtern, vob
Autor systematisch geordnet u. commentiert; dabei die Abteilungen de
religione, de honestate naturalitate; cap. 2 de musicali delectatione etc.
Hervorragend schöne Handschrift, rot u. schwarz geschriet>en. Mit
zahlreichen, künstlerisch hochbedeutenden omamentalen Initialen in Far-
ben u. Oold. Auf foL 1 u. 11 je eine dreiseitige, reich stilisierte Rand-
bordüre. Letztere enthält am Kopfe des Anfangsbuchstaben P eine
Autoreninitiale, den vortragenden Verfasser darstellend. Als Vorsatzblatt
sind Fragmente eines Missales des 15. Jahrh. verwendet Von tadelloser
Erhaltung in Pergament, Schrift u. Ausstattung.
62 Drei Pergamentblätter aus e. theologischen Manuscripte d. XV.
Jahrhunderts. An Stelle der w^jadierten ursprünglichen Schrift
liest man auf dem einen Blatte: Liber dnorum eccl'ie diui Lam-
bert! ex donatione pi'entissimi viri dni Johaiiis Rosthorst bor-
holdiani olim vigilätissimi eiusde ecd'ie Sacellani. Anno 1549.
Aus einem Einband gelöst und deshalb nicht vollständig. 12« —
63 Plutarchi Vitae selectae e Oraeco in Latinum versae a Leo-
nardo Bruni Aretino. 1400« —
188 beiderseits beschriet>ene BIl. in 4. Jede Seite enthält 27 Zeilen.
Hervorragend schöne und sorgfältig ausgeführte Handschrift auf tadellos
feinem Pergament und von vorzQglicher Eriudtung, um die Mitte des
Karl W« Hierseoiann in Leiptigr Königsstrasse 3. Klatalog 330»
Manuseripie itaüeniwAen Ursprunges^ Xll.-XV.Jahrfu 67
XV. Jahrhunderts in Italien geschrieben. 12 künstlerisch ausgeführte Ini-»
tialen in Oold und Farben. Vortrefflicher grüner Maroquinband des
XVIII. Jahrhunderts mit Ooldpressung und Goldschnitt (von Deröme).
Leonardo Bruni (1369—1444), nach seiner Vaterstadt Arezzo ge-
wöhnlich Aretino genannt, der berühmte Humanist und Schüler des
Chrysoloras, gilt mit Recht als der Vater der Obersetzungskunst in Italien.
Unter seinen Obersetzungen aus dem Griechischen ins Lateinische waren
seine ausgewählten Biographien des Plutarch, die er seit dem Anfang
des XV. Jahrhunderts allmählich veröffentlichte, am angesehensten, und
sie kommen teils einzeln, teils gruppenweise in zahlreichen gleichzeitigen
und wenig späteren Abschriften vor. Die hier vorliegende Sammlung
zeichnet sich dadurch vor den meisten anderen Handschriften aus, daß
sie nicht nur einen Teil, sondern sämtliche von Bruni übersetzte Lebens-
beschreibungen, 9 an der Zahl, enthält Es sind folgende: Der jüngere
Cato, Pyrrhus, Aemilius Paullus, Sertorius, Demosthenes, Marcus An-
tonius, Tiberius und Caius Gracchus, endlich Cicero. Die Obersetzung
schließt sich nicht wörtlich an das griechische Original an, sondern
enthält mancheriei Zutaten aus anderen Quellen. Namentlich das Leben
des Cicero erscheint mehr als eine freie Komposition. Näheres vgL
L. Bruni Epistolae ed. Mehus 1741, Vorrede; A. Zeno, Dissertazioni
Vossiane 1752, I, S. 87 f. und G. Voigt, Wiederbelebung des klassischen
Altertums IP, S. 164 f. — Die vorliegende Handschrift ist das Werk eines
gebildeten und sachverständigen Humanisten, der die Feinheiten der
eleganten Latinität Brunis zu würdigen wußte, nicht eines gedankenlosen
Kopisten, und deshalb ohne auffällige Schreibfehler und Mißverständnisse.
64 Pontana«, Joh. Jovianus, der bedeutende Humanist u. Dichter,
1426—1503. De fortitudine bellica et heroica. Papier- Hand-
schrift 1487. 50 Bl. — De obedientia. Papier- Handschrift
1470. 70 Bl. Fol. — Neapolit Ldb. a. d. Z., m. sehr schönen
ornam. Pressungen; aufgefrischt, Rücken ergänzt 600« —
1. De fortitudine. Beginnt: JOANNls JOVIANI PONTANI PRO-
LOOUS IN LIBRIS DE FORTITUDINE AD ALFONSU DUCE CALA-
BRIE. VICTORl TIBI DUX ALFONSE: ac libertatis patrie propugna-
tori debetur a ciuibus tuis. Schluß fol. 49 a: homines presidium quoque
in fortitudine collocatum habeant
Prachtvolle, auf Veranlassung des Autors hergestellte
Niederschrift des berühmten Werkes. Daß es sich um ein
unmittelbar aus dem Besitze des Verfassers herrührendes
Apograph handelt, beweist ein auf dem VorsatzbL befind!«
eigenh. Brief Pontanus' an den fürstl. Sekretär Jacobus Anti-
quarius ddo. Neapel, 7. Mai 1487, mit dem er ihm das Exemplar
durch den Juristen Trojanus übersendet Ein zweiter, darunter
stehender Brief Pontanus' ddo. Neapel, 28. Jan. 1488 stammt von an-
derer Hand. Auf dem 1. Bl. der Hs. eine sehr schön in Oold und Farben
ausgeführte Initiale m. Blumenleiste, am Unterrande ein Lorbeerkranz m.
Blütenomament in ebensolcher Ausführung.
Karl W. Hierseinasm in Leipzig» Königsstrasse 3. Klatalog 330*.
68 ManusoripU iialienisehm Ursprungs» XII.-XV.JahHu
„De fortitudine'' wurde im Jahre 1490 in Neapel von Martinas Mora-
vtis zuerst gedrudct (H. 132S6).
2. De obedientia. Beginnt: Joannis Jouiani pontani ad Robertum
Sanseuerinum prindpem Salemitanum in libros obedientie proemium
indpii Hortante te ilime et iubente Prineeps Roberte ut etc. Sdüuß fol.
70 a: alijs memoranda post nos relinquimus. Editi sunt hi libri anno do-
mini M . ccccLxx. Deo gratias amen.
Schöne, von einer zweiten Hand herrührende Abschrift
Erschien ebenfalls in 1. Ausgabe 1490 bd Matthias Moravus in Neapel
(Hs. 13257).
65 Pontliicale Romanam. Latein. Pergament -Handschrift mit
Noten Italien. Provenienz, aus dem XV. Jahrh. 159 Blätter
(davon 1 unbeschr.) mit 22 großen und 158 kleinen Initialen.
Fol. Blattgröße 34X23 cm. In einem hellbraunen Lederbande
aus dem 18. Jahrh. 3450.—
Vgl d. Abbildmiff Tai. 14.
Der Inhalt dieses prächtigen Pontificale Romanum ist folgender:
Ordo ad consignandos pueros — Ordo Septem ecdesiasticorum gra-
duum (cantor, hostiarius, lector, extraordlnarius, acolitus, archidiaconus»
diaconus) — Ordinatio sacerdotum — Ordo ad consecrandum electum
episcopum — Ordo qualiter roman. pontifex apud basilicam sancti Petri
etc. — dann verschiedene Benedictiones, — Ordo roman. qualiter agen-
dum Sit etc — Ordo ad recondliandum dmiterium — Ordo ad sepelien-
dum dericum. — Consecratio lapidis altaris portalis etc — Dann wieder
eine Reihe von Benedictiones des kirchl. Gerätes etc. — zum SchluB:
Ordo romane ecd. ad sepeliendum papam, episcop., presbyt et dya-
con. etc.
Da die Pontifical-Messen nur vom Bischof celebriert voirden, so sind
diese „ordines^' mit sehr vielen und umständlichen Ritual -Vorschriften
versehen, die in ihrer roten Farbe sehr wirkungsvoll von der schönen
schwarzen, gotischen Schrift sich abheben. Der Text, m 15 Zeilen auf
der Seite, wird an vielen Stellen von einem fünfreihigen Notensatze,
jeden zu drei Linien mit darunterstehendem Text unterbrochen, 158 kleine,
leicht ornamentierte, meist rote oder blaue, hin und wieder 2 farbige
Initialen mit Rankenausläufem nach oben u. unten, beleben den gewandt
geschriebenen Text Von besonderer Farbenpracht aber sind die 22
großen Initialen (Im Mittel 7x7 cm groß), die auf goldenem Orunde
stehen und in den lebhaftesten Deckfarben gemalt sind. Der mehrfarbige
Kern des Buchstabens ist mit Arabesken u. stilis. Blatt-Ornamenten in
den sattesten Farben gefüllt, die durch weiße Lichter noch leicht deko-
riert werden.
Die Initialen laufen in breites, buntes Ranken- u. Blattwerk aus, das
mit seinen goldenen Früchten oft den Text der ganzen Seite umspannt
Das leuchtende Oold der Initial-Umrahmungen und Früchte, das
kräftige Kolorit der Ornamente bilden eine prächtige Dekoration dieser
schönen Handschrift, zu der besonders glattes Pergament ausgesucht ist
Karl W« Hierseinann in Leipzig, Königsstrasse 3« Klatalog 330*
Manuseripte UaUensdien Urspnu^ies. XIL-XV.Jahrh. QQ
Abgesehen davon, daß zu Anfang u. Schluß sich einige Wurmstiche be-
merkbar machen u. die Deckfarben des Titel-Initials ein wenig abgerieben
sind, ist die Erhaltung des Pontificale eine sehr gute zu nennen. Die
3 ersten Seiten und das letzte Blatt, die einen anderen Schriftcharakter
tragen, sind später angeheftet worden u. enthalten einige Ergänzungen.
Die Handschrift stammt, laut handschr. Inschrift auf dem ersten Blatte,
aus dem Besitze der Familie de Dontal in Bazaze (Gironde).
66 SIzta« IV. Päpstl. Ablaßbrief für das Frauenhospital „S. Maria
de Mercatale Eugubino'^ (Oubbio). 1473. Sign. v. A. Trapezun-
tius. M. einer beigeklebten, dreiseitigen Bordüre m. figurenreichen
Darstellungen. Qr.-qu.-fol. 130.—
Das Blatt ist aufgezogen, die Bordüre hat in den Farben stark gelitten.
67 Statuten« — Erneuerte Statuten der Bruderschaft der Diener
Maria bei der Kirche S. Cecilia zu Poggio di Fiesole. Italie-
nische Pergament-Handschrift aus der 1. Hälfte des XV.
Jahrb., IQ beschriebene Bl. in-4 mit einigen Oebrauchsspuren in
gleichzeitigem, etwas wurmstichigem, aber wohlerhaltenem Holz-
band mit grflnem Lederüberzug, reich ornamentierten Messing-
Ecken, Buckeln u. 4 Schließen. 320.—
Schönes Erzeugnis der italienischen Buchbinderkunst der
Renaissance. Vorn eingeklebt das Ex-libris des Ftirsten Borghese.
Die Schrift ist kalligraphisch ausgeführt u. von tadelloser Erhaltung, mit
roten Oberschriften u. roten oder blauen Initialen, von denen die 3 ersten
reich verziert u. künstlerisch wertvoll sind. Die Statuten sind datiert vom
17. Jan. 1410. Am Ende eine durch den Notar Bartolo di Ser Donato
Jannini aus Florenz 1426 geschriebene Bestätigung des Bischofs Besozzo
da Frederigos von Fiesole, der zugleich den Teilhabern der Bruderschaft
einen 40 tagigen Ablaß gewährt.
68 VallasGO, Arno. — Questioni d'astrologia approvate con
l'autorita de la sacra theologia. Da Arno Vallasco dottore
Portughese composte. 8. ca. 1490. Cart, mit roter Seide über-
zogen. 22<K—
Italienisches Manuscript auf Pergament in prachtvoller Ausführung,
12 Bll. 13VaX21 cm. Das 1. Blatt hat ein großes, sehr fein in Oold
und Farben gemaltes Wappen mit astrologischen Emblemen, dem Titel
folgen 2 Dedicationen des Autors, die erste an Margarethe von Osterreich,
die zweite an Heinrich, Infant v. Portugal. Sogleich im Eingang des
Msc nennt der Verf. die Themata, die er behandeln will, zuerst über
den Einfluß der Sterne u. deren besondere Einwirkungen auf das Welt-
gebäude, wie auf den einzelnen Menschen, sodann über die Frage, ob
dem Christen seine Religion es gestatte, die Prognostica der Astrologie
zu gebrauchen.
Mit dem Ex-libris des Fürsten Borghese.
Karl W. Hienemaim In Leipzig, Kfinigsstrasse 3* Klatalog 330«
70 Manasapte italiensdim Ursprunges. XYL-XYIILJahrh.
69 Vergeiia«, Petrus Paulus, Humanist, geb. zu Capo d'Istria, f in
Ungarn 1444. De ingenuis moribus et liberalibus studiis. Papier.
XV. Jahrh. 89 BL 4. Reich goldgepn mod. Saffianb. 120.—
Sorgfältis^e Humanistenhandschrift An diese schließt sich foL 63
die kurze Biographie Vergerius' an, aus der hervorzuheben wire: ,,P.
Paulus dominio Venetorum se suspectum credens proinde vite sue non
parum timens in panoniam secessit opinatus non se tutam vitam in italia
esse ductunun, ibi diu vixit quantum augnrari possumus drdter triginta
et sex annos, mortuus est de mense Julij 1444 in pannonia . • • • Constat
tantum eum ibi diu habitasse in summo predo a pannonibus habitum.''
Hierauf folgen 2 Orationes des Verfassers.
Schönes Exemplar. — Vorsatzbl. u. einige wenige Textbl. fleckig u.
ganz gering wurmstichig -— mit 2maligem handschr. Vermerk von
neuerer Hand,
Manuscripte italienischen Ursprunges (inbegriffen
lateinisclie Manuscripte).
XVI.-XVra. Jahrh.
70 Anhoffer, St., sermones dominicales etc Lateinische fiand-
Schrift des XVII. jahrh. 179 Blatt in Folio zu je 2 Columnen,
Schrift schwarz und rot, mit vielen Abbreviaturen, aber sdir
gut lesbar u. gleichmäßig, mit einigen wenigen Miniaturen im
Text u. am Rande und ca. 20—30 farbigen, z. Teil reich mit
Ornamenten verzierten Initialen. 1663. 260« —
Sie enthält: I. Stephanus Anhoffer, sermones dominicales. 2Tle.von
55 u. 53 Blatt mit der Notiz am Ende: Finitum per me Stephanum Anhoffer
anno d. MDCLXIII etc
II. Liber sententiarum de diversis voluminibus, imprimis de caritite.
31 Blatt
IIL Historiae miscellaneae et allegoriae. 93 Blatt
IV. Historia naturalis de leone, de aquila, de serpente etc 7 Blatt.
71 Bolorna. — Philosophisches u. medidnisches Doctor- Diplom
der Universität Bologna für Camillus Zuccarius aus Correfiogio
unweit Modena. Tadellos erhaltene italienische PergL-Handsdirift
in latein. Sprache, datiert Bologna 18. Dec 1607. 8 Bl. 4. In
gleichzeitigem rotem Maroquinband mit Ooldpressung u. dem
roten Wachssiegel der Universität in einer Messingkapsel an
roter Seidenschnur hängend. 48. —
Die Schrift ist kalligraphisch ausgeführt, die ganze erste Seite u. alle
Eigennamen in Ooldbuchstaben, alles übrige schwarz. Am Anfang des
Textes das Wappen des Promovierten in Qold, Blau, Rot Als Schreiber
nennt sich der Notar Hemandus Valasius. Am Ende die eigenhändige
Unterschrift des Universitatskanzlers Rodulphus Paleottus.
Karl W. Hiersemaon in Leiptigr Kfinigsstrasse 3» Katalog 330»
Manuscripie itaUenisdim Ursprunges. XYL- XVIII. Jahrh. ^\
72 Carta caiitati« cum antiquis et novis definitionibus ordinis
Cisterciensis. Manuscript auf Pergament XVI. Jahrh. (1503).
Uteinisch. 94 Bl. 4. Prgtband. 1250.—
Fol. 1—8 Rubrica. Fol. 86: Explidt tabula condam Abbatis Egidij.
Fol. 9 leer. Fol. 10: Indpit prologus super cartam caritatis. Fol. 53b:
Explidt libellus diffinitionum conpUiatus (sie!). Anno domini MCCCCCiij.
Fol. 55 a: Statuta Cisterdensis ordinis. Fol. 74 a: Explidunt Novelle
diffinitiones Amen. Fol. 75 a: Indpit prologus super ordinationibus sununi
Pontifids domini Benedicti pape xij. Fol. 91b: Explidt hoc opus in
quo continentur Diffinitiones antique et noue ordinis Cisterdensis nee
non ordinationes domini Benedicti pape xij. ConpUiatus (sie!) per Jo.
Matheum de basilica petri Anno domini MCCCCCiij. Fol. 92b— 94:
Exordium Cisterdensis cenobij ac totius ordinis.
Sehr schöne, gleichmäßige Hs. in rot u. schwarz. Mit einigen
gemalten u. mit Oold gehöhten Initialen u. zahlr. rot u. blau gezeichneten
kleineren Anfangsbuchstaben. Auf fol. 10a ein hervorragend schönes
Porträt des h. Bernardus, des Gründers des Cisterdenserordens, bn Fond
die Initiale A: Halbfigur, in der Rechten ein Buch, in der Unken den
Bischofstab. Das Porträt hat nur auf der linken Stirnseite unwesentlich
gelitten u. ist im übrigen von ganz hervorragender Ausführung
sowohl im Hinblick auf die Zeichnung als auch auf das Kolorit
Auf fol. 2 der Stempel: Mon. S. Cruds in Jerusalem ord. Cist, auf
fol. 92 der Vermerk „Ad usum fratris Martialls Risij'^
= Manuscrit sur v^lin tr^ fin, toit en lettres romaines et om^ d'initiaies
en or et en couleurs et d'un portrait du S. Bemard, fondateur de Tordre
des Citeaux, ex^cut^ en minlature.
= Manuscript on vellum, finely written, with initial letter containing
miniature of the founder, and capitals finely illuminated in gold and
colours.
73 Dlssertatione historica e legale in diffesa della Veritä die due
Propositioni risultanti dagl' editti e decreti de Magistrati di Pie-
monte circa il modo, e la forma in che li Beni temporali delle
Chiese, e dtgV ecCIici sono tenuti, et affetti al Concorso, et al
pagamento de pesi Regij, osij Camerali, et in risposta delle
scritture presentate a S. A. R. dal Siz. Abbate, et Auuocato Con-
cistoriale Sardini, nelle quali vengono Le med«: Propositni riprese,
et criticate col supposto esser grauente lesiue et offensiue delP
Immunitä et Oiurisditione ecciica. — Breue Ristratto delle raggioni
piü palpabili di S. A. R. di sauoia nelle note pendenze, et delle
facilitä date per ottenere s. amicabile adequatf. — Documenta,
que ad fundandam facti veritatem adducuntur. — Summarium
renim, quae in singulis articulis continentur. — Hieronimi Marcelli
Comitis de Oubematis in senatu Nicensi Presidij. Edictum
Regis Labaudiae Celsitudinis erga Valdenses hereticos,
Karl W* Hierseinasm In Leipzig» Königsstrasse 3* Klatalog 330*
72 Mamtseripte iüUientschm Urspnutges. XVI.- XVIII. Jahrh.
et Romanae inquisitionis, crisi Vindicatum. Facti species pro
ueritate designatur. Mscr. In-Folio. 251 pp. 150« —
. Out leserliches sauber geschriebenes Manuscript aus der Mitte des
XVIII. Jahrhunderts auf starkem Papier.
Für Kirchengesdiichte und besonders für die Geschichte der Waldenser
von Wichtigkeit Ob gedruckt?
74 Dokumente, Akten, päpstl. Bullen etc zur europ. Oeschichte
vom XI. bis XVLJahrh. Manuscript in lateinischer, spanischer
u. italienischer Sprache. Sammelband von 185 Seiten in folio.
(ca. 1600). Pergt 325.—
Sauberes, gut lesbares Manuscript, die Kopien einiger seltener, inter-
essanter und wichtiger Traktate, Urkunden, päpstlicher Bullen etc. aus
den Jahren 1093—1578 enthaltend. Die einzelnen Stüdce sind:
1. Ant Torquati, med. doct Ferrariensis darissimique astrologi,
prognosticon de eversione Europae, quod Matthiae, Ungariae regi,
1480 direxit 5 Blatt
2. Copia de la Investidura de Julio II. hedia al Rey Catholico Don
Fernando del reyno de Napoles 1510. 10 Bl.
3. Instructio pro domino Phil, de Lalamy, P. de Maure et Nicolas
a Sys de rebus tractandis cum D. de Ruchepon . . (1578). 3 Bl.
4. Ein Document in span. Sprache mit der Unterschrift „^1 R^y y
Principe. Por m. de su Mag. Qonzalo Perez.'' 1555. 3 Bll.
5. Acuerdos del Emp. Carlos V. para Don Philippe Rey de CastOla,
hechos 1548. 11 Bll.
6. De ecciesiis Messanensi, Cephaludensi, Panormitana, Cathaniensi,
Agrigentina. 10 Bll. Von den ersten Hohenstaufen (Heinrich VI.) an.
7. Bullae Urbani II., Alexandri III., Qregorii IX., Oregorii XI. etc
14 BH.
8. Copia de la Investidura di Julio III. hecha al Rey Don Philippe
1554. 5 Bll.
9. Investidura de Sena hecha por el Rey Don Philippe al Cotme
de Medios 1557. 4 Bll.
10. Estado de las cosas de la yglesia etc. mit der Unterschrift: Deste
Conuento de San Paulo de Valladolid 1555. 10 Bll.
11. Copie di diuerse Bolle Apostolice et Privilegii Regii, race. p.
Oirolamo Vitale di Messina (Verzeichnis).
12. Zwei Tractate zur Oeschichte SicUiens u. der Normannen-Herr-
schaft in Süd-Italien, mit Beziehung auf No. 13.
13. Norman nen-Documente (24 SS.) aus Sidlien u. SQd-Italien,
hauptsächl. Herzogs- u. Königs-Urkunden Roger's II., Wilhelms I.
u. II. 1093—1176 (die 1. Jahreszahl korrigiert). In den Sammlungen
von Behring, K. A. Kehr, L. v. Heinemann nicht erwähnt
Die hier handschriftlich wiedergegebenen Urkunden u. Tractate sind
gewiß auch als Kopien wertvoll zu nennen, da sie zum Teil Einblatt-
Karl W* Hiersemann In Leipzig, Königsstraue 3. Klatalog 330*
Tafel 14.
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No. 65. F'ONTIFICALE ROMANUM.
XV. Jahrh. Italienisch.
Manuseripte Uaüenisdun Ursprunges. XVL^XVUL Jahrtu 73
drucke, deren Seltenheit ja bekannt ist, zum Teil wohl auch Überhaupt
ungedruckte Akten und Dokumente wiedergeben.
Au! der Innenseite des Deckels befindet sich die Notiz: „From the
library o! the Rev. Sparrow Simpson''.
75 Genua« — DelT vltime discordie e gverre civil! de' Oeno-
vesi delPan 1575. Papierhandschrift des XVIII. Jahrh. in Italien.
Sprache von tadelloser Erhaltung. Neuerer gelber Lederband in 4^
428 beschriebene und numerierte Seiten. Sorgfältige, gleich-
mäßige und leicht lesbare Schrift. Vom eingeklebt ein Brief des
Kardinals Oastaldi, dat. Bologna 17. Dec 1680. 250.—
Das Manuscript ist von hohem Wert für die Geschichte Genuas. Es
behandelt in ausführlicher Weise jene inneren Streitigkeiten, welche wäh-
rend des XVI. Jahrhunderts die Republik erschütterten, die Gegensätze
zwischen den Aristokraten und Demokraten, sowie der spanischen und
französischen Partei bei den herrschenden Klassen, die Versuche des
niederen Volkes, Anteil an der Staatsverwaltung zu gewinnen, die wieder-
holten Verschwörungen gegen die bestehende Verfassung und ihre Träger,
den zunehmenden Verfall des Handels, dem es nicht gelang, auf den über-
seeischen Märkten Fuß zu fassen, den damit zusammenhängenden Nieder-
gang der politischen Macht, wie er durch den Verlust von Chios an die
Türken 1566 und durch den mühsam unterdrückten Aufstand auf Corsica
1568 zum Ausdruck kam. Ein vorläufiges Ende der inneren Zwistigkeiten
wurde durch den Vergleich von 1576 herbeigeführt, der den aristokra-
tischen Charakter der Verfassung bestehen ließ und ihn durch die Er-
richtung des Tribunals der Staatsinquisition schützte.
76 Habiti soliti ad usari nella Corte Romana. Delineati da F.
Angelo Maria da Bologna, Minore osserväte. Per uso della
Libraria del Conuento Annunciata di Bologna. 84 Bll. In-Folio.
— Origine delle religioni et habiti che si usano da religioni di
esse. 91 Bll. In-Folio. — Habiti che per l'ordinario usano le
monache di varij ordini. 20 Bll. In-Folio. — Manuscript.
Halbpergbd. 600.—
Sehr wertvolle Original-Sammlung von Zeichnungen kirchlicher Ge-
wänder der hohen Geistlichkeit, der Kleidungen der Mönche und Nonnen,
herab bis zu den offiziellen Trachten der Zimmerreiniger und Lastträger
des Vatikans auf 195 Folioblättem (Zeichenpapier) in Wasserfarben gemalt,
mit der jeweiligen diesbezüglichen Unterschrift Voran gehen 3 Sonette,
welche zusammen 14 SS. einnehmen.
Auch kulturgeschichtlich höchst interessantes Stück. Von einigen wenigen
Gebrauchsspuren abgesehen sehr sauberes gut erhaltenes Manuscript
77 Leo Magnus, Papa, Sermones. Kl.- Folio. S. 1. et a. Alter
Ldrbd. 1800.—
186 Bll. Pergament-Manuscript aus dem Anfange des XVI. Jahr-
hunderts in kalligraphisch vorzüglicher Ausführung mit einer Miniatur u. Ol
omamentirten Initialen, worunter viele Buchstaben in mehreren Variatio-
Karl W« Hlersemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330«
74 ManuscripU Ualimisdim Ursprunges. XVI.^ XVIII. Jahrh.
nen, in Oold m. blau-grün-rosa Oraamenten. Bl. 1 zeigt uns den Buchstaben
D (68x69 mm) in Ooki mit sich herumschllngendem Rankenwerlce in
blau-grün-rosa; in der Mitte des Buchstabens das Bildnis des Papstes
Leo I., auf einem Stuhle sitzend und in einem Buche lesend. Im Hinter-
grunde einige Bäume. Die ganze Seite ist an 3 Rändern von einer Blatt-
und Rankenverzierung in den gleichen Farben wie die übrigen Initialen
umgeben, auf der unteren Leiste 2 Engelsfiguren, ein Wappen haltend.
Vertreten sind die Buchstaben A in 4 Variationen, C in 9, D in 8,
E in 8, F in 2, O in 3, H in 8, J in 9, L in 2, M in 2, N in 2, O hl 6,
P in 7, Q in 3, S in 18 Variationen, V in einer, sodaß an einem voll-
ständigen Alphabete nur 9 Buchstaben fehlen.
Sehr wertvolle Handschrift, wohl italienischen Ursprungs.
Der alte gleichzeitige Ledereinband ist mit reichlichen geschmack-
vollen Blindpressungen versehen, deren Mittelpunkt eine Rosette bildet,
welche zwei trapezförmige Pressungen (verschlungene Bänder darstellend)
umgeben. Reizend machen sich die zahlreichen kleinen Rosetten zwischen
den Randverzierungen. Die Schließen fehlen.
Der Einband Ist nicht mehr ganz tadellos erhalten.
78 Pavia* — Urkunden der Universität Pavia.
a) Sehr gut erhaltene lateinische Pergament-Handschrift des
XVII. Jahrhunders, italienischen Ursprungs, 5 beschriebene Bll. in
klein-rolio, enthaltend eine Urkunde der Universität Pävia vom
Juni 1626, durch welche sie dem Senator und Präsidenten Johannes
Baptista Trott us w^en seiner vielfachen Verdienste um Stadt
und Universität fOr sich und seine männlichen Iq^timen Nach-
kommen oder in Ermangelung solcher für die Familie seines
Bruders Aloysius für ewige Zeiten alle Rechte und Freiheiten
verieihty die sie auf Orund ihrer Privilegien ihren Angehörigen
gewähren kann. Die Schrift ist kalligraphisch ausgenihrt, der
häufig wiederkehrende Name und Titel des Trottus jedesmal mit
Ooldouchstaben geschrieben. Am Schluß der Urkunde eine
notarielle Beglaubigung. Jede Seite des Textes ist von
einer schmalen Öoldleiste umrahmt Geschmackvoller
Pergamentband mit reicher Ooldpressung, gute gleich-
zeitige Arbeit, auf dem Deckel ein Wappen in OoTd und
Farben.
b) Bestätigungs-Urkunde des Königs Philipp IV. von
Spanien als Herzog von Mailand für das eben erwähnte Privileg
des Trottus, datiert Mailand, 27, Juli 1627. Pergamentblatt von
540X643 mm mit kalligraphisch ausgeführter Schrift, unterzeichnet
von dem kgl. Secretär Johannes Baptista Saccus. Der Name
und z. T. auch der Titel des Königs besteht aus großen Oold-
buchstaben. 320. —
Karl W« Hlenemaiin in Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330»
Manaseripig itaUenischen Ursprunges. XVI.-XVUL Jahrtu
75
79 Profetie diverse. — Italie-
nische Päpierhandschrift des aus-
gehenden XVI. Jahrhunderts. 167
von verschiedenen Händen be-
schriebene Bl. in-4, zum Teil
etwas beschädigt und mit Oe-
brauchsspuren, lose in einem
gleichzeitigen Pergamentband
li^end. 600.—
Die Prophezeiungfen sind meist
in italienischer, zum Teil aber auch
in lateinischer Sprache abgefaßt
Sie beziehen sich vorwiegend auf
kirchliche Dinge, namentlich auf
das Papsttum, hier und da auch
auf bedeutsame politische Ereig-
nisse, wie die Türkenkriege. Zur
Erläuterung des Textes dienen 630
Federzeichnungen, von denen einige
koloriert sind. Die Ausführung
und der Kunstwert dieser Bilder ist
sehr verschieden. Manche sind nur
ganz flüchtige Skizzen, andere zei-
gen sorgfältige Technik und eine
erstaunliche Phantasie vor allem in
der Darstellung von apokalyptischen
Tieren und fabelhaften Ungeheuern.
Viele Bilder sind ohne Text u. daher
noch zu deuten. Als Verfasser der
Weissagungen werden außer eini-
gen berühmten mittelalterlichen
Propheten, wie dem Abt Joachim
von Floris, der hl. Brigitta von
Schweden und dem Reformator des
Frandscanerordens Bemardius von
Siena, auch zahh'eiche minder be-
kannte Persönlichkeiten erwähnt;
so der Minorit Berardus Odonis,
der Erzbischof Malachias von Ar-
magh, Severus, Agabilus Heremita,
Joannes Abbas, Lodovico Pal-
miero, Fra Egidio Polonio, An-
drea Oaleroni da Siena und Gio-
vanni da Bergio. Zur Datierung
des Werkes ist die Unterschrift
einer Widmung von Wert: Bresda,
1. Febr. 1572.
Profetie diverse. — Italian
manuscript on paper of the
end of the 16th Century. 167
leaves, Witten by various
hands, 4to, partly somewhat
damaged and with traces of
use, loose in a contempora-
neous parchment cover.
600.-
The prophedes are mostly Mat-
ten in Italian, and partly in Latin.
They principally refer to ecdesiastic
affairs, especially to popedom; here
and there they bear on political in-
ddents, as for instance the wars
against the Turks.
630 pen-drawings, some ofwhidi
are coloured, illustrate the text.
As to execution and artistic merit,
these drawings differ very much
from one another. Some of them
are hasty Sketches, others show
much technical skill and stuppen-
dous Imagination, espedally in the
representation of apocalyptic ani-
mals and monsters. To many
drawings the text is missing, so
that their meaning can only be
supposed.
Besides some famous medioe-
val prophets, as Joachun of Flo-
ris, St Brigitta of Sveden, Ber-
nardinus of Siena, a great many
little known or quite unknown per-
sons are mentioned as authors, e.
g.: Berardus Odonis, Ardibishop
Malachius of Armagh, Severus,
Agabilus Heremita, Joannes Abbas,
Lodovico Palmiero, Fra Egidio Po-
lonio, Andrea Oaleroni da Siena
and Oiovanni da Beigio. The dedi-
cation is dated: Bresda, Ist of
febr. 1572.
Karl W* Hiersemann in Leipzig, Königsstrasse 3. Katalog 330«
76 Mamiscripie iüiUenisehen Ursprunges. XVI.-XVIILJahHu
80 Sammltuiff von 12 Berichten: die Päpste Paul IV., Pius IV.,
Sixtus V., Clemens VIII., Urbanus VIII., einige andere bedeutende
Persönlichkeiten, Männer wie Frauen ihrer Zeit; nebst einem
13. Bericht, die Sitten, Kostüme u. Gepflogenheiten des mosko-
witischen Oesandteti in Venedig; betreffend. Original-Handschrift
auf pergamentartigem Papier m italienischer Sprache, um das
Ende des XVII. Jahrh. angefertigt; 156 Bl. mit durchschnittlich
19 Zeilen auf der Seite, einen Rand von 3 bezw. 4 cm frei-
lassend. 4. Pergt 215.—
Inhalt: Bl. 1: unnum.: Inhaltsverzeichnis. Bl. 1: num.: Relazione
della morte del Card. B. Carlo Carafa fatto morire in Castello S. Angelo
da Pio IV per i seguenti delitti. Bl. 7: Relaz. della morte della Sig.
Duchessa di Paliano. Bl. 13: Accuse e discolpe del sudetto, della morte
della Duchessa di Paliano, di Marcello Capece del Conte d'Aliffe, di
B. Leonardo di Cardines e della recapitazione del Duca di Paliano.
Bl. 21 : Relaz. della giustizia seguita in persona d'Onofrio Santacroce . . .
1612. Bl. 25: Relaz. della morte di Troilo Savelli seguita nel «Ponti-
ficato di demente VIII. Bl. 33: Anno secondo di Sisto V. e sue segna-
late giustizie. Bl. 41: Rel. d'alcuni memorie di Sisto V. e d'alcuni,
che passarono a morte violenta dal med. Sisto fatti punire nella vita.
Bl. 49: Relaz. della morte di Oiacomo e Beatrice Cenci e di Lucrezia
Petroni Cend ... Bl. 66: Relaz. delP infausti successi e morti della
Signora Vittoria Accoramboni moglie di B. Paolo Oiordano Orsini Du-
chessa di Bracdano, e Ludovico Orsini strangolato con un lacdo di setta
cremisi. Bl. 83: Relaz. del modo usato da demente VIII. in refrenare la
baldanza de' Baroni Romani. Bl. 89: Della vita di Urbano VIII. della sua
puerizia all assunzione del Pontificato. Bl. 138: Curiosissimi costumi
dei figuri Ambasciatori Moscoviti che ora si trovano in Li-
vorno per passare all' Ambasciada di Venezia. BL 141: Relaz.
dell' enormissimo delitto commesso da Oiadnto Contini nipote del Card.
d'Ascoli per fare morire Papa Urbano VIII. Bl. 150: Relaz. della male-
dizione paterna nella morte dei fratelli de Massimi.
Wohl erhaltene u. gut leserliche Handschrift, die, soweit bekannt,
nicht gedruckt, und die bezüglich ihres Inhaltes von hoher historischer
u. kulturhistorischer Bedeutung ist Die Berichte über die genannten
Päpste, den derzeitig herrschenden Nepotismus, sowie über die Personen
der berühmten italienischen Adelsgeschlechter der Orsini und dem diesen
verschwägerten Geschlechte der Accoramboni bieten der detaillierten
Enthüllungen sehr viele und werfen interessante Streiflichter auf jene
Zeitepoche.
81 Sammltuig von Beschreibungen, Berichten, Aufsätzen etc mit
mannigfaltigem historischem Inhalt. Manuscript in italienischer
Sprache von 404 Bll. Fol. (Blattgr. 23X33 cm.) Mitte des
XVII. Jahrh. Pgt. 225.—
Die Handschrift ist zumeist schön u. gleichmäßig auf dünnem perga-
mentartigen Papier (einige Bll. Schreibpapier u. klein. Formates), einen
Karl W. Hlenemann in Leiptlg^ Königsstrasse 3* Katalog 330.
Manaseripie italienischen Ursprunges. XVL—XVULJahHu 77
Rand von drka 5 an freilassend, angefertigt; Blätter doppelseitig be-
schrieben mit durchschnittlich 25 Zeilen auf der Seite.
Kollation: Bl. 1—13: Sommario d'alcune cose degne di Memoria
della Religione dell'Hospitale di S. Oio. di Oierusalemme et dei Cava-
lieri di essa; interlocutori Mgr. de Oiustiniani, II Comm. Cambiano et Em.
Oer. Quirini. 14—16 (weiß). 17—38: Relatione del Regno di Cipro dal
Signor Ascanio Savorgnano alla Signoria di Vinegia. 39 — 42 (b): In-
formatiöne copiosissima et compendiaria delForigine et attioni della
Religione di Malta con Uordine ches elegge il Oran. M. et Can. con
i ches oblighi in forma di dialogho. Interlocutori Mgr. Oiustiniano il
Comendator Cambiano et Mgr. Oirolamo Quirinus. 43 — 46 (weiß). 47: In-
formatione deirinstitutione, privilegi et oblighi della Religione de' Cav.
di Rhodi, hoggi di Malta, con alcune particolarita di quelF Isola ecc.
82: Indice di cose notabili della Religione di Malta. 82 (weiß). 83—91:
Informatione del Vescovo Jolfino, data al Card. Carafa sopra Tultimo
convento di Francfordia, convento di Pattavia fatto nel 35, diete di Augusta
nel 55, di Ratisbona nel 57, et ultimo colloquio di Wormatis. 92 (weiß).
93 — 97: Ragguaglio della natione de Svizzeri, stati, loro forze et modo
di vivere. 98 (weiß). 99—101 (a) : Sommario della forma e modo di nego-
tiar in Svizzera. 101b — 107: Sommario di alcuni successi et cose piii degne
delli Svizzeri et come Zürich fu edificata. 108—109: La forma che servono
li Svizzeri Orisoni nel reggimento et governo loro et il modo et forma
di negotiare. 109—110: Come eleggono li loro capi ecc 112— 114(a):
Reverendissimo, Illustrissimo Principi Melchiori, ex nobili Zebeliorum
Franconiae familia, episcopo Herbipolitano seu Wurzeburgo, Dud Fran-
coniae Mameranus etc. 114(b) — 122 (a): Quod Mauritius Dux Savoniae,
electoratus, dominorum nonnuUorum Regalia, et investituram susce-
perit etc. 122—136: Descrittione della Spagna. 137—150 (a): Sermone
fatto nelle solennissime essequie di Carlo V Imper. per lo suffraganeo
d'Arras. 151 (b)— 165: Capitolo delPAmidtia et buona vidnita tra le Cesa-
rea Maesta et TEcc Ferrando Oonzaga per lo stato di Milano et 11 Signori
delli XIII Cantoni Svizzeri. 166 (weiß). 167—186: Relazione copiosis-
sima del Regno di Cipro del Sig. Ascanio Savoi^ano. 187 (weiß).
188—204: Quello che si trahe di Cipro ogni anno, et alcune qualita
delPIsola et degli habitatori dell'anno 1558. 205— 229 (a): Relatione del
Clar. M. Daniel Barbaro dopo la legatione dMnghilterra fatta nel senato
nel mese di maggio Tanno 1551. 229 (b)— 230 (a): La sentenza d'Inghil-
terra Clemens Papa VII. 231—259: Relatione fatta per M. Marco
Foscari neirEcc. Consiglio di Venetia della legatione di Fiorenzo. 260
(weiß). 261—312: Relatione di M. Vincenzo Fedele del Duca di Fio-
renzo nel 1562. 312—314 (weiß). 315—319: Relatione del primo con-
gresso fatto dalli deputati deirimperatore et Re di Franda presso Cal^s
per la pace fra dette Maesta. 320 (weiß). 321—362: Relatione di Fran-
da riferita in Senato Veneto in questi Ultimi anni dopo la guerra dalFAm-
basc Oio. Comaro. 363—423: Relatione del Clar. M. Maria Cavalli
ritomato Ambasdatore di Franda dal Re Francesco l nel 1544. 424 (weiß).
Der Band ist teilw. stark stockfleckig.
Karl W* HIenemann in Ldptig, Könlgsstrasse 3* Katalog 330*
78 Manuscripte iialienisdien Ursprunges. XYl.-XVUI.Jahrh.
82 Sayorgnano, Ascanio. Descrittione delle cose di Cipro con
le ragioni in favore o contra diverse opinioni et delle provisioni
che erano necessarie per quel r^[no. 120. —
Italienische Papierhandschrift aus der 2. Hälfte des XVI. Jahrh., 47
doppelseitig beschriebene Bll. in gleichzeitigem braunem Lederband mit
Ooldpressung. 4<>. Sorgfältige, deutlich lesbare u. tadellos er-
haltene Schrift Die Vorrede ist datiert vom 25. Jan. 1575. Als Schrei-
ber nennt sich Francesco Marcaldi aus Ferrara. Der Verfasser
Savorgnano, ein venezianischer Patrizier, unternahm kurz vor dem
endgiltigen Zusammenbruch der Herrschaft seines Vaterlands auf Cypem
im Auftrage der Signoria eine Reise nach der Insel zur Untersuchung
der dortigen militärischen, politischen u. wirtschaftlichen Ver-
hältnisse. Das Ergebnis seiner Beobachtungen stellte er in der voriiegen-
den interessanten u. wertvollen, anscheinend ungedruckten
Denkschrift zusammen. Er fand zahlreiche Mißstände, die schließlich
dazu führten, daß 1571 die Türken nach tapferer Gegenwehr des vene-
zianischen Statthalters Bragadino die Insel endgiltig eroberten.
83 Torre, Fr. della. Relatione de! conte Francesco della Torre
ambasciatore cesareo inviato alla Maesta dell' Imperatore. 160. —
Interessante u. wertvolle Handschrift in italienischer
Sprache aus der 2. Hälfte des XVII. Jahrh. 514 doppelseitig beschriebene
Bll. in 4, in gleichzeitigem Pgtband. Der Verfasser, über dessen Leben
die kurz nach seinem Tode erschienene Relatione sucdnte delle cere-
monie da praticarsi nel funerale del Francesco Ulderico della Torre
(Venezia 1695, vgl. Cicogna, Bibliogr. Veneziana No. 1656) nähere Mit-
teilungen bringt, weilte jahrelang als kaiserlicher Gesandter in Venedig
u. stellt in dem vorliegenden Werke in systematischer Anordnung alles
das zusammen, was er in dem merkwüidigen Staatsleben beobachtete
u. erlebte. Vor allem schildert er die Verfassung u. Verwaltung
der Republik, die Behörden vom Dogen u. dem Rat der 10 an bis zur
Staatsinquisition, den Adel u. die Geistlichkeit, die italienischen u. aus-
wärtigen Besitzungen, die Vertretung der heimischen Interessen im Aus-
lande durch Gesandte u. Konsule, das Heerwesen, die Seemacht u. die
Finanzlage. Dabei erläutert er die Verhältnisse der Gegenwart durch
historische Rückblicke in die Vergangenheit, gelegentlich auch durch
Ausblicke in die Zukunft, die ihm bei dem deutlichen Hervortreten mannig-
facher Verfallserscheinungen nicht sehr hoffnungsvoll erscheint Von be-
sonderem Interesse sind seine Schilderungen des Volkslebens, die wert-
volle Beiträge zur Sittengeschichte der Lagunenstadt enthalten. Das Werk
ist lange nach seiner Entstehung wiederholt gedruckt worden, zuerst in
einer nicht sehr getreuen Bearbeitung (Prospetto storico critico del pas-
sato govemo Veneto, Venezia 1797, vgl. Cicogna a. a. O. No. 1107),
dann im Wortlaut (Relazione suUa organizzazione politica della Republica
nel cadere del sec XVII, ed. Giuseppe Bacco, Vicenza 1856, vgl. Soranzo,
Bibliogr. Veneziana No. 1480, dazu die Bemerkungen von Cicogna in
der Gazzeta uffiziale di Venezia, 7 febbraio 1856).
Karl W« Hlersemann in Leipzigf Königsstrasse 3* Katalog 330»
ManuscHpte UaUenischm Ursprungs XVL-XVUL Jahrtu 79
84 Tragedia di San Bonifatio rapresentato anno 1639. Manu-
scrlpt in Sedez. 45. —
In gleichzeitigem dankelroten Maroquinband mit Oold-
pressung und Goldschnitt In der Mitte der beiden Deckel ein Löwe,
von feinen Doppellinien umzogen, die mit schönen Voluten umsetzt sind.
Das so gebildete Rechteck ist von einem Ritterhelm gekrönt und endigt
in einem hängenden Blattornameni Die Ecken sind mit feinen streben-
den Ornamenten gefüllt Das Ganze abgeschlossen mit Doppellinien
und Filets. Auf den fünf Feklem des Rückens wiederholt sich das
Löwenornament
85 Treviso. Statuta civitatis Tarvisii. Pergt-Hs. XVI. Jahrh. (1552).
109 Bl. Lat 4. Schön gepr., goldverz. altvenezianischer Lwb.
In der Mitte innerhalb zweier gekreuzter Quadrate in einem
Doppelkreis Jacobi Suriano^ auf dem RQckdeckel in ebensolcher
Anordnung „MDLH". Die beiderseitigen Felder von je einem
goldgepr. Arabeskenband eingefaßt Ooldschn. 550. —
Beginnt: De bladis non portandis extra districtum Tanxisij et Oene-
tae alio quam Venetiis. Fol. 107a: Datum in nostro ducali Palatio die
28 Aprilis M.D.L.11. H. Murianus secretarius.
Kulturgeschichtlich interessantes Manuscript
86 Vifi^ola- Regole delle cinque ordini d'architettura. —
Italienische Papierhandschrift aus der 2. Hälfte des XVI. Jahrh.,
enthaltend architektonische Risse nebst eriäutemdem Text. 44 Bl.
4^ in einer mit Leder überzogenen Kapsel des XVIII. Jahrh. mit
dem Aufdruck: Ex Mss. autographis Jacobi Barotii de Vignola.
280.—
Inwendig das Exlibris des Cardinais Giuseppe Oarampi, des
bekannten italienischen Bibliophilen (1723—92), von dessen reicher Bib-
liothek Marino de Romani einen Katalog bearbeitete, der 1796 in Rom
in 7 Banden im Druck erschien. Ob das Manuscript wirklich ein Ori-
ginal von der Hand Vignolas (1507—1573), des berühmten Theoretikers
der Baukunst u. Architekten der Peterskirche in Rom, oder eine Ab-
schrift ist, müßte erst durch Vergleichung mit authentischem Material
festgestellt werden. Doch erscheint die Echtheit mit Rücksicht auf die
Autorität Oarampis wahrscheinlich. Das grundlegende Werk Vignolas
über die Säulenordnungen mit anfangs 32, später mehr Kupfertafeln,
erschien zuerst Rom 1563, dann in zahlreichen Neudrucken, Nachstichen
u. Obersetzungen. Die hier vorliegende Handschrift enthält in Feder-
zeichnungen die Tafeln 4 — 32 auf die halbe Größe reduziert u. mit
Weglassung nebensächlicher dekorativer Einzelheiten, sowie den zuge-
hörigen Text, der von dem Druck nur unbedeutend abweicht Auf den
übrigen BU. finden sich alleriei geometrische und architektonische Kon-
struktionen, die in dem gedruckten Werke nicht vorkommen.
Karl W« Hlenetnann in Lelpzigf Königsstrasse 3* Katalog 330»
80 ManuseripU niedaiändisdim Urspnu^ies. XlV.—XV.Jahrh.
Manusciipte niederländischen Ursprunges.
. XIV*— XV* Jahrh.
87 Höre de sancta cruce. Höre de sancto spiritu. Missa beate
marie uirginis secundum vsum romanu. Höre beate marie uii^'nis
secundum vsum romanu. Officium beate marie uirgTs. Septem
psalmy. Vigilie mortuorum. Lateinisches Pergamentmanu-
script von 127 unnum. Bl. (19X127, cm) mit Calendarium und
geschmückt mit 14 -großen Miniaturen (11X7V, cm) und
ebensoviel großen gothischen Initialen (3X4 cm), welche
beide ringsum von breitem, die Höhe und Breite der Seite ein-
nehmenden Rankenwerk (Blumen und Pflanzen) in gothischem
Stil eingefaßt sind. Außerdem sind 8 kleinere, auf drei Seiten
von ähnlicher aber noch feinerer Randverzierung umgebene
Miniaturen {3X3^ L cm) vorhanden, sowie 232 mittlere und
mehrere hundert kleine gothische initialen. Der ganze Buch-
schmuck ist kflnstlerisch sehr fein und reich in Farben und
Oold ausgeführt 8. Ooth. Schrift, 27 Zeilen ca. Ende d. XV.
Jahrh. In dunkelviolettem Samtband m. O. 3800. —
Prachtvolles, sehr sauber und leicht leserliches Pergamentmanu-
script, welches, abgesehen von unbedeutenden Oebrauchsspuren an
wenigen unteren Ecken der beiden Bordüren, sowie von einigen Stellen,
wo letztere etwas scharf beschnitten sind, vorzüglich erhalten ist
Die farbenprachtigen und künstlerisch ausgeführten 14 großen Minia-
turen, welche mit den sie umgebenden gothischen Randverzierungen die
ganzen Seiten füllen, stellen der Reihe nach dar: 1. Christus am Kreuz,
umgeben von Maria nebst 2 Jüngerinnen auf der einen und dem Hohen-
priester und 2 Kriegsknechten auf der anderen Seite. Darunter die Engel
mit Wappen, auf dem die Taube mit dem Ölzweig dargestellt ist Dies
Symbol kehrt in No. 3, 4, 6, 8 u. 10 wieder. 2. Die Jünger und Jünge-
rinnen im Gebet um das Kommen des Heil. Geistes. 3. Maria mit dem
Jesuskinde, rechts und links je ein musizierender Engel. 4. Mariae Ver-
kündigung. In der Rechten des Engels ein Spruchband mit der Inschrift:
„Aue gratia plena dominus tecum'^ 5. Maria besucht Elisabeth. 6. Maria
und Joseph, zwischen ihnen das neugeborene Jesuskind nebst zwei knie-
enden Engeln. 7. Die Hirten empfangen aus Engelsmund die Botschaft
von der Geburt Christi. 8. Anbetung der Heil, drei Könige. 0. Dar-
stellung Jesu im Tempel. 10. Der Kindermord zu Bethlehem. 11. Die
Flucht nach Ägypten. 12. Christus auf dem Throne, angebetet von
Maria und 3 Engeln, von denen einer die Laute spielt Interessant be-
sonders die wunderbar schön und reich in Gold gemalte Mosaikwand.
13. König David im Gebet, vor ihm die Harfe und oben Gottvater.
14. Eine Totenmesse.
Auf den 14 gegenüber stehenden Seiten je eine der großen gothischen
Initialen in Farben und Gold, umgeben von gleich großen Bordüren.
Die 8 kleinen Miniaturen zeigen: 1. Maria mit dem Leichnam Christi
auf dem Schoß (Initiale). 2. St Johannes. 3. St Sebastian. 4. Ritter
Karl W. Hlersemann in Ldptlgf Könlgsstrasse 3* Katalog 330»
Manuseripte niederländisdim Ursprungs XlV.-XV.JahHu 81
mit erhobenem Schwert, ihm zu Füßen ein Löwe. Das Bild bezieht sich
auf den Märtyrertod des Heil. Adrian. 5. St Antonius. 6. Die Heil.
Barbara mit dem Turm. 7. Die Heil. Katharina mit dem Rade. 8. Maria
Magdalena.
Der Bilderschmuck dieses reizenden Livre d'heures stammt von einem
Künstler der niederdeutschen Schule.
88 Psalter u. BreviariuiiL Lateinische Persfament - Handschrift.
Niederiändisch. Von 1400, wenn nicht früher. 274 Bl., 2 un-
beschrieben, mit 10 kostbaren, in Oold und Farben gemalten
Seiten (Initiale und Randschmuck), außer den blau und roten
mit der Feder gezeichneten und ornamentierten Initialen und
Randverzierungen, welche sich durch das ganze Büchlein hin-
durchziehen. Die Erhaltung von jener eic^entümlichen Sauberkeit
und Farbenfrische, wie sie oft gerade bei den vorzüglichsten
Werken der Miniaturkunst zu finden ist Die Ränder blieben intakt^
als die Hs. im XVIII. Jahrh. einen neuen Einband (mit rotem
Lederrücken) erhielt Eintragungen aus verschiedenen Epochen.
274 Bl. 12* Format 925.—
Auf dem ersten, ehemals unbeschriebenen Blatt liest man in Schrift-
zügen des XVIII. Jahrh. Joan Ernst Nob. ab Udenau, Conseiller et
Doyen ä • . ., der Rest wegradiert, gleichermaßen wie eine spatere Ein-
tragung. Auf dem 2. BL: Dit boock (oder boeck) hoort toe Katarina
Wienham Vrou van Coningyelt, geweest 1583., Der Kalender, welcher
die ersten 11 Ell. (abschließend mit einem weißen Zwischenbl.) fflllt,
zeigt Eintragungen aus der Entstehungszeit des Buches, so zu einer der
beim März eingetragenen 21ahlen die Randnotiz: den eersten Sonedach
die volghet nac desan gülden gthal (d. i. Zahl) is altit paes dach (d. i.
Passah-, Oster-Tag). Der Kalender selbst bietet die besonderen Hei-
ligen-Namen der Niederländer: Pondaen 14. Jan., Odulf 12. Juni, Lebuin
25. Juni, 12. Nov., Willibord 7. Nov. Der Text selber zeigt mehrere
holländische Oberschriften in den auf den Psalter folgenden Gebeten,
kurz vor dem illustrierten BL: De sta trinitate ymnus. Der Psalter hat die
im Mittelalter vielfach üblichen Abteilungen mit Illuminierung: bei Psalm
1, 26, 38, (51), 52, 68, 80, 97, 109, wovon nur 51 nicht zu den ganz
gewöhnlichen gehört Dazu kommt hier als zehnter noch der Anfang
des Canticum „ysaie^^: Confitebor. Die Pracht-Initiale, bald höher bald
tiefer stehend, nimmt von dem zierlichen Text der Seite über den halben
Raum ein. Der große Buchstabe steht blau auf Goldgrund oder gokien
auf einem farbigen Grunde, welcher nach Art eines Wappenschildes in
vier verschieden gefärbte Felder eingeteilt ist: Blau und ins Orange
fallendes Rosa, von feinen, weißen Linear-Mustera durchzogen, wie auch
das Buchstabengerüst selbst, während der geräumigere goldene Innen-
grund Rankengeäst mit einem Dreiblatt besonderer Form aufweist. Das
Ganze bildet ein für sich abgeschlossenes Quadrat und ist gleichsam wie
eine Plaquette mit Nagellöchem an den Rändern behandelt; wo aber
seitliche Auswüchse auftreten, zeigen sie französisch beeinflußte Pro-
fitierung; doch auch da stehen sie mit der Randleiste nur in geringer
Karl W. Hlersemann in Ldpitlgf Könlgsstnuse 3* Katalog 330»
6
S2 Mänascripte nitdedändisdim Ursprunges, XVI.-XVIU.Jahrh.
Verbindung^. Der Text nämlich, welcher innerhalb von vier scharf ge-
zogenen Linien steht, wird bald an drei Seiten, bald an wenigeren eng
umgrenzt von einer goldenen und farbigen Leiste. Um die Ränder aber,
an drei Seiten, oder auch nur oben und unten, legt sich die zarteste
und stilvollste Bordüre, welche man erdenken kann; es wechseln darin
kräftige Ranken mit einer Fülle von Pflanzen und natürlichen kleinen
Blumen, die mit ihren feinen Stengeln und hellgrünen Blättchen sich
dem Räume anschmiegen und gewissermaßen dort gewachsen zu sein
scheinen. Der Wechsel der Farben und ihre Abtönung ist von der äußer-
sten Delikatesse und so vollendetem Geschmack, wie die Disposition
des Ganzen; das vielfache Gold wird dabei ohne Oberladung, doch äußerst
wirksam und mit großem Geschick verwendet, bald gemalt, als Lokal-
farbe mit Zeichnung und Schattierung darüber, bald aufgelegt; letzteres
namentlich bei den zahh'eich eingestreuten Stacheläpfeln. An diesen be-
merkt man, daß sie nicht wie in anderen Stilen gerade lange Stacheln
haben, sondern eher Protuberanzen, Fäden, wie sie, stets mit der Feder
und Tinte gezeichnet, auch sonst hier überall lose umherfliegen,
und in diskreter aber wirksamer Weise dazu dienen, dem weißen Grund
eine gewisse Tönung zu geben. In solchen Elementen wie auch in den
unzusammenhängenden großen Ranken mag man weniger Symptome
einer Zersetzung, als einer noch nicht völligen Beherrschung des Stiles
erkennen. Figürliches, das uns einen Einblick in den Stand der Dinge
eröffnete, ist nicht vorhanden, außer einem äußerst naiv gezeichneten
Löwen auf dem 1. Textblatte. Jedenfalls aber haben wir eine Leistung
vor uns, die an duftiger Eleganz im Einzelnen und harmonischer Wir-
kung im Ganzen nicht leicht zu übertreffen war und auch von den spä-
teren Werken vlämischer Miniaturkunst nicht übertroffen worden ist
Manuscripte niederländischen Ursprunges.
XVI.— XVIIL Jahrh.
8Q Benninge, Sieke, Cronykel der Vriescher Sanden ende der
Stadt Gronningen. In drie Deelen. 1527. Fortgeführt bis 1711.
Manuscript in holländischer Sprache von 450 Seiten. Fol.
(Blattgr. 20X30 cm). Hfz. 300.—
Die Handschrift ist zumeist von gleicher Hand auf pei^amentartigem
Papier, größtenteils einen Rand von 12 bezw. 5 cm freilassend, herge-
stellt, doppelseitig beschrieben u. teilweise mit Randbemerkungen, die
den nebenstehenden Text kurz skizzieren. Titelblatt u. eine Biographie
Benninge's, die der Chronik vorgesetzt worden sind, stammen von dem,
der die Handschrift beendet hat Die Numerierung der Seiten ist nicht
laufend, sondern bei jedem neuen Teil wieder mit 1 beginnend.
Kollation: pp. 3 (unnum.): Titel. — pp. 4 — 6: Het Leven van Sicoo
Benninga meest al uyt syn eygen Schriften. — pp. 1—7 (num.): Dat
Prologus. — pp. 0: Hyr begint dat eerste deel van dit Boech der Chro-
Karl W« Hlefsemann in Leipzig» Könlgsstrasse Z. Katalog 330»
Manttscripte slavisdim Ursprunges de. XVlL-^XlX.JahHu 83
nykel. (9—38). — pp. 1 : Hyr begunt dat Anderde pari ofte Dcel des
Boex ende der Cronica van Oronningerlandt (Autor dieser Chronik ist
bis pp. 23 Johann von Lomings, von 23—63 Benninge.) — pp. 67—71:
Privilegium Frisonum. — pp. 1—331 (von 275 unnum.): Derde Deel.
Die Handschrift wurde in ihrem größten Umfange um die Mitte des
16. Jahrh. angefertigt Der Chronist, Borger u. Raatsheer in Groningen,
erzahlt in ausführlicher Weise die reiche Geschichte der Friesen. Mit
des Volkes Urgeschichte beginnend, berichtet er von ihren Stammver-
wandten, von der frühesten Ausdehnung des Landes — von dem jetzt
zu Deutschland gehörenden Teil — von den Landesteilen, die bezüglich
ihrer späteren kirchl. Verwaltung zu den sächsischen Bistümern Münster
u. Bremen gehörten, von den Kämpfen mit den Franken im 7. Jahrh.,
von der Einführung des Christentums durch St Bonifadus u. dessen Be-
gleiter, von des Ersteren Erschlagung bei Dokkum, von den Privilegien,
die Karl d. Gr. u. Andere den Friesen gewährten, von des Landes geistl.
u. weltl. Regenten, von deren Einrichtungen, aber auch von den vielen
Streitigkeiten, die jene beständig hatten; er berichtet vieles von den
Kämpfen der burgundischen Herzöge u. von den Stürmen, die der ent-
standene Religionsstreit mit sich brachte. Sehr detailliert sind auch die
von 1594 — 1711 geschriebenen Nachrichten, betreffend die Männer, die
in Groningen ein öffentliches Amt bekleidet haben.
Die Chronik Johann Lomings ist nachträglich in Druck erschienen,
die von Benninge, soweit bekannt, nicht
Vermutlich war der Besitzer des Buches Egbert Heting, oder ein
anderer aus der angesehenen Groninger Familie.
(Boot, Abr.), Joumael (ende origineel Handschrift) van de
Legatic, gedaen in de Jaren 1627 en 1628 . . . siehe Abteilung:
Manuscripte, militärische und nautische.
Coehoom, Menno, Baron van, Voorbeelden van eenigen Sterken
Forteressen ende Steden. ca. 1680, siehe Abteilung: Manuscripte^
militärische und nautische.
Manuscrlpte slavlschen Ursprunges und solche,
die auf slavlsche Länder, besonders auf Russland
Bezug haben.
XVn.-XIX. Jahrh.
90 Apokalypse. Russische Handschrift von 309 foliierten Blättern
mit 73 ganzseitigen bildlichen Darstellungen in Farben. Folio.
(21X33 cm). 19 Zeilen auf der Seite in sehr r^elmäßiger Schrift
Karl W« Hlcrsemann in Leipzig:» Königsstfaue 3* Katalog 330#
84 Manusaipte slaHschen Ursprung de. XVII.-XIX.Jahrh.
in rot und schwarz. Ca. 1850. In rotem Idrchlichen Lederband
mit rddier Ooldpressung und Krampen; gepunzter OoldsdinitL
2*0.—
Nach dem Wasserzeichen im Papier (1836) hamlelt es sich hier um
eine in dieser 2^it entstandene Kopie einer alten Apokalypse-Hand-
schrift des XVII. Jahrh. (d. F. Buslajew» Sammlung v. Apokalyp-
sen, 1884). Dem Ductus der Handschrift nach scheinen mehrere Möndie
daran gearbeitet zu haben. Die Bilder der Originalhandsdirift sind
flüchtig mit der Feder nachskizziert u. dann bunt ausgemalt
91 Bray, Fran;. O. de, Memoire extrait du Journal d'un voyage
fait an printems 17849 dans la partie m^ridionale de la Russie.
Originalliandschrift, „Ratisb. 1796^ 33 Folioseiten mit einer
Anlage von 5 Quarts, u. 4 Seiten der Oaz. des 2 ponts, 1796.
280.—
Auf Orund soigfältiger Tagebuchnotizen über seine Reise durch das
südL Russlandy schildert der später am St Petersbufger Hofe unter
Paul I. u. Alexander I. gern gesehene bayerische Diplomat in anschau-
licher .Weise das Gebiet der Ukraine, die Krim, den Kaukasus —
bis nach Persien hinein, das Gebiet der Don'schen Kosaken und die
.Wolga mit ihrem Handel von Kasan bis Astrachan.
Land und Leute — interessant sind seine Notizen fiber die kaukas.
Stämme — Handel, Nationalökonomie, Kriegs- u. Handelsflotte, die
russ. Armee — deren Rangliste sogar teilweise angestellt wird •— strateg.
wichtige Invasionspunkte fOr die russische Expansionspolitik Kathari-
nas II. werden uns von dem scharf beobachtenden Reisenden vor-
geführt, der mit guten Empfehlungen vom Fürsten Potemkin aus-
gestattet, ein relativ vollständiges Bild vom südl. Russland z. Z. Katha-
rinas II. zu geben in der Lage ist
92 Bray, F. O. de, Memoire sur les finances de Russie, £crit en
Aoüt et Septembre 1820. Originalhandschrift von 101 Folio-
seiten. 520* —
Auf Orund jahrelanger, sorgfältiger Studien, die er als bayerischer
Gesandter am St Petersburger Hofe unter Alexander I. gemadit hat,
gibt der Chevalier de Bray hier eine — wohl für seinen Hof bestimmte,
genaue Zusammenstellung der russischen Finanzen. Die direkten, Per-
sonal-, Gebäude- etc. Steuern, die Staatsdomänen, d. Zivilliste des kaiserl.
Hofes, die Apanagen der Großfürsten, die Chatoulle des Kaisers, das
Rekrutierungswesen, die 40 Millionen-Anleihe u. d. m. finden ihre aus-
führt. Darstellung durch den Gesandten, dem die besten Quellen zur
Verfügung gestanden haben müssen, wie die als Anlage beigefügte ^^x-
tralts des M^moires du comit6 secret, institu6 en 1812 p. d^berer sur
un nouveau systtoe les finances'' beweisen.
93 GesetetafeL — Bedenken über die im Jahre •7164 von der Er-
schaffung der Welt (anno 1656) neuheraus^egebenen BOcher der
griechisch-russischen Kirche. Handschrift in-4 (17X22 cm)
bestehend aus 294 foliierten Blättern und einem Nachtrag von
Karl W« Hiersemann in hüpügf Königsstrasse 3« Katalog 330.
Manusaipte slavlsehen Urspnuiga da XVIL-XIX.JahHu 85
3 Blättern, zu Beginn des Bandes 6 weiße Blätter, andere 17
am Schlüsse. Mit 60 Darstellungen in Farben (4 auf einer Seite)
und 1 ganzseitigen: Die Haltung der drei ersten Finger, wie sie
auf Bildern von Rechtgläubigen dargestellt wird. Entstehungszeit
etwa 1660. Die Vorrede der altgläubigen Verfasser wendet sich an
den Erzpriester. In gleichzeitigem roten Oanzlederband mit Oold-
pressung, Krampen und gepunztem Goldschnitt. 270* —
Der schöne Einband ist erwähnenswert Die Raute im Mittelfeld
ist in strenge byzantinischem Stil, während die Fächeromamente in den
vier Ecken deutlich das Eindringen des westlichen Einflusses beweisen;
ebenso die folgenden Umrahmungen in geometrischem Ornament Der
breite Abschlussrahmen wird von einer Lysikrates-Ranke mit Lotusblüten
gebildet Auch die nach innen abgeschrägten Kanten sind mit dem
Lotusomament abgerollt Die gleichen Ornamente haben auf der Rück-
seite in anderer Anordnung Verwendung gehmden.
94 Inno« (d. h. der erste Vers, der den Inhalt und die Melodie des
Kirchenliedes anzeigt). Werk unseres hochwürdigen Vaters Jo-
hannes Damaskin. Noten, Text und Irmose. Russische Hand-
schrift in-Folio (21X34 cm), 222 Blätter mit reich in Oold u.
Farben verziertem Titelblatt, dem Titel g^enOber eine nahezu
blattgroBe Initiale in Oold und Farben, daneben eine ebenso
ausgeführte Ranke; im Text 8 ebenso reich ausgeführte Leisten
mit Initialen. In rotem kirchlichen Lederband mit reicher Oold-
und Silberpressung mit Krampen. Oepunzter Ooldschnitt; die
untere Kante des Einbandes ist g^en Abstoßen durch Metall-
stückchen verwahrt Aus dem XVIII. Jahrhundert 125*—
95 Lampugnoni, Oiov. B., Memorie istoriche e politiche del r^[no
di Polonia scritte Tanno lö97. 4. Cart 120*—
Ungedrucktes, sehr deutlich geschriebenes Manuscript von gleich-
zeitiger Hand, wahrscheinlich vom Autor selbst geschrieben. 251 Seiten
in gr.-4. u. 11 Blatt Index.
I. Partie: de! confini antichi della Polonia — della prima, seconda,
terza et quarta classe de' Prindpi e de' Rh di Polonia — della Slesia,
Pomerania, Prussia, Livonia, Russia, Lituania, Moscovia, Valachia, Po-
dolia e de' confini modemi della Polonia — dei Tartan, Cosacki — delle
qualitä del paese e de' costumi della nazione — deile saline. — II. Partie:
de Rh e del interregno, dell' elezione, coronazione, autoritä del Re —
del Senato, della Nobilitä, dei Oludizi, della Milizia — del entrato della
Republica degli assegnamenti e della familia del Re — del modo, di
viaggiare et del danaro di Polonia.
96 Memorie istoriche intomo le guerre seguite per la Russia,
Prussia, Polonia, Francia, Spagna e Savoia incominciate
l'anno 1733, ove si veggono li manifesti pubblicati dalle Corte
medesime con alcune composizioni poetiche ed altre varie notizie.
4. 1735. Hpergt. 220.—
Manuscript in italienischer Sprache, 92 Blatt in Quart, zur
Karl W* Hlersemann in Leipzigs Könlgsstrasse 3« Katalog 330»
86 Manusenpü slavisdim Urspnu^ses äc XVII. - XIX, JahHu
Geschichte des polnischen Thronfolgfekrieges 1733—35, gleichmäßige
Handschrift aus genannter Zeit Enthält 13 Manifeste der ver-
schiedenen Mächte, in welcher sie ihre Stellungnahme zu den Thron-
streitigkeiten zwisdien Stanislaus Lescadnski und August III. rechtfer-
tigen; so u. a. solche von Seiten Russlands u. Österreichs, andererseits
die von Spanien, Frankreich und Sardinien; auch Proklamationen von
Stanislaus u. August III., des Primas von Polen, des polnischen Adels
etc. Hieran schließen sich über 20 größere u. kleinere Gedichte, meist
Sonette auf die verschied. Könige u. Fürsten, den Kaiser, Papst etc
und endlich mehrere Berichte über Begebenheiten während des Krieges,
so besonders über die Kämpfe in Italien, über die Schlacht bei Parma
1734, Testament des Herzogs von Marzova u. a. — Mit einem großen
heraldischen Ex-libris.
97 Siebzehn Memoiren, Berichte etc Ober den Handel europäischer
Völker um d. J. 1682, über d. russ., tOrk., pers., chines., Japan,
und venezian. Import und Export, über das russ. Finanzwesen
unter Peter I., über dessen die Priester betreffenden Verfügungen,
über d. türk. Heer, über Tartaren und Nogaier etc und Ober
Katharina I. Originalhandschrift von 687 num. Seiten in franz.
Sprache (12V, PP- deutsch). Fol. (Blattgr. 20X32 cm). Um d. J.
1730. Ldn m. Rückenvergoldung u. d. Deckelaufschrift: A la
Substitution du Valdec proche Solevre en Suisse 1726. 1800. —
Die Handschrift ist schön u. gleichmäßig auf pergamentartigem
Papier (mit freiem Rand von 4 bezw. 2Vs cm) angefertigt, doppel-
seitig beschrieben, zu 25 Zeilen, die Seite von einer rotfarbigen Linie
eingefaßt; von dem deutschen Text sind 7 pp. in 2 Columnen geteilt,
die Kapitelüberschriften sind zierlich verschnörkelt; ihre Reihenfolge ist
diese: Memoire sur l'^tat du n^goce des fran^is, anglais, hollandais,
Venitiens etc. des marchandises qu'ils portent et rapportent du Levant
etc. compos^ par le sieur le Febre n^godant 112 pp. — Memoire too-
chant les revenus et d^penses de Tempire Ottoman, des differentes
milices de ses arm^es etc, 90 pp. — Relation touchant la Crim6e, les
Tartares, Noguais etc 18 pp. — Relation d'un voyage du Kam des
Tartares en Circassie faitte par le sieur Ferand, son median et consul
de France en Crim^e. 24 pp. — Memoire pour servir d'Introduction
aux relations et pi^ces originales de la n^godation entre les Russes et
les Turcs au sujet des affaires de Perse sous la m^ditation de la France,
32 pp. — Memoire concernant les revenus du Czar Pierre Alexiowitz
dans r^tendue de ses ^tats. 46 pp. — Memoire sur le commerce entre
la France et la Russie, son utiliti et les moyens de Ttoblir solidement
20 pp. — Ordonnance du Czar Pierre pour le Clerg6 de ses 6tats. 116 pp.
Instruction ä une compagnie fran^aise pour n^oder en Russie. 35 pp.
— Mani^re de faire le commerce en Russie, 9 pp. — Bericht eines
Deutschen, betreffend den Handel zwischen Rußland u. Persien. 12^/f pp.
— Memoire concernant le commerce et le voyage de la Chine par terre
de Moscow ä Tobolsky, Capitale de la Siberie, de la ä Pekin, Capitale
de la Chine, avec la relation de ce qui s'est pass6 pendant le voyage
Karl W« Hlersenutnn in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330»
Manusaipie slavisdien Ursprungjgs de XVIL—XIX. JahHu 87
tant sur la route en allant que pendant le s^jour fait ä Pekin. 16^/t pp.
— Memoire pour le College du Commerce ä Petersbourg des marchan-
dises qui de Russie se portent ä la Chine. 20 pp. — M6moire du Com-
merce avec le Japon. 7 pp. — Description de la Chapelle ardente et
du throne ou le cercueil du Czar Pierre Alexiowitz fut d^posd avec
Pordre et la marche du Convoy (et les noms des dignitaires y assistant).
10 pp. — Anecdotes de rimp6ratrice Regnante dans la Grande Russie
en 1726. 17 pp.
Außerordentlich interessante Berichte, die, soweit bekannt, nicht dem
Druck übergeben sind. Dadurch, daß der Verfasser dieselben bis ins
kleinste detailliert, daß er vielfach die Namen der handelnden Personen
bezeichnet, daß er den Ort der Handlung nennt, daß er das Datum
angibt, wann dieselbe beginnt bezw. endet, gewährt er den weitgehend-
sten Einblick in dieselbe. Die des Zaren Einnahmen und Ausgaben be-
treffenden Mitteilungen sind beispielsweise so ausführlich, daß man ein
russisches Staatshaushaltungsbuch vor sich zu haben glaubt Besondere
Beachtung verdienen auch die Mitteilungen, die die Person des 21aren
angehen, femer auch die Enthüllungen über die Zarin Katharina I., ihre
Abstammung u. ihr Privatleben betreffend.
Für das Studium des Welthandels im allgemeinen u. das der russi-
schen Nationalökonomie u. Kulturgeschichte im besonderen dürften diese
Berichte schätzenswerte Beiträge liefern.
98 Passion unseres Herrn Jesu Christi. Handschrift auf 170
foliierten Blättern mit 64 ganzseitigen Darstellungen und 7 halb-
seitigen; 30 Zeilen auf der Seite. Zum Schluß des Bandes steht:
Im Jahre (7360) 1852 zum Oedäclftniß des heiligen Märhrrers
Artemon geschrieben. 20X32 cm. In gleichzeitigem Lederband
mit Pressung (Krampen modern). 80.—
Die Illustrationen sind ziemlich einfach und steif mit der Feder herge-
stellt und mit Wasserfarben leicht überfahren.
99 Het Russische Keizernrk. — Niederiändische Handschrift
aus der Zeit um 1830, umfassend 136 beschriebene S. in groß-4
in gleichzeitigem Hldbd. mit RQckentitel. Der Text enthäß eine
ausfOhrliche geographisch-statistische Beschreibung des russischen
Reiches in Europa u. Asien mit reichlichen Zahlenangaben. Es
folgen nachstehende Abschnitte aufeinander: OröBe, Bevölkerungs-
zahl, Lage u. Grenzen, Flüsse, Meere u. Seen, Kanäle, Oebirge
(mit vielen Höhenmaßen), sonstige Bodenformen, Verkehrsw^e,
klimatische Verhältnisse (mit einem langen Exkurs Ober das Nord-
. licht), Erzeugnisse des Tier-, Pflanzen- u. Mineralreichs, Be-
völkerung nach Stammeszugehörigkeit u. Ständen, Regierungs-
form, Hofstaat, Behörden, Rechtspfl^e (mit einem Exloirs über
die Knute), Verwaltung, Kirchenwesen, geistige Kultur, Schulen,
Bibliotheken, Oouvemements (mit Größe und Volkszahl), Heer
u. Flotte, Festungen, endlich Lebensbeschreibungen namhafter
russischer Heerführer: Potemkin, Menschikow, Suworow (mit
Karl W* Hiersemann in Leipzig:» Königsstrasse 3* Katalog 330*
88 Mamtseripte ^Huüsdim Ursprunges. XIV.-XVIU. Jahrh.
eingeklebtem lithographischem Bildnis von Wachsmann), Ptoin,
Romanzow, MQnnich, Scheremetjew, Ora^or u. Alexis Oriow,
Apraxin. — Der Verfasser nennt sich nicht, war aber offenbar
ein militärischer Fachmann, da er Ober ausgedehnte Kenntnisse
auf diesem Gebiet verfügt Hier u. da erwähnt er seine Quellen,
namentlich Land- u. Reisebeschreibungen des XVIII. Jahrh. Das
Werk scheint ungedruckt zu sein, wenigstens wird es bei Tiele,
Nederland. Bibliogr. van Land- en Volkenkunde, nicht erwähnt
1S5.—
100 Wengieraki. — A historical and chronological System or
conspectus of the Slavonian Churches throughout various
provinces, especially Poland, Bohemia, Lithuania, Russia,
Prussia, Moravia etc. in IV books, containing an ecciesiastical
history from the time of Christ to the year 1650. By Adrian
Regenvolski. 280.—
Manuscript 600 vom Autor schön und sehr lesbar geschridiene
Seiten in folio nebst 77 Blatt mit sehr ausführlichem Register. In einem
wohlerhaltenen Kalblederbande.
Original-Handschrift der englischen bisher ungedruckten
Obersetzung des wichtigen, jetzt seltenen und gesuchten Buches,
welches u. d. T.: Regenvolscius, A., systema histor.-chronoL eode-
siarum slavonicarum per provindas varias, praedpue Polonlae, Bohemiae,
Litvaniae, Russiae, Prussiae, Moraviae etc. distinctarum. 1652 zu Utrecht
erschienen.
Der wahre Name des Verfassers ist Wengierski.
Manuscripte spanischen Ursprunges.
XIV.— XVm, Jahrh.
101 Bztract des Erdbebens von Lisabon, so sich ereignet den
1. Novemb. Anno 1755. Lisabon. Ms. 6 S. 236 Zeilen. 45. —
Handschriftlicher Bericht, welcher die Vorgänge der Katastrophe aiit-
fOhrlich schildert
102 Granada« — Statuten der Brüdergemeinschaft des h. Sakraments
von der Gemeinde des h. Johannes in Oranada. Perg.-Manu-
scriptd. XVI. Jahrh. (1562). Spanisch. 19 BI. fol. Altspanischer,
reich in Oold gepr. Ldb. m. wiederholtem Aufdruck des Agnus
dei, von Köpfen, Tier- und Pflanzenomamenten etc. 480«—
Sehr schönes Manuscript mit 1 blattgr. Miniatur (Die HH. Johannes
Evangelist und Täufer, im Hinteigr. Oranada) in omam. u. figur. Um-
rahmung, reich in Farben u. Oold u. 45 ebenso ausgeführten ornamentalen
Initialen. Mit Unterschrift des Juan de Salzedo, Vikars des Erzbischofs
von Oranada u. dem Datum 10. April 1562.
Der Einband am Rand u. an einigen Stellen etwas abgerieben.
Karl W. Hiersemann !n Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330»
Tafel 15.
11
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No. 106. OFFICIUM B. MARIAE VIRO. Der Evancrelist Mattheus.
XV. Jahrli. Spanisch.
MottusaipU spanisehm Ursprunges. XIV.-XVIII.JahrlL 89
103 Johann IL» König von Spanien. „Cedula de D. Juan IL por
la que revoca, anula y declara ser de . . . valor la sententia
dada por la Reyna, Pnncipe, el Almirante y el Conde de D'AIua
contra D. Alvaro de Luna, condestable de Castilla y Conde de
Santistena y mando caso grandes penas que a quella no se
cumpla . . .^ dat Valladolid 1442. 8 Pergamentblätter in Folio.
Auf Blatt 1 eine herrliche Initiale, in Oold und Farben.
245.—
104 Karl L (Karl V.) — Lateinische Pergamenturkunde des Könic^
Karl L von Spanien (1516—56, als deutscher Kaiser Karl V.),
durch welche er dem Philipp Marra de Rossi, Grafen von
Barceti, alle Privilegien bestätigt, die ihm um seiner Verdienste
willen von seinem kaiseriichen Vorgänger Maximilian I. veriiehen
worden waren, dat. Worms, 20. Dez. 1520, wo sich Karl
gerade we^en jenes berühmten Reichstags aufhielt,
der Ober die Lehre Luthers verhandelte. 1 BL in foL
(38X60 cm) mit dem an einer Seidenschnur hängenden (zer-
brochenen) kaiseriichen Siegel sowie der eigenhändigen Unter-
schrift des Kaisers (Carios) und seiner Kanzleibeamten. 280.—
Besonders wertvoll ist die auf der Rückseite befindliche Namens-
unterschrift des berühmten kaiserlichen Sekretärs Maximilianus Trans-
sylvanus, der den 1. gedruckten Bericht über die Weltumsegelung des
AÄagellan veröffentlichte (De Molucds insulis, zuerst Coloniae 1523, vgl.
Harisse, Bibl. Amer. vet No. 122—124).
105 MacanaXy Don Melchor de. Males, DatTos y Perjuicios, que
hicieron contra la Espana, su Y^^lesia y su Rey, los Extrangeros,
que tubieron mando en el Ministero. — Spanische Perg.-Hand-
schrift von 1727—1745 in sauberer Schrift u. Erhaltung. 276 S.
in 8* in gleichzeitigem Perg.-Einband mit Schleifen und Knöpfen.
Altpaginiert nach Quatemionen. 800. —
Der Verfasser hat unter den beiden ersten Bourbonen Spaniens eine
nicht unwichtige Rolle gespielt, namentlich am Hofe Philipps V., wo er
den Posten eines Procurador fiscal general des Staatsrats bekleidete.
Aufsehen erregte er zuerst 1714 durch eine Streitschrift, welche die
Rechte der Inquisition und der Kurie der königlichen Gewalt gegeniiber
einschränken wollte. Philipp geriet dadurch in einen förmlichen Kampf
mit Rom und der Inquisition. Ludwig XIV., welcher im Aug. d. J. noch
die Partei seines Enkels zu nehmen schien, wenigstens durch den Mund
seines Beichtvaters (Mac. Blatt 90 und 173), riet einen Monat später
schriftlich, wohl weil er sah, welchen Umfang der Konflikt anzunehmen
drohte, angesichts der ungünstigen, kriegerischen Zeitverhältnisse — es
ist die Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges — entschieden zu einer Bei-
legung dieser inneren Streitigkeiten. Macanaz ging in die Verbannung,
zunächst nach Frankreich, später nach Lüttich. Seit 1727 zurückgekehrt,
Karl W* Hiefsemann !n Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330*
00 Manusaipte spanisdun Urspmnges. XIV-XVULJoMl
fuhr er fort, ohne daß er ein Amt bekleidete, in alle politischen Ver^
hältnisse einzugreifen, durch Memoiren die er schrieb, durch persönliche
Einflüsse am Hofe, durch Missionen, die ihm anvertraut wurden, auch
durch Verhandlungen auf eigne Faust; so betrieb er unter der Hand
nichts Geringeres als eine Verständigung von Österreich und Frankreich:
wodurch also der spanisch-österreichischen Rivalität die Spitze abge-
brochen und die Mitwirkung der Seemächte ausgeschaltet worden wäre.
Später finden wir ihn wiederum in der Verbannung; doch wurde er,
fast 80 jährig, durch Philipps Nachfolger, Ferdinand VI., 1746 dazu be-
rufen, Spanien auf dem Kongreß zu Breda zu vertreten. (Vgl. Coxe,
Memoirs of the kings of Spain 1700—1788 (1819). II, 164. Baudrillart,
Phil. V. et la Cour de la France I, 227. 595. 608. II, 171. III, 395.
424. 486. 493. IV, 18. 173. 369. 446. 476. V, 460.) — Obwohl Mac. keine
hervorragenden diplomatischen Eigenschaften besaß und mehr Partei-
mann und Heißsporn als Staatsmann gewesen zu sein scheint, so muß
es doch befremden, in den Enzyklopädien und den meisten Oeschichts-
werken nicht einmal dem Namen dieses Mannes zu begegnen. Es hängt
dies offenbar damit zusammen, daß seine Werke Manuscript geblieben
sind, und es der Inquisition und seinen zahlreichen sonstigen Feinden
stets gelang, deren Veröffentlichung zu hintertreiben: daß dieselben als
Manuscripte in französ. u. span. Sprache zirkulierten, berichtet er selbst
Heute sind dieselben offenbar zerstreut und ganz selten geworden;
sonst würde man längst an die Sammlung und Veröffentlichung dieser
für die Zeitgeschichte unentbehrlichen Dokumente gegangen sein. Eine
dieser umfangreichen Handschriften wurde bereits in einem der vorigen
Kataloge, Hiersemann's Kat. 327 unter No. 1546, vorgelegt Das gegen-
wärtige Buch beschäftigt sich zunächst mit dem in der Tendenz ver-
wandten Werke des Belando über die Span. Geschichte (1740 — 44) und
zwar hauptsächlich dem III. Bd., welchen der König Phil. III. nicht zu
lesen bekommen hatte; diese Partie scheint erst nachträglich geschrieben
zu sein. Wir erfahren dabei mancherlei über die Mißverhältnisse zwischen
der Kurie und der Span. Krone u. über die Verhandlungen in Paris, die
dem Ausbruch des Streites vorangingen. Auf diesen selbst kommt das
Buch Bl. 167 Quat 42, 3 nochmals zurück. Der Zwischenteil vom Bl. 110
Quat 28, 2 an, betrifft die auswärtige Politik und ist schon wegen des
darin behandelten Span. Erbfolgekrieges von Bedeutung. Es spricht hier
überall ein Mann, der zu seiner Zeit zu den Besteingeweihten rechnete
(vgl. Baudr. III, 486, IV, 173). Außer den zahlreichen Persönlichkeiten,
welche das Buch namhaft macht, und der Fülle sonstiger Details, ver-
dienen auch die mitgeteilten Decrete und anderen Dokumente die Be-
achtung des Geschichtsforschers. Durch das Ganze zieht sich wie ein
roter Faden die Feindseligkeit gegen den Minister Alberoni welcher
auch, nachdem er selber in Ungnade gefallen war, noch in Italien seine
Rolle spielte und seine spanische Politik verteidigte. Er und der Italiener
De ludice, Großinquisitor, sind unter den schädlichen „Fremden'' haupt-
sächlich verstanden.
Karl W* Hiersemami !n Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330.
Manasayfte spanischen Ursprunges^ XlV.'-XVIILJahrh. gi
106 Officium beatae Mariae Virginia. Pergament-Hand-
schrift in 4., 2Q2 Bl mit prachtvollen Miniatur-Gemälden,
Randleisten und Initialen, einige Bl. leider herausgeschnitten.
Alter roter Maroquinband mit reicher Ooldpressung und Gold-
schnitt XV. Jahrh. Verkauft.
Vgl. d. AbbUdung Taf. 15.
107 Philipp IV. von Spanien» — Lateinische Pergämenturkunde
des Königs Philipp IV. von Spanien (1621 — 65), durch welche
er dem Grafen San Segundo Troilo Rossi den Oberfehl über
eine Kompagnie Truppen in Mailand überträgt, dat. Madrid
12. Febr. 1633. 1 Bl. gr. Folio zu (54X71 cm) mit eigenhändiger
Unterschrift des Königs (Yo el Rey) und der Kanzleibeamten,
sowie dem an einer Seidenschnur hängenden, leider zerbrochenen
und nicht mehr vollständigen königlichen Siegel. 100. —
108 Pliilipp IV. von Spanien. — Lateinische Pergamenturkunde des
Königs Philipp IV. von Spanien (1621—65), durch welche er
dem Grafen San Segundo Scipion Rossi den durch den Tod
seines Vaters Troilo eriedigten Oberbefehl über eine Kompagnie
Truppen in Mailand überträgt, dat Madrid, 8. Aug. 1652.
1 Bl. gr.qu.-folio (45X76 cm) mit der eigenhändigen Unterschrift
des Königs (Jo el Rey) u. der Kanzleibeamten, sowie dem an
einer Seidenschnur hängenden großen königlichen Wachssiegel
von 10,5 cm Durchmesser. Auf der Rückseite die Bestätigungs-
urkunde des spanischen Gouverneurs von Mailand Luis de
Benavides, Marquis de Caracena (1648 — 56) mit dessen Unter-
schrift. — Siegel etwas beschädigt 180. —
109 Primaleon. Chronica de Primaleao Emperador de Grecia,
Em que se da conta das faqanhas monstruozas, que obron o
Principe Dom Duardos, e os mais cavalheros do seu tempo.
Composta por Cuilherme Trusto, e tresladada por Semisberto
Pachorro estando encantado no cume da Penha Rigorosa da
Serra da Lua pelo Odio do Sabio Bragamente. S^[unda (e
Terceira) parte. Papierhandschrift aus d. Anfang d. XVII.
Jahrh. in 2 Bdn. in fol. v. 567 u. 264 SS. Ldrbde. 380.—
Die Handschrift enthält eine wohl noch ungedruckte freie por-
tugies. Obersetzung der Chronik des Primaleon, die zuerst spanisch
in Sevilla 1524 erschien. Die Obersetzung stimmt mit dem span. Original
weder in Redaktion noch Kapiteleinteilung überein. Die Hdschr. stammt
aus d. Bibliothek des D. Alvaro de E. Noronha mit dessen heraldischem
Exlibris, gest v. C. de Rochefort fils. Die Erhaltung ist tadellos.
110 San Pedro, Diego de. Ce present liure a esto translate de
laingaige tosquan. florentin en francoys. Et traicte de Lamour
de Leriano et Laureolle fille du Roy de macedoyne. Papier-
handschrift V. 276 SS. a. d. Anfang d. XVI. Jahrh. in foL
Hfzbd. 300.—
Interessante u. wertvolle Handschrift
Karl W* Hiersemann !n Leipzig, Königsstrasse 3* KaUlogr 330.
Q2 Manuseripie spanisdtm Ursprunges. XIV.-XVUI.JoMl
Dieser spanische Roman, welcher zuerst In Sevilla 1492 gedruckt
wurde, ersdiien dann zunächst, ins Italienische fibersetzt von Lelio
Manfredi, in Venedig 1513. Der Autor der voiüegenden französisdien
Obersetzung sagt nun in der Vorrede, „der italienische Obersetzer sei
sein „bon et singulier amy des mains du quel en ce premier voyage
que le tres oretien roy Franooys premier de ce nom nostre souuerain
seigneur a faict en Lombardie pour la conqueste de son estat vltra-
montain ay reoouuert^^ Er hatte also die italienische Obersetzung 1515,
als er Franz I. nach der Lombardei begleitete, erhalten, und da die erste
französische Obersetzung im J. 1526 im Druck erschien, ist die Ab-
fassungszeit der Handschrift ziemlich genau festgestellt — Auch von
linguistischem Interesse, z. T. in Versen.
Die Handschrift ist durchweg sauber von einer Hand geschrieben,
am Ende findet sich von dem gleichen Obersetzer noch ein Horoscop
auf die Geburt des Dauphin, wonach man die Abfassung der Hs. viel-
leicht in das Jahr 1518 setzen kann. Vorgebd. ist eine Hs. aus dem
18. Jahrh. (Indice delle medaglie.) Ober den Roman Leriano y Lau-
reola s. Oayangos, Catalogo de los libros de caballerias, S. LXXX.
111 Steuerpriylleffieii, die Stadt Salamanca betr. — Sammlung
von 22 spanischen handschriftl. Originaldokumenten, enthaltend
Erlasse u. Verfügungen der Könige Ferdinand IV. (12Q5— 1312),
Alfons XI (1312—1350), der Königinnen Maria u. Constanzia
aus den Jahren 1294 — 1340, des Königs Enriquez IV. von
Castilien (1454—79) von 1467 meist die Stadt Salamanca, deren
Privilegien u. Lasten betreffend, sowie ein Juramento des
Königs Philipp II., dal Toledo, 22. August 1560. Sämtlich in
Folio. 520.—
Nach der Mitteilung eines hervorragenden Kenners spanischer Litera-
tur, dem die Sammlung zur Prüfung vorlag, unterliegt die Echtheit der
Ddcumente iiberhaupt keinem Zweifel. Diejenigen aus der Zeit Fei>
dinand IV. sind in der Collecdon diplomatica del Rey Don Fernando IV
nicht zum Abdruck gebracht Von den Urkunden Alfons' XI. werden zwei
bei Villar y Maxias, Historia de Salamanca Bd. I, S. 442 zitiert — ein
weiterer Beweis für die Echtheit — aber gleichfalls nicht abgedruckt
Die Urkunde des Königs Enriquez IV. von 1467 trägt die eigenhän-
dige Unterschrift des Königs, ist also Original, während anscheinend
alle anderen gleichzeitige Abschriften resp. Ausfertigungen nach dem
Original sind. Die Jahreszahlen, soweit sie nach Aera angegeben sind,
müssen um 38 Jahre gekürzt werden, um auf Jahre Christi gebracht
zu werden. — 3 Dokumente sind auf Pergament, die übrigen auf Papier;
13 sind auf der Rückseite mit Siegel versehen, mehrere sind aufklebt
u. teilweise beschädigt Die Sammlung stammt laut aufgedrucktem Stem-
pel aus dem städtischen Archive (Alcaldia Corregimento) von Sala-
manca.
112 Jacob Tevius, commentarius ofte Oedenkschrift dier saaken
die door de Portugesen in Indien by Diu uytgerecht zyn in
Karl W. Hiersemann !n Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330»
Manuscripti spanisdim Ursprunges. XIY.-XVULJaML 93
den jare onses heyls 1545, beschreeven in iatyn door lacob
Tevius Portug^Zy ende met opmerkinghe vertaait door Lucas
van Weerden. 280.—
65 unnummerierte Bll. Fol. Schöne Papierhandsdirift des angehenden
XVII. Jahrhunderts in gleichzeitigem, ziemlich wohlerhaltenen braunen
Lederbande mit Ooldpressungen.
Von der lateinischen Originalarbeit des Jacob Tevius (portugiesisch
Diogo de Teive), die zu den wichtigsten älteren Quellenwerken über
die Geschichte der Portugiesen in Indien gehört, sind folgende Drucke
bekannt:
1. Commentarius de rebus in India apud Dium gestis. Conimbricae,
excudebant Joan. Barrerius et Jo. Alverus 1548. 4. (Brunet, Manuel V,
1864, S. 766; Temaux-Compans, Bibl. asiat et afr. No. 308). —
2. — Roma 1601. 4. (Temaux-Compans No. 842).
3. — in De rebus Hispanids, Lusitanids, Aragonids, Indids et
Aethiopids opera. Coloniae Agrippinae, in offidna Birckmannica, sump-
tibus Amoldi MyUi 1602. 8. S. 377—443.
4. — in Jacobi Tevii opuscula quibus accessit commentarius de rebus
ad Dium gestis, Parisiis, Ambr. Didot 1762.
Das Werk behandelt auf Orund von Briefen von Augenzeugen, Ur-
kunden und anderen guten gleichzeitigen Quellen die wechselvollen Er-
eignisse in Diu und die während der Jahre 1538—45, also zur Zeit
der Statthalter Nuno da Cunha, Oarda de Noronha, EstevSo da Oama,
Martini Affonso de Sousa und Joao de Castro, namentlich die beiden
schweren, aber erfolgreich abgeschlagenen Belagerungen der Stadt durch
die Mohammedaner 1539 und 1545, welche eine ganze Reihe geschicht-
licher und poetischer Darstellungen hervorriefen. Die hier vorliegende
holländische Obersetzung des Lucas van Weerden ist nach dem Cöhier
Drucke hergestellt und folgt diesem bis auf wenige unbedeutende Ab-
weichungen, namentlich in der Schreibung der Eigennamen, von Wort zu
Wort Sie dürfte, wie auch die sehr sorgfältige und gut lesbare Hand-
schrift erkennen läßt, zu Anfang des XVII. Jahrhunderts entstanden sein,
als man infolge der Gründung und Ausbreitung der Ostindischen Kom-
pagnie in den Niederlanden lebhaftes Interesse für die portugiesischen
Besitzungen in Indien und deren Geschichte zu hegen begann. Der Text
läuft wie im latein. Original ohne Kapiteleinteilung von Anfang bis
Ende durch. Soweit sich bibliographisch feststellen läßt, ist die Ober-
setzung ungedruckt
Karl W« Hlcfsemaim in Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330»
94 ManuseripU byzantinrgriedusdim Ursprunges. XIV.—XVULJahrlu
Manuscripte byzantin.-griechi8Chen Ursprungs«
Xm. Jahrh.
113 Griechisches Evangelien-
lektionar. Byzantinische Per-
gamenthandschrift des aus-
gehenden XIII. Jahrhdts., be-
stehend aus 214 unnummerier-
ten, doppelseitig und in 2
Columnen von je 28 Zeilen
beschriebenen Bll. in 4^, die
zum Teil lose in einem alten
mit rotem Samt überzogenem
Holzbande liegen. Einige wenige
EH., namentlich gegen Ende hin,
fehlen, andere zeigen Wasser-
flecken oder OebraUchsspuren.
Die Linien sind mit dem Griffel
eingeritzt. 6500.—
Vgl. d. AbbUdung Taf. 16.
Das Buch enthält Abschnitte aus
• den Evangelien, die beim Gottes-
dienst vorgelesen wurden. Bemer-
kenswerte, vom kanonischen Texte
wesentlich abweichende, für die
Textgeschichte und Textkritik wich-
tige Lesarten sind anscheinend nicht
vorhanden. Von Interesse sind
vier blattgroBe Federzeich-
nungen in spätbyzantinischen
Stile mit späriicher Bemalung: ein
thronender Christus mit langem
Haar und geteiltem Bart in rotem
Untergewand und weißem Mantel,
umgeben von Maria und Johannes,
sowie die 3 Evangelisten Johannes,
Marcus und Lucas, jeder auf einem
Thronsessel sitzend un4 in ein Buch
schreibend. Auf der Rückseite des
Christusbildes befinden sich 20 Oster-
zirkel mit Inschriften, aus denen
hervorgeht, daß der erste im Jahre
1299 n. Chr., der letzte 1318 beginnt
Die Handsdirift wird also kurz vor
1299 vollendet worden sein. Be-
merkenswert sind femer mehr als
300 Initialen meist in rot oder
LectionnaireOrec. Manu-
scrit byzantin sur parchemin
de la fin du Xllle sitele. 214
feuillets non num^rot^s, ä deux
colonnes, ayant chacun'28 lig-
nes, 4^ Reliure en ais de bois,
couverte de velours rouge.
Quelques feuillets sont d£-
tach6s. Quelques autres sur-
tout vers la fin, manquent mais
ils sont tr^ peu nombreux;
d'autres encore ont des taches
d'eau ou des traces d'usure.
Les lignes sur lesquelles le
texte est ^crit, sont impr^gn^es
avec un style sur le parchemin.
6500.—
Voir la rq>r0diictfoii pl. 16.
Le manuscrit contient les 6van-
giles qui se lisent au Service divin.
Apparemment ce texte ne diff^re du
texte canonique par aucune Variante
remarquable, qui pourrait int^resser
l'liistoire ou la critique du texte.
Le manuscrit est om6 de quatre
dessins ä la plume, lav6s, ä
pleine page, en style byzantin.
Le Christ assis sur un tr6ne en
v^tement de dessous rouge et man-
teau blanc, ä c6t6 de lui la vierge
et St Jean et les trois 6vang61istes
St Jean, St Marc et St Luc, chacun
d'eux assis sur un tröne et foivant
dans un Ihnre.
Au verso de l'image du Christ
on voit 20 qrdes pascals avec
inscriptions, le premier commen^nt
en 1299 p. C. n. et le demier en
1318. Apparemment le manuscrit
a ^t^ achev^ peu de temps avant
1299. En autre le livre est om6 de
plus de 300 initiales, le plus
souvent en rouge ou en bleu, et
contient de nombreux omements
Karl W. Hkrseinaim !n Leipzig» Königastrasse 3* Katalog 330.
OrienL Manuscripte orientalischen Ursprunges. XUl.-XlX. Jahrfu 05
blau, sowie zahlreiche, eigenartig originaux peints en couleurs diff£-
omamentierte, gleichfalls bunt aus- rentes, plac^s entre les divisions
gemalte Kopf- und Schluß-Stücke principales du texte,
zwischen den größeren Abschnitten
des Textes.
Ptolomaeus s. Abt ,Mss. Orient. Urspr/
Orient«
A. Manuscripte orientalischen Ursprunges.
XIIL— XEL Jahrh. (europäischer Zeitrechnung).
114 Arabisches Manuscript, in Folio, 444 Seiten, 2Q Zeilen auf
der Seite, schwarz, rot und gelb, mit säuberiicher roter Rand-
einfassung. In schönem roten Maroquinband, mit Klappe,
orientalischen Ornamenten in Blindpressung. In den Ecken
lilienartiges Ornament in Ooldpressung. Ende des XVIII.
Jahrhunderts. 50. —
Ein juristisch-dogmatisches Traditions-Werk, in einer Reihe von Trak-
taten, die verschiedensten Gegenstände behandelnd; z. B. über das Ver-
halten beim Verkauf, über die Reue, das Wissen etc.
Ein kalligraphisches Meisterwerk aus der Bibliothek von San Donato,
mit dessen Stempel auf dem vorletzten Blatt Mit dem Ex-libris Ana-
tolij Nikolajewitsch Demidoff.
115 Armenisches Bvangeliar. Armenian Bvan^eliar^.
Handschrift in 4^, im Jahre 1629 Manuscript in 4^, finished m
in Ispahan beendet. 274doppel- 162Q at Ispahan. 274 leaves
seitig beschriebene Papierblätter of paper, inscribed on both
mit 8 blattgroßen Miniaturen sides, with 8 full-page minia-
u. zahlreichen Randomamenten. tures and numerous borders.
Blattgröße 21X15 cm. In altem, Size of each leaf: 21X15 cm.
hellbraunen Lederbande, der in Worm-eaten. Ad light brown
Lederpunzarbeit ein von einer leather-binding, showing a
Bordüre umschlossenes Kreuz punched cross within a border.
als Dekoration zeigt. 1750.— 1750.—
Vgl. d. Abbildung Taf. |§ n. See the fignre pl. tt n.
Das Manuscript — mit Praefa- The ms. — with praefationes,
tiones, synoptischen Tabellen, An- synoptic tables, indication of the
gäbe der Parallelstellen am unteren parallel passages and of the Ammo-
Rande und Bezeichnung der ammo- nian sections, is written in round-
nianischen Sektionen links am Text band, in two columns, each of 21
Karl W. Hiersemann in Leipdgr Könlgsstrasse 3. Katalog 330»
96 OHmL Manasaipte oriadalisdun Ur^mages. XUl.-XiX.JaML
— hmteingezeiefanetemMemoranduin
im Jahre 1629 in Ispthan vollendet,
ist in Riindsdiiift zu 2 Cotuninen
— jede zu 21 Zeflen — mit scJiwaizer
Tinte ^geschrieben, nur die Uber-
sdiriften sind in goldener, blauer
und roter Farl>e gehalten.
Als Dekoration des Randes gehen
durdi das ganze Manuscript zahl-
reiche, buntfarbige Ornamente in
steten Variationen.
Die 8 blattgroBen Mhiiaturen
zeigen die 4 Evangelisten ohne die
ihnen hi der abendlindisdien Küche
zuerteüten Attribute, auch sonst ab-
weichend von dieser diarakterisiert,
an Schreibpulten sitzend, mit der Auf-
zeichnung ihrer Schriften beschäf-
tigt Die Miniaturen, auf goldenem
Grunde in fibersatten Deckfarben
gemalt, zeigen in Darstellung u. Oma-
mentierung ausgesprodien byzan-
tinischen Charakter und gehen wohl
auf alte byzantin. Vorlagen zurück.
Höchst interessant sind die ersten
Seiten der Evangelien. Hier haben
wu* 4 sehr originelle und für die
ostbyzantinische Ornamentik charak-
teristische Miniaturen vor uns.
Unter starkem orientalischen
(persischen) Einflüsse, sind diese
auf goldenem Grande in den bunte-
sten Deddfarl>en gehaltenen Deko-
rationen von einer Welt stilisierter
Tiergestalten belebt, sodaß fast jedes
Ornament auf einzoomorphisches
Motiv — ehi Charakteristikum dieses
Stiles — zurückzugehen sdieüit
Besonders Vögel: Papageien,
Pfauen, Fasanen, Tauben, dann auch
andere Tiere : Hh-sche, Rinder, Katzen,
Hunde, Fische, sind in hödist gra-
ziöser Weise stilisiert und zur Deko-
ration von Ranken, Eckstücken, Bor-
düren, Ausläufern, ja sogar zu Buch-
staben von Kapitel - Überschriften
verwandt
Ifaies, wtfli Uack hik, only tiie tities
are in gokl, bhie or red.
There are numerous oolonred
ornanients in great variety tfaiougfa-
out the volume.
The eight fuD-page miniatures
represent the 4 evangelists and the
b^ginnings of the gospds.
The evangelists, without the tra-
ditional athibutes, are sitting at
writing-desks,oomposhig the gospds.
The mhiiatures painted on gokl
ground m deep body-colours, show
a dedded Byzantine character, both
m composition and oraamentation.
They are apparently copies of oki
Byzantine modeis.
The first page of the gospels are
of a particular mterest Here we see
four most shigular miniatures, being
characteristic spedmens of Eastera
Byzantine oraamentation.
Made under Oriental (Persian)
influence, these Ornaments, in varie-
gated body-colours on gold ground,
are anunated with a multitude of
animals, almost each oraament show-
ing a zoomorphic motive.
Espedally birds (parrots, peacodcs,
pheasants, doves), stags, neats, cats,
dogs, fishes etc are most gracefully
painted and used för the oraamen-
tation of tendrUs, coraer-pieces and
borders, even för letters in the tities.
A most valuable spedmen of the
mixture of Byzantine and PersUm
oraamentation.
Ehi für diese Mischung byzan-
tinischer und persischer Ornamentüc
besonders wertvolles Manuscript
Lefcier gehen Wurmstiche — die
Handsdirift ist auf Papier nieder-
geschrieben — durch das ganze
Manuscript
Karl W« Hiefsenunn in Leipzig, Ktaigsftraasc 3* Katalog 330»
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OrienL Manuscripte oHerUaUsdten Ursprunges. XIIL-XIX.Jahrh. QJ
116 Ärvieux, Laurens d'. — M^moires de Laurans d'Arvieux,
Chevalier de TOrdre Royal de Nostre-Dame du Mont-Carmel
et de Sainct Lazare de Jerusale. 2 vols. In Folio. Manuscript
Neue Halbkalbldrbe. Bd. I: VIII, 702 pp. u. 3 Stammtafeln.
Bd. II: 746 pp. m. I genealog. Stammtafel. 2600.—
Der Verfasser, ein bekannter französischer Orientalist (1635—1702),
schrieb seine Memoiren auf Anregung verschiedener Freunde, so ver-
schiedener Minister, der Sekretäre der Akademie der Wissenschaften
Thevenot und Justel, nieder, mit dem Wunsche, daß dieselben nicht ge-
druckt werden sollten. Vorliegende Handschrift wurde aus den Tage-
büchern und sonstigen Notizen vom Verfasser selbst zusammengestellt,
von einem Kalligraphen geschrieben, und scheint zur Aufbewahrung in
der Familie bestimmt gewesen zu sein.
Die kalligraphisch vorzüglich ausgeführte Handschrift stammt aus dem
Ende des XVII. Jahrhunderts. Sie beginnt mit einer genealogischen Nach-
richt derer von Arvieux, welche nach Angabe des Autors aus Alexan-
drien stammen. Hierzu 3 Tafeln mit dem Stammbaum. Hieran schließt
sich eine Selbstbiographie des Verfassers bis zu seiner ersten Reise nach
Smyma (1655), welche er auf der französ. Fregatte „Postillon" antrat.
Ober den ferneren Inhalt geben wohl folgende Hauptüberschriften die
beste Auskunft:
Vol. I : Livre I. Voyage ä Smyrne. — De la ville de Smime et de ce
qui s'y est pass6 pendant mon s^jour. — Voyage en Egypte. — De la
ville d'Alexandrie. — Voyage de Rosset et de Damiate. — Voyage de
Palestine. — De la ville de Sour ou Tyr. — D^Acre ou Ptolomaide. — De
la ville d'Acre. — De la ville de Sidon ou Seide. — Des denr6es de Seide
et de son commerce. — De ce qui s'est pass6 sur la r^ception de Mr.
Ant Betandier au Consulat de Seide. — De FEmir Fekhredalin. Princes
des Druses de la famille de Maan. — De PEmir Melhem Maän et ses
successeurs. — De ce qui arriva entre l'Emir Ahmed et l'Emir Corqmaz
et Mehmed Aga, Gouverneur de Seide. — D^Aly Pacha de Seide ctc —
De Mehmed Pacha de Seide ctc. — De la milice des Pachas de Mah-
moud Efendy Alepin, Cady de Seide etc.
Livre II. Cont les voyages particuliers de la Oalil6e, de les Samarie,
de la Iud6e, de la Palestine, des SS. Lieux de Jerusalem, du reste de
la Terre Sainte, et autres cndroits de la Sirie: Voyage de Oaza. — De la
ville de Rama etc — De la ville de Oaza. — De Hussein Pascha de Oaza,
sa famille et sa mori — De la ville d'Ascalon. — Nostre retour de Rame
ä Seide par les Samarie. — Voyage aux saints Ueux de la Terre Sainte. —
De ce que j'ay veu depuis la ville de Jaffa jusqu'ä Jerusalem. — De F6glise
du Saint Sepulcre. — Des c^r6monies, qui se fönt dans l'^glise du S.
Sepulcre. — Du feu saint des Orientaux. — Diverses remarques sur le
Service des religieux dans la Terre Sainte. — De l'Ordre du St Sepulcre
de Jerusalem et de la c6r6monie qu'on fait ä la reception des Chevaliers.
— Du Mont-Sion et des autres Lieux, qu'on voit dehors de la ville de
Jerusalem. — Voyage en Bethanie. — Du Jourdain etc. — Visite des
S. Lieux, qui sont dans Tendoire de la ville de Jerusalem. — Voyage k
Karl W. Hiefsemann In IMpügf Könlgfsstrasse 3* Kataloge 330*
7
98 Orient Mamtseripte orieiäaUsdim Ursprunges. XIII.- XIX. Jahrk.
Bethl6em. — De Bethl6em. — Du voyage d'Hebron. ^ De It vflle
d'Hebron. — Du voyage au desert de Saint-Saba — etc.
Livre III. Contenant les voyages de Barut, de Tripoly de Syrie, du
Mont-Liban et de Damas. Du voyage de Seide ä Barut ^ Ville de
Barut ou Beirout — Du Cheikh Nader Khazen. — Des Evesques Isaac
et Sergius Oamerius. — Du voyage de Barut ä Tripoly de Syrie. —
De Tripoly. — Descript g^n. du Mont-Liban. — Voyage au Mont-Ubam
— Voyage du M. Liban ä Damas. Ville de Damas. — De Damas ä
Seide. — De ce que j'ay fait ä Seide jusqu'ä mon d6part p. le voyage
chez les Arabes du Mont Carmel. —
Livre IV. Contenant la relation d'un voyage, fait chez les Arabes du
Mont-Carmel et tout de qui s'y passa pendant mon s6jour. Aveoque
les observations, que j'y ay faites, sur les moeurs et les coütumes de ce
peuple, et beaucoup de singularit6s inconnues jusques aujourd'buij
aux voyages d'Orieni Des Arabes en g6n6ral. — Religion des Arabes.
— Moeurs des Arabes. — Justice des Arabes. — Cuisine des Arabes etc.
Vol. II: Journal de Tunis, contenant la relation de mon voyage,
de mes negociations, et de tout ce que j'y ay fait pour le Service du
Roy, pour le rachapt des esclaves fran^ois, pour le restablissemant du
commerce, et pour l'execution du traitt^ de paix conclu p. M. le Duo
de Beaufort le 26. XI. 1665. — Journal de Paris, contenant tout ce quI
s'est pass6 depuls mon d^part de Marseille jusques ä mon d6part de
Paris, pour le voyage, que je fis ä la Porte du Orand Seigneur Em-
pereur des Turcs par le commandement de S. M. — Journal de Con-
stantinople, contenant tout ce qui s'est pass6 depuis mon d6part de
Paris, pendant mon voyage et mon s6jour ä Constantinople et ä Adri-
nople, jusques ä mon retour ä Paris. Avec les negociations que faj
veu faire, par M. le Marquis de Nointel, Ambassadeur de S. M. en
Levant, tant ä la Porte, qu'ä la Cour du Orand Seigneur. — Second
Journal de Paris. — Journal d' Alger. — Troisi^me Journal de Paris. —
mr Diese Memoiren sind ganz besonders wichtig für die Geschichte
der Beziehungen Frankreichs zum Orient Sie wurden nach seinem Tode
1735 von P. Labat veröffentlicht, aber der Text stimmt nicht mit
meinem Manuscripte überein. Labat machte willkürliche
Streichungen und Änderungen, so daß obige Handschrift
ganz besonderen Wert hat, da sie unverkürzt ist
Auf den Stammtafeln befinden sich in getuschter Federzeichgnung
sauber ausgeführte Wappen von einem zeitgenössischen Kalligraphen
ausgeführt. Auf dem Titelblatte eine Federzeichnung, Devise der Familie
Arvieux mit Marquis-Krone und mit Lorbeerzweigen umrahmt Diese
Zeichnung wiederholt sich in veränderter Form mehrere Male.
117 Äthiopisches Manuscript aus dem XV. Jahrh. — 300 Zeilen
in aethiop. Schrift sauber in schwarz und rot quer Ober einen
208 cm langen und 7 cm breiten Pergamentstreifen geschriebeni
augenscheinlich vor dem XVII. Jahrh. entstanden. Der Streifen
ist aus 3 einzelnen Teilen zusammengeheftet; jeder derselben
b^nnt mit einer in rot, gelb und schwarz ausgeführten em-
Kaf I W* Hiefsemann in Lelpzigr^ Könlgfsstrasse 3* Katalos: 330»
Tafel 17.
No. 115.'gARMENISCHES EVANOELIAR. Evangelist.
Ispahan 1629.
OrienL Manuseripte orientalisdun Ur^mnges. XIII.'-XIX.JahHL 99
blematischen Zeichnung von 24, 19 und 13 cm Höhe^ auf
denen sich ungeschickte Nachbildungen menschh'cher Gestalten
und Kreuze, deren gleichlange Arme breit endigen (wie Ordens-
kreuze), vorfinden. lOO» —
118 Äthiopisches Manuscript 100 Bl. Pergament, nur gegen
das Ende hin einige (10) Papierblätten Schrift von verschiedenen
Händen herrührend, in der ersten Hälfte der Handschrift ge-
fällig und deutlich, in der zweiten weniger sorgfältig. Ober-
schriften und Stichwörter rot. 480. —
Abess. Origin. Einband in Lederfutteral, augenscheinlich von einem
Eingeborenen für den Handgebrauch aus rotem Wildleder gefertigt
Die Hs. setzt sich aus zwei verschiedenen Teilen zusammen, die sich
deutlich von einander, abheben, der erste bis Bl. 52 reichend, 12 cm
hoch, 9 cm breit, zu 19 Zeilen, gehört etwa dem XVII. Jahrh. an. Bl. 1
u. 2 enthalten allerlei Notizen u. ein Gebet Dann folgt
Bl. 3 — 40 a: die Hauptmasse des Buches, 7 lange Gebete für die
einzelnen Tage der Woche, mit dem Montag beginnend.
Bl. 40a~41: ein amharisches Gebet, und Notizen über den ehemali-
gen ersten Besitzer des Buches, den Gelehrten (Mamehher) Walda Mar-
jam, dessen Name auch sonst im Text oft zu finden ist
Bl. 42 a: der Anfang des Evangeliums Johannis.
El. 42b—43a: Bruchstück eines Gebets.
El. 43 b — 45: das unter dem Namen Egziabeher za-berhanat allge-
mein bekannte Ge'bet
Bl. 46 a leer.
Bl. 46 b— 52 a: die Liturgie (Akuateta querban) Jesu Christi.
Bl. 52 b: Notizen u. dgl.
Der zweite Teil der Hs. reicht von Bl. 53—100, er ist lU/j cm hoch
u. 8 cm breit, die Seite zu 18 Zeilen. XVIIL Jahrh.
Bl. 53 a— 65 a: Lefafa sedq (Binde der Gerechtigkeit) d. i. eine Samm-
lung von Gebeten, die auf lange Streifen geschrieben wurden, mit denen
man die Körper der Verstorbenen umwickelte, damit sie vor Gott ge-
rechtfertigt dastehen könnten.
Bl. 65 b— 73 a: Salam an den Erzengel Michael und zwar der, welcher
beginnt: Salam la-zelra semeka mesla sema le ui zatasatafa.
Bl. 73 a— 78 a: Salam an Johannes d. Täufer.
Hiermit ist die Handschrift eigentlich zu Ende, was noch folgt sind
ganz willkürlich zusammen- und dadurch ineinander-geheftete Blätter
mit Bruchstücken aetheopischer und amharischer Gebete, nur das auf
Papier geschriebene bietet noch Interesse und ist ein einheitliches Ganzes.
Bl. 80—85, 92—95: Hymnus an die Dreieinigkeit, beginnend: Salam
la-hellavekemmi zajemave hellavejata.
Mit einigen einfachen Einzeichnungen.
Karl W* Hiefsemann In IMpü^f Könl^ttrasse ^.; Katalos: 330*
: : • '. 7*
100 OrUnL Manuscripte orientaUsdun Ursprunges. XUL—XlX.J^ihrh.
Ehekontrakte, hebräische (in aramäischeni Dialekte).
IIQ Hebräisches Manuscript auf Pergament. Ehekontrakt gegeben
Freitag d. 9. Cheschwan 5441 (=ca. Oktober 1680) in Padua.
180.—
Bräutigam: Chajim Moses, Sohn des Asrial Kohen mehachasonün
(d. h. Cantarini).
Braut: Regina, Tochter des seligen Israel Cohen mehachasonim (d. h.
Cantarini).
Zeugen: 1. Israel Chiskia Basan; 2. Isaak Chajim Cohen mehachasa-
nim (d. h. Cantarini) ; 3. Unterschrift des Bräutigams.
Eine Blumenbordüre, oben sich verbreiternd, umgibt das Ganze. In
besonderer Umrahmung oben eine Krone u. darunter 2 Hände in der
Stellung, wie sie von den Cohanim (Nachkommen der Priesters Aron)
beim Rezitieren des Priestersegens gehalten werden, als Emblem für
„Cohen".
Ein vierstrophiges Gedicht in neuhebräischer Sprache läuft durch die
Blumenbordüre der Säulen zu beiden Seiten und lautet in wörtlicher Ober-
setzung: 1. Er, der wohnend macht Einsame in einem Hause und in
Ruhe, der bringe Geliebte zusammen in gesegneter Stunde. 2. Gekrönt
ist der Bräutigam, die Krone seiner Braut, ein Kranz der Anmut, ist ihre
(des Brautpaares) Umschlingung unter dem Schatten eines Baldachins.
3. Seht doch die Schöne und Huldvolle, eine Braut hervortretend dem
Monde gleich, der in seiner Fülle (d. h. als Vollmond) emporsteigt 4. Es
mögen sich freuen beide, Bräutigam und Braut, in Reichtum und in Ehre
ohne Ende und Grenze. Im Halbkreis oben die Worte: Unter gutem
Zeichen.
Der Zeuge Isaak Chajim Kohen Cantarini ist der mit den Initialen
seines Namens ,JEchconi' zeichnende Autor des Werkes „Eth-Kes",
Arzt und Rabbiner, geb. 2. Febr. 1644 in Padua, gest daselbst 8. Juni
1723 (Jewish Encydopedia III, 535).
120 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben
Freitag d. 13. Nisan 5507 (= ca. März 1747) In Ancona.
200.—
Bräutigam: Mordechaj, Sohn des Jehuda Sonino.
Braut: Rosa, Tochter des Gedaljo aus Sinigalia.
Zeugen: 1. Abraham ben Jehude de Constantini. 2. Gerson Asis (?).
Unten ein Codicill, die Regelung von Erbangelegenheiten, die Ver-
pflichtung der Brüder des Bräutigams zur „Chaliza'' (u. anderes mehr)
betreffend.
Von reich in Farben gemalter Bordüre umgeben, das Kopfstück be-
sonders breit und schön ausgeführt Die unter dem Kopfomament und
auf dem Rande links befindlichen Worte lauten in wörtlicher Übersetzung:
„Unter gutem Zeichen und vorzüglichem (bestem) Glück für den Bräuti-
gam u. die Braut u. für ganz Israel, Amen, so sei der Wille (Gottes).
Unten u. am rechten Rande sind die Worte aus dem 4. Buch Mosis 6,
24 — 26 (der Priestersegen) zu lesen.
Karl W* Hieraeqiann in. Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330.
Orient Manusaipte oruniaUsdun Urspnuiges. XIIL-XIX.Jahrh. 101
Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte).
121 Hebräisches Manuscript auf Pergament. Ehekontrakt gegeben
Montag den 13. Adar 550Q (= ca. März 1749) in Ferrara. 220.—
Bräutigam: Pelatja Raphael Chajim, Sohn des Jacob Menachem min
ha'adumim (d. h. de Rossi).
Braut: Bela Rosa, Tochter des seligen Mordechaj Pesaro.
Zeugen: 1. Isaak ben Samuel Lampronti; 2. Elischa Michael ben Und
Ponzi.
Zu Oberst in dem breiten, reich dekorierten Kopfomament eine Krone,
zu deren rechten und linken Seite die Worte angebracht sind (aus Sprüche
12, 4): „Eine wackere Frau ist die Krone ihres Mannes".
Darunter ein Wappen, auf dem ein Löwe dargestellt ist, der eine
Palmenrispe besteigt Zu beiden Seiten in Ooldschrift die Worte: „Unter
gutem Zeichen".
Zu den schön in Farben ausgeführten Omamentrahmen sind die Zei-
chen des Tierkreises eingestreut und an den 4 Ecken finden sich alle-
gorische Darstellungen der vier Jahreszeiten, wohl eine Andeutung dahin,
daß es dem Brautpaar zu jeder Zeit wohl ergehen möge.
Die in der kunstvollen Blumen- und Bandomamentik verteilten bib-
lischen Verse sind: 1. Mosis 27, 28. Hohes Lied 1, 13. Jesaja 61, 10. 11.,
62, 1. 2. Ruth 4, 11. 12 Spriiche 5, 18. 14, 1. 18, 22.
Der Zeuge Isaak Lampronti, Arzt u. Rabbiner, geb. 3. Febr. 1679
in Ferrara, gestorben daselbst 16. Nov. 1756, ist der Verfasser des be-
rühmten Werkes „Pachad Ischak", das als Reallexikon des Talmud noch
heute sehr geschätzt wird. (Jewish Enciclopedia VII, 601).
122 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt g^eben
Mittwoch d. 7. Cheschwan 5515 (= ca. Sept 1754) in Saloniki.
145. —
Braut: Esther, Tochter des Abraham Malavida aus Ferrara.
Zeugen: 1. Isaak Halevi; 2. Isaak Morpurgo; 3. David Morpurgo;
4. Moses Chajim Morpurgo; 5. Isaak ben Elichahu Scharangi (?).
Links ein Codicill zur Regelung der Erbberechtigung für den Fall,
daß der Mann oder die Frau stirbt, ohne Kinder hinterlassen zu haben.
In demselben Codicill die Verpflichtung des Bräutigams keine Nebenfrau
oder Geliebte sich anzuschaffen u. a. m.
Unten ein Vermerk von den jüd. Richtern in Saloniki, datiert vom
20. Siwan 5524 (=» ca. Mai 1764), über die bereits erfolgte Auszahlung
eines Teiles der der Frau verschriebenen Summe. Unterzeichner dieses
Vermerks sind 1. Jochanan Halevi, 2. Jakob Scheraro (?), 3. Benvenisti,
Sohn des Oeronimi.
Bräutigam: Isaak, Sohn des David Morpurgo.
Das schön in Handmalerei ausgeführte, breite Kopfomament wird von
drei aus stilisiertem Blattwerk gebildeten Säulen getragen, über deren
Kapitalen in Ooldbuchstaben die Worte geschrieben sind: „Unter gutem
Zeichen und vorzüglichen Qlück". Am rechten und linken Rande an der
Säule sich emporwindendes Rankenwerk. Unten, die Zwischenräume
der Säulen füllend, zwei Papageien. Im Kopfomament, in wappenähnlicher
Kaf I W* Hicfsemann In Leipzig» Königsstr assc 3* Katalog 330»
102 Orient Manuseripte orientaUsdien Ursprunges. XUL'-XIX. Jakriu
Umrahmung^ mit zwei bunten Vögeln der Vers aus Sprüche 10, 22.
Darüber eine Krone, die von zwei Engeln getragen wird. Rechts und
links ein Springbrunnen mit je zwei wasserspeienden Tierkopfen. Da-
neben ein Papagei. In der Hauptsache ist Rot und Orün verwendet in
verschiedenen Abtönungen, dazwischen etwas Oelb und Blau zerstreut
u. das Ganze reich mit Oold gehöht Die beiden Seitenränder tragen
zwischen zwei goldfarbigen Linien die Worte aus Ruth 4, 11. 12.
In bezug auf Ornamentik u. auch kulturgeschichtlich sehr interessant
und beachtenswert
Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte).
123 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben
Freitag den 14. Tischre 5516 (= ca. Septemb. 1755) in Cinto.
100.—
Bräutigam: Israel, Sohn des Meir Chaj Halevi FinalL
Braut: Bat-Scheba, Tochter des Isaak Asriel Halevi.
Zeugen: 1. Isaak aus Modena, Sohn des Menachem; 2. Isaak Jedidja
Solidino (?).
Die Umrahmung, Handmalerei, in lebhaften Farben gehalten, bildet
eine Art Portal, das von zwei Säulen getragen wird, zwischen denen
oben die Worte zu lesen sind: „Unter gutem Zeichen und vorzüglichem
Glück". Darunter in besonderer Umrahmung auf blaßgrauem Gründe
eine Hand, die aus einem Krug Wasser in ein Becken gießt Dies soll
ein Hinweis sein auf Halevi (= der Levite), da bei der von den Pries-
tern vor Erteilung des Priestersegens vorgenommenen Händewaschui^
die Leviten das Wasser auf die Hände der Priester zu gießen pflegen.
124 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt g^eben
Freitag den 10. Cheschwan 5550 (= ca. Septemb. 1789) in Ce
nadi. (? die hebräische Schreibung lautet eher Cinida). 120. —
Bräutigam: Salomo David, Sohn des Jacob Qaustla.
Braut: Simcha, Tochter des Jeremia Romanin.
Zeugen: 1. Simon ben Jesua Lusato; 2. Urija Spongi; 3. Unterschrift
des Bräutigams.
Von einigen farbigen Linien und etwas Rankenwerk, in Rot, OrQn
u. Oelb gemalt, umgeben. Oben im Schilde die Worte aus Sprüche 12,
4., 18, 22.
Innerhalb der Einrahmung oben heißt es: „Unter gutem Zeichen
und vorzüglichem Olücke". An den beiden seiüichen Rändern u. am
am unteren Rande zwischen zwei schwarzen Linien die Worte aus
Ruth 4, 11. 12.
Unten sind die 4 Jahreszeiten dargestellt Darüber die Worte aus
Jeremia 33, 11. Rechts oben ist eine kleine Ecke Pergament abge-
rissen, ebenso ist der rechtsseitige Rand ein wenig beschädigt
125 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gqg[eben
Freitag d. 1. Kislew 5559 (= ca. Novemb. 1798) in Cinto. ÜO.—
Bräutigam: Salomo Abraham, Sohn des Jacob Chajim Panzi.
Braut: Rahel Toba, Tochter des Jacob Israel Modena.
Karl W* Hiersemann In Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330«
Orient. ManaseripU orimtaüsdun ürspmnge&. XIIL-XIX.JahHu \Qß
Zeugen: 1. Israel Eljakim ben Mesulam Ismael Rimini; 2. Elasar
David ben Isaak Koben.
Von breitem, hübsch in Farben gemalten, stilisiertem Blatt- u. Blüten-
ornament-Rahmen umgeben, der sich nach oben verbreitert Hier finden
sich innerhalb einer reichen Randverschlingung, in Oold gemalt, die Worte
aus Sprüche 31, 30. 31.
Um den äußeren Rand zieht sich rot gemaltes Bandwerk, in dem
die Worte aus Ruth 4, 11. 12 symmetrisch verteilt sind. Auf dem unteren
Rande liest man in besonderer Umrahmung die Worte: „Unter gutem
Zeichen und vorzüglichem Olück für den Bräutigam und für die Braut
Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte).
126 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben
Freitag d. 1. Kislew 5562 (ca. Nov. 1801) in Rovigo. ßO.--
Bräutigam: Salomo, Sohn des Moses Aaron Luzato.
Braut: Simcha Alegra, Tochter des David Anav.
Zeugen: 1. David Chajim, Sohn des Abraham Samuel Dojana; 2. Isaak,
Sohn des Samuel Modena; 3. Italienische Unterschrift des Bräutigams.
Der außerordentlich reich in Farben gemalte, teilweise mit Oold ge-
höhte breite Rahmen, auf dem die Darstellung von Adam u. Eva im
Paradies besonders bemerkenswert ist und auch die Ausführung der
Bilder des Tierkreises Beobachtung verdient, stammt wohl von einem an-
deren älteren Ehekontrakt her; er ist auf das Pergamentblatt aufgeklebt
Die unter dem Kopfornament goldfarbig gezeichneten Worte lauten;
„Unter gutem Zeichen u. vorzüglichem Olück."
127 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben
Freitag d. 4. Siwan 5562 (ca. Maj 1802) in Lugo. 85.—
Bräutigam: Menachem, Sohn des seligen Samuel Moses Kohen.
Braut: £>ebora, Tochter des seligen Natanael Pinto.
Zeugen: 1. Isaak Berachja, Sohn des Menachem Esra Chajot; 2. Jacob
Jach ja; 3. Berachja (unorthographisch) Aron Berachja Jachja.
£>er Text ist eingerahmt von stilisiertem Blattornament in Federzeich-
nung auf rosa Orund. Diese Bordüre ist wieder von reich in Farben
gemalten Blätter- und Blütenwerk umgeben, das sich nach oben ver-
breitert und die Worte umschließt: „Unter gutem Zeichen und vorzüg-
lichem Olück für den Bräutigam und für die Braut und für ganz Israel,
Amen.'' Zu beiden Seiten davor 1 Engel. Unten in der Mitte des
Blumengewindes die Worte aus Jeremia 33, 11.
128 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben
Mittwoch den 15. Menachem (= Ab) 5563 (= ca. Juli 1803)
in Ancona. 180. —
Bräutigam: Moses Chajim, Sohn des Mazliach Jona aus Spalato.
Braut: Simcha Toba, Tochter des Jehada Chajim Sonino.
Zeugen: 1. Chajim Josua Sabbataj d'Askoli; 2. Samuel ben Simson
Nachman.
Unten Codidll betreffend die Erbschaft für den Fall, daß der Mann
oder die Frau stirbt, ohne Kinder hinterlassen zu haben.
Karl W. Hicfsemann in Ldpxig^ Königsstrasse 3* Katalos: 330»
104 OrienL Manusaipte oriaäalischm Ursprunges* XIII.'-XIX.JaMu
Von breitem Oraamentrahmen, in rot, grün undOold gemalt, umgeben.
Im Kopfstück ist Moses, die zwei steinernen Gesetzestafeln in der
Hand haltend, abgebildet (wohl in Anspielung auf den Vornamen des
Bräutigams).
Mitten in der Umrahmung rechts ist die Figur eines bewaffneten
Juden angebracht, über der die aus 1 Mosis 49,9 entlehnten Worte: „Ein
Löwenjunges ist Juda'^ sich befinden, als Anspielung auf den Vornamen
des Vaters der Braut
Links in der Umrahmung die Abbildung eines Vaters, der seiner
Tochter den Segen erteilt
Unten in der Umrahmung ist der Bibelvers Sprüche 19, 14 angebracht
Im Kopfomament besonders eingerahmt die Worte „Unter gutem Zeichen
und vorzüglichem Glück (od. Stern) für den Bräutigam, für di6 Braut
und für ganz Israel Amen, so sei der Wille.''
Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte).
12Q Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben
Mittwoch den 9. Nisan 5574 (= ca. März 1814) in Sinigalia. 100.—
Bräutigam: Moses Sabbataj, Sohn des seligen Jacob Chajim d'Obadia.
Braut: Beraka, Tochter des seligen Mahalalel Raphael Oalico.
Zeugen: 1. Raphael Matitja Nisim Timi; 2. Sabbataj Mordechaj da
Komarini.
In farbiger Umrahmung. Handmalerei.
Oben im Kopfomament die Worte: „Unter gutem Zeichen und vor-
züglichem Glücke für den Bräutigam, für die Braut und für ganz Israel
Amen." Darunter in der Mitte ein kleiner Springbrunnen mit zwei wasser-
speienden Köpfen. Zu beiden Seiten je ein bunter Vogel mit langem
Schweif, der ein mit dem Springbrunnen verbundenes Band hält
Bei der unter dem Springbrunnen, zwischen einer roten und rosa-
farbigen Linie angebrachten Ouirlande sind die Worte aus Sprüche 18, 22
verteilt Am rechten Rande ein Bildnis, welches die Braut darstellt,
worauf die aus 5 Mosis 33, 1 entnommenen Worte hinweisen; das Bild
am linken Rande stellt den Bräutigam dar, worauf mit den aus 2 Mosis
32, 1 entlehnten Worten hingewiesen wird.
£>er untere Rand trägt in besonderer Umrahmung in Anspielung auf den
Vornamen der Braut die Worte aus Psalm 24, la. An den Rändern
etwas eingerissen.
130 Hebräisches Manuscript auf Pergament. Ehekontrakt g^[eben
Freitag d. 7. Schebat 5579 (= ca, Februar 1819) in Modena.
100.—
Bräutigam: David Salomo, Sohn des Abraham Our Arje Cohen.
Braut: Sara Hanna genannt Cajarita, Tochter des Simson Abraham
Parinzo.
Zeugen: 1. Asarja Chajim Sanguineti; 2. (Vorname unleserlich) Sohn
des Salomo Jedidja aus Sinigalia.
Rechts und links je eine Säule, die durch zwei Bogen verbunden sind,
auf und unter denen bunte Vögel angebracht sind. Den äußeren Rand
Karl W* Hicfsemann In Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330*
Orient Manuseripte orietäaiisdien Ursprunges. XIIL-XIX.Jahrh. 105
bildet eine Blatt- und Blütenranke. Im Kopfstück eine Krone und dar-
unter 2 Hände in der Stellung, wie sie von den Cohanim (Nachkommeii
des Priesters Aron) beim Rezitieren des Priestersegens gehalten werden,
als Emblem für Cohen. Unter diesem Emblem stehen in Ooldfarbe aus-
geführt die Worte: „Unter gutem Zeichen und vorzüglichem Glück/'
Zu beiden Seiten ein bunter Vogel auf einem Zweig sitzend, das gleiche
am unteren Rand.
Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte).
131 Hebräisches Manuscript auf Pergament. Ehekontrakt g^eben
Mittwoch d. 2. Tebet 5582 (= ca. Dezemb. 1821) in Lugo.
130.—
Bräutigam: Jesaja, Sohn des Abraham Sabbataj Porli.
Braut: Rica, Tochter des Moses Mordechaj aus Sinigalia.
Zeugen: 1. Sabbataj ben Isaak Jachja;.2. Pinchas ben Mazliach Sarlov. (?)
Den Rahmen bildet eine Rokoko -Cartouche in Handmalerei, in deren
oberer Mitte (etwas verblaßt) die Heünführung der Rebeka durch Isaak
dargestellt ist Die Abbildung ist mit den darauf bezüglichen Worten
aus 1 Mosis 24, 67 versehen, und steht wohl in Beziehung zu dem Vor-
namen der Braut, in dem „Rica'' als Abkürzung von Ribka (= Rebeka)
angesehen wird.
(Dieses figurenreiche Bild, nach unbekannter Vorlage, trägt ausge-
sprochen künstlerischen Charakter. Die Szene geht in einer hohen, von
Säulen getragenen Halle vor sich; Hintergrund z. T. verwischt)
132 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt gegeben
Mittwoch den 13. Ab 5582 (ca. Juli 1822) in Ancona. 100.—
Bräutigam: Josua, Sohn des Oedalia Trevi.
Braut: Lustra, Tochter des Isaak Menachem Firmi.
Zeugen: 1. Matitia aus Calaj (?); 2. Isaak Mazliach Kohen.
Unten ein Codidll zur Regelung der Erbangelegenheit für den Fall,
daß der Mann oder die Frau stirbt, ohne Kinder zurückgelassen zu haben.
Zu beiden Seiten je eine gewundene Säule in farbiger Malerei von
einer Blattguirlande umwunden, sowie stilisierte Blattomamente und
Früchte, am unteren Rande ebenfalls ein Ornament
Im Kopfornament, einem von Eichblättem gebildeten Kranz, der zwi-
schen Blumenvasen steht, findet sich der Bibelvers Sprüche 5, 18. Dar-
unter in besonderer Umrahmung die Worte: „Unter guten Zeichen und
vorzüglichen Glücke für den Bräutigam u. die Braut und für ganz Israel,
Amen."
133 Hebräisches Manuscript auf Pergament. Ehekontrakt g^eben
Mittwoch d. 1 1. Siwan 5593 (= ca. Mai 1833) in Ancona. 100.—
Bräutigam: Raphael Nisim Josua, Sohn des Isaak Michael Chaj-Chaj.
Braut: Simcha, Tochter des Abraham Chaj Prato.
Zeugen: 1. Matitja aus Kalaj (? Caley?); 2. Joseph Pepemo.
Mit reich in Farben gemalter Randverzierung. Im Kopfomament auf
gelbem Grunde der Vers aus Sprüche 18, 22.
Unten ein Codidll betreffend die Regelung der Erbschaft bei dem
Heüngang der Frau oder des Mannes, ohne Kinder hinterlassen zu haben.
Karl W. Hierseauuin In Leipzigs Königsstrasse Z. Katalog 330.
106 Orient Matmseripie orientaüsthm Ursprungs XllL-XlX.JaMu
Ehekontrakte, hebräische (in aramäischem Dialekte).
134 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontract g^eben
Donnerstag d. 5. Siwan 5594 (= ca. Mai 1834) in Mantua 140.—
Bräutigam: Hillel Baruch Salom, Sohn des Jehuda Isaak KantonL
Braut Alisa (Elisa?), Tochter des Israel Chaj Lurjo.
Zeugen: 1. Salomo ben Elija Nisim; 2. Michael Serachja ben David
Panzi.
Von buntfarbiger Bordüre in Handmalerei umrahmt
Oben der Spruch aus Jeremia 33, IIa. Darunter eine von Engeln ge-
haltene Krone, unter der zu lesen ist: „die Krone des guten Rufes, die
Krone der Gelehrsamkeit" Dies bezieht sich auf den Bräutigam, der
identisch ist mit dem berühmten Rabbino Magiore Ledo Cantoni, geb.
1802 in Oazzuolo, gest 1S57 in Turin (J^^ish Enddopedia III, 54a). Die
Krone ruht auf einer Art Schild auf dem die Worte: „Es seien gesegnet
Bräutigam u. Brauf ' verzeichnet sind. Rechts und links eine mit Blumen
gefüUte Vase.
135 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt g^eben
Freitag den Q. Nisan 5604 (= ca. März 1843} in Cenadi (die
hebräische Schreibung lautet eher Cinida) am Mischio(?) 90. —
Bräutigam: Jekutiel, Sohn des Aron Romanin.
Braut: Abigajil Alegra Nina, Tochter des Aron Kohen Pirani.
Zeugen: 1. Jekutiel Romanin, der Bräutigam; 2. Israel Luzato; 3. Ben-
jamin Labi.
Rechts und links davon die Worte aus Sprüche 18, 22. Jeremia 33, IIa.
In der Aiitte des rechten u. linken Randes je eine schräggestellte Lyra,
unten je ein Blumenkorb.
Oben in der Mitte 2 Füllhörner, die durch ein Band mit zwei auf die
rechts- und linksseitigen Ränder gemalten Kränzen verbunden sind. Ober
den Füllhörnern im Halbkreis die Worte: „Unter gutem Zeichen und vor-
züglichem Olück, Amen, so sei der Wille.''
136 Hebräisches Manuscript auf Pergament Ehekontrakt g^eben
Donnerstag d. 5. Siwan 5611 (= ca. Mai 1851) in Cinto. 80.—
Bräutigam: Chiskija, Sohn des Baruch Moses Karpi.
Braut: Diamanti Bela Rosa, Tochter des Abraham Aaron, genannt
Raphael Modena.
Zeugen: 1. Abraham Michael ben Joab Moses Chajim Karpaneti;
2. Joseph Chaj Adumim (= Rossi) ben Benjamin Samuel.
Von breiter Bordüre (stilisiertes Blattornament) in Handmalerei um-
geben.
Oben: „Unter gutem Zeichen und gutem Stern (» Olück).
137 Esther. — Hebräisches Manuscript auf einer Pergamentrolle
mit reicher Aquarell-Malerei. Fragment, wohl eines italienischen
Künstlers des XVI. Jahrhunderts. Länge 7Q cm. Der Anfang
und das Ende fehlen. Es enthält auf 12 Columnen ä 24 Zdlen
den Text des Estherbuches von Kap. 3 Vers 12 bis lOip. 9,
Kafl W* Hicfsemann In Lelptig^ Königsstrasse 3« Katalog 330«
Orient Manuseripte orleniaüsdim Ursprunges. XUL-XIK. Jahriu 107
Vers 27y doch sind die letzten Zeilen völlig verblaßt und nicht
mehr lesbar. 130.—
Oberhalb und unterhalb von je zwei Columnen, die von reichem,
vielverschlung^enen Bandwerk in grün auf rotem Grunde umrahmt sind,
stehen die dazu gehörigen Illustrationen in hübscher Aquarell-Malerei
ausgeführt Es sind vorhanden die Columnen 7—8, 9—10, 11—12, 13 — 14,
15—16, 17—18. Die Illustrationen stellen dar:
Columne 7—8: oben geteiltes Bild. Rechts: £>ekrete werden versandt,
links: die Königin mit ihren Jungfrauen im Schloßhofe; unten rechts:
Die Königin erteilt einen Auftrag an einen Boten, links: der Auftrag
wird ausgerichtet
Columne 9—10: oben rechts: der König berührt die Königin mit dem
Szepter, links: der König, die Königin und Haman bei einer Mahlzeit;
unten, Teil 1: Haman unterhält sich mit seinen Damen. Teil 2: ein
Galgen wird errichtet Teil 3: der König bringt die Nacht schlaflos zu
und ihm wird vorgelesen.
Columne 11—12: oben, Teil 1: der König gibt dem Haman einen
Auftrag. Teil 2: Mordechai reitet den königlichen Rappen. Teil 3:
Haman wird von einem Obergemach aus mit einer schmutzigen Masse
begossen (nach einer Sage); unteii, Teil 1: der König und die Königin
nebst Haman bei einem Mahle vereint Teil 2: Haman fällt auf das
Polster hin. Teil 3: der König ergeht sich im Park.
Columne 13 — 14: oben, Teil 1: Haman wird gehängt. Teil 2: die
Königin kniet vor dem König nieder; unten, Teil 1: der König berührt
die kniende Königin mit dem Szepter, Briefe werden geschrieben. Teil 2:
Couriere befördern die Briefe.
Columne 15 — 16: oben, Teil 1: Mordechai verläßt das königliche Haus
in prächtigen Gewändern. Teil 2: Kampf. Teil 3: Gelage; unten: Kampf.
Columne 17—18: oben, Teil 1: die niederkniende Königin vor dem
König. Teil 2: Hinrichtung der 10 Söhne des Haman.
138 Esther. — Hebräisches Manuscript auf einer Pergamentrolle
mit reicher Aquarell-Malerei wohl eines italienischen Künstlers
aus dem Ende des XVI. Jahrhunderts. Länge der Rolle 1,69 m.
Zu Anfang ein reiches Blatt- und Blüten -Ornament in mehr-
farbiger Ausführung. In der Mitte desselben ein Schild von
zwei Löwen gehalten. Auf dem Schilde hebr. Eintragung („es
behüte ihn sein Hort und sein Erlöser", sela [Amen]). 480.—
Das Ornament wird belebt durch einen Leoparden, 1 Adler^ 1 Hirsch
und 1 Löwen, versinnbildlichend den Spruch aus Pirke Abot 5, 20:
„Sei kühn wie der Leopard, schnell wie der Adler, hurtig wie der Hirsch
und mutig wie der Löwe, auszuführen den Willen deines Vaters, der im
Himmel ist"
Der Text ist in 19 Columnen, \ 22 Zeilen, niedergeschrieben; Co-
lumne 16 hat nur 11 Zeilen. Je zwei Columnen des Textes sind durch
eine 2,3 cm breite Bordüre dem vorausstehenden Ornament entsprechend
mehrfarbig reich ornamentiert
KafI W* Hierscmann In Leipzig, Königsstrassc 3* Katalog 330*
108 Orient Manaseripte orientalischen Ur^runges. XIIL—XIX.Jahriu
Oberhalb und unterhalb von je zwei Columnen stehen die dazu ge-
hörigen Illustrationen in hübscher Aquarell-Malerei ausgeführt, umrahmt
von reichem, vielverschlungenen Bandwerk in grün auf rotem Grunde.
Pie Illustrationen stellen der Reihe nach folgendes dar, von rechts nach
links gerechnet: (die in Klammern angegebene Zahlen bezeichnen die dazu
gehörigen Textstellen).
Columne 1—2 (I, 1—11 u. 12—19) oben: Gastmahl des Königs (I, 3);
unten: Gastmahl der Königin (I, 9), links hinten eine Hindeutung auf
ihr weiteres Schicksal (I, 11).
Columne 3—4 (I, 20-11, 8 u. II, 9—16) oben: Der König hält Rat mit
seinen Beamten über die Königin (I, 15 u. ff.), links eilen Reiter zur
Stadt hinaus (I, 22); unten: Jungfrauen werden nach der Burg ins Frauen-
haus zusammengebracht
Columne 5—6 (II, 17— III, 2 u. III, 3—12) oben: Der König erhebt
Esther zur Königin und krönt sie (II, 17); unten: geteiltes Bild. Die
Wachtposten machen einen Anschlag wider den König (II, 22), links: der
König gibt dem Haman seinen Ring (III, 10).
Columne 7—9 (III, 13— IV, 5 u. IV, 6-16) oben geteütes Büd.
Rechts: Dekrete werden versandt (III, 13), links: die Königin mit ihren
Jungfrauen im Schloßhofe (IV, 4); unten rechts: Die Königin erteilt
einen Auftrag an einen Boten (IV, 5), links: der Auftrag wu-d ausgerichtet
(IV, 6).
Columne 9—10 (IV, 17— V, 9 u. V, 10— VI, 5) oben rechts: der
König berührt die Königin mit dem Szepter (V, 2), links: der König]
die Königin und Haman bei einer Mahlzeit (V, 5); unten Teil 1: Haman
unterhält sich mit seinen Damen (V, 10), Teil 2: ein Galgen wird er-
richtet (V, 14), Teil 3: der König bringt die Nacht schlaflos zu und ihm
wird vorgelesen (VI, 1).
Columne 11—12 (VI, 6—14 u. VII, 1—9) oben, Teil 1: der König
gibt dem Haman einen Auftrag (VI, 10), Teil 2: Mordechai reitet den
königlichen Rappen (VI, 11), Teil 3: Haman wird von einem Ober-
gemach aus mit einer schmutzigen Masse begossen (nach einer Sage);
unten Teil 1 : der König und die Königin nebst Haman bei einem Mahle
vereint (VII, 1), Teil 2: Haman fällt auf das Polster hin (VII, 8), Teü 3:
der König ergeht sich im Park (VII, 7).
Columne 13—14 (VII, 10- VIII, 8 u. VIII, 9—14) oben, Teü 1: Haman
wird gehängt Teil 2: die Königin kniet vor dem König nieder; unten,
Teil I: der König berührt die knieende Königin mit dem Szepter
(VIII, 4), Briefe werden geschrieben. Teil 2: Couriere befördern die
Briefe (VIII, 10).
Columne 15—16 (VIII, 15— IX, 6 u. IX, 7—10) oben, Teil 1: Mor-
dechai begibt sich vom königlichen Hause in prächtigen Gewändern
(VIII, 15), Teil 2: Kampf (IX, 2), Teil 3: Gelage px, 17); unten: Kampf.
Columne 17—19 (IX, 11—19 u. IX, 20-27) oben, Teil 1: die nieder-
knieende Königin vor dem König, Teil 2: Hinrichtung der 10 Söhne des
Haman; unten: Gelage.
Columne 19 (IX, 28— X, 3) oben: die Königin schreibt Sendschreiben aus;
unten: Maskenbelustigung am Purimfeste.
KafI W* Hiersematm in Leipzig» Königsstrassc 3* Katalog 330*
Orient, Manascripte orientalisdten Ursprunges, XIII,- XIX. JahrL IQQ
Ein stilisiertes Blatt- und Blüten-Ornament in 5 Farben ausgeführt,
von einer Art Metallstander ausgehend, dessen oberer Teil einen Rah-
men trägt, schließt das Ganze ab. Im Innern des Rahmens steht ge-
schrieben: ,ani Israel' ani Masal-tov (— ich Israel, ich Ora bona).
Am Ende des breiten Randes, zum Schlüsse der Rolle findet sich der
Vermerk: ani Str . . . (die 2 oder 3 letzten Buchstaben sind nicht mehr
lesbar), (ich Str . . .)
Beigefügt sind die Benedictionen, die vor und nach der Verlesung
des Estherbuches in der Synagoge gesprochen werden. Sie sind auf
einem besonderen Pergamentblatt aufgeführt, in zwei Columnen. Diese
sind durch eine farbige Bordüre getrennt und mit einer dreifarbigen
Umrahmung versehen. Das Blatt ist wohl viel später als die Rolle ge-
schrieben worden.
Von kleinen Schäden abgesehen, gut erhalten.
13Q Ferhad und Schirin, eine der vielen Nachdichtungen.
Manuscript von 470 Seiten in persisch-indischer TaTik-
handschrift Mit 41 prächtigen Miniaturen in Ranken-
bordfiren. Hoch 8^. Etwa 1800. Alter schwarzer Oanzlederbd.
900.—
Die Textzeilen dieses schönen Manuscripts haben weder Anfang noch
Ende. Der Text ist durch zwei rote Linien in zwei oder mehrere Teile
gespalten und in einen mehrfarbigen Rahmen gesetzt CMe einzelnen
Blätter weichen in Stärke und Farbe zum Teil von einander ab. In 28
Seiten sind auf der Spitze stehende Quadrate in Oold eingemalt und
andere Seiten sind mit Oold bestreut.
Unter den 41 Miniaturen sind 2 omamentale Felder und 39 figür-
liche Darstellungen, welche in fortlaufender Reihe die Aben-
teuer eines persischen Prinzen abbilden. Bemerkenswert ist die
Farbenpracht und Naturtreue der menschlichen Figuren, die in auffallen-
dem Gegensatz stehen zu der durchaus mangelhaften Perspektive, die
ihrerseits aber wieder auf ein ziemliches Alter der Bilder schließen
läßt Die ornamentierten Felder, sowie die Umrahmung der figürlichen
Darstellung sind mit pflanzlichen Motiven ausgefüllt
Äußerst Interessantes Stück.
140 Firdusi, Abu'l-Kasim Mansur, Shah-Namah oder das Buch
der Könige von Persien. Persisches Manuscript von
872 Seiten in zierlicher, fdner Ta'lik-Handschritt Mit
23 prächtigen Miniaturen und 4 ornamentierten Kopfleisten.
Fol. Etwa i, J. 000 der Hedschra (1495). Brauner, vergoldeter
Original-Einband, mit eingemalten Ooldblumen. 2420. —
Vgl. die Abbildnog Taf. 18.
Firdusi ist wohl der berühmteste epische Dichter der Perser; seinen
Ruhm verdankt er diesem kolossal umfangreichen Werk, welches 120000
Verse enthält und worüber er 30 Jahre lang arbeitete; es ist eine epische
Darstellung der persischen Geschichte, von der Erschaffung der Welt
bis zum Untergang der Sassaniden. Kein Volk der Erde hat dem Shah
KafI W* Hicrsemann In Leipzig» Könlgsstrassc 3* Katalog 330*
110 OHM. Manusaipte aiienkUisdien Urspnuiges. XHL-XIX. Jahrtu
Namah ein seine ganze Vergangenheit behandelndes historisches Ge-
dicht von gleichem dichterischen Oehalt zur Seite zu stellen. Es zer-
fällt in 3 Teile:
I. Shah-Namah.
IL Dastan-i Klei Khossannamah.
III. Destan-i Baisunamah.
Die Handschrift ist schön und gleichmäßig auf dünnem, pergament-
artigem Glanzpapier, einen Rand von 5 cm freilassend, hergestellt, doppel-
seitig beschrieben in 4 Columnen ä 25 Zeilen, die Seite ist von einer
breiten Goldlinie eingefaßt, welche nach außen durch eine feine Linie
in blau, nach innen durch eine hellere Goldlinie wirksam abgehoben
wird, die Columnen durch 2 feinste Doppellinien von einander geschieden.
Die Miniaturen sind in Farben und Gold prächtig ausgemalt Die
2 ersten sind ganzseitig und stellen das Hofleben dar. Mit ganz be-
' sonderer Feinheit sind die wundervoll ornamentierten, reich in Gold
und Farben ausgemalten Kopfstücke ausgeführt; die beiden ersten sind
ganzseitig und stehen beide zusammen an dem Beginn des ersten Teiles
(man findet für gewöhnlich sonst nur ein Kopfstück); die zwei anderen
bilden den Anfang des 2. resp. 3. Teiles und nehmen je nur 1/4 der
Seite ein. Der Titel jedes neuen Abschnittes im Texte ist mit Gold ge-
schrieben. Die letzte Seite ist mehrfach gestempelt Der Schnitt ist mit
Gold dekoriert
Das Exemplar ist sehr gut erhalten. Nur sind einige Blätter leicht
beschädigt und sauber ausgebessert Am Anfange wenige Wurmstiche.
141 Hebräisches Manuscript Sorgfältige und wohlerhaltene
Pergamenthandschrift in hebräischer Sprache, 26 Bl. in kl. 8^
gefertigt durch den Rabbi Jehuda aus Düsseldorf im Jahre 5504
der jüdischen Zeitrechnung (1744 n. Chr.). 400. —
Gleichzeitiger brauner Lederband mit eingepreßten Ornamenten. Der
Inhalt besteht aus rituellen Vorschriften und Gebeten, welche bei der
Ceromonie der Beschneidung anzuwenden sind» sowie aus Gebeten um
günstigen Verlauf von Reisen zu Lande» zur See und durch unsichere
Gegenden. Außer mehreren farbigen Kartuschen und Initialen enthält
das Buch 8 zur Erläuterung des Textes dienende Miniaturgemälde nicht
ohne Kunstwert: 1. auf dem Titelblatt Moses mit den Gesetztafeln und
Aaron im hohenpriesterlichen Ornat mit dem Rauchfaß, 2. die Beschnei-
dung eines Kindes, 3. Ceremoniell im Familienkreise vor der Beschnei-
dung, 4 — 5. Scenen aus dem jüdischen Familienleben bei verschiedenen
Festen, 6. eine Landschaft mit Reisenden, 7. Schiffe mit Seefahrern,
8. ein Waldweg mit Fußwanderern.
142 EGhaani, Khodavend Nam^h. Histoire des ProphMes, de Ma-
homet et des quatre Khalifes orthodoxes jusqu'ä Pav&nement
des omeyyades analogue ä la Haml^h-i Haid^ri, £crit par un
nonini£ Khaani qui £tait Poete laureat de la cour du Shah de
Perse Feth Ali, copi£ en 1260 de Thegire par un nonini£ F£th
Ali Monushi ibn el Hadjdj Ismail Khan el Skakkafi. 222 ff.
420.—
Karl W* Hiersemann In Ldptig^ Königsstf assc 3« Katalog 330.
OriaiL ManauripU orimäaUsehm Ursprung^. XUL-^XIK. Jahrh. \\\
143 Kltab el Mantyk: Buch der Logik. Arabisches Manu-
script von ca. 422 Seiten in Naski Handschrift (Anfang d.
XVII. Jh.) Alter Lederband. 40.—
144 Kitab- 1 taharat oder daftar- 1 aeharh wagaje. Kommentar
des Reinigungsgesetzes. Arabisches Manuscript von 150 Seiten.
Ta'Iik Handschrift. Ende fehlt Fol. (Anfang d. XVII. Jhdts.)
50.—
145 Kitab i wikajet er riwaje fi merail il hidajet: Schrift welche
die Berichte aufbewahrt die zur wahren Religion (,den richtigen
Pfad*) führen. Arabisches Manuscript von 400 Seiten, in
Ta'likhandschrift Mit roter Randlineatur u. vielen Rand-
notizen. 8. Im J. 1196 d. Hedschra (1782). Alter Lederband.
45.—
146 Kitab- il awwamiL Lehrbuch und Grammatik des Ara-
bischen (Nach Iman Asam). Persische TaMikhandschrift
von 212 Seiten. 8. (Mitte d. XVI. Jhdts.) Alter grün und
roter Ledereinband mit eingepreßten Medaillons. 48. —
Die Schrift In schwarzer und roter Tinte. 5 Seiten sind mit originellen
Arabesken dekoriert Auf dem kleineren der Medaillons auf dem Ein-
band steht geschrieben: „Der Erfolg möge gut sein/'
147 Kitab It -taharet et -tahare. Abhandlung über religiöse
Abwaschungen und Reinigungsvorschriften. Arabisches Manu-
script von ca. 462 Seiten. Naski-Handschrift des Muhammed
Nasir ben Muhammed Risa Tankabani. Mit zahlreichen Hand-
notizen an fast jed. Seite. In 4. S. 1. den 8. Djamadij' al awal
i. J. 1200 d. Hedschra (1780). Orau - schwarzer Ledereinband
mit 3 eingepressten Medaillons. 100. —
148 Koran, Manuscript in arabischer Sprache. 4. S. 1. et a. [pu
1750). Original-Lederbd. mit Klappe; Deckel mit oriental. Or-
nament in Ooldpressung. 85. —
Schöne Handschrift des XVIII. Jahrh. auf Reispapier, mit Ooldbor-
dfire eingefaßt, die beiden ersten Blatt mit Blumen- und Blattomamenten
reich in Oold und Farben ausgemalt, ebenso die beiden letzten Blatt
mit farbigen Schlußstücken geziert Am Rande mehrere farbige Blumen-
Ornamente eingemalt
149 Koran. — Manuscript in schöner, deutlicher, enger, schwarzer
Handschrift Die zwei ersten Seiten haben breite Oold-
umrahmungen mit einfachen Pflanzenomamenten, die Qbrigen
schmälere. Die einzelnen Suren sind von einander durch
breite Ooldleisten, ihre Verseten durch Ooldpunkte geschieden.
Jede zehnte Seite trägt am Kopfe eine bunte Blumenranke.
Auf glattem, dQnnem aber sehr festem Papier geschrieben.
Datiert vom Anfang des Monats Sacban 1231 A. H. (Ende
Karl W. Hiersemann In Ldptig» Königsstrassc 3« Katalog 330*
112 Orient Manusaipte orUnialischen Ursprunges. XHL - XIX. Jahrh.
Juni 1816). Orientalischer roter Ledereinband mit Ornamenten
in Ooldpressung in den Ecken und in der Mitte, und mit
schmalen Ooldleisten. Aus der Bibliothek des Earl of Ash-
bumham. 18X12 cm. 65* —
150 Mahavatthu. Pali Ms. in Kambodsch'ischer Umschrift In
Slam verfertigtes Ms. auf 500 Palm-Blättern in groB-quer-fol.
Jedes Blatt hoch: 5 cm., lang: 56 cm. 120. —
151 NizamL — Persisches Manuscript. 6 Teile in 1 Bd. (folio)
umfassend. 304 Blatt in Ta'lik geschrieben, in 4 Columnen,
25 Zeilen auf der Columne, mit 6 prächtigen 'Unwans und
23 großen, schönen Miniaturen. Einige Bll. mit neuem Rande
versehen und das erste Blatt von modemer Hand ergänzt
Schwarzer Maroquinbd., vergoldet Ca. 1600. l450« —
152 Nizami. — Iskender-Näme (Alexanderbuch). Teill. Persisch.
Manuscript in schöner und deutlicher Ta'liq-Handschrift 56
Blatt, mit 15 Miniaturen. Fol. O. J. (ca. 1650). Roter Maroquinbd
mit Ooldschn. 2450.—
Die Handschrift auf weißem Papier, jede Seite in 4 durdi Initialen
getrennten Columnen von je 21 Zeilen, ist auf braunes Pergamentpapier
aufgesetzt. Die 15 farbenprächtigen, ganz- und halbseitigen Miniaturen
bringen zum Teil Darstellungen aus den Kämpfen Alexanders des Oro-
ßen, zum Teil phantast Gestalten aus der Mythologie und Sage.
Text und Malereien sind nicht datiert, auch der Schreiber nennt
sich nicht, jedoch dürfte nach sachverständiger Abschätzung ein Alter
der Hs. von ca. 250 Jahren anzunehmen sein.
153 NizamL — Laili u. Majnun. Manuscript d. XVII. Jahrh. auf 160 S.
mit 16 Miniaturen. Kl. 8^, in späterem roten gepreßten Leder-
band. Die ersten und letzten Blätter am Rand ausgebessert»
in einem Blatt ein fehlendes StQck ersetzt, wobei auch die auf
dem Blatt befindliche Miniatur durch spätere, aber geschickte
Hand ausgebessert ist 42. —
154 Nizamiy Abu Mohammed Hjäs, Chamse oder Pendch-
Kendj (Fünfer oder die fünf Schätze). Persisches Manu-
script von 518 Seiten in Talik-Handschrift Mit 7 Orna-
ment-Miniaturen. 4 Teile und Einleitung fOr Teil 5 in einem
Band. Am Rand die Dichtungen des Muhammed Assar-
Meher we Muschteri (Sonne und Jupiter, der Pianet) und
des Chwadje aus Kirman, Liebesgeschichte von Humai und
Humajan, des Sohnes vom König Nuschenz und einer Tochter
des Kaisers von China Faghfur. Fol. (Ende des XVIII. Jh.)
Alter lackierter Lederbd. 250.—
Nizami lebte im XII. Jahrh. Er ist der Begründer des romantischen
Epos und einer von den sieben größten Dichtem Persiens. Seine fünf
Karl W. Hiersemann In Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330«
Tafel 18.
No. 140. FIRDÜSI, Persisches Ms.
Ca. 1495.
Orient Pmisdu u. indische OrigmairMaleräm. XUL-XIX. JaMu 113
größeren Dichtungen gelten noch bis jetzt als unerreichte Meisterwerice
der Poesie. Es sind:
I. Machzen el-esrar. Magazin der Geheimnisse, ein didaktisches
Gedieht
II. Chusru u Schirin. Ein romantisches Epos, Liebesgesch. d.
pers. Königs Chusru II.
III. Medschnun u Laila. Liebesgedicht
IV. Neft paiker. Die sieben Bikler, eine Art von Heptameron.
V. Iskender name. Eine sagenhaft ausgeschmückte Geschichte
Alexanders d. Gr., wovon hier nur die Einleitung vorhanden ist; das
komplete Werk enthält 28000 Verse.
Der Text ist in 4 Columnen durch 2 Doppellinien voneinander ge-
schieden und in einen Rahmen von farbigen Linien gesetzt Die reich
in Gold und Farben ausgemalten Omamentminiaturen sind teilweise
un Innern, teilweise am Rand angebracht Der Text ist in feiner Ta'lik
Handschrift mit schwarzer Tinte (die Abschnittstitel rot) geschrieben.
Etwas angerandert und an einigen wenigen Stellen ausgebessert.
Sonst wohl erhaltenes Exemplar.
155 Orientalisches Manuscript, modern, sehr schön und sorg-
fältig geschrieben und jede Zeile mit Ooldlinien umzogen.
On-§^. In einem interessanten, in Oold und Farben (Blumen-
Ornamente) gemalten Einbände. Schöne Lackarbeit 25. —
156 Peraiach-lndiache Kalligraphie. — Schöne persische oder
nord-indische Handschrift 24 Seiten , geschrieben auf weisse
bez. goldene Blätter, die auf farbiges Papier, mit Blunienoma-
menten an den Rändern aufgesetzt sind. Die EIL sind zu
einem Album vereinigt, das so einen Band kl.-folio bildet, der
innen mit rotem Maroquin ausgelegt und in braun Maroquin
gebunden ist (XVlIi. Jahrhdt) 220.—
157 Persische Ta'lik-Handachrift des Muhammed Schal Darai
von Lar(Dar il ensan): Kassiden von Naki (?). In 3 Teilen.
8. Im Jahre 1007 der Hedschra (1589). Prächtiger Lack-
einband. 354 S. 280.—
Sehr reich verziertes und schön erhaltenes Manuscript Jeder Teil
hat ein fein ornamentiertes und vergoldetes Kopfstück mit reichem Oma-
mentschmuck und Arabesken am Rande. Im ganzen 7 dekorierte Selten.
Der Text ist durch zwei goldene Linien in zwei oder mehrere Teile ge-
spalten und in einen mehrfarbigen Rahmen gesetzt Auf der letzten Seite
ist ein kleiner Stempel. Die Außendecken des Einbandes sind in Lack-
malerei gehalten und mit Blumen und Tieren bemalt; der Orund ist gelb
und der Rand ist schwarz, rot und gold. Die Innenseiten sind in rot
ausgeführt, mit ausgeschnittenen Ecken und Medaillons, in welchen
Arabesken und Tiere (Wasservögel) mit der Feder sehr fein geschnitten
aufgeklebt sind, auf farbigem Orund (blau und grün).
Karl W* Hicrseinann In Ldptig» Königsstrassc 3* Katalog 330*
8
114 Orient Persisdu tu indische OriginaIrMalereien. XUL-XlX.Jahrtu
158 Ptolemäus, Claudius. — Kitäb tabrir al madjesthi (hybri-
disches Wort, Verbinde, d.^arab. Artik. al mit d. griech. Super-
lativ fisYKTTog) arabische Übersetzung d. Ptoletnaeischen
Constructio mathematica von Ishak ben Hunein und ver-
bessert von Tabit ben Karra. Schreiber: Muhammed Schafic
ben Hakim Feridoun. Schikistaschrift Mit 43 Minia-
turen des Tierkreises, v. 7. beschädigt, zahlreichen trigono-
metrischen Figuren und Randnotizen. Alles in roter und
schwarzer Tinte ausgeführt Im J. 1077 d. Hedschra (1667).
250.—
Vorliegendes Manuscript stellt in sehr merkwürdiger Weise in far-
bigen Miniaturen die Figuren des Tierkreises dar. Solche Illustrationen
finden sich in arabischen Handschriften dieser Art äußerst selten. Mit
besonderer Sorgfalt sind die geometrischen Zeichnungen entworien. Im
ganzen macht das Manuscript in der peinlichen Ausführung einen ge-
fälligen Eindruck.
159 Sadi, Oulistan. Persisches Manuscript von 167 zweiseitig
beschriebenen Blättern, mit 31 fast blatigroßen Miniaturen aufs
allerzierlichste in lebhaften Farben und Oold ausgeführt und
Liebesszenen, Gerichtsverhandlungen, Schlachten etc. darstellend.
Die Schrift ist in der Ausführung der Miniaturen würdig mit
fünf Linien in Oold und Farben eingerahmt und in Schwarz
und Rot säuberiich durchgeführt. Zu Beginn eine Kopfleiste
in persischem Bogenstyl, reich In Oold und Farben. Be-
sonders wichtige Stellen sind mit Ooldwellen durchzogen. 8.
In braunem indischen Lederband mit Pressungen in lichter
Farbe geziert A. H. 1187 (?) 450.—
Ein Gulistan mit Miniaturen, zumal so prächtigen wie diese, ist eine
Seltenheit
160 Sadi, Oulistan. Erzählungen und Sittenlehren in Poesie und
Prosa. Persisches hübsch illuminiertes Manuscript in Ta'lil^
127 Bll. zu je 12 Zeilen auf der Seite. 10 Blatt eingefaßt von
marmoriertem, mit Oold gesprenkeltem Papiere. Od)unden in
reich bemalte Decken, die innen mit rotem Maroquin ausgel^
und aussen mit lebendigen Bildern, von je ca. 20 Floren
geschmückt sind. 8. Etwa 1680. 520.—
161 Sammelhandschrift, arabisch - persisch, religiös - erbaulichen
Inhalts, ca. 300 Blatt, 20X13 cm, Papier, vortrefflich geschrieben,
mit 4 schönen Ornamenten, undatiert (XVIIL Jahrh.). Orient
Lederbd. wurmstichig. 30# —
Auszug aus dem Kitab gadb al-qulub ila dijar al-mahbub von
'Abd oI-Haqq b. Sais ad-Din. Weiter persische Stucke aus dem
Koran, arabisch, wie sie an den verschiedenen Wochentagen von den
Gläubigen zu rezitieren sind Weiter Gebete (arabisch), z. T. auch für
die verschiedenen Wochentage. Damach die Qaside des Imam, Jafi'i auf
Karl W* Hiersemann in Leipzlgf Königsstrassc 3* Katalog 330*
Orient. Persische u. indische Ortgüial-MaUnim. XV.^XlXJahrh. 115
den Propheten Muhamed (arabisch). Damach wieder Oebete, andere
arabische Gedichte, z. T. mit persischen Interlinear-Versionen.
Stücke aus der Tradition u. dgl.
Hervorgehoben sei noch die darunter sich findende Beschreibung des
Lebens des marokkanischen Heiligen Abu 'Abd Alla Muhamed b. Sulaiman
b. Abi Baki al-Gazuli as-Simlali gesi 1465 (vgl. Brockelmann II 252),
mit einem darauf folgenden Auszuge aus dessen Schrift: Dala* il al-hairat
wa-sawariq al-anwar fi dikr as-salat 'ala 'n-nabi al-nucktar.
B« Persische und indische Original-Malereien.
XV.— XDL Jahrh.
162 Indische Original- Aquarelle. — Sammlung von 12 indischen
Aquarellbildern in sehr schöner farbenreicher Ausfuhrung aus
der 1. Hälfte des XIX. Jahrhunderts, kostum- wie loiltur-
geschlchtlich hochinteressant Verschieden groß, aufgezogen
und auf Passepartouts In einer Mappe vereinigt 75. —
Drei Blätter mit indischen Kostümen, je Mann und Frau: Offizier,
Hirt (?) u. Oeflugelhändler » 6 Figuren. Besonders schöne Blätter
18x24 cm.
2 Blätter mit indischen Frauen bei der Hausarbeit, auf dem einen
zwei Frauen, Reis siebend, und auf dem andern eine Frau, Oam auf-
haspelnd. 25X21 cm.
2 Blätter mit je einem indischen Kameel und Maultiertreiber. 25x21 cm.
5 Bilder auf Celluloid : Wasserträgerin, Schlangenbändiger, Frau mit
Handspiegel, Mann in weißem Mantel, ein Messer schleifend (Raseur?)
u. Offizier. 12x8 cm. Bei dreien dieser Bilder ist hier und da die
Farbe etwas abgesprungen.
163 Indian Costumes. A volume containing 96 finely executed
and highly finished Native Drawings on Tale, in vivid
colours, illustrating the Costumes of the various degrees
of Indian Society, male and female, each plate 10 by 7 Cehti-
meters. — Circa 1820. Roter Oanzmaroquinbd. m. O. Einige
Blätter sind leicht beschädigt Höchst interessante und, da
aus der Hand eines eingeborenen Künstlers hervorgegangen,
durchaus authentische CostQmbilder in der sorgfältigsten Aus-
führung. 180.—
164 Indische Kostfime. Neun Blätter sorgfältig ausgeführte
indische Original -Aquarelle mit großen Figuren, darstellend
Brahminen, Fakirs, Bettler, Gaukler etc. Unterschriften in Hindu-
stanisch und Englisch. Fol. (ca. 1800). 150. —
Bramin going to worshlp. — Bramin woman going for water. —
Musulman fakeer. — Hindoo beggar. — Religious mendicant who keept
up his hand. — Snake Players (3 Figuren). — Player of bear, monkey
and goat (Gaukler mit 3 Tieren). — Clothseller. — Ploughman.
Karl W. Hiersemaim in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330«
116 OrUnL Pmisdie u. üuUsdie OrigUuü'MaUnien. XV.-XIX. Jahrh.
165 Indische Kostfime. Ein vornehmer Indier mit den Beamten
und Dienern seines Hauses. 17 kflnstlerische, indisdie Original-
Aquarelle, ca. 1820, mit größter Sorgfalt und geistreich aus-
gerOhrt OroBe Figuren, mit Unterschriften in Hmdustanisch u.
Englisch. Folio. Eine sehr interessante Folge. 235.—
Verzeichnis der einzelnen Blätter: Native Officer of first rank or
Council of State. — Persian teacher. — Sircar. — Head of the menial
servants. — Ansah burdaur and Sotah burdaur: Runnero before the
palakeen with the large and the small cilversticks. (2 Blätter.) Letter
carrier. — Ouard keeper — Nurse. — Head of the palankeen bearers. —
Attendant at Table. — Hookah burdaur (Pfeifenreiniger). — Barber. —
Groom. — Water carrier. — Dog keeper. — Sweeper. — Adjutant Bird
(Marabu).
166 Indische Kostüme. Folge von 22 BU. von indischen KostOm-
figuren der unteren Klassen: Dienerschaft, Handwerker, Arbeiter,
Fakirs. Sehr schöne Malereien eines indischen Kunstlers aus
der 1. Hälfte des XIX. Jahrhunderts, auf A4arienglas ausgeführt
sorgfältig in Kartons eingesetzt und tadellos erhalten; bei dem
spröden Material eine ^Itenheit Größe der bemalten Blätter
gleichmäßig 14X10 cm. In Hmaroq-Mappe. 145.—
167 Indische Ori^nal-Malereieii. Eine Reihe von 13 feinen alten
Original-Malereien (um 1700^, die erfolgreiche Werbung eines indi-
schen Prinzen mit dunkelblauem Angesicht darstellend. Die
figurenreichen Blätter stellen die verschiedenen Szenen des
Aachens dar, das letzte Blatt den Brautzug. Die Blätter, offen-
bar von einem Künstler ausgeführt, sind gleichmäßig 32X41 cm
groß und von dunkelblauem Rand eingemßt In einem neuen
roten Juchtenband mit eleganten Ooldomamenten auf beiden
Decken u. dem Rücken. Die 13 BU. sehr sauber in Kartons
eingel^ 950. —
168 Indische Original-Malereien. Ein Album von 59 Trachten-
bildem, reich in Oold und Farben ausgeführt Die Bilder sind
gleichmäßig 41X29 cm groß, offenbar von demselben eingeborenen
Künstler ausgeführt; auf jedem Blatt ist eine männliche und
eine weibliche Figur dargestellt; wenn auch die Darstellungen
typisch sind, so ist doch die Ausführung die denkbar feinste
und bis ins Kleinste genau und lebenswahr. Für die Ethno-
graphie, ebenso wie für die Trachtenkunde ein authentisches
Dokument Etwa 1750—1800. 980.—
Die Blätter sauber auf Passepartouts gesetzt und mit indisch-engl.
Bezeichnung auf der Rückseite. Das Ganze in modemer Halbmaroquin-
Mappe mit Staubklappen und Schutzkarton.
1. Brahmine und seine Frau, in reicher Gewandung. Der Mann in ge-
blümtem Rock und ebensolchen Beinkleidern, mit gold- und blumen-
gesticktem Gürtel und Bandelier; das Schwert auf der Schulter; die
Karl W« Hiersemann In Leipzig» Königsstrassc 3* Katalog 330«
OrtetiL Ptnisdie u. indisdie OrigUua-Malereim. XV.^XIX.Jahrh. 117
Frau in rotem getüpfelten Rock, der Kopf, die Brust und Arme mit
Ooldschmuck fiberladen, auch das Oewand und die Schuhe reich
mit Oold verziert
2. Koochyuyen, Kaufmann und Frau. Auch hier bewundem wir die
reiche, mit peinlichster Sorgfalt ausgeführte Gewandung.
3. Arab of Moore. Männliche und weibliche Gestalt wie auf allen
Blättern. Der Mann in Kriegertracht, die Frau mit reichem Oold-
schmuck und in gokigewirktem Gewand hält einen Tschibuk.
4. Rasapotren. Krieger und Frau. Der Mann mit Lanze, Bogen und
Köcher, die Frau in rotem gokigewirktem Gewand hält eine Blume
in der Hand.
5. Kuli, halbnackt, hält der Frau einen Beutel hin, die Frau wendet das
Antlitz ab und hält mit der Rechten drei Quasten entgegen.
6. Byragy. Ein nackter Krieger mit Schwert und Lanze; vor ihm die
Frau in rosa Rock mit langen Beinkleidern.
7. Schuhmacher. Nackt auf einem Brett kauernd, vor ihm die Frau in
einfachem Kattungewand, Schuh und Leder bringend.
8. Koorooniben. Ansdieinend Gemüsehändler und Frau. Beide in wei-
ßen Gewändern. Er hält ein goldenes Gefäß in der Hand; sie trägt
einen Korb mit Gemüse auf dem Kopf.
9. Kendapody. Verkäufer von Riechpulver. Der Mann in weißem Rock
und geblümten Pluderhosen und goldgestickter Mütze hält in der
Hand ein Riechpulver in ein Tudi eingeschlagen.
10. Gaukler. Eine Frau liegt mit dem Rücken auf der Spitze eines in
die Erde eingesteckten Bambusstabes; ein Mann steht auf den Händen,
während ein anderer die Trommel schlägt.
11. Schlangenbändiger. Ein nackter Mann trägt eine Schlange über dem
Nacken, ein anderer, ebenfalls nackter Mann mit einer Trommel, da-
neben eine Frau im Kattunrock, roter Jacke und Schleier, zwei Körbe
auf einem Bambusstab tragend.
12. Tänzer. Ein Mann in langem rotem Gewand, links ein Trommler,
rechts ein Mann mit einem eigentümlichen Musikinstrument.
13. Mareven des Südens. Ein Mann mit Bambuslanze und Kris ; ein weißes
Tuch um die Hüfte gewunden, daneben eine Frau in fein aus-
geführtem Gewand mit gemustertem Besatz.
14. Gasamy. Ein nackter Mann mit eigentümlich geformter Keule auf
der Schulter, einen Säbel an der Seite, in der Hand eine Tabaks-
pfeife; auf dem Kopf eine hohe rote Mütze; vor ihm ein nacktes
Mädchen mit einer Lanze, ein Tigerfell auf dem Rücken; an der
Seite eine Wasserflasche.
15. Jady. Ein nackter Mann trägt eine Wasserflasche in der Hand; auf
der Schulter einen Palmzweig, an dem eine Tasche hängt; auf dem
Rücken an dem Gürtel ein gefülltes Gefäß befestigt Die Frau in
weißem Gewand hat auf dem Kopf ein Gefäß, aus dem Schaum quillt,
und eins in der Hand.
Karl W« Hlcncmaim In IMpüZf Köolgtftrasse Z. Katalog 330.
118 Orient Per^sdie u. indisdie Origmal-Maiemm. XV.-XIX.Jahrk.
16. Talvady Bramin. Der Mann, nadct bis zum Gürtel, mit Schmuck be-
hängt, eine bunte Schärpe auf der Schulter, hält in der Hand ein
grünes Stückchen Holz. — Die Frau in reich gewirktem, fein aus-
geführtem Gewand mit reichem Goldschmuck hält ebenfalls ein sol-
ches Stückchen Holz dem Mann entgegen.
17. Schneider. Der Mann in weißer Kleidung mit rotem Turban hat ein
Stück Zeug auf dem Knie; vor sich den Nähkasten. — Die Frau
in rotem Gewand, fast nackt bis zum Gürtel, hält dem Mann eine
Schere hin.
18. Goldschmidi Der Mann kauert auf einem Brett und hat vor sich
ein Tischchen, auf dem er Ooldsachen bearbeitet, neben ihm der
Werkzeugkasten, das Werkzeug und der Feuertiegel. Der Mann Ist
nackt bis zum Gürtel und trägt einen bunten Turban. Die vor ihm
stehende Frau in gestreiftem Gewand mit reichem Goldschmuck hält
in der Hand einen Bolzen.
19. Mochy. Schuhmacher aus Poona. Der Mann in leichtem Gewand
kauert auf einem Brett und arbeitet an einem Schuh, um ihn Leder,
Werkzeug und halbfertige Ware. Die Frau vor ihm in schön aus-
geführtem geblümten Rock und mit Goldschmuck behängt, arbeitet
an einem halbfertigen Schuh.
20. Mail Moor Man. Der Mann in dunklem Rock und Turban und in
geblümten Beinkleidern mit goldgeziertem Bandelier, Köcher und
Bogen hält der Frau zwei Pfeile hin. Die Frau In außerordentiich
reichem Kleid in Farben und Gold und mit Geschmeide hält in der
Hand eine Rose.
21. Poosary, der nur mit kurzem Beinkleid und reicher Schärpe ver-
sehene Mann trägt in der Hand eine große Blume und hat auf
dem Kopf einen phantastischen Aufbau aus Gold mit langen Quasten.
Die Frau in gelbem Kleid mit Geschmeide. Beide tanzen.
22. Sundytha Bramine. Der Mann in weißem Gewand mit farbiger
Einfassung, roter Schärpe und gewirktem Turban hält in der Hand
eine Schriftrolle. Die Frau in schöngeblümtem Kleid, mit reichem
Goldschmuck trägt in der Hand ein Tintenfaß.
23. Barbier, mit kurzer, weißer Hose bekleidet, schert einem vor ihm
sitzenden Mann, der bis zum Gürtel nackt, mit einer weißen Hose
bekleidet ist, den Kopf; dahinter eine Frau in dunklem, gemusterten
Gewand, Löffel und Sdiere in der Hand.
24. Lala Kaste. Der Mann in dunklem geblümten Gewand, mit gold-
gewirktem Gürtel, trägt einen roten Turban und hat in der einen
Hand eine Rolle, in der andern ein Goldgefäß. Die Frau in rotem
goldgewirktem Kleid mit Schleier und Geschmeide trägt in der
Hand ein grünes Gewächs.
25. Kupferschmied. Der Mann hält mit den Füßen ein nach oben ge-
bogenes Holz auf dem ein Kessel sitzt, den er mit dem Hammer
bearbeitet Die vor ihm stehende Frau in weißem Unterrock und
um die Schulter geschlungene Schärpe hält in der einen Hand einen
glänzenden Kessel, in der anderen einen Stock.
Karl W« Hiersetnaon In Lclptig^ Königsstf asse 3« Katalog 330*
Orient Persisdie u. indische Original^Malemen. XV.-XIX.Jahrh. IIQ
26. Fischhändler. Der Mann, ganz nackt, hält in der Hand einen Fisch,
auf der Schulter ein Netz und auf dem Kopf einen Korb. Die vor
ihm in weißem Kleid stehende Frau hat einen Korb in der Hand.
Die Farbe des Hintergrundes ist ein wenig abgebröckelt
27. Korawen Kaste. Der Mann, auf dem Boden sitzend, bearbeitet ein
Stück Bambus. Die Frau mit weißem Tuch bekleidet trägt ein Kind
auf dem Rücken, am rechten Arm einen Korb und reicht dem Mann
ein Körbchen.
28. Zimmermann. Der Mann mit weißem Gürteltuch mit rotem Rand
bearbeitet ein Stück Holz; die Frau in rotem Rock hält dem Mann
einen Meißel hin.
29. Malabarische Tänzer. Eine Frau in rotem Rock mit goldgewirkter
Jacke und reichem Geschmeide, tanzend; daneben drei Männer, einer
mit der Trommel, einer mit Pfeifen und der dritte mit Kastagnetten.
30. Muloaga Jeltys. Ein Mann mit weißem, faltigen Gewand und roten
Beinkleidern, einen Dolch in der Hand; die Frau in weißem Ge-
wände mit roter Borde.
31. Tänzer. Die Frau in überaus reichen, blumen- u. goldgesticktem
Kleid tanzend inmitten von zwei Männern, einer davon mit Kasta-
gnetten, der andere mit einer Trommel.
32. Grobschmiede. Ein mit kurzer Hose bekleideter Mann kauernd, be-
arbeitet ein Stück Eisen mit dem Hammer. Ein Knabe facht das
Feuer mit dem Blasebalg an.
33. Kaufmann. Der Mann in weißem Gewand mit roten Beinkleidern
hält ein szepterartiges Instrument in der Hand, unter dem Arm einen
Dolch; die Frau in gestreiftem Kleid, mit Geschmeide an Kopf,
Hals, Brust und Armen reicht dem Mann ein grünes Gewächs.
34. Radasaravu Kaste. Der Mann einen Speer in der Hand, im Gürtel
einen Dolch, halbnackt Die Frau in dunklem Gewand hält in der
Hand grüne Stengel.
35. Kuli. Der Mann in weißem Gürteltuch und Mantel, mit farbigem
Turban; die Frau in lila Kleid mit rotem Streifen.
36. Musiker. Der Mann in geblümtem Rock, weißen Beinkleidern und
roter Mütze, eine Cymbel in der Hand; die Frau in rosa Kleid mit
Kastagnetten.
37. Mann mit weißem Gürteltuch, eine farbige Schärpe auf der Schulter,
reicht der vor ihm stehenden Frau eine Perlenschnur. Die Frau in
dunkelfarbigem Kleid, mit Goldschmuck an Kopf, Brust und Armen.
38. Metallarbeiter. Der Mann in schlafrockähnlichem weißen, geblümten
Rock und gestreiften Unterhosen mit rotem Turban überreicht einer
Frau eine Rolle Golddraht Die Frau in geblümtem violetten Rock
und Schleier trägt eine Tasse in der Hand.
39. Arkary Bramine. Der Mann in geblümter Jacke, gelber Schärpe und
weißen Beinkleidern hält ein Schriftstück in der Hand; die Frau in
höchst origineller Kleidung, aus Beinkleidern, Rock und Busentuch
bestehend, trägt ein Goldgefäß unter dem Arm.
40. Mann in langem weißen Gewand mit bunter Schärpe und Tuch um
die Schultern, eine große Medaille auf der Brust, bläst auf einer
Karl W* Hiersemann In Ldptig» Königsstrasse 3« Katalog 330*
120 OriaiL Persische u. imlische Origimd-Malemen. XV.-XIX.Jakrh.
schneckenförmigen Muschel, die in ein reiches Ooldomament aus-
läuft, vor ihm eine junge Frau im Oürteltuch, ein Oefäß in der
Hand und eins auf dem Rücken, mit einem Lichthalter.
41. Kellooly Sitten. Nackter Mann, vor der Frau tanzend, schneidet sich
das Bein auf; aus dem Mund quillt ihm der Schaum; aus einem Oefäß
begießt er die Wunden. Die Frau in einfachem, weißem Oewand
hält in der einen Hand ein Messer, in der anderen einen Topf.
42. Palanquin Träger. Der Mann in langem weißen Kittel mit rotem
Gürtel und rosa Beinkleidern hält einen Speer in der Hand. Die Frau
in lila Rock hält in den Händen irgend ein Gewächs.
43. Musiker. Der Mann in weißem Rock mit roter Schärpe und schönem
Turban. Die Frau in geblümtem blauen Rock trägt einen Topf mit
beiden Händen.
44. Der nackte Mann trägt einen Sack auf dem Rücken und einen roten
Beutel in der Hand; die Frau in buntem Gewand reicht dem Kind
die Brust
45. Schlangenbändiger. Der Mann in weißem Schlafrock und dunklen
großgeblümten Beinkleidern mit phantastischem Kopfputz bläst eine
Art Dudelsack; die Frau mit weißem Unterrock bekleidet hält eine
züngelnde Schlange; im Hintergrund tanzt eine Schlange.
46. Pundarem. Der Mann in rotem Beinkleid mit roter Schärpe trägt
in der Hand einen Bündel Pfaufedem, in der andern eine vergoldete
Metallscheibe, die Frau in rosa Kleid trägt auf der Schulter einen
Speer mit Kranz, auf dem Rücken einen Schemel und in der Hand
einen Topf.
47. Tikur. Der Mann in malerischem Gewand hält in der einen Hand
einen Käfig; in der anderen eine Pfeife; die Frau in dunkelgrünem
Rock mit ebensoldien Beinkleidern hat in der Rechten eine fächer-
förmige Goklplatte auf einem Stab, in der Linken eine Perlenschnur.
48. Fruchthändler. Der Mann trägt auf den Schultern einen Bambus-
stab, an dessen Enden Netze mit Früchten hängen; die Frau trägt
auf dem Kopfe eine Urne und in der Hand ein Blechgefäß.
49. Priester in durchsichtigem weißen Gewand, in den Händen eine
Goldschale; hinter ihm die Frau in farbigen Gewändern, ebenfalls
eine Goldschale haltend.
50. Bettler, in weißem Gürteltuch mit schwarzer Schärpe, in der einen
Hand eine Keule, in der anderen einen TMdti mit dem er sein Auge
bedroht Die Frau in rotem Kittel mit geblümten Beinkleidern trägt
über die Schultern ein Bündel Pfaufedem, in den Händen ein Brot
und auf dem Rücken einen Sack.
51. Seidenweber. Der Mann in blauem, geblümten Kittel und kurzen
Hosen, auf dem Kopfe eine rote gestrickte Kappe, in den Händen
Knäuel von Seide; die Frau in dunklem Rock mit rotem Streifen
wickelt Seide von einer Spule ab.
52. Bramine, den Kalender erklärend, in weißem Gewand mit roter
Schärpe über die Schulter und mit blauem und rotem Turban; die
Frau in prächtig ausgemaltem gemusterten Kleid.
Karl W. Hiersemann In Ldpxlg, Königsstrasse 3. Katalog 330.
OHaiL Pirsisdu tu indisdie OHguial-MaUrtim. XV.-Xni.Jahrh. 121
53. Koch in weißer Jacke, Hose und Turban, einen Kessel in der Hand;
vor ihm eine Fischhändlerin in gemustertem Rock.
54. Töpfer, nackt mit Lendenschurz, formt auf der Drehscheibe ein Oefäß;
die kniende Frau bearbeitet einen Topf.
55. Kuhhirt, nackt, mit langem schwarzen Schleier, trägt auf dem Kopf
ein Kissen und darüber einen schwarzen Topf; die Frau in weißem
Rock trägt auf dem Kopf einen Korb mit einem Topf.
56. Nackter Mann, der in der Hand ein kleines Schwein trägt und auf
der Schulter eine Hacke hat. Die Frau hat auf dem Rücken ein Kind
und in der Hand eine Hacke.
57. Malayen. Der Mann mit weißem Lendenschurz und Schleier, in der
Hand einen Dolch. Die Frau in weißem Oewand mit Schleier und
Geschmeide.
58. Krieger, in weitem weißen Oewand, mit schön gemustertem Mantel,
in der Hand den Säbel; eine prächtige Figur. Die Frau in rotem Oe-
wand mit Ooklstickerei, auf der Hand einen kleinen Papagei.
59. Sattler. Mann und Frau in einfachen Kleidern; die Frau hat einen
Sattel, der Mann die Steigbügel in der Hand.
169 Indische Trachten« Eine Sammlung von 28 prächtigen
Original-Aquarellen eines indischen Kunstlers aus der Zeit von
1750—1810 in Aquarellfarben, Oold und Silber, genau und
künstlerisch ausgeführt; eine männliche und eine weibliche
Person auf einem Blatt. Folio. Bildgröße 35X25 cm. Mit
schönem kalligraphischen Titel: 9 collection of original drawin^s
to illustrate' the costume and manners of the Hindoos. In
englischem Maroquinband. Jedes Blatt ist handschriftlich in
Hindu und Englisch bezeichnet 800. —
1. Sepoy in militärischer Haltung, neben ihm ein Mädchen in geblümtem
Rock und roter Jacke.
2. Fackelträger in kurzer weißer Jacke und gestreiften Schwimmhosen;
die Frau in dunkelblau gestreiftem Oewand trägt einen Korb auf
dem Kopf.
3. Schneider in weißer Jacke und Hosen; vor ihm eine Frau in schön
gemustertem Rock, geschmückt mit Geschmeide.
4. Briefträger in lila Jacke, rotem Bandelier, einen grünen Turban auf
dem Kopf reicht einem Mädchen einen Brief; das Mädchen in schön
gemustertem Oewand mit Geschmeide geziert.
5. Schütze. Ein Athlet, nur mit Schwimmhose und Turban bekleidet,
trägt einen Bogen in der Hand; vor ihm ein Mädchen, das auf einer
Stange zwei Körbchen balanciert.
6. Standesperson. Ein Mann in gelbem Rock, in Farben und Gold ge-
zierten Beinkleidern und hohen Stiefeln, einen Säbel an der Seite;
vor ihm eine Frau in kostbarem Gewände und reichem Geschmeide.
7. Linnenwäscher, nur mit Schwimmhose und Schürze bekleidet, einen
Bündel Wäsche auf dem Rücken; neben ihm die Frau in dunkel«
blauem Gewand mit gelben Streifen, ein Wäschebündel auf dem
Kopf.
Karl W« Hicfscauum In Ldpxlg» Königistrasse 3« KaUloy 330*
122 Orient. Persisdie u. indlsdte Origmal-Maleram. XV.-XIX.Jahrh.
8. Krieger, in weißem Rock und Beinkleidern geblümt und in Oold,
mit Säbel an Diamanten -geschmüdctem Bandelier; in beiden Händen
eine Wasserpfeife; vor ihm ein schönes Mäddien in reichem Oewand
mit Geschmeide.
9. Musiker in langen Gewändern. Einer davon in prächtigem roten
Rock, goldgesticktem Gürtel und goldgesticktem Hut schnalzt mit
den Fingern; ein zweiter in blauem geblümten Gewand mit schön
geblümtem Hut bearbeitet zwei Trommeln mit gekrümmten Schlä-
geln; ein dritter in grünem geblümten Rock mit sehr fein gemusterter
Schärpe und gelbem geblümten Hui
10. Landmann, neben einem weißen Ochsen; vor dem Ochsen ein Mäd-
chen in dunklem Gewand mit roter Jacke.
11. Raucher. Ein Mann mit weißem Sdiurz und weißer hoher Mütze
sitzt auf einem Stuhl und raucht; eine Frau in weißem Rock reicht
ihm Feuer.
12. Märchenerzähler und Köchin. Der Mann in Weißem Rock mit far-
bigem Besatz und bunten Turban hat in einer Hand eine Kugel, in der
anderen eine mit Goldomament geschmückte Muschel. Die vor ihm
stehende Köchin in hemdartigem Kleid mit buntem Besatz trägt zwei
Gefäße.
13. Zauberer in weißem Rock, mit vielen farbigen Streifen geziert, deren
Muster aufs feinste ausgeführt ist; den Kopf mit farbigem Turban
bedeckt; in der Hand ein Gefäß, wie eine Sanduhr geformt; die
Frau vor ihm in weißem hemdartigen Gewand.
14. Geflügelhändler. Der Mann in lila Jacke, weißem Hemd und losen
Beinkleidern, einen einfachen Turban auf dem Kopf hat in der einen
Hand einen Hahn, in der anderen einen Kessel; die Frau in weißem
Rock hat einen Korb unterm Arm und in der Hand einen Fisch.
15. Höherer Offizier, in langem, blauem geblümten Gewand, mit reichem
Bandelier, auf dem Kopf einen roten Turban; in der Hand eine
Lanze und in der anderen einen Bogen; die vor ihm stehende Frau
in reichstem roten, mit Gold gewirkten Gewand und Geschmeide.
16. Krieger, nur mit Gürtelschurz und Turban bekleidet; eine Lanze in
der Hand und einen Dolch an der Seite; die vor ihm stehende Frau
in weißem Rock mit roter Borte und dunkler Jacke.
17. Bengalische Standesperson. Der Mann in grünem geblümten Rock
und geblümten Beinkleidern, gelber Schärpe und rotem Turban; auf
der Schulter einen- Säbel; die Frau in gelbem getüpfelten Kleid und
mit Geschmeide.
18. Mann in weißem kurzen Kittel, eine Lanze in der Hand; die Frau
vor ihm in einfachem weißen Kleid mit schön gemustertem roten
Besatz.
19. Bramin in weißem Gewand, mit schön gesticktem Turban und roter
Schärpe; vor ihm eine Frau in grünem Gewand mit prächtig aus-
geführter Musterung; reich mit Geschmeide geschmückt
20. Mausfellhändler, nackt, reicht der Frau, die einen Säugling auf dem
Rücken trägt und einen Korb am Arm, eine Mausefalle. Die Frau
ist dürftig gekleidet
Karl W* Hiersemann In Leipzig, Königsstrassc 3. Katalog 330*
Orient Persische u. indische Original-Malertim, XV.-XIX, Jahtrh, 123
21. Gelehrter in grünem, schön geblümtem Kaftan und rotem Turban;
in der einen Hand ein Schriftstück, in der anderen eine Rolle; vor
ihm eine Frau in rotem getüpfelten Rock mit goldgestickter Jacke
und reichem Geschmeide.
22. Mann in weißem Beinkleid, ein Tuch über die Schulter; der ge-
musterte Turban ist aufs feinste ausgemalt; die Frau in blauem Rode
mit gelbem Besatz, mit Geschmeide geziert.
23. Tänzerinnen in üppigster Kleidung, mit goldgestickter Jacke und
ebensolchen geblümten Beinkleidern, die von einem ganz durch-
sichtigen Gewand bedeckt sind, und mit goldgewirktem Schleier.
Ein Mann in grünem Kaftan und rotem Turban handhabt die Kasta-
gnetten, während ein anderer in blauem Gewand eine Art Trommel
schlägt
24. Ein Mann mit weißem Schurz und schönem bunten Turban hat ein
blaues Tuch über der Schulter. Die Frau in rotem, gemusterten Kleid
mit Goldborte, mit Geschmeide geziert.
25. Musiker. Ein Mann in weißem Gewand mit gelben Bändern, ein
Cymbal in der Hand, neben ihm eine Frau in weißem Gewand mit
rotem Band, ein anderer Mann in grünem geblümten Kaftan und
rotem Turban spielt auf einem trommelartigen Instrument
26. Fruchtsaftverkäufer. Der Mann mit Lendenschurz und weißem Tur-
ban mit Schleier bekleidet, trägt auf dem Kopf einen mit schwarzen
Töpfen gefüllten Korb. Die Frau mit gemustertem Tuch bekleidet
und mit Geschmeide geschmückt, hat einen schwarzen Topf in der
Hand.
27. Krieger in dunkelblauem Gewand und ebensolchem Turban hat in
der Hand einen kostbaren Bogen und an Edelstein-geschmücktem
Bandelier einen goldenen Köcher hängen; die Frau in rotem gold-
gestickten Rock, mit goldig glänzender Jacke.
28. Mann in langem, weißen Gewand mit goldenem Turban und lila
Gürtel; einen goldenen Stab in der Hand. Die Frau in dunklem,
geblümten Rock mit roter Jacke und Schleier.
Miniaturen, vermutlich orientalische, nach europäischen Vor-
bildern.
170 Christuskopf in schwarz. — Miniatur auf Pergament; XV.
— XVI. Jahrh. Stellt einen Schild dar, in welchem der oberste
dreieckige Teil auf blauem Hintergrunde die päpstlichen Attri-
bute (Tiare mit Schlüsseln und Bändern) zeigt, der untere
den Christuskopf, schwarz mit goldenem Kreuznimbusbalken,
auf dem Schweißtuch der Veronlca. Bildgröße QXöV« cm. 30. —
171 — Miniatur auf Pergament. Der Kopf im Rundmedaillon mit
hellblauem gestreiften Hintergrund und braunem Kreuznimbus-
balken. Darüber eine primitive Darstellung des Mariakopfes
mit rotem Schleier und braunem Nimbus. Hinter dem ganzen
kreuzen sich die päpstlichen Schlüssel. Bildgröße 5^LX4 cm.
XV.— XVI. Jahrh. 25.—
Karl W. Hicrsemann in Ltipzig, Königfsstrasse 3. Katalog: 330.
124 Orient Pmisdu u. indisdu Or^^ümlrMatatien. XV.^XiX.JahHu
172 PeinturM persannes et indlennes. Äußerst originelle
Serie von 18 persisch-indischen Miniaturen, die Männer
und Frauen in ihrem Heim darstellen. Auf Carton gesetzt
4. (Anfang des XVII. Jahrh.) Prächtiger roter Maroqumband
mit breiter Randleiste in Ooldpressung auf beiden Decken und
Oold auf dem Rücken. 740. —
I. Vornehme Frau, mit roten und grünen Schleiern, in laufender
Stellung; sie hält eine Blume in der emporgehobenen Hand.
Unter dem Bild ist in persischer Schrift das Wort Nouradjihana
geschrieben.
II. Mann, mit einem lila, goldgebramten Kostüm und mit roter
Kopfbedeckung, hält einen Krug und einen Becher. Frau, in
kurzer hellbrauner Jacke und buntgemusterten Hosen, darüber
einem weißen, durchsichtigen Glockenrock, hält in der Linken
ihren lang herabwallenden zinnoberfarbenen Schleier und in der
Rechten eine Blume. Unter d. BikL d. Mannes ist Cha Djianguir,
unter d. Bild d. Frau ist Nour Dj^an Beguir, ^pouse de
Cha Djianguir auf einem aufgeklebten Zettel geschrieben.
III. Liebespaar mit dem Rüdcen an ein rotes Kissen mit goldenem
Oberzuge gelehnt, sich umarmend. Mann in weißem, Frau in gelb
und lila mit Perien geschmückten Kostüm. Sehr schön in der
Ausführung, besonders die Oesichtspartien.
IV. Mann und Frau in reicher Kleidung und bunten federgeschmüdkten
Turbanen, stehend.
V. Brustbild einer Dame von Stand, deren Kopf von einem Nimbus
umstrahlt ist Ein Perlennetz bedeckt die unbekleidete Brust
Sie hebt mit der Linke eine Rose empor.
VI. Vornehme Frau, kniend, mit verschränkten Armen. Hinten eine
Pakne.
VII. Mädchen mit angezogenem rechten Bein auf goMenem Sessel
kämmt das über den entblößten Leib fallende Haar.
VIII. Frau in weißem, verziertem Schleier und in gehender Stellung
hebt mit der Rechten einen Stab tait aufgereiheten bunten Früchten
empor. Hinter ihr eine Pakne.
IX. Stehende, reichgekleidete Frau,, hält einen Pfau in ihren Armen«
X. Mädchen mit entblößtem Obericörper und durchsichtigem Glocken-
rock hebt eine Blume in der Rechten und ihr Perlengeschmeide
in der Linken. Sie schreitet mit hohen Sandalen auf gewölbtem
Grunde.
XI. bis XIII. unterscheiden sich von X. nur durch die Farbengebung.
XIV. Das Bild zerfällt in zwei Teile: im obersten sitzt ein Fürst mit
goklenem Kostüm auf einem goldenen Sessel; er gibt einen
Befehl an einen Beamten, der in lila und goldenem Kostüm vor
ihm steht, während ein Diener ihm von hinten Luft zufächelt;
in dem unteren steht ein Weib auf einer Treppe, nadkt, nur mit
Perlen bekleidet, welches einen Arm in die Höhe stredkt Rechts
und links betrachten sie zwei Türhüter.
Karl W« Hierscmann in Ldpdgt Königsstrasse 3« Katalog 330.
OriaiL Pmisdie tu üuUsehe OrigUud^MaUrdeiu XV.-^XIX. Jahrh. 125
XV. Ein höherer Beamter kniet vor einem Weib, welches schlafend
daliegt Dahinter ein weißer buntt>emalter Palast Reiche Rand-
verzierung. Oben sind vier persische Worte geschrieben.
XVI. Ebenfalls zweiteilig; der obere Teil wie bei XIV; nur die Farben
sind geändert. Der untere stellt vier hohe Staatsbeamte dar, die
nach orientalischer Art dasitzen, mit Schriftrollen in den Händen.
Persische Unterschrift
Es scheint, daß dem Sinne nach ein Zusammenhang zwischen
den Blättern X. bis XVI besteht Wenigstens ist auf der Rüdk-
selte eines jeden dieser Blätter eine persische Erklärung gegeben,
welche der ausgeschnittene Karton hindurchscheinen läßt
XVII. Eine Fürstin an ein rotes Kissen gelehnt und eine Blume in der
Rechten haltend, lauscht der Musik ihrer beiden Hofdamen. Hinter
ihr eine Dienerin mit Fächer. Hinter einer Brüstung Bäume und
Gebüsch. Im Vordergrunde, verhältnismäßig viel zu klein ge-
zeichnet, ein Kind.
XVIII. Kopfstudie einer vornehmen Frau, mit grünem Schleier und reichem
Perlenschmuck an Ohr und Hals.
Hervorzuheben ist besonders die peinliche Genauigkeit der Zeich-
nungen und das lebhafte Kolorit der Blätter. Hände und Füße der Frauen
sind alle mit Henna gefärbt — Die kindliche Auffassung, die unnatür-
lich steife Haltung und die unrichtigen Größenverhältnisse lassen den
frühen Ursprung dieser Miniaturen erkennen.
173 Persische Original-Malerei etwa aus dem Ende des XV.
Jahrhunderts. Erstklassiges Blatt in der bekannten abgetönten
Farbengebung, in gr.-8*^, das, wie es scheint, einen Aufbruch
zum Feldzug von Militär zu Fusse und zu Elefant darstellt
120.—
174 Persische Original -Malereien. Umfangreiche Sammlung
von Bildnissen indischer Moghul-Kaiser, sowie von Offizieren
und Beamten derselben, hauptsächlich aus der Zeit der Kaiser
Jihangir (1605—1627), Shah Jihan (1628—1658) und Aurangzeb
(1658—1707). 2400.—
Es sind 38 ziemlich gleich große Portraits, ganze Figuren, stehend oder
sitzend, auch einzelne Reiterfiguren, in feiner Aquarell-Malerei ausgeführt
Die einzelnen Bilder sind auf Pappen aufgeklebt (Format 34:23 cm),
und der frei bleibende Rand ist mit Blumenmustern, Guirlanden usw.,
ebenfalls mit Aquarellpflanzen geschmadkvoll verziert Die Bilder tragen
sämtlich Unterschriften in persischen Buchstaben in ziemlich flüchtiger
Shikästä-Schrift, den Namen der betreffenden dargestellten Person, teil-
weise auch den Namen des Künstlers angebend. Letzteres ist von be-
sonderem Werte, da die Nennungen von Malern auf den indischen Bil-
dern nicht häufig sind.
Es sind im einzelnen folgende Porträts (sie sind im folgenden nach den
teilweise verwischten Spuren einer alten Zählung geordnet).
Karl W. Hiersemann in Leipzig» Königsstr asse 3« Katalog 330*
126 Orient Persische u. indische OriginalrMalerden, XV.-XIX.JahHu
1. Shah Jihan, Kaiser 1628—58, bringt einem Heiligen, dem Saiyid, Mir,
seine Verehrung dar.
2. Sulaiman Shikuh, betet den Salim Husaini an. Sul. Sh. ist ein Enkel
des Kaisers Shah Jihan, Sohn des Dara Shikuh.
Na 1 und 2 sind die einzigen Gruppenbilder der Sammlung.
3. Die Unterschrift lautet: „Sultan Qural (?, Quran?) Muazzem, pidar-i-
Sahib Quran'' = Sultan Q. M., der Vater des Sahib Quran. Mit letz-
terem Namen wird meist der bekannte Eroberer Timur (f 1404) be-
zeichnet; dessen Vater aber Taragai hieß.
4. Sultan Hulagu Khan. Oer bekannte Mongolenfürst, Enkel des Dschin-
gis-Khan, Herrscher in Perslen 1256—1265.
5. Shah Thimur, Sahib Quran.
6. Shah Rukh, Sohn des vorigen, 1378—1447.
7. Padlshah Sikender Oujerati. König von Gujerat, reg. im Jahre 1525.
8. Padlshah Jihangir, Kaiser von 1605—27.
9. Muhammad Shah, Sahib Quran, Kaiser von 1719—1748.
10. Padishah Farrukhsiyar, Vorgänger des Vorigen, reg. 1713—1719.
11. Nawwab Mir Fadil Khan. — Mir Saman (== Lord Stewart) des
Kaisers Aurangzeb. f 1662/63, s. Alamgirname (Ausg. der Bibl. In-
dica), pag. 833.
12. Nawwab Mubarckad-Daula Nlzamal-mulk Cingalic Khan Asaf Jab.
Premierminister des Kaisers Muhamed Shah seit 1722 (siehe Mun-
takhab ul-lughab).
13. Nawwab Qamr ad-Din Khan Itimad ad-Daula . . .
Premierminister d. Muhammad Shah. Amtsnachf. d. vorigen, f 1748.
14. Khandauran Khan Samsam ad-Daula . . . Sohn des Khandauran. No. 19.
15. Nawwab Ibrahim Khan, ältester Sohn des 'Allmardan Khan. Lebte
zur Zeit des Shah 'Alam (reg. 1706—1712). Seine ausführliche Bio-
graphie In den „Maatir alumara''. (Bibliotheca Indica, Bd. I, pag.
295—301).
16. Nawwab Buzurg-Umed-Khan, ältester Sohn des Shayista-Khan. Neffe
der berühmten Frau des Kaisers Jihangir, Nur-i-Mahall, s. unten No. 32
u. 33. Seine Biographie in Maatir al-umara I, p. 453 ff. Er starb 1693.
17. Nawwab Khankhanan, Minister d. Kaisers Jihangir.
18. Shahzada Muhammad 'Azim as-san. Sohn d. Kais. Shah-'Alam. f 1712.
19. Nawwab Khandauran Amiral-umara-i-Shah Jihan. Der Amur al-umara
des Kaisers Shah Jihan. f 1645. Biographie: Maatir al-umara I, 749.
20 Mir Muhammed Salakh Khan. Offizier des Kaisers Aurangzeb; Bruder
des vorigen (?).
21. Nawwab Shahamat Jang. Anfänglich Anhänger des Dara Shikuh,
später zu Aurangzeb übergegangen. Er starb ca. 1670.
22. Ruz-afzum Khan. Oeber diesen Mann war nichts zu ermitteln.
23. Jawed Khan Nawwab Bahadur.
Der Ober-Eunuch des Kaisers Muhammed Shah. Er hatte einen
unheilvollen Einfluß auf die Staatsgeschäfte am Hofe von Delhi ge-
wonnen, und wurde auf Veranlassung des Ministers am 28. August
1752 ermordet (S. Bayan-i-loagi'.)
24. Saiyid 'AU Khan. Offizier des Kaisers Aurangzeb.
Karl W. Hicrsemann in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330»
Orient Pirsische u. üuUsehe OriginaUMalatim. XV.-XIX.Jahrh. 127
25. Nawwab Satabat Jang (?). Wenn der Name richtig jgelesen ist, so ist
der dritte Sohn des Nizam al-mulk (s. oben No. 12) gemeint
26. Nawwab 'Ala ad-Daula. Nichts zu ermitteln.
27. Nawwab Husain Quli Khan. Von diesem Fürsten aus der Zeit des
Aurangzeb findet sich auch ein Porträt in den Sammlungen des
British Museum. Siehe Rieu, Catalogue of the Persian Mss. II, p. 783.
28. Nawwab Ja'far 'Ali Khan Shuja 'el-mulk.
Gouverneur von Bengalen unter Muhammed Shah (Mitte des
XVIII. Jahrh.). Er kam in vielfache Berührung mit den Engländern in
Calcutta.
29. Mir Muhammad Sa'id (?) Khan. Sonst unbekannt
30. Frauenbildnis. Der Name ist leider unleserlich geschrieben.
31. Frauenbildnis: Nawwab Zeb an-nlsa. Alteste Tochter des Kaisers
Aurangzeb.
32. Nur-i-Jihan Begam. Die unter ihrem späteren Beinamen „Nur-i-Ma-
hall^' bekanntere Lieblingsfrau des Kaisers Jihangir, zu deren An-
denken der Kaiser das berühmte Mausoleum „Taj i-Mahall^' in Agra
hat erbauen lassen. (Siehe auch die folgende No.)
33. Aufschrift auf dem Bilde selbst: Nur-i-Mahall.
34. Fajr an-nisa Begam. Tochter des Aurangzep.
35. Burhan ad-Dln Khan. Offizier des Aurangzeb, Brudersohn des Fadü
Khan (No. 11). Siehe 'Alamgirname p. 818.
36. 'Ali Naqi Khan. Sonst unbekannt Ebenso.
37. Nawwab Jisaret (?) Khan.
38. Zubdat an-nisa Begam, dukhtar i-'Alamgir. Dritte Tochter des Kaisers
Aurangzep.
Die in den Unterschriften vorkommenden Künstlernamen sind folgende:
Citarman (Bahadurshahi) No. 8, 9, 12, 14, 16, 20, 31, 34, 38.
Hunhar (Jihangiri) No. 2, 5, 17, 19, 30, 32.
Masih (az-zaman) No. 3, 4, 11, 18.
Anup Akbari No. 6.
Bustam Dakhni (d. h. aus d. Dekkhan stammend) No. 1.
Nicht sicher zu lesen ist der Name des Malers von No. 24, 26, 28,
35, 36, 37. (VieUeicht: Jachal??) Ebenso No. 7 und 10.
Keine Namen haben die No. 13, 15, 21, 22, 23, 25, 27, 29, 33.
Von diesen Malern kommen die beiden ersten noch vor in Unter-
schriften in dem berühmten „Album des Ashraf Khan'' (f 1686) in
British Museum (Rieu, Catalogue 11, p. 778 ff.).
Beide lebten zur Zeit des Jihangir und Aurangzep. Masih az-zaman
ist möglicherweise identisch mit dem Maatir al umara I, 577 angeführten
Vazir des Kaisers Jihangir. Er stammte aus Shiraz, und starb 1651 in
Kashmir. Dann aber kann die Unterschrift unter No. 18 nicht richtig
sein, denn Muhammad Azim as-san ist 1656 geboren. Freilich wird an
der betr. Stelle der Maatir auch nichts von Malkünsten des M. erwähnt
Anup ist wohl gleich dem Anup Citar bei Rieu II, 780. Durch das hier
hinzugefügte „Akbari'^ wird er der Zeit des Kaisers Akbar (1556—1605)
zugewiesen. Das hier ihm zugeschriebene Porträt des Shah Rukh wäre
Karl W. Hicarsemann in Lüptigp Königsstrasse Z. Katalog 330.
123 OrienL Pmisehe tu indische Origimü^Maimim. XV.-^XIX.Jahrk.
dann Kopie nach einer älteren Vorlage. Die beiden von Ihm im Albwn
des Ashraf Khan gemalten Bilder weisen ihn der Zeit des Shah Jlhan zu.
Ober die übrigen Künstier ist nichts weiter bekannt
Aus dem eben Gesagten geht hervor, daß hier Originalwerke bekannter
Künstier des XVII. und XVIII. Jahrhunderts vorliegen. Allerdings rühren
die Unterschriften wohl nicht von der Hand des Künstiers selbst her, da
sie zum allergrößten Teile von ein und derselben Hand geschrieben sind;
doch liegt kein Grund vor, die Richtigkeit dieser Angaben irgendwie
anzuzweifeln, trotz des offenbaren Mißgriffes auf Bl. 18. —
Auf die Rückseite der Pappen sind noch 36 kalligraphische Blatter
aufgeklebt; (auf No. 1 und 32 fehlen dieselben).
8 der Blätter enthalten Hafiz-Oden in sehr schönen alten indischen
Ta'liq Schriftzügen, die wohl dem 17. Jahrhundert angehört
Die übrigen, meist arabisch in Naskhi-Schrift, stammen größtenteUs
von der Hand des Abu4-Fath Ibn-Fida 'Ali Khan; vier von ihnen sind
1202 der Hijra (= 1787/88) dadlert
Die 38 Pappblätter befinden sich in einem bemericenswerten alten,
außen mit Ladcmalerei (braun in braun) schön verziertem Dedcel.
175 Persische Orlginalmalereien. 7 Blatt, in einem roten
Halblederbd vereinigt. 4. Ca. 1680. MO.—
Höchst originelle Folge.
Auf dem Rücken des Einbandes steht geschrieben: Divinit^s in-
diennes. Animaux symboliques. 4 Malereien stellen Göttinnen dar:
I. Göttin mit gc^ener Jacke über der Brust und mit durchsichtigem
weißem Schleier auf dem übrigen Körper. Sie faßt mit der Rechten
den Zweig eines Baumes und schaut ins Weite. Sie trägt ein Perien-
halsband und Perlenringe am Ohr und an der Nase. Ihre Finger sind
mit Henna gefärbt
II. Auf einem grünen Wiesenplan geht eine Göttin, eine Art Man-
doline in der Rechten haltend. Sie hat den Kopf zurüdkgewandt und
stredkt die Linke nach einem Wikirudel aus, das ihr folgt Sie geht
auf hohen Sandalen, hat die Hände und Füße mit Henna gefärbt Brust
und Schultern sind mit einem gelben Koller, die Beine mit roten, gold-
geblümten Hosen bekleidet Von den Hüften der im übrigen unbekleideten
Gestalt hängt ein weiter, durchsichtiger Schleierrock herab. Im Vorder-
grunde, ein Teich mit Wasserpflanzen und jungen Kranichen. Im Hinter-
grunde, in bizarrer Form, die Darstellung eines bewaldeten Tales mit
einem Wildwechsel, in welchem ein Tiger lauert
III. Göttin, mit 10 (abgehackten) Armen, von denen jeder einen anderen
Gegenstand hält, scheint in die Knie zu brechen. Links hinter ihr ein
anderes Weib, von lila Hautfarbe, hält in der Linken einen Schild,
in der Rechten das blutige Schwert, das die Arme abgehackt hat Beide
tragen auf dem Kopf eine goldene mit Perlen geschmückte Krone, sind
mit einem gelben Rock, von der Hüfte ab, bekleidet und tragen Perlen-
schmuck. Im Hintergrund, hinter Palissaden, laufen zwei weiße Stiere.
Karl W. Hiersemann In Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330«
OriaiL Ptrsische iL indische Or^ginal-Malemen. XIIL-XIX.JahHu 129
IV. Eine dreiäugige Göttin, mit acht Armen, im Kampfe mit einem
blauen Drachen und einem roten Teufel, wobei ein weißes symbolisches
Tier sie unterstützt. In den Armen hält sie verschiedene Waffen.
V. VI. Am merkwürdigsten sind die Blätter 1 und 3. Sie bilden
die Umrisse eines Pferdes, resp. eines Elephanten ab, und zwar sind
die Innenräume im ersten Falle von Tier- und Menschenleibem in
grellen Farben ausgefällt, im zweiten Falle wird der Körper durch 8 weib-
liche Gestalten gebildet. Auf dem Pferd sitzt ein Hund; der Elephant
trägt einen Kornak.
VII. Das letzte Bild stellt die ewige Verdammnis in indischer Auf-
fassung dar.
Die Malereien sind auf dünnem Papier ausgeführt, auf starkes auf-
gesetzt und tadellos erhalten.
176 Persische Orl^nal-Malereien. — Ein Album in Leporello-
Forni, dessen 2 Einbanddecken aus feinen, reich ornamentierten
Lack-Malereien bestehen. Die eine stellt eine persische Hoheit
dar, auf ihrem Thron sitzend und von 3 Hofbeamten umgeben;
die andere die Beschneidungsszene eines Kindes. Das Album
enthält 9 auf Karton gezogene Farben-Malereien mit bunten
Randleisten; es sind meistenteils Beamtenporträts in vornehmen
Kleidungen: 2 Einzeldarstellungen und 4 Gruppen; ferner ein
Gefangener, Kopf und Hand in ein Holz eingespannt Die
2 übrigen Bilder bringen ein Krankenlager und einen Zwei-
kampf zwischen persischen Rittern. — Es ist zu vermuten,
daß dieses Album als Illustration eines persischen Literatur-
werkes diente. Etwa 1780. 22V,X17V« cm. 280.—
177 Persische Original-Malerei. — Eine vornehme Perserin mit
hellblauem Turban, jeich vergoldeten mit blauen und roten Or-
namenten besäten Überwurf und grünem Kleid, trägt eine weiße
Vase mit goldenem Henkel, welche die Form einer Amphora
hat und mit blauen Tauben bemalt ist Über den Arm hängt
ein violetter Shawl. Die Zeichnung ist sehr naiv entworfen,
jedoch ist der Gesichtsausdruck sprechend. Der mit goldenem
Blattwerk verzierte Rahmen ist etwas beschädigt und sauber
ausgebessert Der Grund des Bildes ist mattgelb gehalten mit
goldenen Pflanzen. Etwa 1750. 75. —
178 Persisch-indische Aquarelle. Eine Sammlung von neun
indischen Aquarellen. Keines der Blätter trägt eine Unterschrift,
doch läßt sich durch Vergleichung mit anderen Sammlungen
feststellen: 1. Porträt des bekannten Tfmür (1369—1404). Das
Bild ist recht alt 2. Porträt des indischen Moghul- Kaisers
Jihänglr (1605—1636). 3. Porträt des Shujä ed-Dowle Behädur,
Nabob von Oudh (gest 1775). 4. Porträt des Kaisers Muhammed
Shäh (1719—1748). 5. Porträt eines südind. Fürsten in voller
Kriegsnistung. Interessant ist die Zeichnung des Kettenpanzers.
Karl W. Hicrsemann in Leipzig:» Königfsstrasse 3« Katalog: 330*
9
130 OHaiL Persisdie u. indische Original'Malmiiru XIU.'-XlX.JahHu
6. Das Orabmal des Kaisers HumayOn (1530—1555) in Agra,
welches, ebenso wie die folgende Nummer, zu den hervorragend-
sten Denkmalen muhammcäanischer Baukunst in Indien gehört
7. Der ,,Taj Mahäll^ das berühmte Mausoleum einer Frau des
Kaisers Shäh Jihän (1632—56) in Agra. 8. Ein indischer (nicht
muhammedanischer) Tempel. Q. Eine Gruppe indischer Gaukler
und Athleten. Quart und Oktav, (ca. 1500—1700). 195.—
179 Persisch-indische Aquarelle. Eine Sammlung von 24 zum
Teil ausserordentlich scnön ausgeführten Aquarellblättem, aus
Nord- und Zentral-Indien stammend. Quer-folio. Juchtenband
680.—
Folgende Gruppen gehören zusammen:
I. No. 1—5. Nordindische Typen.
Diese Blätter sind von hervorragender Schönheit; sie zeichnen sich
besonders durch Feinheit der Zeichnung» sowie durch reichhaltige
Koloriening vor allen mir sonst bekannten derartigen Aquarellen aus.
Höhe 34 cm, Breite 24 cm. Sie werden etwa aus dem Ende des
18. Jahrhdts. stammen.
1. Eine Tänzerin, von einem Pauker und einem Schellenträger be-
gleitet
2. Ein Schneider mit Maßstab und Schere mit einer Tänzerin.
3. Zwei südindische religiöse Tänzer mit eigentümlichem Kopfputz.
4. Ein vornehmer Inder und eine Bajadere mit einem Papagei
5. Ein Ehikari (Jäger), der durch seinen Turban als Muhammedaner
charakterisiert ist Sehr schön und treffend ist der mongolische
Typus des Gesichts gezeichnet
II. Eine zweite zusammengehörige Reihe bilden die Nos. 6, 7, 8, 9, 10^
11, 12, 17. Es sind dies größtenteils Porträts, sowie auch Darstel-
lungen aus dem Leben der vornehmen Radschputen, wie dies die
charakteristische Zeichnung der Gesichtszüge deutlich erkennen läßt
Die Bilder tragen auf der Rückseite kurze Inschriften in sehr kursiven
Gudscherati Schriftzügen, das von einem hier lebenden Eingeborenen
als etwa aus Marvar stammend bezeichnet wurde. Das weist eben-
falls auf das westliche Gebiet der sogenannten „Central Provinces''
sowie auf die unabhängigen Radschputen-Staaten des Zentralen
Indiens. Die Bilder sind wegen dieser ihrer Herkunft äußerst wert-
voll; sie stammen etwa aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts»
III. Femer bilden eine Reihe die Nos. 13, 14, 15, 16, wozu noch, obwohl
etwas abweichend ausgeführt, die Nos. 18 und 21 zu zählen sind.
Wir haben hier 6 Darstellungen der sogenannten Ragini's, Personi-
fikationen der indischen Tonarten, die einen beliebten Stoff der in-
dischen Aquarellisten bilden. No. 13—16 enthalten oberhalb des
Bildes in einem kleinen länglichen Medaillon auf silbernem Grunde
die zugehörigen Verse in Bradsch-Bhakha (einem Hindi-Dialekt) in
Nagari-Buchstaben. Leider sind die Namen der einzelnen Ragini's
Karl W* Hicrsemann in Ldpzigf Königsstrasse 3. Katalog 330*
Orient Persisdie lu indisdu Origbud-MaUrdm. XII!.-XIX.JahHu 131
nicht angegeben, doch lassen sich durch Vergleichung mit anderen
Sammlungen folgende feststellen:
No. 14. Asavari-Ragini,
No. 15. Hindul-Ragini,
No. 16. Malkus-Ragini,
No. 21. Bhakara-Ragini.
IV. Die übrigen Bilder sind:
No. 19. Porträt des Savar (Ritter) Dschagat-Singh. Aufschrift auf
der Rückseite in Hindi Sri-savar-Jagatsingh-ji ki tasbir.
No. 20. Brustbild einer indischen Tänzerin.
No. 22. Porträt des Nadir-Shah, Königs von Persien (1736—1747),
der ganz Vorderindien eroberte.
(No. 19, 20, 22 stammen etwa aus dem Anfange des
19. Jahrhdts.)
No. 23. Eine persische Schönschriftprobe, enthaltend einen persi-
schen Vers. Der Schönschreiber hat sich unterzeichnet: i^u-
hammed Mehdi, und auch das Datum 1229 (1814) darunter
gesetzt
No. 24. Porträt einer vornehmen Frau aus Kaschmir. Die sehr ge-
treue Wiedergabe der eigentumlichen Tracht ist hervorzu-
heben. In dem Bilde macht sich sonst ziemlich starker
europäischer Einfluß bemerkbar.
180 Persisch-indische Malereien. — 14 Miniaturen nach alten
persischen Bildern in Indien gemalt, jedenfalls nicht von e. per-
sischen Maler. Mit persischem Tex^ wohl aus Quisse Shah-
i Mardan Ali, der Geschichte Ali bin Abi Talibi des vierten
Chalifen, Schwiegersohns Mohammeds und Helden Persiens;
Illustrationen zu einem alten Ritterromane der arabischen Zeit
Größe 18V«X13. Etwa 1800. 900.—
1. i^ir Sejaf reißt sich von den Fesseln los und schlägt mit einer Zelt-
stange auf die Feinde Dschamschid Schah.
2. Firus Schah preist Ali auf dem Schlachtfeld.
3. Sehnan gibt Ali eine Narzisse.
4. Firus Schah landet und geht nach Medina.
5. i^alik bewundert Ali in all seiner Schönheit
6. i^alik am rechten Auge verwundet Ali tötet den Drachen.
7. Sameh ergreift im Kampf einen Mann am OürteL
8. Kamke mit Udi Oin Hasem T'al ziehen zum Hause Alis.
9. Omar auf seinen Wunsch mit dem Oürtel Alis umgürtet
10. Eine Quelle erscheint plötzlich und labt den Durstigen; Wunder Alis.
11. Sun'um, ein gottesfürditiger Mann vor Ali.
12. Samin wird Moslim. Sameh hält ihn empor vor d. Augen der Beni Kibt
13. Leute von Lhara erobern Rumi, machen große Beute. (Besonders
frühe Darstellung von Thibetanern).
14. Kampf in Rumi. Bin-i Lufian greift einen Franken an.
Karl W* Hiersemann in 'Ltipzigp Königsstrasse 3« Katalog 330»
132 OriaiL Persische u, indisdte Origituü-MaUmen. XIIL-XIX^JahHu
Man findet sehr selten Miniaturen mit Darstellungen thibetanischer
Krieger. Es ist zu bemerken, daß auf diesen Blättern Alis Qesidit immer
verschleiert ist Auf einigen wenigen Blättern ist die Fart}e teilweise
abgesprungen.
181 Persische und indische Original-Malereien. Ein Album,
enthaltend indische (u. persische) Aquarelle verschiedensten In-
haltes und Alters. 1480.—
I. Porträt des Raja Dhugali (?) Singh (l^ut Aufschrift). Südindischer
Fürst Das Bild stammt etwa aus dem Ende des XVII. Jahrhunderts.
Maße (das Bild ohne den ebenfalls aquarellierten Rahmen gemessen)
29:20 cm.
2. Bild eines indischen Heiligen. Vor ihm steht eine Tänzerin mit drei
Musikanten. Ebenfalls ca. 1700. Maße 28:17 cm.
3. Eine Illustration zu dem bei den Persern sehr beliebten epischen
Sujet Madjnun, „der Verrückte", den Sehi, die Geliebte, zu besuchen
kommt Von hervorragend schöner Ausführung sind die Gesichter
der vier Frauen. Etwa aus dem XVII. Jahrhundert. Maße 25 : 16 cm.
4. Ein kleines, sehr fein ausgeführtes Bild eines Tänzers mit drei Musi-
kanten. Wohl aus dem XVI. Jahrhundert Maße 7:37« cm.
5. Brustbild des Kaisers Babur. Ohne Aufschrift XVII. Jahrh. Maße
7:41/, cm.
6. Die Frauen im Hofe eines Palastes stehend. Unterschrift Gemalt
von Fath Chand. Wohl aus dem XVII./XVIII. Jahrh. Maße 15:9 cm.
7. Porträt (ganze Figur) eines (wohl südindischen) Fürsten. Hinter ihm
steht ein Oiener mit einem Ptauenwedel. Die Untersdirift des Künst-
lers ist leider so abgeschnitten, daß der Name nicht entziffert werden
kann. Malerei in der Manier des XVIII. Jahrh. Maße 17^/2 : 13 cm.
8. Szenen aus einer Tigerjagd. Zwei Jäger reiten auf einem Elephanten,
der m. seinem Rüssel einen Tiger gepackt hält Ein dritter Jäger
rennt, mit Schild und Schwert bewaffnet, gegen einen zweiten Tiger
an. Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Maße 11 : 17 cm.
9. Eine Hirtin, welche einem in e. Felsgrotte aufgestellten Linga Opfer
darbringt Ca. XVII. Jahrhundert Maße 14:10 cm.
10. Hirtin mit e. zahmen Tiger. Ca. XVII. Jahrh. Maße 147, : 10^/, cm.
II. Indische Handwerkerszene. Ca. XVIII. Jahrh. Maße 21 : 12Vs cm.
12. Eine Anzahl Personen, Männer, Frauen u. Kinder, bringen einem
Büßer Ehrengeschenke. XVIII. Jahrh. Maße 2372:14 cm.
B. Illustration zu einer Tierfabel, vielleicht Kaiila wa Dimna. XVIII.
Jahrh. Maße \A^I^ : 10 cm.
14. Eine Dame nebst Dienerin beim Lingapudscha. XVIII. Jahrh.
Maße 21 : 13 cm.
15. Bildnis (ganze Figur) eines Inders. XVIII. Jahrh. Maße 21 : 13 cm.
16. Ein indischer Muslim, Wasserpfeife rauchend, nebst einem Diener.
Vor ihm zwei Musikanten. XVIII. Jahrh. Maße 22:157, cm.
17. Ein indischer Heiliger vor seinem Tempel. Er sitzt auf einem Tiger-
felle, hinter ihm eine Gazelle. Ziemlich altes Bild, ca. XVII. Jahrh.
Maße 25:16^/2 cm.
Karl W. Hlersemann in Leipdg, Königsstrasse 3. Katalog 330.
OHenL Persische u. indische Origmal-Makreim. XIII.- XIX. Jahrh. 133
18. Porträt (glänze Fig^ur) eines indischen Großen. Erste Hälfte des
XVIII. Jahrhunderts. Sehr feine Strichzeichnung^ mit ganz geringer
feiner Colorierung. Maße 15 : 10 cm.
19. Porträt des Kaisers Shah Jihan (reg. 1632—56); ohne Unterschrift
Etwa aus dem XVII. Jahrhundert, also ziemlich gleichzeitig mit dem
Kaiser. Maße 14:10 cm.
20. Drei brahmanische Frauen bringen einem Büßer ihre Verehrung
dar. Ca. XVII.— XVIII. Jahrhundert. Maße 30 ; 20 cm.
21. Gott Krishna unter den Gopis in Mathura. Ca. XVII. Jahrhundert.
Maße 28:20 cm.
22. Haremsszene in indischem Stile. Spätes XVIII. Jahrhundert Maße
65:34 cm.
Diese reizende Kollektion von hervorragend schönen persischen und
pers.-indisdien Original-Malereien ist vereinigt in einem neuen, eleganten
Halbmaroquinband, die einzelnen Blätter sehr sauber in Kartons ein-
gelegt
182 Supplices des m^chants. Recueil de 47 miniatures de
la mythologie hindoue, mont^es sur papier fort et accom-
pagn^es chacune, au verso, d'une notice explicative en persan
avec traduction fraiK^ise. (Fin du XVII e. s.). Reliure pleine,
en maroquin rouge fonc6; mosalque ä filets et compartiments;
fleurs gaufröes et dor^es; tranches dor6es; dos uni. 950.—
Collection de la plus haute originalit^ et de la plus grande raret^.
Les dessins, tr^s na'ifs, sont finement ex^cut^s et peints en miniature
avec un soin particulier. Voici ce qu'ils repr^sentent:
1. La r^compense de Fhomme mis^ricordieux; assis sur un tröne dans
le paradis, il regoit des fruits des mains d'une femme, pendant
qu'une autre l'^vente et qu'une troisi^me lui tend un coffret d'or.
D^cor: fleurs, plante.
2. Asrail, dieu ä plusieurs t^tes envoie au m^chant un ange de Penfer et
au bon un bon ange. Sur les feuilles de Parbre contre lequel il est
adoss^ se trouvent des mots persans.
3. Une ^trang^re regoit les conseils d'une autre femme, assise sur un
arbuste, une guitare sur l'^paule. Sur le haut d'une brauche, un
oiseau.
4. Un bon musulman est Visits dans son tombeau par deux anges ail^s.
5. Les memes anges avec des figures effrayantes, viennent frapper un
mort dans sa tombe.
6. Un voleur, sur le Heu du jugement, est mordu par une couleuvre et a
le bras droit mang^ par un tigre, pendant qu'un d^mob ä t^te d'aigle
lui frappe la t^te d'une massue.
7. Un d^mon sde en deux la t^te d'un tyran.
8. Supplice de celui qui s'est coup^ la barbe dans sa vie: il lui
pousse une barbe le jour du jugement, par laquelle le tient un d^mon
sous forme d'animal, pendant qu'il lui frappe la t^te d'une massue
d'or. Un autre personnage fantastique le frappe dgalement
Karl IT. Hiersemann in Leipzigs Königistrasse Z. Katalog 330.
134 Orient Persische a. indisdie Original-Malerri^ XIIL-XIX.JahHu
9. Un homme qui a viol^ le car^me pendant le Ramzane, tine femme
portant sur son 6paule la fille qu'elle a tu^e apr^s l'avoir mis au monde,
sont conduits enchain^ en enfer par un d6mon.
10. R^compense de ceux qui ont fait Taumöne. Vßtus d'un riche oostume
ils sont entour^s d'arbres fruitiers et servis par des femmes.
11. Un ddmon, sous forme d'^Mphant, empörte avec sa trompe une
femme p^cheresse par les cheveux.
12. Un iyran, la chaine au cou, est mordu aux yeux et ä la bouche par
des couleuvres et tortur^ par deux d^mons.
13. Deux femmes qui ont mal v6cu ont leur visage chang^ en visages
de chiens et, la chatne au cou, sont traln^es en enfer par un dimon
ä comes.
14. Supplice de la femme adult^re, mangle par un scorpion et par deux
couleuvres, frapp^e par un diable fantastique et tenue enchaln^e par
un autre.
15. Supplice de P^pouse qui n'a pas bien pleur^ son man, mangle par
les couleuvres.
16. Un buveur a la t^te mangle par un oiseau du diable.
17. Punition des maris infid^Ies, mang6s par les scorpions et les cou-
leuvres.
18. L'homme qui n'a pas bien pri^ est foul^ aux pleds par un ange
plus pesant que la terre.
19. Une femme infid^le est entour^e de globes de feu.
20. 3 menteurs ont la langue mangle par des couleuvres.
21. Une femme impudlque est d^vor^e par deux tigres de l'enfer.
22. Un homme et une femme qui n'ont pas pri^ sont train^ en enfer
par un monstre et mang^ au bras par des animaux fantastiques.
23. Un autre couple, qui n'a pas ob6i ä Dieu, est conduit par une
chatne et est mang^ par des couleuvres.
24. Femme ayant empoisonn^ son man, dans les flammes de l'enfer.
25. Homme ayant maltrait^ sa femme, crib^ de flaches et suspendu par
les pieds au-dessus des flammes de l'enfer.
26. Femme impudlque mangle par les couleuvres.
27. Un homme malhonn^te mang6 par un dragon.
28. Supplice de ceux qui n'ont pas pratiqu^ la Charit^.
29. Oeux mauvals maltres ont les membres et la t^te mang^ par des
dragons.
30. Deux mauvals souverains ont la tßte et les 10 doigts mang^s par des
couleuvres.
31. Trois mauvals riches ont la moiti6 du corps mangle par des dragons.
33. Le soleil du jour du jugement dernier s'^tant lev^, les enfants morts
en bas ftge retrouvent leurs parents et vont se baigner dans l'^tang
Kontar.
Karl Hf. Hiersemaon in Leipzig» Königsstraise 3* Katalog 330»
Orient, Persische u. indische OriginairMaleräen. XIII.— XIX. Jahrh. 135
34. Les anges de Tenfer, dans de riches apparats, offrent ä boire ä ceux
qui ont bien v^cu, mais refusent ä boire aux m^chants.
35. Representation de Malek, prince de l'enfer ä 8 bras, assis sur im
tröne.
36. 9 pßcheurs et p^cheresses, dans les flammes de Fenfer.
37. Au Premier plan, mortels qui sur le diemin du paradis sont tomb^
en enfer. Au second, un homme et une femme en paradis, v^tus de
riches ornements.
38. Un homme qui a bien y6cu, v^tu ridiement, et servi par deux femmes.
Plus loin, un arbre avec fleurs blanches sur fond vert
39. Montagne au-delä de Genfer, autour de laquelle voltigent les ämes
des p^cheurs sous la forme d'oiseaux noirs.
40. Arbre nomm6 Zakoum, semblable au cactus, servant de nourriture
en enfer.
41. Balance oü sont pes^es les bonnes et les mauvaises actions.
42. 4 hypocrites embroch^s et port6s en enfer par un d6mon blanc
43. Le purgatoire; grand mur blanc omement6, derri^e une montagne
rouge et violette. La porte est noire et or.
44. Devant quelques plantes vertes et sur un sol fleuri, une femme sortie
de l'enfer 6crit une lettre qu' attend, devant eile, un messager. Sur
sa robe est coll^ un scorpion. Au premier plan, un monstre, et un
homme se baignant dans une rivi^re.
45. Dans les champs verts, un homme sur la t^te duquel est un oiseau,
tend une tablette ^crite ä une femme assise comme lui, pendant
qu'une autre femme les regarde. Au premier plan, un lapin et un
diien, tous deux blancs. Au haut, de l'image, la t^te d'un ronducteur
et Celle d'un diameau.
46. Un boeuf blanc porte la terre avec ses mille comes. Au-dessous de
lui, un moustique. Dans sa bouche, un scorpion.
47. Le proph^te Ysof conversant avec une femme. Sa t^te est dans une
aur^ole. IIs sont assis tous deux ä la mode Orientale. D^cor: 3 fleurs
et un del bleu.
Ces tableaux sont autant^ d'avertissements pour les Vi-
va nts. II est ä remarquer que les bons sont v^tus de riches costumes
et que les m^chants sont d6v6tus. Les yeux sont dessin^s avec une
finesse particuli^re; dans les tourments de Penfer ils expriment non point
la douleur, mais une r^signation toute musulmane.
D'apr^s les apparences, il est plus que probable que ces
miniatures aient €ii ex^cut^es par un artiste persan.
La rellure est de toute beaut^ et de tr^s grande valeur.
Karl W. Hicrfemaim in Leipzig» Köiiigistrasse 3. Katalog 330»
136
Mttsik-ManusaipU. XIV.-XIX.Jahrh.
Musik - Manuscripte«
XIV.— XIX. Jahrh.
183 Antiphonarium. Wertvolle,
gut erhaltene, nur hier und da
ein wenig ausgebesserte Per-
gamenthandschrift des XIV.
Jahrhunderts in Groß - Folio
(480X340 mm), wahrscheinlich
italienischen Ursprungs. 112
doppelseitig beschriebene Bll.
mit je 8 Zeilen Noten auf je
4 roten Linien und untergeleg-
tem lateinischen Text in schöner
und deutlicher, nur an wenigen
Stellen unbedeutend verbliche-
ner Lapidarschrift. Modemer,
dunkelblauer Maroquinband mit
Ooldpressung. 2400. —
Anfang: In nomine domine in-
dpit antiphonarium noctumum se-
cundum consuetudinem Romane
curie. Über Entstehungsjahr, Schrei-
ber und frühere Besitzer finden sich
keine Angaben. Der Hauptwert des
Manuscripts besteht in den präch-
tigen und eigenartigem, von der
herkömmlichen Schablone durchaus
abweichenden, sehr geschmackvoll
und sorgfältig in bunten Deckfarben,
aber ohne Oold ausgeführten Ini-
tialen, die zum Teil Miniatur-
gemälde enthalten. Besonders be-
merkenswert ist ein A (150X134
mm, Bl. Ib) in sechs Farben: rotes,
grünes und gelbes Rankenwerk auf
dunkelblauem Grunde, besetzt mit
stilisierten Blumen, dazu oben kämp-
fende Drachen, unten springende
Wölfe. Ganz ähnlich ornamentiert
und gleichfalls in sechs Farben ge-
malt, aber ohne Tierfiguren, sind
folgende Initialen: H (91X^7, Bl.
6a), E (61X61, B1.9a), C (57X70,
Bl. 20a, darin ein Engel, der auf
einer Tuba bläst), H (91X^6, B1.25a),
5 (69X62, BI.29b), V (66X77, Bl.
Antiphonary. Valuable ma-
nuscript on parchment, in good
condition, only here and there
somewhat repaired, 14**" Cen-
tury, large-folio (480X340 mm),
probably of Italian origin. 112
leaves, with 8 lines of music-
notes each and a Latin text in
clear and distinct lapidary
characters. Modem dark blue
moroccobinding, gilt 2400.—
It begins: In nomine domini in-
dpit antiphonarium noctumum se-
cundum consuetudinem Romane
curie. There are no indications as
to the date, the names of the scribe
and of the former owners. Of a
particular value are the fine and
peculiar initials, most carefully
executed in body-colours, but without
gold. They sensibly differ from the
usual style and embrace partly mi-
niature paintings. Of a special
interest is a letter A (150X134 mm,
on f. Ib) in 6 colours: red, green
and yellow leafy-work on dark blue
background, omamented with formal
flowers struggling dragons and jum-
ping wolves. Similar representations,
but without animal figures, are the
following initials likewise in 6 colours :
H (91X67 mm, f. 6*) ; E (61X61 mm,
f. 9«); C (57X70 mm, f. 20*, with
an angel, blowing the tuba); H
(91X96 mm, f. 25*); S (69X62 mm,
f. 29b); V (66X77 mm, f. 33b, with
St John the Evangelist, in rieh
costume and reading in a book);
C (75X76 mm, f. 36b, with an as-
sembly of 19 persons, probably a
Christian Congregation); E (56X67
mm, f. 38b); H (92X78, f. 42b); D
(57X60, f. 40*); T (102X24, f. 56*,
with St John the Evangelist, fuU-
Karl W. Hiersemann in Ldpdg, Königsstrasse 3« Katalog 330»
Musik-Manusaipie. XlV.-XIX.Jahrh.
137
33 b, darin der Evangelist Johannes
in reicher Tracht, aus einem Buche
voriesend), C (75X76, Bl. 36b, darin
eine Versammlung von 19 Personen,
vermutlich eine christliche Gemeinde
darstellend), E (56X67, BL 38b),
H (92X78, Bl. 42b), D (57X60,
Bl. 40a), J (102X24, Bl. 56a, darin
der Evangelist Johannes in ganzer
Figur mit einem Buche in der Hand),
D (57X62, Bl. 58b), L (112X40,
Bl. 60a), E (70X61, Bl. 62a), T
(76X43, Bl. 64b, darin ein Bogen-
schütze im Kampfe mit einem Dra-
chen und einem großem Fische), V
(90X65, Bl. 66a), L (70X50, BL
68a), J (115X24, BL 70b, darin
wiederum der Evangelist Johannes
in etwas veränderter Auffassung),
J (150X28, BL 72a, darin gleich-
falls ein Heiliger mit einem Buch),
J (140X24, BL 76a, ebenso), O
(70X60, BL 78b), S (62X58, BL
80 a), D (83X70, BL 81b, mit inter-
essantem Fischomament), D (64X65,
BL 85 a, darin die Madonna ohne
das Kind), Q (62X115, BL 86b,
darin Christus, in der Rechten ein
Szepter haltend), A (90X60, BL 88 a,
darin die gekrönte Madonna), D
(87X67; BL90a, darin die hL Agathe),
S (82X65, BL93a), E (90X75, BL
97a), J (105X24, BL 99b, darin
ein Heiliger mit einem Buche), A
(92X56, BL 101a), E (80X75, BL
103b), V (85X63, BL 105b, darin
eine Personifikation der Kirche als
der Braut Christi), J (108X24, BL
107 a, darin ein gekrönter Heiliger
in ganzer Figur), C (65 X 67, BL 1 10a).
Außer diesen 36 künstlerisch wert-
vollen Initialen enthält die Hand-
184 Antiptaonarium. Prachtvolle,
vorzüglich erhaltene Pergament-
handschrift aus der ersten Hälfte
des XIV. Jahrhunderts, wahr-
scheinlich italienischen Ur-
length, with a book in his hand); D
(57X62 mm, f. 58b); L (112X40 mm,
f. 60*); E (70X61 mm, f. 62*); T
(76X43 mm, f. 64 b, with an ardier
who fights with a dragon and a huge
fish); V (90X65 mm, f. 66*); L
(70X50 mm, f. 68*); J (115X24 mm,
f. 70b), with Si John the Evangelist);
J (150X28 mm, f. 72*, a saint with
a book) ; J (140X24 mm, f. 76*, dito) ;
O (70X60 mm, L78b); S (62X58 mm,
f. 80*); D (83X70 mm, f. 81b, with
an interesting fishomament); D
(64X65 mm, f. 85«, with the Virgin,
but without the child); Q (62X115
mm, f. 86 b, with Christ holding a
sceptre in his right hand); A (90X60
mm, f. 88*, with the crowned virgin);
D(87X67mm,f.90«, with Si Agatha);
S (82X65 mm, f. 93*) ; E (90X75 mm,
f. 97*); J (105X24, f. 99 b, Saint with
a book); A (92X56, f. 101*); E
(80X75, f. 103 b); V (85X63 mm,
f. 105 b, with a personification of
the church as the bride of Christ);
J (108X24 mm, f. 107*, with a
crowned saint, fuU-length) ; C (65X67
mm, f. 110*).
Besides these 36 Initials of ar-
tistic value, the manuscript contains
more than 700 other initials, in
various sizes, mostly painted in red
body-colour on a background of blue
linear omament and partly füll of
a peculiar charm.
Schrift noch mehr als 700 andere
von verschiedenster Größe, die meist
mit roter Deckfarbe auf einem Hinter-
grund von blauen Linienomamenten
gemalt und zum Teil nicht ohne
eigenartigen Reiz sind.
Antiphonary. Magnificent
manuscript on parchment, in
veiy good condition, of the
first half of 14th Century, pro-
bably of Itaiian origin. Oak
Kad W« Hicarsemaim in Ldpdg^ Königistrasse 3« Katalog 330»
138
MasUt-Manuseripte. XIV.-XIX.JahHu
Sprungs. Schwerer Holzband
mit braunem LederOberzug und
ledernen, mit Messing beschla-
genen Schließen, im RQcken ge-
lockert 288 numerierte Bll., in
Oroß-Folio (42X29 cm), ent-
haltend je 5 Zeilen latemische
Gesänge in Lapidarschrift mit
Noten fOr die meisten Feste
des Kirchenjahres. 1400« —
Anfang: Ad honorem omni-
potentis dei et gloriose viiginis
Marie ac S. Laurentii martiris sub
cuius nomine hoc opus indpit Über
den Schreiber und den ursprüng-
lichen Besitzer ist aus dem Werke
nichts zu ermitteln. Zuerst finden
sich Gesänge zum Feste des hl.
LaurentiuSy dann für die Feste des
Weihnachts-, Oster- und Pfingst-
kreiseSy für Fronleichnam und die
24 Sonntage nach Pfingsten, endlich
für 24 Heiligen- und Marienfeste.
Die Notensdirift, die durchgangig
auf vier roten Linien steht, ist von
tadelloser Frische und Deutlichkeit,
ebenso die meist schwarze, zum
Teil aber auch rote Textschrift außer-
ordentlich sorgföltig und vollkommen
wohlerhalten. Den Hauptschmuck
des Buches bilden 366 von einem
tüchtigen Künstler entworfene, vor-
trefflich ausgeführte, meist quadra-
tische Initialen von etwa 6 cm
Durchmesser. Der viereckige Hinter-
grund ist teUs durch leicht ange-
tuschte bunte, gotisch stilisierte Blatt-
und Rankenomamente, teils durch
parallele oder phantastisch verschnör-
kelte Linien ausgefüllt, die mit der
Feder und mit farbiger Tinte ge-
zeichnet sind. Von diesem diskret
behandelten Hintergrunde heben sich
die eigentlichen Buchstaben mit
leuchtenden Deckfarben abwechselnd
Rot und Blau gemalt, sehr wirksam
ab. Als Anhang ist auf 2 angebun-
denen Papierblattem ein wesentlich
boards, covered with brown
leather, with brass - mounted
leather-clasps. 288 numbered
leaves, large fol., (42X29 cen-
tim.), each containing five lines
Latin hymns, in lapidary cha-
racters, with music for most
churchfestivals. 1400«—
It begins: Ad honorem omnipo-
tentis dei et gloriose viiginis Marie
ac S. Laurentii Martiris sub cuius
nomine hoc opus indpit The name
of the author and the origmal pos-
sessor b not mentioned in the manu-
script Contents: Hymns for the
day of St Laurentius, for Christmas,
Easter and whitsuntide, for Corpus-
Christi day, for the 24 sundays after
whitsuntide and for 24 feasts of
Samts and of the Vhgin.
Both the music-notes and the text
are very fresh and distinctly written
and in hreproachable condition.
The prindpal omamentation of
the manuscript consists of 366 care-
fully executed Initials, of about 6
centim. diameter, pamted by a skilful
artist
The Square background is partiy
filled out with slightly touched Gothic
leafy work, partiy with parallel or
fantastically twisted lines, drawn
with the pen in coloured ink.
The Initials themseWes are alter-
nately painted in red or blue (in
vivid body-coulours), and contrast
efficadously with their badcground.
Two paper-leaves at the end of the
volume contam an index of the
hymns, written in a later band.
The fu^t and last note of eadi
piece has been calligraphically en-
larged by the writer. These en-
largements seem to be conneded
with the use in the early middle-
ages to hold the fürst and last note
of each musio-piece.
Karl W. Hienemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330»
Musik-Manuseripte. XlV.-XIX.Jahrh. 139
später geschriebenes Verzeichnis der I owe this indication to the
in dem Bande enthaltenen Gesänge kindness of Prof. Dr. P. Wagner,
beigefügt Die erste und letzte Note Freiburg, Switzeriand
eines jeden Stückes ist vom Schreiber
benützt worden zu kalligraphischer
Erweiterung. Diese Erweiterungen
könnten in Verbindung gebracht
werden mit der für das frühe Mittel- Diese letzte Angabe verdanke
alter charakteristischen Praxis, die ich der Güte des Herrn Professor
erste und letzte Note eines jeden Dr. Peter Wagner aus Freiburg L d.
Stückes etwas länger auszuhalten. Schweiz.
185 Antiphonaritiiii. Pergamentmanuskript mit Musiknoten
aus dem XV. Jahrhundert 162 Blätter in OroBfolio.
(58X41 cm). Mit 3 schönen Miniaturen in Farben mit Oold
gehöht, 51 großen Initialen in Blau u. Rot und 487 kleineren
in ebensolcher Ausführung. Sechs Zeilen in sorgsamster Lapidar-
schrift auf der Seite, und ebensoviele Reihen Musiknoten auf
roten Linien. 1400.—
In mächtigem Holzeinband mit Leder überzogen und mit Blindpressung
geziert Auf jedem der beiden Einbanddeckel sitzt in der Mitte ein derber
Buckel auf einer Rosette, die darumliegenden 6 Felder sind durch Blind-
pressung quadratisch geteilt, darin ein Kreis, dessen Mittelpunkt ein kleiner
Metallbuckel bildet Dies ist offenbar der erste Einband, dem die Krampen
fehlen. Später ist dieser Einband geschützt worden durch breite Messing-
leisten um Deckel und Rücken. Diese Messingleisten sind von allen Seiten
geschützt durch haselnußgroße Nagelköpfe und auf den beiden Deckeln
mit aneinandergereihtem Stempel geziert Zum Überfluß ist über diese
Messingbeschläge noch eine derbe Eichenholzleiste gelegt Damit die
großen schweren Pergamentblätter sich im Einband nicht senken können,
sind an der unteren Kante der Einbanddeckel zwei starke gegenüber-
stehende Messingzungen eingelassen.
Die erste Miniatur stellt den Apostel Andreas mit dem Kreuz dar. Er
liest mit etwas gesenktem Haupt in dem Buch, das er in der linken Hand
hält Aus der Initiale, die n^it Oold reich eingefaßt ist, hebt sich ein
Füllhorn mit Mohnblumen. Leider ist die Farbe im unteren Teü des
Gesichtes etwas abgebröckelt Alle anderen Farben sind frisch erhalten.
Von unvergleichlich höherem Wert ist die folgende Miniatur, eine prae-
raffaelitische Madonna della Sedia. Die Madonna mit rötlich-
blondem schlichten Haar hat einen mädchenhaften, lieblichen Oesichtsaus-
druck. Besonders bemerkenswert scheint mir an der Darstellung, wie
innig sich Mutter und Kind aneinanderschliessen. Das Jesuskind hat den
Arm um den Hals der Mutter geschlungen und den Kopf dicht an das
mütterliche Haupt gepreßt Die linke Hand der Mutter umspannt den
Schenkel des Kindes, das den Daumen dieser Hand festhält Noch
charakteristischer ist die Haltung der anderen Hand, die den Fuß des
Kindes wie eine Hülle oben und unten umschließt, und so, daß die Um-
risse der Handy wie die des Fußes sich nirgends kreuzen oder decken. Eine
Karl W. Hiefsemaiin In Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 33(k
140 MasikrManusaipte. XlV.-XIX.Jahrh.
innigere Zusammengehörigkeit von Mutter und Kind laßt sich nicht er-
denken. Der Liebreiz des Bildes ist unbeschreiblich.
Die letzte Miniatur stellt die Stigmatisierung des heiligen Franziskus
dar, der die wunden Hände erhebt Der asketische Oesichtsausdruck ist
sehr lebenswahr und die ganze Darstellung ein kleines Meisterwerk.
Das Manuscript stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und ist
florentinische Arbeit; ist von dort nach Sizilien, und infolge der Auflösung
der dortigen Klöster im Jahre 1868 in das Museo Cavaleri gelangt
Zu Beginn und gegen den Schluss je ein Textblatt ausgeschnitten. Am
Ende des Bandes dürfte eine Lage von Blättern fehlen.
186 Antlphonaritiiii. Pergamenthandschrift aus dem XV. Jahrh.
in Or.-Foh'o mit 2 Miniaturen, und zahlreichen reichomamentierten
Initialen in Rot und Blau. Alter mit Leder überzogener Holz-
band, durch Q alte Metallbuckel geschützt. Mit alten Leder-
schließen, die in 2 Metalldome an dem vorderen Deckel des
Einbands eingelassen werden. 850.—
Das Manuscript, das dem Ductus der Schrift wie der llluminierungs-
art nach wohl italienischen Ursprunges sein dürfte, enthält, wie der Index
auf der letzten Seite zeigt, die liturgischen Gesänge der Passionszeit Wie
üblich, sind die rituellen Vorschriften rot, der Text der Gesänge schwarz
geschrieben. Die 91 Blatt enthalten auf jeder Seite 6 Reihen Text mit
den darüberstehenden Noten. Gegen den Schluß des Manuscriptes be-
gegnet man wiederholt Tekturen, Änderungen im Noten-Arrangement, die
durch Überkleben der Noten-Teile durch Papierstreifen bewirkt wurden.
Beim Paginieren ist Seite 51 übersprungen wurden, der Text ist lückenlos.
Die Schrift ist in prächtigen, gotischen Buchstaben gehalten, die, überaus
klar, die Schönheiten dieser Schrift als Schriftomament aufs Glänzendste
dartun. Gehoben wird diese durch die zahlreichen in Rot und Blau aus-
geführten, reich ornamentierten Initialen zu Anfang eines jeden Satzes.
Zwei sehr schöne Miniaturen zu Anfang geben dem Manuscript einen er-
höhten Kunstwert. Das erste, S. 3, zeigt den Einzug Christi in Jeru-
salem. In das O (Osianna fili o David), 17^/, zu 17V« <^> ^^s in ein goldenes
Viereck eingezeichnet, auf blauem Grunde feine weiße Omamentierung
zeigt, sieht man Christus auf dem Esel reitend, gefolgt von seinen Jüngern,
in Jerusalem einziehen. Aus den Toren der mit ihren Mauern u. Türmen
hfibsch gezeichneten Stadt geht ihm eine Volksmenge entgegen, die den
steinigen Weg mit Tüchern und grünen Zweigen zu belegen beschäftigt
ist. Das BUd ist in vielen Farben aufs sorgfältigste ausgemalt und von
grosser Frische. Das Gold des den Buchstaben umgebenden Vieredces
ist hin und wieder ein wenig abgerieben, so dass der braune Untergrund
manchmal zutage tritt, dies ist aber sehr unbeträchtlich und tut dem Bilde
fast keinen Abbruch. Oben und links unten vom Bilde laufen bis zum
Blattrande reich in Gold und Farben ornamentierte Bordüren hin, die das
Bild gegen den Blattrand wirkungsvoll abschließen. Das zweite Miniatur-
bild, 20X17V« cm, auf Seite 8 zeigt ein N (Nos) in derselben Art der
Einfügung in ein goldenes Viereck. In dem ebenfalls weiß ornamentierten
violetten N sind 2 BUder eingezeichnet Oben die Fußwaschung. Christus
Kaf 1 W. Hicf semaan in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 33(K
Musik-Mamtsaipte. XlV.-XIX.Jahrh. 141
vor den im Halbkreis sitzenden Jüngern knieend, wäscht einem derselben
die FüBe. Darunter das Heilige Abendmahl. Beide zeigen das Steife des
Gruppenbildes bei dieser Darstellung, das erst durch Leonardo da Vind
seine künstlerische Lösung gefunden hat Auch dieses Bild zeichnet sich
durch sehr genaue Zeichnung aus; so sind die Porträts der Jünger cha-
rakterisiert, auch ÄuBeriichkeiten, wie der Mosaikfußboden, die Omamen-
tierung der Wände des Gemaches mit großem Geschick in Farben wieder-
gegeben.
Einige Wurmstiche am Rande der Blätter zu Anfang u. Schluß des
Manuscripts abgerechnet, ist es von guter Erhaltung und durch seine
schönen Miniaturen von beachtenswertem künstlerischen Werte.
187 Antiphonaritiiii. Pergamentmanuscript Aus dem XV.
Jahrhundert mit Musiknoten. 270 Blatt in Oroßfolio (45X32 cm).
Mit einer großen in Oold u. Farben ausgemalten Initiale u.
einer Bordüre auf dem ersten Blatte, Q großen prächtig orna-
mentierten Initialen in Blau u. Rot u. einer Anzahl von kleineren.
Moderner Ledbd. 520.—
Das Manuscript, von derselben Hand wie das Breviarium Ordinis fr.
minorum etc geschrieben, ist von relativ guter Erhaltung. Einige wenige
Blätter fehlen, auch ist der Pergamentrand hin u. wieder beschnitten u.
das Pergament gegen das Ende der Handschrift stark abgegriffen u. teil-
weise ausgebessert. Die auf der ersten Seite befindl., in Farben u. Oold
ausgemalte Initiale und ihre Umrahmung hat gelitten, indem die auf-
getragenen Farben stellenweise abgerieben sind. Auf den Vorsatzblättern
befindet sich ein handschriftl. Register aus späterer Zeit
188 Beethoven, Ludwig van. (1770—1827). Sonate op. 06 für
Violine und Klavier in Partitur. Originalmanuscript ganz
von Beethovens Hand. Das Autograph galt bisher als
verschollen. 23 Blatt. Hoch Fol. Je 20 Systeme. Die
Partitur ist so angeordnet, daß die jeweilige vierte Zeile frei
bleibt. Nur S. 17 weicht von dieser Anlage ab, hier sind die
Systeme 10, 14, 18—20 freigelassen. Beschrieben sind die
Blätter: 1—4, 5b— 7a (2X3 Systeme); 9— 13a (3X3 S.), 15— 22b
(4X3 S.). Die übrigen Seiten resp. Blätter sind frei. Unten auf
Blatt 12b und quer Ober 13a findet sich die eigenhändige Be-
merkung Beethovens : N.B. das D.C. wird ganz ausgeschrieben
bis zu dem Trio, wo alsdann gleich die Coda hinzugeschrieben
wird. Das vorzüglich erhaltene Manuscript stammt aus Wiener
Privatbesitz. Für Echtheit und Vollständigkeit übernehme ich
jede gewünschte Garantie. Es ist leicht geheftet, wahrschein-
lich von Beethoven selber. Was der Handschrift noch einen
eigenartigen Wert verieiht, ist, daß sie der Meister, entgegen
seiner sonstigen Gewohnheit, mit seinem vollen Namen sig-
niert hat. 42500.—
Vgl. die AbbUdungen Taf. 19 n. 20 (im Ende des Katatogs).
Ober die Entstehungszeit der Violinsonate op. 96 herrscht unter den
Beethovenforschem Meinungsverschiedenheit Thayer (Chronologisches
Karl W* Hiersemaan In Lüpzlg, Königsstrasse 3* Katalog 330^
142 Musik-Manuser^ti. XIV.-X!X.Jahrh.
Verzeidinis S. 86) glaubt, „bis das Original zum Vorschein kommf S
den Winter 1810—11 als Datum der Komposition annehmen zu mOssen.
In seinem Leben Beethovens setzt er die Skizzen zu den letzten drei
Sätzen der Sonate ins Jahr 1811 und bemerkt dazu (Bd. III, S. 184), daß
noch ein Jahr verging, ehe diese Studien ihre Verwendung fanden.
Später (S. 223), wo er von dem Wiener AufenÜialt des berühmten Geigers
Pierre Rode beriditet, heißt es weiter: Beethoven nahm die Sonate
wieder vor und vollendete sie, damit sie in einem der Abendkonzerte
beim Fürsten Lobkowitz von Rode und Erzherzog Rudolph gespielt
würde. Die Aufführung fand nach Thayer am 29. Dezember 1812 statt
Wie aus einem Briefwechsel (ohne Datum) mit dem Erzherzog hervor-
geht, sdieint Rodes Spiel nicht ganz den Erwartungen BeeÜiovens ent-
sprochen zu haben; der Meister sdireibt: „Morgen in der friihesten
Frühe wird der Kopist an dem letzten Stücke anfangen können, da ich
selbst unterdessen noch an mehreren anderen Werken schreibe, so habe
ich um der bloßen Pünktlichkeit willen mich nicht so sehr mit dem
letzten Stücke beeilt, um so mehr, da ich dieses mit mehr Oberiegung
in Hinsidit des Spiels von Rode schreiben mußte; wir haben in unsem
Finales gern rausdiendere Passagen, doch sagt dies R. nicht zu und —
schenirte mich doch etwas. — In einem anderen Schreiben bittet sich
Beethoven die Violinsonate vom Erzherzog aus, damit er sie Rode über-
mitteln könnte, und fügt hinzu: „er (Rode) wird das die Stimme sdilcken
gewiß nidit übel aufnehmen.''
Nottebohms Ausführungen (Beethoveniana, 1872, S. 30), gipfeln in
dem Satze, daß die Sonate „mit Ausnahme des ersten Satzes, von dem
wir nicht beweisen können, ob er früher oder gleichzeitig oder etwas
später gesdirieben wurde,'' nicht vor Oktober 1812 gesdirieben und
fertig geworden sein kann, daß sie wahrsdieinlich zum ersten Mal am
Dienstag den 29sten December 1812 in einer Gesellschaft bei Fürst
Lobkowitz gespielt und mit Rücksicht auf Rodes Spiel geschrieben
wurde. Diese Ansiditen teilt auch Marx (Beethoven II, S. 145).
Wie aus dem Originalmanuscript hervorgeht, war Beethoven, als er
die Handsdirift datierte, selber über die Entstehungszeit des Werkes
im Zweifel, denn er änderte die ursprüngliche Datierung „im Juni (?)
1813" mit fester Handschrift um in „Februar 1812", hatte aber auch
jetzt noch Bedenken über das Jahr der Entstehung, da er „oder 13"
hinzufügte (cf. das Facsimile Taf. 19). Hieraus ergiebt sich, daß die Datierung
der Sonate erheblich später als die Niedersdirift erfolgt sein muß.
Im Druck erschien das Werk bekanntiich erst im Juli 1816 unter dem
Titel: „Sonate für Piano-Forte und Violin. Sr. Kaiserl. Hoheit dem
durdilauchtigsten Prinzen Rudolph, Erzherzog von Oesterreich etc. etc.
in tiefer Ehrfurdit zugeeignet von Ludwig van Beethoven. 96tes Werk.
Eigenthum der Verleger. Wien bei S. A. Steiner und Comp."
Es ist daher wahrsdieinlich, daß Beethoven die Sonate nach der Auf-
führung, über die ein Bericht vom 4. Januar 1813 vorliegt, beiseite legte
und das Manuscript erst wieder in die Hand nahm, als er es zum Druck
beförderte. Nachdem inzwischen vier Jahre verstrichen waren, wußte
er selber nicht mehr genau, wann er das Werk komponiert hatte.
Karl W* Hicfsemann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330^
Musik-Manuseripte. XIY.-XIX.Jahrh.
143
Aus dem oben Gesagten geht unzweifelhaft hervor, daß die Sonate
Ende Dezember 1812 vollendet gewesen sein muß. BeeÜiovens Datierung
„1813^' ist daher ein augensdieinlicher Irrtum. Ebenso steht aber auch
fest, daß der Meister bis kurz vor diesem Termin an dem Werke arbeitete,
und daß ihn bei der Komposition Rücksichten auf Rode leiteten. Die
Originalhandschrift läßt keinen Zweifel darüber, daß die Arbeit nur
den letzten Satz betroffen haben kann; das beweisen die flüditigeren
Schriftzeidien, die vielen Korrekturen, die er hier vornahm, und die
separate Paginierung der ersten sechs Selten. Wenn daher Beethoven
in dem oben angezogenen Briefwedisel mehrfadi von einem „letzten
Stück'' spricht, an dem er arbeitete, so kann damit nur dieser letzte Satz
gemeint sein, der demnach im Dezember 1812 vollendet worden sein muß.
Aus den Schriftzügen der ersten drei Sätze läßt sich mit Sicherheit
schließen, daß ihre Niederschrift hintereinander eriolgt ist Das für das
ganze Manuscript benutzte Papier weist übrigens dasselbe Wasserzeichen
auf. Die ganze Datierung Beetiiovens zu verwerfen, dazu liegt kein Orund
vor; wir werden daher das mit fester Hand gesdiriebene „im Februar
1812" als das Kompositionsdatum der ersten drei Sätze ansehen können.
Versdiledene Korrekturen beweisen, daß Beethoven während der
Nledersdirift immer noch konzipierte, wie es ja gewöhnlich seine Art
war. Es kommt hier jedoch nldit über bloße Andeutungen hinaus, die
meist sdion nach zwei oder drei Takten wieder verworfen werden.
Merkwürdig ist die Vorwegnahme eines Gedankens, den er später, aber
verkürzt, (6 Takte nach der Wiederholung des ersten Teiles des ersten
Satzes), verarbeitete. Hier schreibt Beethoven:
H 1
-A 1 1 — nij 1 1
H- \ 1 1 1 1 1
— te^ r-h *^-r-\ ' ' ■« " '
— i»-i-Xl^ r 1
ir
H \
-\ 1 1 1 1
ry'ftf M ■f-f-rVr-\ 1 1
^ — M^
d^:^=|:ajfflC^ 1 1
Im letzten Satze kommen reichlichere Korrekturen vor, doch ist die
Urschrift infolge starker Rasuren nicht mehr lesbar. Deutlich aber zu
erkennen ist, daß statt der rollenden chromatischen Klavierpassagen
ursprünglich eine andere Begleitung gedacht war. Das smd offenbar
„die rauschenderen Passagen", auf die er in seinem Schreiben an den
Erzherzog Bezug nimmt Vielleicht waren sie anfänglich der Violine
zugedacht Da sie aber Rode nicht lagen, so übertrug sie Beethoven auf
das Klavier, um das Finale glänzend ausklingen zu lassen.
Das Wiederauftauchen des bisher versdiollen gewesenen Autographs
der Violinsonate op. 96, von der der enthusiastische Bericht des Jahres
1813 sagt, daß sie „die übrigen Werke Beethovens dieser Art zurückläßt
und sie fast alle an Popularität, Witz und Laune übertrifft", wird un-
Karl W« Hiersemann In Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330*
144 MasikrManuscnpte. XlV.-XIX.Jahrh.
zweifelhaft bei allen Beethovenfreunden ungeteilten Beifall finden. Daß
der Meister selbst etwas von dem Werke hielt, das beweist auch wohl
der Umstand, daß er entgegen seiner sonstigen Gewohnheit seinen
Namen Ludwig van Beethoyen elgenli&ndlg aal das Mannscript
setxte, ein Factum, durch das der Wert der Handschrift also noch
gesteigert wird.
Die Beschreibung des kostbaren Autographs stammt aus der Feder
einer wohlbekannten Autorität der musikalischen Bibliographie.
189 Breviarium Benedictiniim Completum IX.— X. SAECULI.
Pergamenthandschrift mit sorgfältig^ ausgeführter Notierung der
Melodien derResponsorien und Antiphonen desStunden-
officiums in Neumen ohne Linien, sowie ausfuhrlicher Ein-
tragung der Lektionen, Orationen und Capitula nebst
den zugehörigen Hymnen. 23500.—
Vfirl. die AbbUdtmsen Taf. 21 u. 22.
Die Handschrift besteht aus 241 Blättern Pergament von 15 cm Breite
und 20,7 cm Höhe (Schrift 9,5 cm breit, 14,5 cm hoch), mit durchweg 26
Zeilen auf jeder Seite. Die mit Neumen versehenen Oesangstexte sind in
kleinerer Schrift ausgeführt, so daß eine Zeile Text nebst Neumen denselben.
Raum in Anspruch nimmt wie eine Zeile der größeren Schrift Die Lagen
der Handschrift sind Quatemionen (je vier Doppelblätter ineinander liegend)
mit Bindfaden geheftet; doch ist vor dem ersten Quatemio ein einzelnes
Doppelblatt vorgebunden und am Ende befinden sich zwei Einzelblätter
und ein Doppelblatt, die verschiedenen Lagen angehört haben. Dem
zehnten Quatemio fehlt das erste Blatt, im 12. Quatemio ist das letzte
Blatt abgerissen, aber erhalten. Die 24. Lage ist ein Quintemio (20 Seiten),
die 25. ein Sextemio, dessen Schlußblatt aber fehlt Das Ganze ist recht
gut erhalten, außer einigen schadhaften Stellen, die mit Pergament unter-
legt sind, die einzelnen Lagen haben noch besondere Schutzrficken von
Pergament, die wohl angebracht wurden, als die Handschrift ihren gegen-
wärtigen Einband in braunem Kalbleder erhielt, d. h. etwa im XVL Jahrh.
Der fast ganz vemichtete, zufolge Wurmfraß zerfallene Rucken des Ein-
bandes läßt die Reste eines Ooldpressungstitels ericennen.
BR[EVIARI]UM
BE[NEDICTIN]UM
C[OMPL]ETUM
Die Vorsatzblätter des Einbandes haben neben-
stehendes Wasserzeichen, nach welchem sich Alter
und Ort des Einbandes näher bestimmen lassen wird:
Das ganze Manuskript ist in der Hauptsache von
einer Hand ausgeführt Vorübergehend werden zwar
kleine Unterschiede der Schrift bemerkbar, welche auf
Hilfskräfte schließen lassen; doch tritt unverkennbar
die Haupthand immer wieder hervor, sodaß größere
^^^^^^^-^g. Altersunterschiede für verschiedene Teile der Hand-
ÖVi^^^^^CJ Schrift nicht angenommen werden können.
Karl W. Hierseinann in Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330.
Tafel 21.
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No. 189. BREVIARIUM BENEDICTINUM COMPLETUM.
Altkirchliche Hs. mit Musikzeichen. X.— XI. Jahrh.
Tafel 22
Tufttltu fAtttcr ^ TV x^€i^tUvAn ^ xvorfc^utfwcft: um
^Jf I A /!/ / . .r-^r'^Vyiy;/ yjf?^ ,;
. • y^ . , -^ ' . , J ^. . . . iJ J J /l : ^' •
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f ' ' . j . . J ' ^'. j ^ . ^.Z . f • ,ß t
No. 189. BREVIARIUM BENEDICTINUM COMPLETUM.
Altkirchliche Hs. mit Musikzeichen. X.— XI. Jahrh.
Musik-Manttscripte. XlV.-XIX.Jahrh. 145
Die Handschrift ist keine Prachthandschrift, d. h. sie ist nicht auf
reichen Schmuck durch Initialen angelegt, sondern ffir den praktischen
Gebrauch berechnet gewesen und beschrankt sich im allgemeinen auf
die Hervorhebung der einzelnen Abschnitte durch herausgerückte größere
rote Buchstaben der seit dem IX. Jahrh. gebräuchlichen gefälligen Form, rote
Überschriften und gelegentliches Rot-Antupfen der Anfangsbuchstaben der
einzelnen Sätze längerer Textteile. Auch grüne Farbe ist streckenweise
kunstlos angewendet worden zur inneren Füllung roter Buchstaben, be-
sonders in der zweiten Hälfte der Handschrift Daß die Arbeit des Illu-
minators eine nachträgliche war, beweist die Handschrift deutHch durch
gelegentliches gänzliches Fehlen der Rubra (so S. 414 — 420). Daß der
Textschreiber im allgemeinen auch die Neumen nicht sogleich einzutragen
hatte, dafür vielmehr ein speziell geschulter besonderer Schreiber heran-
gezogen wurde, belegen S. 440—468 der Handschrift, wo sämtliche Neumen
fehlen (1. Woche nach Ostern); ebenso ist auf einigen anderen Seiten
deutlich erkennbar, daß die Neumen mit anderer Tinte nachgetragen sind.
Von S. 384 ab wechseln Stellen mit alter, nachgetragener und aufgefrischter
Neumierung; doch sind in den letzten Lagen wieder alle Neumen alt
Einige wenige kunstvollere Initialen sind geeignet, das Alter der
Handschrift zu bestätigen; ein phantastisches P auf S. 3, ein Insekt (Libelle),
das einen Hund füttert, weist wohl auf irische Einflüsse, das O S. 74.
P S. 105 und E S. 422 entsprechen der Blätter- und BandomamentUc
deutschen Geschmackes im X. Jahrhundert und S. 147 bringt sogar ein S>
M und ein zweites S rot auf Goldgrund mit Blätterschmuck in mehreren
Farben als eine förmliche Randleiste übereinander. Diese wenigen Initialen
sind aber sozusagen nur Proben des Stils der Zeit der Herstellung der
Handschrift und stellen nicht einen planmäßig durchgeführten Schmuck dar.
Die Neumen sind durch die ganze Handschrift mit großer Sorgfalt
eingetragen und zwar mit der wohlerkennbaren Absicht, die relative Ton-
höhe zu markieren. Die Melodien der Offidumsgesänge sind ja im all-
gemeinen viel einfacher angelegt, als z. B. die Gradual- und Halleluja-
gesänge der Messen; es entsteht daher bei ihrer Notierung nicht die Gefahr
mit dem vorgesehenen Räume nicht auszureichen, wie solches in älteren
St Gallener Antiphonarien vielfach zur Unkenntlichmachung der relativen
Tonhöhenlagen durch Drängung der Zeichen geführt hat Wo in den
kleinen Responsorien unserer Handsdirift längere Melismen über einer Silbe
auftauchen, hat aber der Schreiber gleich durch größere Lücken im Text
vorgesorgt, daß die ganze Neumierung bequem untergebracht wurde, viel-
fach so genau, daß man zweifeln muß, ob er nicht doch selbst wenigstens
teilweise sogleich die Neumen eingetragen hat Trotz dieser Verdeutlichung
der relativen Tonlage sind die Neumierungen der Handschrift aber nicht
der Kategorie der Neumes ä points superposds zuzuweisen, welche um
die Zeit der Reform Guidos zu Anfang des XI. Jahrhunderts häufig werden,
da eine Tendenz zur Auflösung der Ligaturen in Einzelpunkte nicht erkennbar
ist Vielmehr sind auch die drei- und viertönigen Neumen (Torculus,
Porrectus, Torculus resupinus, Porroctus flexus etc) konserviert und der
Scandicus tritt sogar auffallend häufig als Ligatur anstatt als Konjunktur auf.
Die Formen der Neumen sind durchaus die feinen zieriichen der St Galle-
Karl W. Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330«
10
146 Masik-Manusaipie. XIY.-XIX.Jahrh.
ner, Einsiedeiner etc Handschriften des IX.— X. Jahriiunderis. Die Seiten
42—43 der Handsdirift, Teile des Offidum in nativitate quatuor evange-
listarum (I) mög^en das gesagte illustrieren. Dieselben sind zwar nidit
die reidisten bezüglidi längerer Melismen und viertöniger Ligaturen, aber
im übrigen speziell ffir den Inhalt und die Sdirift der Handsdirift diarak-
teristisdi (vgl. Tafebi 21, 22).
Bezfiglidi der Schrift sei besonders hervorgehoben, daß S nur als
Anfangsbuchstabe (Majuskel) bezw. in mit Majuskeln geschriebenen ab-
gekürzten Worten, wie DS (deus) vorkommt; sonst tritt durchaus nur die
Form f auf. Auch das E ohne Querstrich ist sehr häufig, desgleichen das
A ohne Balken (vgl. das Facsimile S. 42, Z. 12, 18, S. 43, Z. 21). Auch
sonst ist an alten Formen der Buchstaben kein Mangel, z. B. steht y fast
durchweg auf der Linie, 8c tritt sehr häufig in der Mitte und am Ende
von Worten auf, e mit Cedille steht für se, t und c sind oft nicht zu unter-
scheiden etc Die angewandten Abkürzungen sind durchaus die dem
IX. —X. Jahrhundert geläufigen.
Inhaltlich ist die Handschrift dadurch besonders wertvoll, daß sie nicht
nur ein Cantatorium, eine Sammlung der Responsorien und Antiphone;n
des Stundenoffidums, sondern zugleich ein Lectionarium ist, eine Zu-
sammenstellung der Lektionen nebst Homilien, Capitula und Orationen für
die Offizien des ganzen Kirchenjahres, also vergleichbar dem 1903 von
den Solesmenser Benediktinern herausgegebenen Liber usualis, nur daß
letzterer auch die Meßoffizien enthält Aus älterer Zeit scheinen derartige
vollständige Breviere sehr selten zu sein, sodaß nach dem Geständnis P.
Suitbert Bäumers (Geschichte des Breviers, 1895) die historische Entwidc-
lung des Offiziums noch keineswegs hinlänglich geklärt ist Die gründ-
liche Durcharbeitung von Handschriften wie der voriiegenden ist daher
noch von großer Wichtigkeit und geeignet, neue Aufschlüsse zu geben.
Ein Vergleich dieser Handschrift z. B. mit dem Antiphonale monasticum. Cod.
601 der Kapitelbibliothek von Lucca, welches als Bd. IX der Pal6ographie
musicale der Solesmenser Benediktiner facsimilieri erscheint (ein bloßes
Cantatorium, ohne die Lektionen usw. auch ohne den Text der Hymnen),
erweist sehr erhebliche Differenzen beider. Die Zahl der Offizien ist in
dem aus dem Anfang des XII. Jahrhunderts stammenden Codex von Lucca
erheblich gewachsen, aber viele Responsorien und Antiphonen, die unser
Kodex gibt, sind inzwischen fallen gelassen worden. Teilweise sind das
Antiphonen, welche der Tonarius Reginos von Prüm für den Anfang des
X. Jahrhunderts verbürgt
Das Alter der Handschrift bestätigt auch der Umstand, daß sie nicht
das Proprium de tempore von dem Proprium de Saudis scheidet, sondern
die Offizien der Heiligenfeste nach ihren Daten üi den Lauf des
Kirchenjahres (Cursus) einschiebt Leider ist die Handschrift nicht ganz
vollständig; doch trifft der Vertust in der Hauptsache die festarme Zdt
zwischen Pfingsten und dem Advent und dürfte daher nur wenige Lagen
betragen.
Das hohe Alter und die ganze Anlage des Buches macht wahrscheinlich,
daß dasselbe nicht mit den vier Adventsonntagen, sondern mit derWeih-
nachtsvigil begonnen hat, wie das für die ältere Zeit der Braudi war;
Karl W. Hiersemaan in Lelptigt Königsstrasse 3« Katalog 330*
Mttsik-Manuscrtpte, XIV.-XIX.JahHL 147
dann würde das einzelne Doppelblatt, das vor den von älterer Hand pagi-
nierten Lagen zu Anfang vorgebunden ist, nicht an den Anfang, sondern
vielmehr wie die Einzelblätter am Ende in den verloren gegangenen Schluß-
teil des Kodex gehören; dasselbe enthält nämlich Teile des Offiziums der
4. Adventwoche (fer. II— V) und Teile des Offiziums des Apostels Thomas
(21. Dez.). Daß aber auch nadi Abscheidung dieses Blattes und Ver-
weisung desselben ans Ende und bei Annahme der Weihnachtsvigil als
eigentlichen Anfangs des Buches, doch der Handschrift zu Anfang jeden-
falls ein Quatemio fehlt, beweist der Umstand, daß die erste paginierte
Lage mit den Schlußworten der Antiphona ad evangelium der Weihnachts-
vigil beginnt: „et descendet in uterum virginis sicut imber super gramen,
Alleluia". Es fehlen also dem Officium der Vigil das Invitatorium (ein
Terminus, statt dessen der Codex stets den älteren „super venite A.'' ge-
braucht), die Landes matutinae und die zugehörigen Lektionen, Homilien,
Orationen und Capitula. Von pag. 1—484, d. h. bis nach dem 4. Sonntag
nach Ostern und dem Officium SS. Philippi etjacobi (1. Mai*), das
bis zur 8. Lektion und der Antiphona ad Canticum vorliegt, ist der ganze
Kursus vollständig bis auf zweimal zwei Seiten. Es fehlen: pag. 145—146
mit Lektion VI— IX des 2. Sonntags nach Epiphanias und zwischen pag.
420 — 421 ein somit schon vor der wohl gelegentlich des Eüibindens er-
folgten Paginierung fehlendes Blatt gegen Ende des Charsamstag-Offiziums.
Die ärmlichen Überbleibsel des verlorenen Schlußteiles sind 4 zusammen-
gehörige Seiten aus dem Pf ingst-Offizium und vier ebenfalls zusammen-
gehörige aus dem Himmelfahrts-Offizium.
Die größtenteils sich auf einige Lektionen und Orationen beschränkenden
dem Kursus eingereihten Heiligen-Offizien sind: S. Thomas (sehr aus-
führlich, 2. Vorblatt), S. Stephan (sehr ausführiich, p. 19—30), S.Johannes
Evang. (sehr ausführiich, pag. 30 — 40), Nat IV, Evangelistarum (p.
41—44), SS. Innocentium (p. 44—53), S. Silvester (p. 56—59), S. Hi-
larius (p. 98—101), S. Felix (p. 101—102), S. Maurus (p. 102—105),
S. Marcellus (p. 160), S. Sebastianus (sehr ausführlich, p. 160—170),
S. Agnes (sehr ausführlich, p. 170—175), S. Vincentius (ausführlich, p.
180—188), In conversione S. Pauli (ausführlidi, p. 188—199), In purifi-
catione B. Mariae (p. 199—210), S. Agatha (pag. 210— 216), S. Valen-
tinus martyr (p. 217), In cathedra S. Petri (p. 217— 226), S. Mathias
(p. 226), S. Oregorius (p. 226—229), S. Benedictus (ausführiich, p.
229—238), In annunciatione B. M. V. (pag. 226—244), S. Ambrosius
(452—453), S. Tiburtius, S. Valerianus, S. Maximus, S. Oeorgius
(p. 454), unius martyris (p. 454), S. Marcus (p. 455), S. Vitalis (p.
480), SS. Philippi etjacobi (ausführlich, p. 481—484, doch unvollständig).
Sehr reich ist die Handschrift an Hymnen und giebt daher wertvolles
Material für die Geschichte des Hymnengesanges im Offizium. Leider
sind die Melodien als bekannt vorausgesetzt und die Hymnen daher nicht
neumiert, vielmehr mit der größeren Schrift der Lektionen in extenso ein-
gezeichnet Ganz vereinzelt steht der neumierte An&ng einer Hymne zu
Ende des Officium von Maria Verkündigung (O gloriosa femina).
Zur Orientierung über den Inhalt der Handschrift folge hier die Auf-
zählung der Gesänge der Weihnachtsvigil bis zur 2. Noctum, die man mit
Karl W. Hicfscmann in Lüptlg, Königsstrasse 3« Katalog 330*
10*
148 Masih'Manusmpte. XlV.-XIX.Jahrh.
der Zusammenstellung in Peter Wagners „Einffihrung in die gregorianischen
Melodien''^ I. (1895) S. 177, vergleiche, um zu sehen, wie unsere Hand-
schrift bald mit dem Responsale Oregorianum von Compi^e (IX. Jahrh.),
bald mit Hartkers Antiphonale (St Gallen, Cod. 390, X. Jahrh.) bald mit
den Pariser Cod. 12044 (XII. Jahrh.) sich berührt; auch der Codex Lucca
601 werde zur Vergleichung herangezogen.
(In vigilia Nativitatis)
[Orietur sicut sol salvator mundi] et descendet etc
Ad. I. Antequam conveniret
Ad. 111. Joseph fili David.
Ad. VI. Rex padficus magnificatus est
Ad. IX. Magnificatus est rex.
Ad vesperas A. 1. Levate capita.
2. Scitote quia.
3. Completi sunt
4. Ecce completa sunt
R. Verbum caro factum est V. In prindpio erat
Hymnus. Veni redemptor gentium (7 Strophen). Laus et honor. V.
Tecum prindpium. R. In die virtutis.
(Ad. evangel.) A. Cum erat desponsata.
Super venite A. Christus natus est
Hymnus ad noctem. Christe redemptor omnium. (6 Str.) Laus et honor.
In 1 noct A. 1. Dominus dixit ad me Ps. Quare fremuerunt
2. Tamquam sponsus Ps. Cxli enarrant
3. In prindpio et ante saecula Ps. Domini est terra.
4. Diffusa est gratia Ps. Eructavit cor meum.
5. Verbum caro factum est Ps. Omnes gentes.
6. Suseepimus deum Ps. Magnus dominus. V. Tamquam
sponsus.
Responsoria: 1. Hodie nobis caelorum rex. V. Oloria in excelsis.
2. Hodie nobis de caelo. V. Hodia illuxit
3. Angelus ad pastores V. Invenietis.
4. O magnum mysterium V. Audietis usw. usw.
Die Schrift, die Neumierung und die Initialen machen wahrscheinlich,
daß die Handschrift einem süddeutschen Benediktinerkloster entstammt;
doch kann es auch in einem französ. oder nord-italien. entstanden sein.
Die. obige ausführiiche wissenschaftliche Beschreibung der ebenso
interessanten wie wichtigen und wertvollen Handschrift, verdanke ich der
Güte des Herrn Prof. Dr. Hugo Riemann in Leipzig.
189 Breviarium Benedictinum Breviarium Benedictinttm
completum IX.— X. saeculL completum IX.— X. saeculL
Manuscript on vellum with Manuscrit sur parchemin,
carefully executednotation contenant la musique des
of the melodies of the re- versets et r^pons des heu-
spansories and antiphonies res canoniales, soigneuse-
of the horary office in ment not6e en neumes
neumes (without lines)and (sans lignes) et accom-
Karl W« Hiersemann in Ldptigt Königsstrasse 3« Katalog 330*
Musik-Manaseripte. XIV.-XIX. Jahrh. 149
with a detaiied entry of the pagn^e des le^ons, orai-
lections, orations and ca- sons et capitula avec les
pitula, including the re- hymnes correspondantes.
spective hymns. 23500.— 23500.—
A detaiied and scientific descrip- Une description savante et d6tai]l£e
tion of this most impertant and vo- de ce manuscrit important autant
luable manuscript which I owe to qu'int6ressant due ä l'obligeance
the kindness of Prof. Dr. H. Rie- de M. Prof. Dr. Hugo Riemann de
mann is sent free on application. Leipzig, sera envoy£ ä toute per-
sonne qui en fera la demande.
190 Brevlariam ordinis fratrum minonim secundum consuetudinem
Romanae ecciesiae. Pergamentmanuscript aus d. XV. Jahr-
hundert mit Musiknoten. 218 Blatt in OroBfolio (wovon 4
auf Papier) (46,5 : 33 cm). Mit 29 großen prächtig orna-
mentierten Initialen in Blau u. Rot u. einer Unzahl von
kleineren. Modemer Ledbd. 520«—
Außer pag. 50—55, die von einer anderen Hand herrühren, ist das
Manuscript von ein und derselben Hand geschrieben. Leider ist eine An-
zahl der Pergamentblatter eingerissen, mehrere ausgebessert und einige
durch Papierblätter ersetzt Auch sind viele am unteren Rande bis zur
Schrift beschnitten. Gegen Ende der Handschrift ist das Pergament teil-
weise fleddg und stark vergilbt Laut dem beigefügten handschriftiichen
Inhalts-Verz. sollten es 227 Blätter sein, es fehlen folglich 7 Blätter.
191 Binzelblatt — Obere Hälfte eines zweispaltig beschriebenen
großen Blattes aus einem Brevier des X. Jahrhunderts. 100. —
1. Spalte mit Teilen aus den Officien Omnium Sanctorum 1. Nov.
(Schluß des 2. Noctum Responsorium u. V. Beati misericordes. Antipho-
nar In Matutinas Landes R. Saudi et justi v.) u. 2. Spalte, Anfang R.
Officium in Nat S. Martini 11. Nov. Ant ad Magnificat: O beat&m virum;
Invitatorium ,JubUemus deo''; In 1. Noct Antiphonar: Martinus ad neu.
Beatus Martinus. Ego signo cruds. Terra. — Auf der Z Seite (die
untere Hälfte des Blattes fehlt) weitere Teile derselben Officien. Schluß
einer Lectio „quod postea devotus implevif '. R. Hie est Martinus electus.
V. Sanctae trinitatis. Anfang einer Lection: Sed cum dictum esset, und
Z Spalte Schluß einer Lectio: de crastino non cogitabat R. Domine si
adhuc populo V. Domine si adhuc in eodem — Anfang einer Lectio:
Quodam namque tempore. Auf jeder der beiden Seiten je eine schöne
Initiale in dem deutschen Stile des X. Jahrhunderts (wie Einsiedel, Cod. 121,
Blatt-Ranken-Omament). Zugleich schöne Neumen in der Art der St
Gallener des X. Jahrh. In der Schrift fällt auf die altertümliche Schwän-
zung der Majuskel v (y) und die Zusammenziehung von V und S zu einem
Zeichen.
192 Blnzelblatt eines Breviers des XIII. Jahrhunderts, zerschnitten
und die beiden Teile verschieden stark beschnitten. Gehört in
die Officien S. Michaelis, beginnt zu Ende des 2. Noctumus
Karl W* Hicrsemann in Ldpzigf Kfinigsstrasie 3« Katalog 330.
ISO Musik-Manuseriple. XW.-XIX.Jahrh.
y,Emitte domine spiritum tuum^ und endet auf der 2. Seite mit
dem Responsorium y,Num quid scis quare venerim ad te.^
Deutscher Herlcunft Orobe Schrift und stark zu gotischer
Form fibergehende Neumen. Rundes s durchweg als SchluB-s.
45« —
193 Horariom cum calendario et canticis. Perg. 1510. 368 BL
kL-8. Ldb. m. Schi, 480.—
Lat Gebetbuch bayerischen Ursprungs, m. vollen Musiknoten zu den
Antiphonen und Responsorien. Von den Miniaturen sind noch 4 blatt-
große vorhanden, die die Darstellungen: Christus vor dem Hohenpriester,
OdBelung Christi, Beweinung des Leichnams Christi u. Christus am öl-
berg zum Gegenstände haben. Die Miniaturen haben in der Farbe u. Er-
haltung gelitten, sie verraten jedoch die Hand eines sehr geübten sfid-
deutschen Künstlers, dessen Namen vielleicht das Monogramm HC
enthält, das sich am Schlüsse hmter dem Namen des Schreibers Johannes
Tretter 1510 befindet Mehrere Bl. gebrauchsfleddg, an manchen Stellen
ist die Schrift verblaßt
Irmos ^d. h. der erste Vers, der den Inhalt und die Melodie
des Kirchenliedes anzeigt); siehe Abteilung: Manuscr. slavischen
Ursprunges.
194 Klrchengesangbuch für die Feiertage in linienlosen Haken-
Noten. Handschrift von 192 Blatt (21X33 cm), 26 Zeilen auf
der Seite, mit 14 blattgroBen Capitel-Titeln, 10 Kopfleisten, 10
Initialen, alle in Oold und Farben ausgeführt, femer einer blatt-
groBen Miniatur: Die Geburt der heiligen Muttergottes. Ende
des vorigen Jahrhunderts. In prächtigem, gleichzeitigen Oanz-
lederband mit Ooldpressung und Krampen. Eine hervorragende
Leistung kirchlicher Buchbinderarbeit. 200«—
Die Krampen sind modern, der Rücken ist ein wenig beschädigt, der
hintere Deckel hat eine Schramme.
Liederhandschrift Eine Jenaer. Vgl. Facsimiles No. 351.
195 Missale GaUicanum (sine Calendario), Pergamentmanuscript
von 142 Blatt in folio aus dem ersten Viertel des XIII. Jahrh.,
1200 — 1220 geschrieben in Schwarz und Rot in zwei Columnen
zu je 29 Zeilen in kräftigem gothischen Charakter. Mit Musik-
noten (Neumen) von einem französisch-englischen Schreiben
2400.-
Mit einer Miniaturmalerei: Der gekreuzigte Christus, links Johannes,
rechts Maria mit dem Heiligenschein. Johannes in langem Oewande
und in einen roten, gezackten Mantel gehüllt Maria, angetan mit einem
faltenreichen, mit breiter Goldborte besetzten Oewande und rosafarbenem
Oberwurf, im Gespräche mit dem sterbenden Heiland. In einer grünen
Umrahmung, mit Rot und Gold gehöht Größe der Miniatur: 8x13,2 cm.
Vier schöne, große, farbige Initialen mit Rankenwerk auf Gddgrund
Karl W. Hierscmann in Leipzigf Köfügsstrasse 3. Katalog 33(K
MasüfManaseripte. XlV.-XIX.Jahriu 151
und 8ehr vielen hübsch ornamentierten, mit der Feder gezeichneten Buch-
Maben in Rot und Blau, deren auslaufendes Rankenwerk sich größten-
teils mit auf den freien Rand der Blätter erstredet
Neuer brauner Maroquinband, auf dessen Vorderdeckel in Ooldscfarifl
steht:
MISSALE OALLICANUM
Written in France
about
A. D. 1200-1220.
Used in England
As appears from the service of St Edmund
being added at the bottom of a leaf
about A. D. 1400.
Das aus dem ersten Viertel des XUI. Jahrhunderts stammende Manu-
.script ist wohl erhalten und gut leserlich geschrieben.
Pontiiicale Romannm« Latein. Pergamenthandschrift mit
Noten; italien. Provenienz, aus dem XV. Jahrh.; siehe Abteilung:
Manuscripte italienischen Ursprunges.
196 Processionaire selon Fusage de Tordre deS. Dominicque.
4. Pour Dame Marie L^^rand 1621. Oleichzeitieer Kalbsleder-
band, Deckel mit ornamentiertem Mittelstuck und Rand-
einfassung in Ooldpressung, Ooldschnitt, seidene SchlieB-
bänder. 200.—
Titel u. 64 num. BU. Pergament -Manuscript des XVII. Jahrhunderts,
meisterhafte Handschrift in Schwarz, Überschriften und Initialen in Rot u.
Blau; außerdem geziert mit 9 größeren Initialen in Blau auf goldenem
Gründe. Titel in Rot, darunter das Ordenszeichen Aer Jesuiten von einem
Bandomament umschlungen.
Sämtliche Gebete mit den Musiknoten. Der interessante Eüi-
band hat auf dem Vorderdedcel über dem Mittelomament die Inschrift
„Tousjour ferme en la fo/', unter demselben „Dame Marie De Lacroix^,
der Rückendeckel oben „Anna", unten „1623".
197 Psalteriom ad usum monasterii ord. S. Clarae Ratisbonensis.
Ms. d. XIV. Jahrh. Perg. 324 Bl. Holzlederband a. d. Zeit m.
fragm. Beschl. K1.-8. 1600.—
Fol. 1—17: Vigilien u. Totengesänge. Fol. 18—23: Calendarium.
Fol. 24—244: Psalterium. Fol. 245—325: Laudes, Hymni et CoUectae.
Sehr schöne lat Handschrift deutscher Provenienz, deren Zuweisung
zur Regensburger Dioecese die Kalenderangaben zum 8. Jan. (Erhard)
u. 22. Sept. (Emmeram) rechtfertigen. Fast sicher anzunehmen ist, daß
das Psalterium für das berühmte Klarissinnenkloster resp. für eine
Schwester daselbst bestimmt war. Dies geht einerseits aus den für die
Totenfeier einer Nonne textierten Vigilien, andererseits aus dem auf
S. 244 befind!. Gebet u. dem S. 276 b befindl. Hymnus an die hl. Klara
hervor. Sehr interessant sind die gleichzeitigen handschriftlichen Zutaten
Karl W. Hiefscmann in Leipzig» Königsstr asse 3. Katalog 330.
152 Musik-Manuscripte. XlV.-XIX.Jahrh.
des Psalterium. Auf der Innenseite des Vorderdeckels befinden sich
landwirtschaftliche und Oesundheitsregeln in deutscher Sprache. Auf
Fol. 17b eine dreizeilige Beschwörungsformel: „Jebssa mater laice misco
misco memelo dusti mosti dichtiro. Eya smuscuz magret grus dich got
Katrusca/' Auf dem oberen Rande der meisten Blätter des Psalteriums
sind in kurzen deutschen Auszügen die Szenen der Passionsgeschichte
verzeichnet u. zw. von derselben Hand, die sich auf Fol. 242 b und 243 a
in einem Explizit in Form eines llzeiligen Gedichtes als die des nicht
näher genannten Sdireibers zu eikennen gibt Der Anfang des Gedichtes
lautet:
„Hie endet sich der salter
Den lis in din alter
So mach dine ende w(er) den gut
Vnd wird dine sele wol behuf ' etc.
Darauf folgen zwei deutsche Mariengebete von einer anderen, Jedoch
gleichzeit Hand. Die Musikbeigaben der Hs. bestehen in vdlseitigen
Gesangstexten der Vigilien u. der Landes auf Fol. 291b~324, femer
in den einseitigen Initien im Hymnarium. An bildlichem Schmuck ent-
hält das Psalterium 8 figurenreiche Miniatur-Initialen m. Szenen a. d.
Passionsgeschichte, reich in Farben auf leuchtendem Goldgrund von der
Hand eines geübten Miniaturisten ausgeführt
198 Receuil d'Aires. Collection de 49 chansons avec la musique
not^e. Manuscrit fran^ais en 8. du XVIII. si^cle, avec 1 titre,
1 frontis ice et 10 seines champ&tres pastorales, grav^es p.
Domina Demontigny. 112 pages. Anc reliure brune. 220.—
Jede Seite dieser graziösen Handschrift ist von einer zierlichen Ranken-
bordfire(in Kupferstich) eingefaßt Die gleichfalls gestochenen Bildchen
dienen zur Illustrierung der handschr. eingetragenen französ. Schaferlieder,
leichter, oft pikanter Liebeslieder des XVIII. Jahrh. Das Titelblatt ist
leicht koloriert
199 Recueii d'ariettes. Manuscrit du XVIII. si^le contenant en-
viron 700 ariettes, airs, chansons, bouffons, vaudevilles etc etc.
4. 639 pp. et 36 pp. pour la table. Veau ant ^callle. 135.—
Reichhaliige Sammlung von Arien, Arietten, Volksliedern, Gassenhauern
und Possen aus der Mitte des 18. Jahrh. Out leserlich geschrieben. Feder-
koloristisch und kulturhistorisch ebenso interessant wie für die Entwidce-
lung des französischen Volksliedes. Mit heraldischem Ex-libris der Biblio-
theque de Rosny.
200 Recueii d'ariettes en duo et ä voix seule dedi£ ä la plus
aimable des angeliques. Manuscrit fran^ais en 8® du XVIII.
si^Ie, renf. 46 chansons avec la musique not^e. Avec 1 fron-
tispice gr., le portrait de MHe Lucille et 4 aquarelles. 138 et
5 pages. Ancienne reliure rouge. (Maroquin). Tr. dor. HO. —
Jede Seite dieser Lieder- Handschrift enthält 8 Reihen Noten mit dar-
unterstehendem französ. Text Den Inhalt bilden die um die Mitte des
XVIII. Jahrii. beliebten Schäferlieder.
Karl W* Hicrscmann in Leipzig» Kfinigsstrasse 3* Katalog 330.
Tafel 23.
I I V
cicmmnffi
ilnn.vyinfi
ilnnnmiim
fttnniloni
poMiccfW
cmcim
faiuulivu:
omiuiim c
criion rtci]!
ninrhocfii:
tioicnnin
ipctiüun?
fiietil)utW
tcniodcoii
Q omuiu
ctincinmir
mvvuni<;c
ms ani
adiünvli
No. 195. MISSALE GALLICANUM. Christus a. Kreuze,
ca. 1200-1220 in Frankreich geschrieben.
Masik-Manuscripte. XIV.^^IX. fahrh. 153
201 Recueil d'ariettes^ chansons, epigrammes, madrigals etc.
Manuscrit fran^ais en 8^ du XVIII. si^le. 428 -|* 23 pages.
Reliure rouge anc tr. dor. (Maroquin). 120.—
Sauber geschr. Sammlung französ. Lyrik des XVIII. Jahrh., die Gedichte
y. Epigramme hier z. Teil an die frz. Hofgesellschaft gerichtet
202 Recueil de (484) chansons tant anciennes que modernes ras-
sembl^es par M. C D. M. L ou choix de po^sies liriques.
Manuscrit in-4. 1750. — 475 pp., 62 ff. de papier blanc et 15 ff.
pour la table. Veau ant ^caille, dos om€ tr. marb. 130. —
Sauber geschriebene, gut leserliche Sammlung französischer Lyrik im
Charakter der Zeit aus dem Anfange des XVIIl. Jahrhunderts und der
früheren Zeit Mit Ex-libris von L^on Duchesse de la Sicoti^re.
203 Recueil de chansons fran^aises du XVIIIe sitele. Manuscrit
de 228 pages. Avec 2 aquarelles ä la fin du volume. 8. (Paris)
1788. Ex-libris J. P. Aug. Boyto. 30.—
204 Recueil de plus de 200 chansons, contes en prose et en vers,
madrigaux et ^pigrammes du XVIIIe sitele. Manuscrit f ran^ais
d'une trfes belle Venture. Beriin 1786. V. cart. 329p. 80.—
Parmi ces pi^ces se trouve un 61oge du Roi de Prusse FrM6ric II.
Quelques unes sont £crites en caract^res allemands. Sur la demi^re page,
on lit l'inscription suivante: le 14. 8bre. 1786. Nossirab, ä Beriin. Quelques
chansons sont accompagn6es de notes musicales. Une table est ä la fin
de cet interessant volume.
205 Recueil de duos, romances et airs de guittarre. Schönes
Manuscript aus dem Ende d. XVIIl. Jahrh. mit Musiknoten.
4^ 200 S. Roter Ledbd. mit Ooldverzierungen u. Ooldsch.
US.—
Sammlung von 48 französ. Liedern u. Arien, zum Text mit Ouitarre-
Begleitung.
206 Recueil de duos, romdures, airs et arriettes, tir^es des op^ras-
bouffons. Manuscript mit Musiknoten ca. 1780. gr. 8^.
199 S. Ledbd. 95.—
Die schön geschriebene Sammlung enthält 45 Liebesduette aus französ.
komischen Opern damaliger Zeit
Karl W. Hierscmann in Ldpzlgf Königsatraisc 3« Katalog 330.
154 Manusaipte müäärisdien ^der naoäschen Inhaäs. XVI. - XVIII. Jahrh.
] Manuscripte militärischen oder nautischen
Inhalts: Portnlankarten etc.
XVI.— XVm. Jahrh.
207 Atlas der Kriegskunst. Pappband aus der Zeit um 1700
in Quer-8, umfassend 128 Seiten mit vielen hundert teils
schwarzen, teils kolorierten Federzeichnungen, die mit großer
Sorgfalt und Feinheit ausgeführt und wahrscheinlich in Deutsch-
land entstanden sind. 140. —
Die Zeichnungen stellen alle Arten von Befestigungs- und Verteidigungs-
werken, die verschiedensten Geschütze und Geschosse, Apparate zur
Pulverbereitung, sowie die zu jener Zeit bei den Genietruppen und beim
Festungsbau üblichen Werkzeuge dar. Einige Tafeln veranschaulichen die
Methoden zur Berechnung der Geschoßbahnen. Die erklärenden An-
merkungen sind m deutscher, französischer, italienischer oder nieder-
ländischer Sprache gegeben. Manches scheint auf selbständigen Entwürfen
des Verfassers zu beruhen, anderes dagegen aus militärischen Lehrbüchern
verschiedenen Ursprungs abgezeichnet zu sein. Der Autor war offenbar
ein höherer Offizier von umfassender tedmischer und wissenschaftiicher
Bildung. Von besonderem Interesse sind mehrere Festungspläne, die be-
rühmte Belagerungen aus dem Ende des XVII. Jahrhunderts ver-
anschaulichen: Ratzeburg durch die Dänen belagert 1693, Luxemburg durch
die Türken 1683, Luxemburg durch die Franzosen 1684, ebenso Philipps-
burg 1688 und Breisach 1687. Den Schluß bildet ein auf zwei Seiten ver-
teilter Plan eines Gefechtes zwischen Franzosen und Niederländern am
fHusse M^haigne in Belgien 1692. Zwei lose beiliegende Blätter enthalten
außerdem Entwürfe für verschiedene Taucherapparate und ein Hebewerk
für Geschütze.
208 Beschreibung der Königlich Preußischen Infanterie Evolutiones.
Manuscript mit gezeichnetem kolorierten Titelbild. 4^. Dat. 1774.
Reich goldgepreßter, gleichzeitiger roter Maroquinbd. m. Gold-
schnitt sowie schön, blauen Vorsatzpapier. 80. —
Kollation: Titelbild, Titel, 564 S. Text (fälschlich 561 numer.),
4 unnum. Bll. u. XVII S. Register.
Dieses kalligraphisch schöne Manuscript enthält nicht nur die Exer-
zier-Reglements, sondern auch die Garnison- u. Felddienst-Ordnung, auch
Strafgesetze u. die Art ihrer Vollstreckung (z, B. Spießruthenlaufen) etc.
M. dem goldenen Rückentitel: Reglement Auf dem Vorsatzblatt
steht geschrieben: Oberst von Voit 1789.
209 (Boot, Abr.) Joumael (ende origineel-handschrift) van
de Legatie, gedaen in de Jaren 1627 en 1628 by de Ed. Erent-
feste, Hoogh-Oheleerde, Voomeme seer discrete Heeren, R. v.
d. Honaert . . . ., A. Bieker . . . ende S. v. Beaumont ,
te samen by de Hoogh-gem. Heeren Staten Generael afgesonden,
op den Vrede-Handel tusschen de Coninghen van Polen ende
Karl W» Hicrsemann in Ltipzlgf Königfsstrassc 3* . Katalog: 330*
Maauseripte miUiärisdien oder nautischen InhaUs. XYl.-XVIlLJahHu 155
Swedetu Inhoudende cort en warachtich verhael, so vant gene
dagelyexis is gepasseert, de gantsche Reyse gheduyrende:
Als oock de moeyelyckheyt ende verscheyden empeschementen
op de selve Reyse voorgevallen. Vertiert met versch. kopere
Figuren: (ende versch. handtekeningen, kaarten en wapen) van
seeckere Battaillen, so te Lande als te Water, tusschen den
Sweden en de Polen ghehouden: Als oock vande vreemde
ghesteltenisse, so vant Landt als de Inwoonders in Polen, etc.
door A. B. een van de twee Secretarisen der selver Ambassade.
qu. 4. t'Amstebredam, by Michiel Colijn, 1632. Pergt 41200.—
Aus der handsdiriftl. Notiz auf der dem Text vorgesetzten handge-
malten Wappentafel geht hervor, daß A. B.=« Abraham Boot, einer der
Gesandtschaftssekretäre, nicht nur der Zeichner der im Text stehenden
Kupfertafeln etc. ist, sondern auch der Autor des „Journal''. Femer be-
sagt die Notiz, daß dieses vorliegende Exemplar aus dem Besitz von
Capelle van Schonauven ist; zuerst hatte es Naejeloten durch Comelis
Boot erhalten; des weiteren folgt die hochwichtige u. Interessante Mit-
teilung, daß in Frage stehendes Exemplar wahrscheinlich das
Original-Handexemplar von Abraham Boot ist; dies erhellt
aus verschiedenen Handzeichnungen u. Noten im Texte.
Geschmückt Ist dasselbe mit 38 Illustrationen u. 1 Karte, davon sind
12 ind. Karte in Kupfer gestochen u. 27 handgemalt; letztere ver-
teilen sich auf 13 Zeidinungen in Aquarell u. auf 14 Tuschzeichnungen.
Unter den Aquarellen befinden sich zwei Wappentafeln mit je 4 Einzel-
Wappen; 2 handgemalte u. 1 gestoch. Tafel betreffen Dänemark; 5 hand-
gemalte das ehemalige Polen, beispielsw.^ Warschau; je 3 handgem. die
heutigen Provinzen Ost- und Westpreußens; 4 handgem. u. 2 Kupfer-
stiche speziell den Regierungsbeziiic Marien werder; 1 handgem. das
Schloß der Stadt Brandenburg.
Exemplar mit durchschossenem Papier.
Kupfertafeln u. Karten, sowie Handzeichnungen folgen in nachstehen-
der Reihe aufeinander. Vor dem Titel: Wapenen van de Coninck-
rycken end Coningen die op dese Reyse besocht zyn: Denemarken,
Sweden, Norwegen, Poolen (Handzeichnung in Aquarell); fol. 1: Carta
Polonia (Kupferstich); fol. 1: 4 Wapenen (Aquarell) van den Gedepu-
deerden: Rochius van den Honaert, Andries Bicker, Simon van Beau-
mont, J. Rutger van Boetsdare, nebst Aufzählung der Personen u. ihrer
Amtstätigkeit, die an der Gesandtschaftsreise teilgenommen: Haer Ed.
respectiwe Edellingden Thomas von Honaert, Johan. Soop, Amout v.
Beaumont, Jon Adriaen, Frederick Alewyn, Willem von Soon, Anthonis
V. Beaumont, van Renes, van Aa Hr. v. Dorp.-Offiders van de Ambassade:
JudocusSchultsen en Abraham Boot, Secretarisenf Willem Craeck,
Hofmeister, Abraham Chirurgyn. Hans van Essen, en Anthonis
le Potre. Cocks. Engelbrecht Adriaens en Abraham . . . Botselliers. Jan
die Jonge, Keldermeister u. die Allgemeinbezeichnung, daß 10 „Dienaers'^
von Gesandten u. Edeln dabei waren. Fol. 2: Casteel Cronenborg (Kupfer-
stich). Fol. 4: Casteel Friedricksborg (Handzeichn. in Aquarell). Fol. 5:
Die Sweetse besettinge voor Reviere van Dantziek (Handzeichn. in
Karl W. Hierscmann in Leipzigf Königsstrasse 3« Katalog 33(K
156 Manuseripie mäUärischen oder naaüsehm Inhalts. XVL-XVUl.JahHi.
Aquarell). Fol. 6: De Pelauw (Pillau. Handzeichn. in Aquarell, dar-
stellend Hafen mit Minen u. Küstenbefestigungen). Fol. 10: De Stadt
Dersaw (Dirschau b. Danzig in Tuschzeichnung). Fol. 13: Poolsche
Truppen (Kupferstich). Fol. 16: Het basteel van Orvdents (Oraudenz.
Handzeichn. in Aquarell). Fol. 17: Het Raethuys van Thöm (Thom.
Tuschzeichnung). Fol. 20: Het Huys van den Borgemeester Bloem-Hoff
(Kupferstich). Fol. 25: De Stadt van Warsavw (Warschau mit einigen
Detailbezeichnungen, Tuschzeichnung). Fol. 26: Casteel van Bobrodnicky
(Bobrowniki?) en Casteel van Vladeslaefsky (Tuschzeichnung mit 2 Staf-
fagefiguren). Fol. 29: Het Dorp van Lubischöw (Luboczyn, Westpr.,
Kr. Tuchel) aen de zyde van des Paeps Huysinge. FoL 30: Lubischöw
van boven in te sien. (Tuschzeichnung mit kriegerischer Szenerie). Fol. 31 :
Sweetsche Schanse, op de Punct van't Hooft gelegt (Tuschzeichnung).
Fol. 32: Sweetsche Schans op de Weiselstroom (höchst interessanter
Kupferstich mit Erklärung der Stellung). Fol. 35: Battle at Dersaw
(Dirschau. Kupferstich mit „Verklaring^e van de Figure'O* ^o^* ^^'
Dersaw: Logemens van der Legatie (Tuschzeichnung mit Staffageper-
sonen, vierspänniger Karosse, großer kriegerischer Szenerie u. Hinrich-
tungen auf verschiedene Art zeigend). Fol. 44: Dersaw Treaty signed
(Kupferstich). Fol. 49: Medaille van Gustav Adolph (Aquarell). Fol. 54:
Ter scheyt (Kupferstich). Fol. 55: Het Sloth van de Stadt van Fischausen
(Fischhausen, Ostpr., Tuschzeichnung). Fol. 55: Het Slot van de Stadt
Brandenborch (Tuschzeichnung mit Staffagefiguren). Fol. 61: Seegefecht
vor Heia (Westpr., Rgb. Danzig. Kupferstich). Fol. 65: Pstedcken Hol-
landt (Kupferstich). Fol. 66: De Stadt und Casteel van Rysenburgh
(Riesenburg b. Marienwerder. Handzeichnung in Aquarell). Fol. 67:
Het Slot ende Domkerke tot Marienwerder (Kupferstich). Fol. 69: The
room when she treaty was signed (Kupferstich). Fol. 72: De Stadt und
Casteel van Stum (Riesenberg. Tuschzeichnung). Fol. 77: Het Casteel
Proysemark (Tuschzeichnung). Fol. 79: Eene sweetsche struyse (Hand-
zeidin. in Aquarell). Fol. 81: Het Tollhuys ende Dorp in de Pelauw
(Tuschzeichnung mit kriegerischer Staffage). Fol. 84 a: Civitas Epis-
copalis Plocensis in Polonia (Tuschzeichnung). Fol. 84b: Arx Civitatis
Episcopalis Vladis laviensis. Fol. 87: Ein bogenschieBender u. in voller
Ausrüstung zu Pferde sitzender Tartar (Handzeichn. in Aquarell). Fol. 89:
je 2 männliche u. weibliche charakteristische polnische Kostümfiguren.
Hinter dem jetzt folgenden handschriftl. Tafel-Index folgen viele weiße
Blätter; eins davon ist mit einem sich in voller Ausrüstung befindlichen
Ritter, wahrscheinlich das Porträt eines Mitgliedes der Gesandtschaft,
geschmückt (Aquarellzeichnung).
Ein Folioblatt, enthaltend die handschriftl. Widmung des Autors (A. B.
= Abraham Boot) an die „Edelen'' der Gesandtschaft u. das Druck-
fehlerverzeichnis zum Werke, liegt dem Exemplar bei.
Ein Werk, das sich in solcher Fassung wie das vorliegende repräsen-
tiert, mit seinen hochinteressanten gedruckten Mitteilungen u. seinen
originellen Handzeichnungen, dürfte nicht oft auf den Markt gebracht
werden. Der Umstand, daß u. a. die heutigen ost- u. westpreußischen
Städte u. Festungen das Ziel der Gesandtschaftsreisenden waren, u. daß
Karl W« Hiersemann in Leipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330.
Maausaipte miiäärischen oder natUisehm Inhaits. XVI.- XVIII. Jahrh. 157
sich um dieselben jene in Wort u. Bild geschilderten Kämpfe zu Wasser
u. zu Lande abgespielt haben, gibt dem Werke einen eminent hohen lokal-
geschichtlichen Wert
Kriegs- u. Marine-Interessenten, ja den interessierten Marinestaaten
selbst, kann das Werk zur Anschaffung angelegentlichst empfohlen werden.
210 Coehoom, Menno, Baron van, Voorbeelden van eenigen
Sterken Forteressen ende Steden. Originalmanuscript von 149
Aquarellzeichnungen unter Benennung der dargestellten Festungen
und Städte mit Angabe der Größenskala und der vielfachen
Einzeichnung einer Kompaßrose. Qu.-foK (ca. 1680). Pergt
340.—
Reiche und hochinteressante Sammlung von 149 mit der Hand ge-
zeichneten und in Aquarellfarben ausgeführten niederländischen (belgi-
schen u. luxemburgischen), deutschen, französischen, ital., russ., dän.,
Schweiz, u. turk. Festungs- und Stadtplänen. Dieselben sind entworfen
von dem berühmtesten niederländischen Ingenieur seiner Zeit — Menno
van Coehoorn. Derselbe wurde geboren 1641 auf einem Landhause bei
Leenwarden in Friesland. Seine Befestigungsmanier bedeutet eine Ver-
besserung der allgemeinen niederländischen Befestigungsweise. Coehoorn
u. der große französische Marschall und Verbesserer des Ingenieurwesens
Vauban waren zwar Zeitgenossen, aber Gegner in der Befestigungskunst
Die Einteilung der vorliegenden Festungs- u. Stadtpläne bezüglich
ihrer politischen Zugehörigkeit zu einem Staate, ist nach dem heutigen
Stand der Dinge gehandhabt, d. h. die Festungen, die z. B. zu Lebzeiten
des Coehoorn zum Königreich der Niederlande gehörten, aber heute zu
Deutschland gerechnet werden, sind unter der Rubrik des letzteren auf-
geführt. Diesem Verfahren entsprechend ist Holland (ind. Belgien und
Luxemburg) vertreten mit ca. 58 Plänen, Deutschland mit ca. 36, Frank-
reich ebenfalls mit ca. 36; die übrigen 13 verteilen sich auf Italien, Ruß-
land, Dänemark, Schweiz, Malta u. Türkei.
Von den deutschen Festungsplänen sind wegen ihrer vorzüglichen
Anschaulichkeit besonders zu erwähnen: Moers, Emmerich, Rees, Wesel,
Duisburg, Graue, Geldern, Hülst, Lingen, Meppen, Emden, Bremen,
Hamburg, Glückstadt, Ulm, Ravenstein, Elbing, Lübeck, Stralsund, Leipzig,
Stettin, Danzig, Thorn, Metz etc. Von den niederländ., belgischen und
luxemb. sind zu nennen: Utrecht, Venlo, Gorkum, Maestricht, Nimwegen,
Vlissingen, Antwerpen, Groningen, Helmstadt, Luxemburg etc. Von den
französischen: Brissac, Montauban, Soissons, Langres, Corby, Calais, La
Rochelle, Sedan, Nancy, Verdun etc. Von Dänemark ist Kopenhagen,
von Italien ist Turin noch erwähnenswert
Was die Ausführung der Pläne und die Erhaltung des Exemplars an-
belangt, so ist beides als durchaus gut zu bezeichnen. Soweit ich nach-
kommen kann, ist das Werk nicht gedruckt worden.
211 Diesbach de Belleroche, (Ph.-Ladislas, comte de), m^moires
sur rArtn^e prussienne, recueillies et r^dig^es par M. le
Cte. de D. de B., Colonel d'Infant, Lieut-Colon., Commandt
Karl W. Hicrsemaim in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330.
158 ManusaipU määänsdm oder imaäsdim InhaUs. XVL- XVIII. Jahrk.
d'un R6gt Suisse de son nom au Service de S. M. T. C,
Chevalier de l'ordre roy. et uil. de St Louis, lors de son voy-
age en Prusse, PAnn^e 1783. 122 pages manuscrites. 2 parties
en 1 vol. Rel. pl. en veau. Av. ex-libris. 95. —
Ce manuscrit, d'une Venture parfaite, est un interessant ouvrage sur
la composition et sur la tactique de l'arm^e prussienne au temps de Fr6-
d6ric-le-Orand. Ses prindpales divisions sont les suivantes:
le. ptie: Composition de l'arm6e pr. — Compos. d'un r^gi de
Mousquetaires. — Recrues. — Offiders. — Bas-offiders et caporaux. —
Invalides. — Tenue. ~ Founctions. — Grenadiers. — Milice. — Chas-
seurs k pied. — Corps de Cadets. — tcole Militaire. — Infanterie. —
Artillerie. — Cavalerie. — Offiders k la suite du roi.
2e ptie.: Tactique de l'Infant et de la Caval. — Manoeuvres. — Com-
binaison des diff^r. armes. — Relations de qques. batailles que le Roy
de Prusse a donn^es: Hochkirchen, Cunersdorff, CoUin, Zorn-
dorff, Prague, Lissa.
Le travail fut fait par un membre de la noble famille de Suisse qui
remonte au XlVe si^cle et qui v^cut k Berne et k Fribourg. Uauteur,
apr^s avoir servi sous les ordres de son p^re devint en 1785, par la r^signa-
tion de celui-d, propri^taire de ce mSme r^giment de Diesbach qui fit
avec la France les campagnes de Fontenoi, Oudenarde, Raucoux, Berg-op-
Zoom, Rossbach etc. et il campa au Champ de Mars en 1789.
Ex-libris armorid de A. de Planta Wildenberg, off. au R€gt Suisse
de Diesbach, 1784. A. St Omer.
Ce manuscrit n'a tr^s probablement jamais ^t^ imprim6.
212 Fusig, Andreas Christian, Manuscript von 378 halbseitig be-
schriebenen Folio -Seiten (32X21 cm), 37 äußerst sauber ge-
schriebenen Zeilen auf der Seite, das Rubrum mit zahlreichen
mathematischen Figuren bedeckt Die Pläne fOr Befestigungen
mit peinlicher Genauigkeit ausgeführt. 1683. Hprgt 75. —
Kollation: S. 1—52: Oeometria. S. 53—66 unbeschrieben. S. 67—107:
Trigonometria, Theoretica der flachen Triangulen. S. 108 unbeschrieben.
S. 109—131: Oeodesia. S. 132—157: Stereomebia. S. 158—161 unbe-
schrieben. Dann der wichtigste Teil des Manuscriptes, Seite 162—378:
Von dem Vestungs-Baw mit 85 sauber kolorierten Zeichnungen: Ansichten,
Grundrisse und Einzelheiten von Festungen darstellend.
213 (Helms, Franz), Feuer und Oeschfitzbuch. Ein Schönnes
Neuues Feuuer Buech, in sich begreiffendt die Arttolerey, Mu-
nicion, vnnd Feuuerwerkh zue machen . . . Auch vom Sallitter,
Schwebe], Kolena vnnd Pulfer, Feuuer Pfeilen etc Päpier-
ManuscripL 1591. Deutsch. 215 beschn Bl. Folio. Hpiig:tbd.
280.—
Das Manuscript — offenbar eine Kopie (nach dem Originalmanuscript
vor der Drucklegung hergestellt) der Arbeiten des in k. Diensten ge-
standenen Zeugwarts und bekannten Bfichsenmeisters Franz Helms —
enthält zumeist Vorschriften zur Bereitung von Feuerwerkskdrpem, Ord-
Karl W« Hierscmann In Leipzig, Kdnlgsstraisc 3« Katalog 330.
,Manus€fi0iimiimrisehin oder nautisdim Inhalts. XVI.-XVIlLJahrh. 150
nung des Büchsenmeisters usw; 31 flotte Federzeichnungen illustrieren
die pyrotechnischen Vorschriften in anschaulicher Weise. Helms sammelte
das Material in der ersten Hälfte des XVI. Jahrb., das dann als
artilleristischer Codex jener Zeit große Verbreitung fand. Das Werk, das
den Titel führte eines „Buchs von den probierten Künsten'' wurde zuerst
1625 gedruckt von Joh. Ammon unter dem lat Titel „Armamentum prind-
pale'' und dann wieder von dessen Sohn Clemens Ammon, Buchhändler
in Heidelberg im Jahre 1669. Sehr interessante Handschrift
214 Instittttions IVlilitaires de Tlnfanterie Prussienne en Tems
de Paix . . . Par Mr. le Comte de Schmettau ... 2 vols.
A Berlin 1773. 160.—
2 gleichzeitige Lederbände in 4<>, zusammen XXV u. 1156 numerierte
Seiten. Sorgfältig ausgeführte, vollkommen deutlich lesbare, tadellos er-
haltene, druckfertige und offenbar auch für den Druck bestimmte Hand-
schrift in französischer Sprache, für die Geschichte des preußischen Heeres
von hohem Interesse. Verfasser ist der Graf Friedrich Wilhelm Karl von
Schmettau (1742—1806), damals kgl. preußischer Oberst und Adjutant
des Prinzen Ferdinand, ein von Friedrich dem Großen hochgeschätzter
Offizier, der sich durch verschiedene Schriften zur preußischen Kriegs-
geschichte bekannt machte und zuletzt als Generalleutnant an einer in
der Schlacht von Auerstädt erhaltenen Wunde starb. Das Werk schildert
bis ins einzelnste alle Verhältnisse des preußischen Fußheeres, nament-
lich die Zusammensetzung der Truppen, ihre Rekrutierung und Unter-
haltung, die Bekleidung, Bewaffnung, Unterbringung und Ernährung, den
Gamisondienst im Frieden, die Disziplin, das Exerzierreglement und die
Manöver. Unter den Metiioden der Truppenbildung wird diejenige des
Obersten von Kalckreuth als die empfehlenswerteste hervorgehoben und
genau beschrieben. Jedem Bande ist ein ausführliches Inhaltsverzeichnis
vorausgeschickt Hier und da sind dem Texte erläuternde Zeichnungen
beigefügt Auch wird wiederholt auf zugehörige Tafehi verwiesen, die
indessen dem vorliegenden Exemplare fehlen.
215|Jotimal (original en Manuscrit) de la campagne de Mahon
sur le vaisseau du roy le redoutable command^ par monsieur
le commandeur de glandeves chef d'escadre partis (sie) de
Toulon le neuf avril 1756. 1600.—
Ungedrucktes Originalmanuscript von 573 Seiten in 4^, in zwei Leder-
bände gebunden.
Bd. I enthält das Verzeichnis der 20 Schiffe mit den Namen aller ihrer
Offiziere und mit Angabe der an Bord befindlichen Truppen (S. 1—46),
das Verzeichnis der Regimenter und ihre Verteilung auf die Schiffe
(S. 47->60) und die Signalordnung (S. 66-286); auf S. 267—285 sind
die Flaggen und Wimpel der Signalordnung zierlich m. Wasserfarben
abgebildet Bd. II enthält das eigentliche Tagebuch und reicht vom
1. April bis zum 1. September. Neben den Vorgängen bei der Flotte
werden darin auch die beiderseitigen Kriegserklärungen, die Kapitula-
tions-Artikel und andere Dokumente, sowie gelegentliche Nachrichten
Karl W. Hierscmann in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 33(K
160 Mottuseripte milUärisdim oder nauäsdun liüuüts. XVI.-- XVIII. Jahrh.
von anderen Kriegsschauplätzen mitgeteilt So enthält S. 429 Nachrich-
ten über die Wegnahme eines englischen Sdiiffes bei Martinique, S. 431
Bericht über Erfolge in Canada. Jedem Bande sind einige gedrudcte
Beigaben vorgebunden, seltene Flugblätter oder Plakatdrudce jener Zeit,
und zwar enthält Bd. I die Ordonnance du Roy portant d6daration de
Ouerre contre le Roy d'Angleterre du 9 Juin 1756, Plakat gedruckt in
Bordeaux von Simon de la Court; femer: De Mahon le 30 Juin 1756,
Flugblatt von 4 Seiten; — Extraordinaire. Relation de la prise des Forts
de Mahon fc Flugblatt von 4 Seiten, mit der Unterschrift: A Paris, du
Bureau d' Adresse aux Oalleries du Louvre, vis-ä-vis la ruc Saint Thomas,
le 17 Juilles 1756, und Detail de ce qui s'est pass6 le 27 Juin 1756
ä Tattaque des Ouvrages avanc6s du Fort S. Philippe. Flugblatt von
3 Seiten. Bd. II enthält: Vers au Roi sur son Assassinat commis ä
Versailles, le dnq Janvier de la präsente Ann^e 1757. Flugblatt von
4 Seiten, unterzeidinet Ragot de Lafon, premier huissier en la monnaie
de Bordeaux und gedruckt: A Bordeaux, chez Philippot Außerdem
liegt dem 1. Bande eine Federzeichnung bei mit der Aufschrift: Prise
de Port Mahon par le Mar^chal duc de Richelieu, eine Reproduktion
des Reliefs der Statue, die Ludwig XIV. in Bordeaux errichtet worden ist
Pr6deux manuscrit du XVIIl^ si^de compos6 de 573 pp. d'une tr^s
bonne 6criture et om6 de dix planches de pavillons dessin^es ä la
plume et ä Faquarelle.
Cette importante relation in^ite contient les renseignements les
plus pr^ds et les plus curieux sur la glorieuse campagne dirig^e par le
mar^chal duc de Richelieu. Les 6tats des vaisseaux, des troupes, des offi-
ders, plac6s sous les ordres du mar^dial, et les noms des passagers sont
tous inwaiir^B dans cet interessant manuscrit avec leurs noms et quali-
t6s. Les ^v^nements sont relat^s avec soin jour par jour. On lit sous
la date du mercredi 30 Juin 1756:
„La capitulation a iii sign^e hier 29 et, en cons^quence, la fr^gate
La Pl^iade est destin^e pour conduire ä Toulon M. le duc de Fronsac,
fils de M. le mardchal duc de Richelieu, qui va porter cette agr^able
nouvelle au Roi. Elle part ce soir pour remplir cette mission flatteuse.''
On a Joint ä ce manuscrit dnq pi^ces imprimdes (placards, opuscules,
etc.), relatives ä la campagne et au mar^dial de Richelieu et un joli
dessin original ä la plume, repr^sentant un des bas-reliefs de la statue
de Louis XV. sculpt6 sur marbre par Francer et reproduisant la prise
de Port-Mahon^
216 Journal du voyage depuis de la rivi^re de Oambie ä la rivi&re
de Sierra Lione inclusivement. 4120. —
Wohlerhaltene französische Papierhandschrift des ausgehenden XVI 11.
Jahrhunderts, enthaltend 8 beschriebene Bll. in folio mit gut lesbarer
Schrift Der Text schildert eine im Jahre 1786 unternommene Fahrt der
Corvette Rossignol von der französischen Festung Albreda an der Mün-
dung des westafrikanischen Flusses Gambia aus südwärts nach der Sierra
Leone-Küste. Das Schiff sollte geeignete Punkte für die Anlegung von
Faktoreien und Befestigungswerken aufsuchen und vermessen. Der Be-
Karl W. Hicrsemann in Leipzig, Königsstrassc 3. Katalog 330.
MamaeHfOi militärischm oder naatisdun Inhalts. XVI.^ XVIII. Jahrk. 161
rieht beschreibt eingehend die zahlreichen englischen Handelsnieder-
lassungen an jener Küste, die einer Liverpooler Gesellschaft gehörten,
zahlt die exportfähigen Produkte des Landes auf und verbreitet sich aus-
führlich über den damals dort blühenden Negerhandel. Auch die Be-
mühungen einer französischen Kompagnie mit dem Sitz in Havre, welche
auf den der Küste vorgelagerten Inseln Fuß zu fassen suchte, werden
dargestellt, ebenso die wechselseitigen Verwüstungen, welche der letzte
englisch-französische Seekrieg hier im Kolonialgebiet angerichtet hatte.
Ohne Zweifel ist das Dokument für die Geschichte der französischen
Ausbreitung in Westafrika von Interesse.
217 Salusbuiy, Ph. H. B., Military Histoiy. Original Ms. 209
leaves (and some blank leaves at the ena). With fancy col. title
page, maps, plans and illustr. 4. Halfmorocco. Ca 1890. 80.—
Out erhaltenes, leserliches Manuscript, anscheinend Ausarbeitungen
der in der II. Klasse 'einer englischen Militärschule gehaltenen Vorle-
sungen. Der Inhalt ist folgender: Allgem. Einleitung in die Kriegs-
geschichte. Studien über die napoleon. Feldzüge 1800, 1811 u. 1815.
Besonders eingehend werden Schlacht bei Marengo, Masserras Rück-
zug aus Portugal u. die Sdilacht bei Waterloo beschrieben. Femer Feld-
zug Frankreichs u. Italiens gegen Osterreich 1859 (Solferino). Sodann ein
größerer Aufsatz über die Gefechte bei Wildemess (Amerika), wo Orant
erfolgreich die Konföderierten bekämpfte (5.-26. Mai 1864). Das Ende
bilden Bemerkungen über Taktik, Strategik, Rückzug u. Verfolgung.
Zahlreiche sauber ausgeführte Karten u. Pläne erläutern die Schlach-
ten. Eingefügt sind Bilder Napc^eons, Schlachtenscenen u. 1 kol. Ansicht
von Solferino. —
Distinctiy written Ms., in good condition, probably the home work
connected with lectures delivered in Class II of an English military
College.
The Contents is as follows: General introduction to the study of
military history. Studies on the campaigns of Napoleon 1800, 1811
and 1815 with detailed description of Mass^na's retreat from Portugal
and the battie of Waterloo. Further the campaign of France and Italy
a. Austria 1859. Then a long artide on the battles near Wildemess
(America) where Grant defeated the Confederates (5—26 May 1864).
At the end notes on tactics, strategy, retreats and pursuits. Numerous
neatly executed maps and plans explain the battles and there are added
pictures of Napoleon, of battie scenes and a col. drawing of Solferino.
218 Statement of the affairs of the Navy 1689—1703, with
answers and replies of the Earl of Orford and observations
made by the Hon. the Commissioners of Accompts on the
investigation of the Earls accounts as Treasurer of the Navy.
Ms. Folio. 1703; vellum. 120.—
With exlibris of W. Bromley of Baginton.
Out erhaltene Handschrift von größtem Interesse für die Qesdiichte
der englischen Marineverwaltung.
English Ms. in good condition highly interesting for the history of
the administration of the English Navy.
Karl W. Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330.
. . 11
162 Manuseripte müitänsdien oder naatisdim Inhalts, XVL-XVllL Jahrh.
219 Stewart, William, course of fortification at the Royal Military
Academy. Manuscript 68 Tafeln. Imp.- Folio. (Woolwich)
1790. Kalbleder. 165.—
William Stewart, der spätere Generalleutnant in Westindien, San Do-
mingo und Ägypten, gibt uns in den vorliegenden Zeichnungen eine ge-
naue Anleitung der Anlage von Festungen und der Feldfortifikation,
welche sich hauptsächlich auf Vaubans System stützt Berücksichtigt sind
femer die Systeme von Cormontaigne, Coelhoom usw.
Die größtenteUs handkolorierten Tuschzeichnungen sind offenbar von
Stewart selbst hergestellt worden und verraten ehie äußerst geschickte
Hand. Für die Geschichte der Befestigungskunst im 18. Jahrhundert von
großer Wichtigkeit, da, ohne auf bestimmte Anlagen einzugehen, alle üb-
lichen Arten der Fortification in leicht faßlicher Weise veranschaulicht
werden.
Folgende Skizzen und Krokis liegen dem Bande bei:
1. Position of the troops encamped on the plains of Cysoing 1793
comm. by the Duke of York.
2. Plan of the attack of the camp of Famars 23. May 1793.
3. Entrenchments of the French at the bois de Bourlon near Cambray
in 1793.
4. Position of part of the Allied Army comm. by the Duke of York
near Menin. 25. IX. 1793.
5. Plan of the encampment at Wickham Bushes.
6. Attacks of Valendennes in 1793.
220 Stewart, William, Course of Artilleiy at the Royal Military
Academy. Manuscript 56 Tafeln. Imp.-Folio. Woolwich 1791.
Kalbleder. 180.—
Der Verfasser, welcher durch seine spätere Tätigkeit als Oeneral-
Leutnant in Westindien, San Domingo u. Ägypten bekannt ist, erläutert
uns hier auf den ersten 19 Tafeln die verschiedenen Arten der Artillerie-
Oeschützrohre und ihrer Teile, worunter sich unter anderem Berechnungen
für 4Vg-, 5Vt-, 8-, 10- und 13-zöllige Kanonen befinden. Tafel 20—30 ver-
anschaulichen uns die Bestandteile der verschiedenen Lafetten bis in die
kleinsten Details. Die folgenden Tafeln führen uns zu den Protzwagen.
Besonders hervorgehoben seien die Modelle zum Aufklappen von fol-
genden Geschützen:
1. Heavy Brass 24 Pr. on its Travelling Carriage (pl. 37).
2. 8 Juch Howitzer on its Travelling Carriage (pl. 37).
3. Sea-Mortar on its Bed. (pl. 52).
Die sämtlichen 56 Tafeln, von welchen der größte TeU koloriert ist,
führen uns in der anschaulichsten Weise in die ganze Kenntnis des Ar-
tilleriematerials des 18. Jahrhunderts ein.
Für die Geschichte der Europäischen Artillerie von größter Bedeutung.
Karl W* HiersemanA 2n Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330»
Mmiatann u. Initia^Maleni in Einzdblääenu XL--XV.Jahrh. 163
Miniaturen u. Initial-Malerei in Binzelblättem.
XI.-XV. Jahrh.
221 AbendmahL — Auf erstehung. Pergamentbl. v. 0,312 m Höhe
und 0,220 m Breite mit 2 Miniaturen der deutschen Schule des
XII.— XIII. Jahrh. Oben das Abendmahl: Christus sitzt mit den 12
Jüngern in einer romanischen Säulenhalle. In der Rechten hält
er das Brot, in der Linken den Kelch. Neben ihm sitzt Johannes,
zu seinen Füßen Petrus. Der Gesichtsausdruck aller Personen
und der Faltenwurf der reichen Tracht zeugt von feinem künst-
lerischen Verständnis. Zu beiden Seiten Christi hat eine viel
spätere Hand mit weißer Deckfarbe 2 Spruchbänder gemalt,
welche die Inschrift „Das ist mein Leib, das ist mein Plut^
tragen. — Unten die Ostergeschichte mit der Überschrift Resusu-
reccio. (!) Auf dem offenen Grabe Christi sitzen 2 Engtet mit
dem Schweißtuch. Daneben liegen drei schlafende Wächter in
Rittertracht Von links her kommen die 3 heiligen Frauen mit
Silbergefäßen. Auch hier ist mit weißer Deckfarbe ein Spruch-
band aufgemalt, dessen Inschrift aber unleserlich geworden ist
Auf der Ruckseite lateinischer Text liturgischen Inhalts von 3
verschiedenen Händen. 420* —
222 Aktfigur. — Bfisten. Pergt.-Blatt (auf Passepartout) vom
,4. Capitel* eines Rechtscodex. Hs. v. d. Mitte des XIV. Jahrh.
eng zur vor. No. gehörig. Mit Initialenschmuck u. 3 Miniaturen
von 2V2 cm° und 22X20 mm, beiderseitig beschrieben m. 2 Text-
u. 2 Commentar-Col. Bolognesisch. 125. —
Das erste Bild stellt einen unbärtigen jüngeren Mann vor, in ganzer
Figur, völlig nackt, der sich nach I. in geduckter Haltung bewegt Solche
Aktfiguren gehören in dieser Zeit, namentlich wenn es sich nicht um
Marterscenen oder um Biblisches handelt, immerhin zu den Seltenheiten.
Die Leistung bleibt denn auch hier hinter der Reife der Köpfe u. Ge-
sichter zurück, wie man sie besonders an den 2 Miniaturen unterhalb be-
wundert. Dieselben bieten im Rund des Buchstabens das Brustbild eines
jungej Mannes in rotem Kostüm, einmal direkt von vom gesehen, einmal
mit Kopfwendung nach 1. Man würde geneigt sein, diese Malereien
einer noch vorgeschritteneren Epoche zuzuweisen, wenn nicht das Blatt
offenbar mit No. 231 (unten) nah zusammengehörte. — Nicht zu über-
sehen sind, neben den farbigen Initialen und ihren Ausläufern mit großen
Goldpunkten umher, die zahlreichen, auf den beiden Hauptcolumnen allein
24, rot-blauen, auf den Rand heraustretenden Initialen, welche die
Feder des Schreibers mit einem ganz feinen, dichten, in sich geschlossenen
Ornament-Gewebe bekleidet hat
223 Anklace. Ein kniender Geistlicher bringt dem sitzenden Bischof
seine lOage vor. Hinter ihm drei verschieden gekleidete Kleriker.
Goldgrund, Rot, Blau, Schwarz, Rosa, GrQn. Unterhalb der
Karl W« Hiersemann 2n Leipzig» K&nlgsstrasse 3« Katalog 330»
IM Mimäätfm u. InäüO^Maleni in EkuääHUkm. Xl.-XV.Jahrh.
Darst. eine Initiale P m. Blattomament u. rechts u. links ziehen-
der Ranke. 70X75 mm. XIII. oder XIV. J^rh. Französ. Perg.
A. einer Hs. kirchl. Dekretalien. Künstlerisch hochbedeutende
Arbeit, wohl aus der Schule Ludwig des Heiligen. 360.—
224 AusgieBung des HL Geiste«. — Die Madonna in blauem
Oewande, mit Oold gehöht, auf einem goldenen Throne sitzend.
Heilige in reichen Oewändem scharen sich zu beiden Seiten
um den Thron, ihre Blicke im Oebet nach der über dem Throne
schwebenden weißen Taube mit Glorienschein, d. Symbol der
Ausgießung des Hl. Geistes, richtend. Darunter die Initialen
D und E in zieriicher Ausführung^ in Farben und Gold sowie
vier Zeilen Text. Umgeben ist das Ganze von einer breiten
Bordüre, bestehend aus reichem Band- und Rankenwerk, Blatt-
und Blütenomamenten, die von kleinen Vögeln belebt werden.
Die Rückseite zeigt Text mit 3 kleinen Initialen in Gold auf
farbigem Grunde, sowie eine 15 mm breite Bordüre aus Ranken,
Blatt- und Blütenwerk in Farben, mit Gold und Silber (letzteres
stark oxydiert) gehöht Größe des ganzen Blattes 9,4X13,2 cm.
Aus einem Livre d'heures in latein. Sprache a. d. 1. Hälfte des
XV. Jahrh. aus dem nördlichen Frankreich stammend. 160. —
225 Christkind. — Zwei Pergt.-Blätter, Fol., latein. Hs. beiderseitig
in 2 Col. beschrieben, aus einem süddeutschen, fränkischen
Meßbuch des XV. Jahrh. Mit prächtiger Bildinitiale u. Rand-
leiste. 75.—
1. Bl. altpaginiert Zu oberst fast quadratisches Feld (5 X 4^/« cm) mit
Ooldgrund, von schmaler grün u. blauer Leiste eingefaßt Darauf große
Initiale P hochrot mit gelblichem Ornament Im Innern das Jesuskind
auf grünem Rasen sitcend, die Hände etwas erhebend. Auf d. Gold-
grund ist mit der gelblichen, hier kaum sichtbaren Farbe der Nimbus
aufgemalt sowie ringsum eine feine Zackenlinie. Die ganze Seite herab
zieht sich als Randleiste ein reiches Rankengebilde, streckenweis in der
Farbe wechselnd, und zu weit ausgezackten Phantasieblättem sich ge-
staltend, mit ebenso frei behandelten Blüten an den Nebenzweigen.
Farben blau, zweierlei rot u. etwas gelbbraun, dazwischen überall große
Silberpunkte, von roter Federstrichelung sternförmig umgeben.
2. Schlußblatt des Buches, altpaginiert 249. Am Ende der kalligra-
phische Vermerk: L. Doc Speciale sc'ptü S (= scriptum est) in
Feuchtwang Anno 1481.
226 Figur aus e. Qerlchts-Scene. Pergt-Blatt in Fol. (auf Passe-
partout), beiderseits sehr schön in 2 CoL geschrieben, aus
einem juridischen Codex. Mitte XIV. Jahrh. Mit Miniaturbild
(fast 3V2 cm°) u. Zierieiste. Bolognesisch. 36. —
Innerhalb eines rosa Q auf blauem Grunde Halbfigur einer jugend-
lichen, wie es scheint weibl. Person mit Stirnband im langen Haar;
karmoisinrotes Oewand mit engen Armein. Den Blidc nach der rechten
Karl W* Hiersemann in Leipzigs K&nigsstrasse 3* Katalog 330»
Müuatam u. Initial-Malerd in EinzMätUm. XL-XV.Jahrh. 165
Seite gewendet erhebt sie die rechte Hand beteuernd im Sinne der Ab-
lehnung, die innere Handfläche nach außen. Sorgfältige Modellierung
der Fleischteile, einigermaßen auch bei den Ornamenten des Buchrandes..
Vgl. a. nächste Nr.
227 Figur aus e« Gerlchte-Scene* Pergt-Doppelblatt in Fol. auf
Passepartout zu dems. Codex gehörig wie vorige No. Miniatur
(ca. 4^8X4 cm), Randleiste u. zahlreiche kleinere gemalte Initialen
auf den 8 Columnen. Mitte XIV. Jahrh. Bolognesisch. 42. —
Auf blauem Grunde, mit etwas weißer Musterung, steht ein großes
graues (weiß ornamentiertes) C mit weißem Innenring; darin eine jugendL
wohl weibl. Person in Halbfigur, in hohem, hemdartigem rosa Armel-
kleid, ohne Gürtung; unter lebhaftem Ausdruck des seitwärts (nach r.)
blidcenden Gesichtes, die 1. Hand in Brusthöhe erhebend zur Abwehr
oder z. Beteuerung des Gegenteils. Charakteristisch, noch mehr als bei
vor. Nr. die bleichen Untertöne des sehr gut gezeichneten u. modellierten
Gesichts. — Die Buchstaben sind in der Zeichnung einfach, doch in der
Tonstärke anschwellend mit andersfarbiger Unterlage an d. einen Rande;
sie gehen gewöhnlich in ein großes Blatt über, mit oder ohne fadenförmige
Fortsetzung der Kurve. Die Blätter, von einfachem oder mehr akanthus-
artigem Zuschnitt stehen durchweg im Profil und sind an der Spitze
aufgebogen, auch an der Randleiste, an deren Stamm (einer hohen Stange)
sie ansitzen mit roten Knöpfen und Knoten abwechselnd. Farben: grau,
blau, karm.-rot, rosa, weiß; kein grün. Ebenso bei vor. No.
228 Die Hl. Genofeva. Pergt.-Ausschnitt 3X3,4 cm auf Passept
Überschrift (in Rot): De sancta Genofeva. Die Heilige, an dem
lang wallenden flachsblonden Haar kenntlich, reich gewandet
in Kot, Blau und Gold, schreitet mit Buch und langer Kerze
in der Hand nach links. Der /ußboden in zweieriei Grün
nach Schachbrettart gemustert. Über dem Haupte der Heiligen
kämpfen ein Engel und eine satanische Gestalt um deren Glo-
riole. Den Hintergrund, über welchem der blaue Himmel sicht-
bar wird, bildet eine ausgespannte Draperie, matt rötlich, mit
(trotz des kleinen Maßstabs) prächtig dargestelltem Gold-
Ranken-Omament. Das Ganze goldumrandet. — Daneben kleine
Initiale U in Blau, Violett und Weiß, hübsch ornamentiert, auf
goldgehöhtem Untergrund. — 1. Viertel des XV. Jahrh. 36*—
229 Gerichts-Scene. Pergt.-Blatt des XIV. Jahrh. mit Miniatur- u.
Initialenschmuck. Lat. Ms. aus Justinians Digestum Novum.
Gotische Minuskel in 2 Haupt -Col. u. 2 Neben -Col. für den
Commentar. Fol. auf Passepartout. 200.—
Das Bild (6^/sX5Vs cm) stellt auf blauem Tapetengrund eine Oe-
riditsscene dar: der Richter (a) auf einer Art Holzbank sitzend, links
kniend ein Diener (b) mit den strittigen Wertobjekten; rechts eine Frau
(c) auf den Hinweis des Richters lebhaft erwidernd, dahinter (d) ein
Mann. Die Gesichter bei richtiger Zeichnung farblos, auch das Haar
Karl W* HiersemanA in Leipzigs Köiügsstrasse 3* Katalog 330*
166 Miniaturen u. IniHal-Malmi in EinzdbläOem. Xl.-XV.Jahrh.
nur durch Linien angegeben. In der Tracht, wo der Faltenwurf recht
gut, fällt eine gewisse Oleichmäßigkeit auf, im Zuschnitt der langen Ge-
wänder mit herabgelassener Kapuze, welche den Hals u. e. Teil der
Brust frei läßt: a) hellbraun, b) grün, c) hellrosa, d) karmoisin. Die
Scene ist ungeachtet der noch altertümlichen Technik ungemein lebendig
durch Ausdruck und Haltung der verschiedenen Personen. — Darunter
große Initiale E fast 3^/^ cm groß, auf blauem Grunde, welcher innen
bei d. Blätterschmuck mit Gokigrund abwechselt Ahnlich ist eine kleinere
Initiale E im Commentare behandelt Alle drei Malereien sind von
du'nkelem Goldrand umgeben, sowie feinem goldenen Blattwerk; Typus:
das kleine dreiteilige, im Mittelteil längliche Blättchen, mit Dom oder
Faser an d. Spitze. — Der Stil scheint englisch-französisch.
230 Der Heilis^e Hieronymas mit dem Löwen, in der Rechten ein
Gebetbuch haltend, die Linke dem Tiere reichend; er steht auf
grünem Rasen. Mit braunem Mantel, weißer Kapuze und breit-
randigem braunen Hut Das Haupt ist von einem Nimbus um-
geben. Rechts und links steht ein gothischer Text, ebenso auf
der ganzen Rückseite. Das Blatt stammt wohl aus einem
Breviarium des XV. Jahrh. (1. Hälfte). Größe 13V«X9 cm. 55.—
231 Streit- u. Gerlchts-Scene zwischen Klerikern, nebst an-
deren Miniaturen. Pergt.-Blatt in Fol. (auf Passepartout), aus einem
Rechtscodex (,Cap. 4*). Hs. v. d. Mitte des XIV. Jahrh., Bo-
lognesisch, m. 4 Miniaturen, z. T. auf Goldgrund. In 2 Text-Col.
mit 2 schmäleren, z. T. herumgreifenden Commentar-Col. Bilder-
größe 8V,X778 cm und 2VbX3 cm°. 220*—
Von d. 3 kleineren Bildern stellt das oberste (im Commentar) in roter
Initiale O auf blauem Grund den geistiichen Richter in Ornat u. Bischofs-
mütze dar; Brustbild; das 2. (im Text) in rosa Q auf Ooldgrund das Brust-
bild eines weltlichen Fürsten; das unterste einen Mönch der wie aus
einem Fenster aus dem grauen Q (auf bl. Grund) ein grünes Spruchband
herausreicht mit d. Aufschrift Q. O. T. Das Hauptbild, über No. 2,
dient zur Illustration des Textes, welcher so anhebt: ,Quidam sacerdos
in crimine camis lapsus esse perhibetur antequam sacerdotalem benedic-
tionem consequeretur: postquam vero sacerdodum adeptus est, in furore
versus quendam (etwa den Angeber oder Mitwisser) interfedt' Das
Bild dreifach geteilt nach Art einer Halle mit Flachbögen als Dedce, dar-
über Andeutung von Gebälk u. flachen Kuppehi. Die erste Abteiig. links
zeigt auf Goldgrund den geistlichen Richter: älteren Mann auf Kissen
sitzend; die nächste auf bl. Grund einen Mönch mit Buch in der Hand,
welcher offenbar zu Ungunsten des zweiten, dahinter sichtbaren, aussagt
Er wird von jenem im nächsten Fekle (auf bl. Grund) ermordet; die
Identität wird durch Tracht und Farben bestimmt, nur daß der Mörder
hier noch ein graues Gewand über das erste geworfen hat — Die Malerei
hat noch manches Altertümliche; charakteristisch die sehr kleinen Füße.
Große Goldpunkte sind um die Malereien zerstreut — Vgl No. 222.
Karl W. Hiefsemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330»
Miniaiarm u. Iniäal-Maleni in Einzäbiääem. Xl.-XV.Jahrh. 167
232 Blldinitiale A. Buchstabe in Schwarz und Farben ausgefflhit
Darüber groteske Zwerggestalten, unten geflfigelter Engels-
kopf, ebenfalls in mehrfaroiger Ausführung. OröBe 22V|X23 cm.
Aus einem wahrscheinlich Böhmischen Chor-Buch aus dem Ende
des XV.Jahrh. Linksseitig wenig beschnitten. 36. —
233 Blldinitiale A m. Maria Verkündigung. Aus einem Anti-
phonar von ca. 1450. Noten u. einiger Text auf der Rückseite
des Blattes lesbar. 65. —
A sehr schön u. reich in mehrfarbigem Blatt-, Blüten- u. Ranken-
werk ausgeführt Goldgrund, rechtsseitig u. oben von einer Art Perlen-
schnur eingefaßt In der Mitte Maria, von einem Engel mit Lilie die
Verkündigung empfangend. Von links oben her Ooldstrahlen und eine
weiße Taube, beides in der Richtung auf Maria zu. Auf dem dunkel
getafelten Fußboden stehen vorn die Worte Ave Maria Ora. — Größe
ITxlT^/s cm. Auf der Rückseite des Blattes auf hellbraunem Grunde
ein großes U in Rot, Blau, Weiß u. Schwarz mit Ranken verziert
234 BUdinitialen C» D u. S. Italienische Miniaturen d. XIII. Jahr-
hunderts um 1250.
1. Initiale C mit einer gedrängten Darstellung von Christi
Himmelfahrt in Halbfiguren 42X48 mm. Z Initiale D mit der
Halbfigur Johannes des Täufers 40X37 mm. 3. Initiale S mit
einer Gruppe von Halbfiguren, die AusgieBung des HL
Geistes darstellend, Maria und Petrus im Vordergrunde. Ver-
mutlich sind alle 3 Miniaturen aus demselben Codex. 185. —
Dedcfarbenmalerei auf Pergament, das auf Papier geklebt Farben:
blau, weiß, braun, rot, grün auf einem gehöhtem Goldgründe.
Das Oold ist etwas abgerieben.
235 Bildinitiale D in Blau, mit Weiß ornamentiert und abgesetzt,
auf ziegelrotem, feinkarriertem und mit kleinen weißen Sternchen
besetztem Untergrunde, der von einem 3 mm breiten Gold-
rändchen eingefaßt wird. Die Ausläufer endigen, besonders
nach unten, in äußerst geschickt u. geschmackvoll angeordnetes,
mehrfarbiges Ranken- und Blattwerk auf goldgehöhtem Grunde.
Auf der unteren Ranke drei groteske Gestalten, halb Mensch,
halb fabelhaftes Getier.
In d. Initiale selbst, auf goldgehöhtem Grunde mit einpunziertem
feinen Rankenwerk, die Darstellung der Geburt eines geheilig-
ten Kindes vermutlich Christi, (Mutter, zwei Frauen und Kind,
letzteres wird in einem Fasse gebadet) ausgeführt in 6 Farben.
Ein hervorragendes Stück, sehr gut erhalten, aus einem
Antiphonarium der 2. Hälfte des XIII. Jahrhdts., wohl aus der
Feder eines burgund.- französisch. Meisters stammend. Größe
IOVbXöI cm. (Die ganze Länge des Rankenwerices ein-
gerechnet). 280.—
Karl W. Hicnemann 2n Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330*
1^ MUuatum tu Initial-Malmi in Euuuibiaäem. Xf.-XV. Jakrk.
236 BUdinitiale D in Rot, mit Weiß abgesetzt, der Ausläufer
endigt in grünes Blattwerk. Ooldgehönter Untergrund In
der Mitte St Augustin mit Symbol. Im Hintergründe sieht
man e. mit Burgen bebaute HOgelkette. Größe 5ViX6 cm.
Schönes Stück aus dem Z Drittel des XIV. Hdts. 140.—
237 BUdinitiale D m. Darstellg. König David's. 3^X3V. cm.
Mitte des XV. Jahrh. Sehr gutes Stück. 32.—
D aus großem vergoldetem Blattwerk gebildet, auf blauem Gründe
mit Oold-Omament. Darinnen steht als Dreiviertelfigur in Steinfarbe
(wohl nach einem Skulpturwerk) König David, das bekränzte Haupt
etwas zurüdcgeworfen, mit der Linken das Psalterbuch geneigt vor die
Brust haltend, in der halb gesenkten Rechten die Harfe. Das letztere
Objekt, der Buchschnitt und Gewandsaum sind vergoldet; Goldpunkte
über dem Haupte deuten auf ein Diadem. Mattrötlicher gc^dgemus-
terter Hintergrund und davor grüner Rasen.
238 BUdinitiale B. — Aus einer Bibelhandschrift. Bildinitiale E
mit der Darstellung des Ezechiel u. omam. E-Initiale 80X75,
resp. 50X55mm. Deutsche Arbeit des XIV. Jahrh. 130.—
239 BUdinitiale B. — Christus als Weltrichter auf drei
Regenbogen in zweistreifis^em rechteckigen Rahmen sitzend.
Der Hintergrund der Initiale gemustert, die Initiale selbst auf
Goldgrund, die Lichtung blau. In der oberen linken Ecke
zwei posaunenblasende Engel, unten rechts u. links erheben
sich aus gelben Steinsarkophagen 5 betende Gestalten. 195X170
mm. XIV. Jahrh. Deutsch (Bayern). Perjg;. Titelbl. zu einem
Schöffenbuch. Der Text auf der Rückseite beginnt: und den
benannten allen zu einander vnd swer danne vrager ist zu dem
selben male. 600. —
Sehr wertvolles Blatt von vorzüglicher Ausführung.
240 BUdinitiale F. Der h. Hieronymus, sitzend, in der Hand das
Kreuz, vor ihm der Löwe. Auf Goldgrund die doublierten
Säulen des Buchstabens in violetter Farbe, durch die Säulen
schlängelt sich ein blau-grun gehaltenes Blattomament Von
dem 100 mm breiten und 165 mm hohen Buchstaben zieht ein
210 mm langer, verzweigter Ausläufer auf Goldgrund nach
unten. XIV. Jahrh. Deutsche Arbeit Perg. Prologusbl. einer
lat Bibel. Hervorragend schönes Stück. 320. —
241 BUdinitiale mit St Michaels Kampf. Aus e. Meßbuch
von ca. 1440. Von ungemeiner Frische der Erhaltung. 11X9 cm.
95.—
Großes F, violet u. grün, weiß ornamentiert, auf goldgehöhtem Unter-
grund. Der Erzengel auf freiem Felde im Kampf mit dem Teufel. Der
Heilige, mit Schwert u. Schild bewehrt, ü-ägt unter dem Panzer einen
roten, goldpunktierten kurzen Waffenrock, entsprechenden Schutz an
Karl W. Hlefsemann in Ldpzlg» Königsstrasse 3* Katalog 330»
Miniaiann u. fnitial-Malemen in Einielblääem. Xl.-XV.Jahrh. IM
Beinen und Füßen, welche jedoch teilweise durdi ein blaues Untere
gewand verdeckt werden. Oben an dem tiefblauen Himmel Engelsköpfe
und kleine Strahlengruppen in der metallisch-gelblichen Farbe wie der
Panzer. Die Hügel und Burgen im Hintergrunde sondern sich in drei
Pläne, die vordersten braun, dann dunkelblaue, dann hellblaue gegen
den lichten Horizont
242 Bildinitiale G, m. Darstellung der betenden Maria. In Oold
und Farben. Aus e. Antiphonar, ital., XV. Jahrb.; m. Musik-
noten. Fol. Sehr schöne Darstellung. Das Oold an einigen
Stellen abgesprungen. 140. —
243 BUdinitiale N, m. d. Darst. d. hl. Petrus, 10X9 cm. Fol.
Teil e. Blattes a. einem Antiphonar ital. Provenienz, m. Musik-
noten. XIV. Jahrh. Etwas fleckig. 48.—
244 Bildinitiale. Biblische Scene. Großes O auf Goldgrund,
10X10 cm. Ausschnitt aus einem pergamentnen Chor- oder
Meßbuch von etwa 1400. Auf Passe-partout J80. —
Der Buchstabe rot in zweierlei Abtönungen, weiß abgesetzt, hat oben
nach links hin eine Fortsetzung in Gestalt eines großen Akanthus-Blattes
und erscheint außen wie mit großen stahlblauen Metall-Beschlagen ver-
ziert In dem blauen Innengrunde sieht man von rechts her zwei Ge-
stalten schreiten (leider beschädigt), die vordere offenbar bejahrt, die
andere, kleinere lebhaft zu ihr sprechend. Links dahinter auf dem gleichen
(als sandig oder felsig gekennzeichneten) Terrain ein gesattelter Esel
an einen Baum gebunden, dessen Krone die Form eines großen dunkeln
Olivenblattes mit roten Blüten darinnen aufweist
245 BUdinitiale O — mit der Pietä — . Blau, mit Weiß leicht ab-
gesetzt, auf rotbraunem, mit Oold gehöhtem Grunde. In der
Mitte sitzt vor dem Kreuze die Mutter Maria, den vom Kreuze
genommenen Heiland im Schöße. Zwischen grünen Hfigeln
führt ein Weg zu der Stadt (Jerusalem?) im Hintergrunde. Größe
3,1X2,3. Ca. 1450. 36.—
246 Bildinitiale O — mit Madonna — aus großen Blättern ge-
bildet, in Gold u. Braun; gleicher Untergrund, mit feinen Ranken
in Gold verziert. Darinnen steht als ^/^ Figur (bis zu den Knien)
die Madonna in blauem Gewände mit dem Kinde. Größe
3,2X3V« cm. Mitte XV. Jahrh. 30.—
Zierliche hübsche Arbeit
247 Bildinitialen P, G u. C. 3 Initialen rheinisch-burgundischer
Schule, ca. 1400. 1. Initiale P, Maria als Kind im Tempel in
einem Buche lesend, im Hintergrunde Golgatha. Deckfarben
in Grün, Blau, Rot und Weiß m. Goldhöhung. Wohl Kölnische
Schule. 52X49 mm. Z Initiale G, den Hl. Franz von Assisi
darstellend. Golderhöhung, Buchstabe Blau, Weiß und Rot
Karl W. Hiersemann in Leipzig:» Kftnisfsstrasse 3« Katalog 330»
170 Miniaturen u. IniHal-Malem in Einzdblääem. Xl.-XV.Jahrh.
mit goldenem Kreuze auf dunkelbraunem Untergrunde mit
reicher Ooldrankenverzierung. 68X67 mm. 3. Initiale Q mit
dem Apostel Andreas. Ooldgrund. Initiale in Rosa und
Dunkelrot mit grünen, blauen und goldenen Ornamenten ver-
ziert Porträt auf goldgeziertem schwarzen Grunde in OrQn,
Blau, Rot und Braun, mit Buch und Kreuz. 85X90 mm. ISO. —
248 Bildinitiale P. — Bildinitiale zu den Acta apostolorum: Der
h. Johannes schreibend. Links zieht sich der lange, orna-
mentierte Schenkel des Buchstabens P nach unten. 70X65 mm,
Länge des Schenkels 250 mm. 150. —
Aus einer deutschen Bibeihandsdirift des XIV. Jahrhunderts. Bei-
gelegt 2 BU. ders. Bibel. Am Beginn der Prologs zu den Acta apost
eine reich omam. Initiale L in Oold und Farben.
249 Bildinitiale P — mit ein. Heiligen — in Blau und OrOn, mit
Gold u. Silber gehöht, letzteres stark oxydiert Roter Unter-
grund. In der Mitte Heiliger in faltenreicher Gewandung, die
rechte Hand auf die Bibel l^end, doppelter Heiligenschein um-
strahlt ihn. Schöne Arbeit, aus einem Antiphonarium von ca.
1400, wahrscheinlich englischer Herkunft Größe 11X11 cm.
1«.-
250 Bildinitiale P» mit Christi Auferstehung, auf Goldgrund.
Miniatur auf Pergament in einer Initiale. Auf der Rückseite
Musiknoten und Buchstaben, und Teil einer großen, ornamen-
tierten Initiale. Wohl aus d. XIV. Jahrh. Bildgrösse 10X8 cm.
60.—
Der Buchstabe ist in zwei dünne verschlungene Streifen zerteilt,
welche, der Länge nach die Farben blau, rot, weiß, schwarz neben ein-
ander zeigen. Die Christusfigur, mit grünem Nimbus und flatterndem
Mantel, steht über dem offenen Grabe, mit der Kreuzfahne in der Unken,
die Rechte zum Segen erhebend. Am Körper sind die fünf Wundenmale
sichtbar. Mit schwarzem, braunem, rotem und weißem Rande und gol-
denem Hintergrund.
251 Bildinitiale mit dem Porträt Petrarcas. Brustbild nach
rechts, in violettem Kapuzenmantel mit blauen Armein, fiber die
Stime ein Lorbeerkranz, in den Händen ein rotgebundenes Buch.
Das Bild befindet sich innerhalb einer goldgehöhten Initiale E,
deren Gerüst sich fast kreisartig zusammenschließt u. in gelb
gehöhtem Grün mit rotem Akanthusomament gehalten ist
Von der linken oberen und unteren Ecke zieht je ein rdch
ornamentiertes m. Vogel- und Menschenfiguren staffiertes Blatt-
omament nach den vier weißen Rändern. An der unteren
Randfläche ein — leider unkenntlich gewordenes — Wappen
mit zwei schwarz-weiß gefleckten Hunden als Schildhaltem.
Größe des Initials 75X80 mm, der linken u. rechten Randleiste
je 310, der oberen und unteren je 210 mm.
Karl W« Hicfsemann in Ldptig« Königsstrasse 3« Katalog 330*
Miniaiwm u. Initial-Malem in EinxdbUUtem. Xl.-XV.Jahrh. 171
Mitte d. XV. Jahrh. Ital. Perg.-Bl. aus einem Codex, enthaltend
den Anfang von Petrarcas Africa („Francisci petrarce florentini
poete laureati affrice liber primus incipit. [E]Unuchi conspicuum
in meritis belloque tremendum^. Schließt auf S. 2: Aggrediar
namque ipse aderis meque ampla videbit. 480. —
Hervorragendes Stück der ital. Quattrocentokunst u. sehr
bedeutende Arbeit eines ital. Illuminators. Von einigen kleinen
Abblätterungen der Farbe abgesehen, vorzüglich erhalten.
252 Bildinitialen m. Scene aus Petrarca; s. oben. Anfang des
3. Buches 2 Initialen J, das erste omamental, Gold, Blau, Rot u.
OrOn (zum Tetrastichon>, das zweite figural (Scipio u. der Traum-
deuter). Das Tetrastichon beginnt: Impiger astrigerum rediens
sol viderat axem; das 3. Buch: Impiger astrigerum postquam
sol perculit axem u. schließt S. 2: Tantorum vindex scelerum
nunc fulmina celo. Mit oberer u. linksseitiger langer Ranken-
bordüre. Größe des 1. Initials 45X43 mm, des 2. 55X60 mm.
Mitte d. XV. Jahrh. Ital. Perg.-Bl. Hervorragendes Stück d.
ital. Quattrocentokunst u. sehr bedeutende Arbeit e. ital. Illu-
minators. Vorzüglich erhalten. 320. —
253 BUdinitiale. Petrarca -Hs. des XV. Jahrh. — Schluß des
6. Buches („Ignarusque mei dixerit tunc liber in auras'^ etc.)
u. Anf. des 7. Buches bis „Quanta paras etc^ Die Bildinitiale
stellt Hannibals Einzug zu Pferd dar. Im übrigen vgl.
vor. No. 320.—
254 Petrarca - Hs. des XV. lahrh. — Fortsetzung des
3. Buches („Idem post regis sobolem fera bella novantem'O
u. Anfang des 4. Buches bis „Largaque cecropie contingit
gracia lingue^ M. 2 ebenso gestalteten Initialen u. Ranken-
bordüre. Von gleicher Qualität 320.—
255 BUdinitiale R mit Christus am Ölberge. — Größe TV^XQ cm.
XIV. Jahrh. 30.—
R in Matt-Rosa, mit Weiß abgesetzt und ornamentiert, die Ausläufer
endigen in Blattwerk in Blau und Rot Ooldgehöhter Untergrund, der
linksseitig etwas beschädigt. In der Mitte „Christus'', unter einem Baume
betend. Dunkelblauer Hintergrund leicht ornamentiert. Das Oold des
Heiligenscheines abgesprungen; sonst aber gut erhalten.
256 BUdinitiale S auf Goldgrund in Violett u. Blau, mit Weiß und
Schwarz abgesetzt, einesteils als Blattwerk, andemteils als Fisch
gestaltet. Ein Heiliger und Ministrant knien vor dem Altar,
während oberwärts Gottvater (Büste mit zusammengelegten
Händen) erscheint Bemerkenswert gut der Marmor der
Schranke und die Altardecke charakterisiert Im Hintergrunde
Anhöhen mit Türmen in derselben blauen Farbe wie der
Himmel gemalt; davor dunkelgrüne Felder. — Ca. 1425. Vor-
züglich erhalten. — 8X8 cm. 70.—
Karl W. Hiersemaan 2n Leipzig» Könlgsstrasse 3* Katalog 330*
172 MüUaätrm o. IniHalrMalmi in Einumätüm. XL-^XV.Jahrh.
257 Blldinltiale S. Die Gefangennahme Christi. Initiale m.
reichem Blumenomament. 9X9 cm. Ende d. XV. Jahrh. Ital.
Perg.-Fol.-Bl. aus einem Oraduale m. Musiknoten. 100. —
258 Bildinitialen. — 2 Ell. a. einem Antiphonarium mit Musik-
noten. M. 2 Bildinitialen u. Ranke (Darstellung im Tempel.
Auferstehung.) 150X120 mm. u. 155X110 mm. XV. Jahrh.
Deutsch. EinBl. längs der Ranke uneben beschnitten. SllO. —
259 Bildinitialeiu 2 Bll. a. einem Antiphonarium m. Musiknoten
(deutsch). M. 2 Bildinitialen u. Ranke (Johannes der Täufer
u. Abbild, einer Kirche, zur dedicatio ecclesiae). Je 145X115
mm. XV. Jahrh. Die Miniaturen u. die Bordüre, von einem
Einschnitt auf einem Bl. abgesehen, sehr gut erhalten. Augs-
burger pder Nürnberger Arbeit XV. Jahrh. Folio. JM)0. —
Die meisten der nadifoigmien Blätter sind aufCarton unter Passepartout
befestigty was nur bei einigen bemerkt ist.
260 Initiale A. Perg. FoL-Bl. 85X100 mm. aus einem Antiphonar
vom Ende d. XIV. Jahrh. m. Musiknoten. Sehr schöne stili-
sierte Initiale. Am Rande leicht fleckig. 100. —
Akanthusornament in dem Gebälk, 4 Blumenkeldi-Omamente in der
Füllung, die verzweigt ineinandergreifen. Reiche vierseitige Rankenbor-
düre. Farben: Ookl, blau, rot etc.
261 Initiale A, omamental, 85X90 mm. Ende des XIV. Jahrh.
deutscher Provenienz. 60. —
262 Initiale A. Größe 6X6 cm. Aus einem Antiphonar des
1. Drittels des XV. Jahrh. 20.—
Buchstabe in Rot, Blau u. Grün, mit Weiß verziert. Innen auf blauem
Grunde stilisiertes Blatt- u. Rankenwerk in Rot, Grün u. Weiß. Gold-
gehöhter Untergrund.
263 Initiale A in reicher eigenartiger Omamentierung. Das Pergt-
Blatt, aus einem 62 cm breiten Antiphonar des XV. Jahrh. gibt
zugleich einen höchst lehrreichen Ausschnitt von einem Chor-
buche mit der altkirchlichen Notenschrift und den machtvollen
Schriftzügen des Textes in Schwarz und Rot — Französische
Arbeit? 35.—
Das Gerüst rot und blau, kompakt bis auf große (abwechselnd runde
und spitze) Zacken innerhalb der Balken, weiß abgesetzt Den Grund innen
und beiderseitig bildet ein überaus zartes und enges spitzenartiges Omament-
gewebe aus gezahnten Linien, die sich zu größeren und kleineren Spiralen
gestalten und verzweigen. Als Füllmuster dienen Sternchen, Rosetten,
Häkchen und Rankenlinien, ohne daß sich Blätter oder sonstige Pflanzen-
elemente einmischen. Diese mit der Feder gezeichnete Musterung ist
linkerseits hellrot, in der Mitte überwiegend violett-blau gehalten, rechts
Karl W. Hlersemann in Leipzis:» Königsstrasse 3« Katalog 330.
Mimaturw u. InitialrMakm in Einzdblääem. XL-XV.Jahrh. 173
in beiden Farben wechselnd. Die Zidczacke oder Krausen, welche das
Oanze umsäumen, gehen links auf dem freien Blattrande in lustige Schnörkel
über, die mit sicherer Hand disponiert und wieder durch angesetzte und
eingestreute Ornamente anmutig belebt sind. — Auf der Rückseite die
Initiale D, gotisch mit durchbrochenem, der Lange nach geteiltem Ge-
bälk, schwarz und grün gehalten wie audi die Innen-Omamente, welche
mit den vorigen fibereinstimmen.
264 Initiale A aus einem Antiphonarium. In Rot, Blau u. Grün
gemalt, hübsch ornamentiert, mit Weiß abgesetzt. Ooldgehöhter
Untergrund. Größe 8X6 cm. Gegen Mitte des XV. Jahrhdts.
20.—
265 Initiale A in Rot u. OrQn mit weißer Omamentierung. Innen
auf blauem Grunde feines Rankenwerk in Weiß, sowie größeres
Blatt- u. BlOtenomament in Gelb, Rot u. Weiss. Äussere Um-
rahmung goldgehöht. Größe 6X6 cm. Mitte XV. Jahrh. 14,—
266 Initiale A. Rot mit Weiss abgesetzt, rechter Ausläufer
Grün. In der Mitte auf blauem Grunde stilisierte Pflanzen-
omamentik in Weiß u. Rot. Goldgehöhter Untergrund. Größe
3,8X4,2 cm. Scharf beschnitten. Mitte XV. Jahrh. lO.—
267 Initiale A auf Goldgrund. 7X6 cm auf Passe-partout Von
einer Pergamt-Hs. der 1. Hälfte des XV. Jahrh. 15.—
Krapplack-rosa-farbenes Budistabengerüst, weiß gemustert, an der
inneren Seite von einem Silbersü-eifen begleitet, welcher zu dem rei-
chen Innengrund überleitet Dieser, eigentlich mehr in Siena-braun ge-
halten, wirkt wie olivfarben infolge der aufgesetzten Farben u. Orna-
mente. Es sind dies weiß-gelbliche feine Ranken u. vor allem zwei
große blaue Blumen, jede an grünem, seltsamer Weise kugelrundem
Kelche, welche im Gegensinne gestellt sind, getrennt durch den rosa
Querbalken des A.
268 Initiale B farbig auf Goldgrund mit reicher Omamentierung
u. Randleiste nach oben u. unten. Höhe im Ganzen IOV2 cm.
Von lateinischer Pergt-Hs., Augustins Psalmen-Commentar. Auf
Passepartout Z Hälfte des XIV. Jahrh. 18.—
Budistabe grün mit etwas weiß und 4 Scheinlöchem. Im Felde kühn
stilisiertes Dreiblatt von blauer Innenseite, im Umsdilagen orangefarben,
mit dem Stengel, der rot umhüllt ist, geschickt an die seitliche Ein-
ziehung des B angesetzt Die äußeren Blattverzweigungen grau u. grün,
und blau u. onmge, jederseits mit vielem Oold. Rippen und Oeäder des
Blattwerkes vielfach durch dunklere Farblinien, doch nicht botanisch
genau, angegeben. Hin und wieder weiße feine Contur an oder über
der Localfart>e. -^ Wohl spanisch.
269 Initiale B in Rot, OrQn und Blau, innen durch hübsches Blatt-
omament geschmackvoll verziert. Untergrund Blau mit Oold
fehöht Anfang des XV. Jahrh. Oröße 9,7X1 1^« cm. Schönes
tück wohl engl. Ursprunges. 80*—
Karl W* Hiersemann In Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 330»
174 Miniataim a. Initial-Malem in Einzäblääem. Xl.-XV.Jahrh.
270 Initiale B in Rot, OrOn und WeiB auf Goldgrund. Innen
auf blauem Untergrunde hübsches Blattomament in Rot und
Orün mit Weiß und Oelb abgesetzt Größe 6X6 cm. Sehr
schön erhalten. Mitte XV. Jahrh. 14. —
271 Initiale B. Rot, Blau, Grün und Weiß, hübsch ornamentiert,
goldgehöhter Untergrund. Leider rechtsseitig zu scharf be-
schnitten. Größe 4X5 cm. 2. Drittel d. XV. Jahrh. 12.—
272 Initiale C auf Goldgrund gemalt, mit schwarzem Rand.
6X5 cm auf Passe-partout Von einem Pergament -Manuscr.
(Chorbuch?) aus der 1. Hälfte des XV. Jahrh. 10.—
Das Buchstabengerüst Magenta-Rot in verschiedenen Tönen, weiß
ornamentiert, hat große griuie Blatt -Endigungen, deren untere, stark ein-
gebogen, wirksam mit dem silbern umzogenen blauen Innengrunde kon-
trastiert Leichte Ornamentierung u. Stridielung in weiß, teilweise zum
Zwedc der Belichtung.
273 Initiale C in Gold auf blauem Grund. Mit GrQn, Hellblau,
Rot und Weiß hübsch ausgemalt und ornamentiert Größe
6X6 cm. Mitte XV. Jahrh. 12.—
274 Initiale D aus dem Xi. Jahrhdt in Rot, an einigen Stellen
schwarz abgesetzt. Bestehend aus vielverschlungenem Band-
werk, dessen diverse Ausläufer in ornamentierte Ranken
endigen. Initialgröße 12X13^« cm. Größe des ganzen Pergt.-
Blattes 1 6^8X24^/, cm; unten mit wenig Textverlust be-
schnitten. Außerdem zeigt die Vorderseite des Blattes 26, die
Ruckseite 28 Zeilen Text, gut leserlich. Aus einem Pergt-Ms.
des XI. Jahrhdts., irischen Ursprungs. Bis auf einen 4^/, cm
langen Kiss gut erhalten. Äußerst selten. 240. —
275 Initiale D in Farben u. Goldgrund mit Randleiste, letztere
llV« cm hoch. Von lat Pergt-Hs. des ausgehenden XIV. Jahrh.
Wahrscheinlich spanisch. 18. —
Graues Buchstaben-Oerüst mit Scheinlödiem auf Oold. Innen in grün
u. rosa ein leicht gerolltes Blattmotiv; am Rande nach oben u. unten
großes Blattwerk, wesentlich grün u. blau, mit vielem Oold. Sehr hübsch.
276 Initiale D in Grün und Rot, mit Gelb und Weiß ornamentiert
und Gold gehöht innen auf rotem, mit Ranken- und Blflten-
werk verzierten Grunde ein Ornament im schönsten Re-
naissancestil, blau und weiß sehr fein ausgeführt. Das Ganze
auf blauem mit Weiß abgesetzten Untergrunde. Größe SVjXöVi
cm. Ein schönes Stücl^ 1. Hälfte des XV. Jahrh. IS.—
277 Initiale D. Blumenfullung mit Rankenomament Italienische
Arbeit des XV. Jahrh. Bologneser Schule. Mit Musilaioten a.
d. Rückseite. 140X160 mm. 80.—
Schönes ornamentales Muster.
Karl W* Hiersemann ta Leipzig» Königsstrasse 3* Katalog 33(k
Miniaturen u. IniäalrMaUrd in EinzdbläUem. XL-XV.Jahrtu 175
278 Initiale D in Rot und Weiß auf Goldgrund. Innen auf ver-
ziertem roten Untergrund hübsches BlQtenomament in Blau,
OrOn und Weiß, von 3 mm breitem Bändchen umrahmt
6X6 mm. Mitte XV. Jahrh. 10.—
279 Initiale D» in Blau auf goldgehöhtem Untergrund, mit Blatt-
werk und Blüten verziert Größe 3,7X3,9. Mitte XV. Jahrh.
10.-
280 Initialen D u. a., 5 Stück aus einer Pergt.-Handschrift a. d. Mitte
des XV. Jahrh. Größe ca. 3X4 cm. In stilisierter Blattomamentik
in Grün, Blau, Braun u. Rot abwechselnd auf goldgehöhtem
Untergrunde. Lebhaftes Arrangement, jedenfalls von einem ital.
Meister. Das Stück 10.—
281 Initiale B aus einer Pergt.-Handschrift von ca. 1340 jedenfalls
englischer Herkunft 5^/^X6^« cm. 12. —
In Orün ausgeführt, weiß punktiert und dunkelgrün abgesetzt. Oben
u. unten je eine muschelförmige Verzierung in der mehrfach gezackten
u. bogigen dunkelblauen Umrandung. Innen auf hellbraunem Grunde
leichtes Blatt- u. Blütenwerk.
282 Initial B in Rot und Weiß auf blauem, in den 4 Ecken mit
kleinen Ornamenten geschmücktem Grunde. Die Mitte belebt
auf goldgehöhtem Untergrunde ein großes Blattomament in
Orün, mit Oelb abg^esetzt. Oröße S^/^XO cm. Aus einem Anti-
phonarium a. d. Zeit ca. 1400. 65. —
283 Initiale B, violett, weiß ornamentiert, auf goldgehöhtem Unter-
grunde. Mit Blattomamenten und Rankenwerk in fünf Farben.
Oröße 7,3X8Va cm. 1. Hälfte des XV. Jahrh. Vielleicht Spanisch.
20.—
Sehr hübsches Stück.
284 Initiale F. Orünes ornamentiertes Oerüst auf Goldgrund (der
in d. Mitte, wo sich ein großes Blumenbüschel schräg hinein-
erstreckt, teilweise ausgeschnitten). Großes Blattwerk seitlich
ansetzend. 2. Hälfte d. XIV. Jahrh. Pgt. auf Passepart 10.—
285 Initiale H. Pergt-Blatt mit alter Notenschrift auf beiden Seiten.
Ausschnitt aus e. Meßbuch v. Ende des XIV. Jahrh. Größe der
Malerei 25X20 cm. Auf Passepartout 25.—
Buchstaben-Oerüst hellbraun mit seitlicher Verstärkung des Farben-
tones; dort legen sich (nicht ganz verstandene) große grüne Blätter an;
anderes, mehr stilisiertes Blattwerk im Innern und von den Enden und
Spaltungen des Gebälks ausgehend, besonders in mehrerlei Blau u. Rot,
mit weißer Innenzeichnüng. Das viereckige Orundfeld in Gold, braun
u. blau. — Von reicher Farbenwirkung. — Auf der Rückseite ein großer
Buchstabe rot-blau vom Schreiber in einer nicht gewöhnlichen geome-
trischen Manier ornamentiert
Karl W. Hicfsemann 2n Leipzigs Königsstrasse 3* Katalog 330.
176 Miniaturm u. Inäial-Malmi in EmObläämL XI.-XV.JaMk.
286 Initiale H in Rot, mit Weiß abgesetzt, die Ausläufer grfin.
Innen auf blauem Grunde ein stilisiertes Blfitenomament in Rosa,
OrOn, Rot und Weiß. Das Ganze auf goldgehöhtem Untergrund.
Größe 4X5 cm. Rechtsseitig scharf beschnitten. Erste Hälfte
des XV. Jahrh., wohl engl. Schule. Auf Passepart. 12*—
287 Initiale J in Blau, mit Weiß und Rot abgesetzt und mit
farbigem Ranken- und Blattwerk im gotischen Stile verziert
Goldgehöhter Untergrund. Burgundisch. Anfang des XV. Jahrh.
Größe 3X3 cm. 10.—
288 Initiale J in Farben auf Goldgrund. Blatt von einem frühen,
sehr schönen Drucke in Fol., von 1480 etwa. Starkes, perga-
mentartiges Papier. Bibel-Commentar (zur Genesis) in 2 Haupt-
Col. mit einer Queröffnung, worin, in 2 kurzen Columnen, die
Textworte stehen, mit besonderem Commentar unter jedem
Lemma. 90*—
Die Initial-Malerei, auf Drucken immerhin eine gewisse Seltenheit,
trägt burgundisdi-französischen Charakter. Sie besteht in einem großen
(7x6 cm) goldenen Feld mit verschiedenartigen Eckspitzen, welches von
feinen Spiralranken bedeckt ist, mit dreizadcigen Spitz-Blattera eines
bekannten, hier variierten Typus (sogen. Domblatt). Sehr wirksam hebt
sich von diesem prächtigen Grunde das große blaue J ab, mit weißen
zickzadcartigen Linien in 4 Etagen.
289 Initiale J. — Pergament-Blatt 47^8X31 cm mit farbigem Initial-
schmuck und der alten kirchlichen Notenschrift (auf vieriinigem
System) des Antiphonars. Der Text für den St. Johannis u.
Paulus Tag. Wahrscheinlich deutsche Arbeit des XV. Jahrh. 36.—
Auf der 1. Seite große Initiale J, 22 cm hoch; der Stamm halb grün
u. halb blau, mit diskreter weißer Musterung, bikiet den natürlichen Orund
für ein darüber hingehendes hohes Ornamenigefüge, halb Pflanze, halb
Kandelaber, welches in seinen Teilen wiederum fechts u. links ver-
schiedene Farben zeigt, besonders rot^ blau, gelb. Die gleichfalls far-
bigen Initialen auf der Rückseite sind kleiner u. einfacher gehalten.
290 Initiale L. OröBe 9X11 cm. Aus einer Pergt.-Handschr. von
za. 1400, sicher engl. Ursprungs. 90.—
Buchstabe in Rot u. Orün mit Gelb u. Weiß ornamentiert auf gold-
gehöhtem Untergrund. In der Mitte auf hellem Grunde grünes Ranken-
u. Blattomament in Form eines S, dessen beide Rundungen mit je einer
großen Fruchtform in Blau u. Rot, mit Weiß, Gelb u. Gold gehöht, ge-
füUt sind.
291 Initiale L in Rot, Orfin und Blau, hfibsch in Weiss ornamen-
tiert. Das innere ziert eine mehrfarbige, aus stilisiertem Blatt-
werk zusammengesetzte Ranke, deren Ausläufer eine Art Erd-
beere tragen. Brauner Untergrund, in Weiß punktiert u. ab-
gesetzt, goldgehöhter Rand. 1. Drittel des XV. Jahrh. Größe
öV^XT cm. 16.—
Sehr hübsche Komposition.
Karl W* Hlefsemann ta Ltipzig, Königsstrasse 3* Katalog 330*
;^ MüUaturm u. InitiairMaUm in EmzOblättem. XL-XV.Jahrh. m
292 Initiale L auf Goldgrund in Farben gemalt mit reichem Blatt-
Ornament im Innern u. am Buchrande. S^^XäV« cm auf einem
Pergt-Blatt (Ausschnitt) aus lateinischer Handschr.: Psalmen-
Commentar des Augustinus. Ausgang d. XIV. Jahrh. Auf Passe-
partout 18.—
Rötlich braunes Buchstaben-Oerüst mit weißen Kügelchen darinnen,
im Ooldfelde schräg stehend ein dreiteiliges Ornament, das an Wappen-
Bekrönungen oder Helmbüsche erinnert, aus großen Akanthus-artigen
blau-grünen Blättern, die durch einen kirschbraunen Bund zusammen-
gehalten werden. In den Rand-Ausläufern entfalten sich solche Blätter
in den gleichen Farben mit Oold.
293 Initialen L und P. Pergt-Blatt in Fol. aus einem Lectionar
von ca. 1425 mit Stücken aus d. Evangelium St Marc u. Lucas
jj^mit Prologus in schöner got Schrift, beiderseits je 2 Col. Größe
mit Randornament 5X11 u. 5X17 cm. 48.—
Initiale L grün, Gerüst des Buchstabens ganz mit welligem großen
Blattwerk gefüllt, roter, gelb ornamentierter Innengrund, das Ganze auf
gestanztem Goldgrund gedacht, welcher rechts u. links zum Vorschein
kommt Die schmale violette Leiste, welche das Ganze als Rahmen um-
zieht, und das natürliche grüne Geäst des Buchstabens verzweigen sich
seitlich nach links zu schönem Blattwerk in drei Farben und Gold.
Initiale F blau (wie die vorige gemustert), auf Goldgrund, in den
Sterne, Kreise, Punkte eingestanzt sind; seitlich setzen sich große Blätter
und Zweige an, in rötlich-violet, grün, blau, hellbraun u. Gold.
294 Initiale M» omamental, 75X90 mm, mit linksseitiger Ranken-
leiste, auf einem Fol.-Bl. eines Chorbuches, Ende des
XIV. Jahrh. deutscher Provenienz, m. Musiknoten. 38.—
295 Initiale M'aus einem Antiphonar des 1. Drittels des XV. Jahrh.
Hellblau. Größe 6X6 cm. 20.—
Sehr hübsch in Weiß ornamentiert. Die Ausläufer, sowie besonders
das Mittelstück, mit stilisiertem Blattwerk ausgeschmückt, wirken durch
den dunkeln, mit kleinen Ranken belebten Hintergrund recht gut Oold-
gehöhter Untergrund.
296 Initiale M in"" Braun u. Blau auf goldgehöhtem Untergrund,
von grünen Zweigen] belebt. 3,3X3,6 cm. Mitte XV. Jahrh.
Ital. Ursprunges. 10.—
•297 Initiale M in Oold, Orün, Rot, Untergrund Blau u. Rot. Das
Ganze mit spiralförmigem Linien- und feinem Blätterwerk, in
Weiß u. Gelb hübsch ornamentiert S^LX6^L cm. Mitte
XV. Jahrh. 14.—
Karl W« Hiersemann in Leipzig:, Königfsstrasse 3* Katalog: 330*
12
178 Miniaturm u. InitiairMalmi in BiaäbUitimu Xl.-XV.Jahrh.
298 Initiale N aus einer Pergt-Hs. von ca 1425. Ausschnitt von
einem Lectionar mit Stucken der Apostelgeschichte u. der Epi-
stolae Canonicae nebst Prologus; schöne gotische Schrift
Größe 6V2XIO cm. 14.—
Das N in mattrot-violett, Gerüst von wellig^en Blättern erfüllt Hell-
grüner Innengrund mit aufsteigenden dünnen Ranken in gelblicher Farbe.
Das Ganze auf Goldgrund mit eingestanzten Punkten und Kreisen, von
schmaler grüner Leiste umzogen. Nach links hin das Geäst in starkes
Blattwerk übergehend, mit drei weiteren Farben, blau, hellbraun und Gold.
299 Initiale O in Graublau, reich ornamentiert (Blattwerk, Punkte
u. a), der Innengrund grün mit feinem mehrfarbigen BlQten-
werk an goldenen Stengeln und Ranken. Das Ganze auf Gold-
grund, in den kleine Punkte und Kreise einpunziert sind, mit
violetter Leiste als Rahmen, welche seitlich nach oben und unten
in Zweige (in mehreren Farben u. Gold) ausgeht — Pergament-
Blatt in Fol. in schöner gotischer Schrift beiderseitig in 2 Col.
beschrieben, aus einem Lectionar, enthaltend Stücke aus dem
Prediger (Ecclesiastes) und dem Hohenlied (cantica canticorum).
Von ca. 1425. Größe der Initiale 6X5 cm. Sehr schönes
Blatt 36.—
Zu demselben Codex gehörte No. 293.
300 Initiale O in Farben u. Gold, mit Randleiste. Feines Pergt-
Blatt in 8 aus einem Brevier von Ende des XV. Jahrhunderts,
beiderseitig beschrieben. — Auf Passepartout 20.—
Sehr anmutiges Blatt, zugleich schöne gotische Schriftprobe. Der
Buchstabe auf Goldgrund mit blauem Innenfelde, welches feine weiße
Blumen aufweist E>ie großen Blätter, welche schon das Gerüst einhüllen,
entfalten sich links zu einem prächtigem Randschmuck mit vielen Gold-
punkten (als Blüten), die von Kreis u. Strichen radförmig umgeben sind.
Haarfeine Linienzeichnung wie an den letzteren Motiven fällt auch im
Innern des Blattwerkes auf. Das Gold sehr dunkel, fast wie Kupfer.
301 Initiale O aus einem Antiphonar von ca. 1420. lOViXlS^j cm.
35.—
Von Goldgrund umgebener Buchstabe, purpurrot mit feinen Gold-
ranken, hellrot u. weiß abgesetzt Der Innengrund blau mit großer, sym-
metrisch verzweigter u. aufstrebender Pflanze, an welcher die Stengel
u. der Mittelteil in mehrerlei Braun u. Gold, die Blätter u. Blüten in
verschiedenen Farben gehalten sind, immer mit vielen Goldranken u.
Blüten dazwischen, die sich zum Teil losgelöst in dem blauen Grund be-
wegen. Das Ganze sehr wirkungsvoll arrangiert mit schwererem Zweig-
und Blattwerk außen, das sich nach links verbreitet, daher das Profil
des Buchstaben-Gerüstes rechts abweichend behandelt ist. Der Gold-
grund mit schmaler schwarz u. weißer Umrandung.
Im ganzen sehr gut erhalten und von ungemeiner Frische der Farben-
wirkung.
Karl W. Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3. Katalog 330.
Miniaturm tu Initial'MaUrd in EimdbUUUm. Xl.-XV.Jahrh. 179
302 Initiale O in Farben auf Goldgrund 5X6 cm, auf Passepar-
tout. Ausschnitt von e. Pergt.-Hs. des XV. Jahrh. 1. Hälfte.
Originell, aber links zu stark beschnitten. 10.—
303 Initiale O in Rot u. Weiß. Innerhalb, auf blauem, in Weiß
ornamentierten Untergrunde eine Nelke in fast naturlicher Größe
in Grün, Rot und Gelb. Goldgehöhter Untergrund. 4X4^« cm.
Rechtsseitig scharf beschnitten. Mitte XV. Jahrh. 12.—
304 Initiale O in Grün, Blau, Rot, auf goldgehöhtem Untergrund.
In der Mitte auf schwarzem, mit kleinen Sternchen besetzten
Grunde ein Pflanzenornament, das durch mehrfach verschlungenes
Bandwerk zusammengehalten wird. Durch die geschicid ge-
wählte Umrahmung wirkt das Ornament besonders gut.
5,3X6,3 cm. XV. Jahrh. Scharf beschnitten. 14.—
305 Initiale P auf Goldgrund mit Farben, in Rand-Ornamente aus-
gehend. 12X7 cm. Auf Passe-partout. Von ein. lat Pergt.-
Hs. Augustinus' Psalmen - Commentar, XIV. Jahrh., 2. Hälfte.
Wohl spanische Arbeit. 20.—
Der blaue Buchstabe, g^anz auf Goldgrund, an der linken unteren
Seiten-Ecke stehend, hat dort federbusch-artig^e Blatt-Endigungen nach
2 Seiten hin, eine dritte kleinere rechts nach einwärts. Das innere Feld
ist in eigenartiger Weise fast als Rad mit 4 gold. Speichen behandelt,
um dessen Centrum die Ornamentmotive eine wirbelnde Bewegung aus-
zuführen scheinen.
306 Initiale P. Farbig auf Goldgrund. Ausschnitt eines Pergt.-
Blattes von Augustin 's Psalmen-Commentar. Buchstabengröße
ohne Randschmuck 5X4^9 cm. Auf Passepartout. Wohl
spanisch. XIV. Jahrh. 2. Hälfte. Vgl. vor. El. 25.—
Das Buchstaben-Gerüst blau in mehreren Tönen, mit weißer Innen-
zeichnung, hat ringsherum, aber nicht ganz am Rande, gemalte Off-
nungen, gleichsam wie Nagellöcher. Im Innern, wo auch etwas vom
Goldgrunde sichtbar wird, erhebt sich in symmetrischer Anordnung
großes Blattwerk in kirschbraun, blau, grün, orange. Die Enden des
Buchstabens, welcher an der linken unteren Ecke der Seite steht, ver-
laufen in großes, Federbusch-artiges Blattwerk mit Gold und den vor-
genannten Farben, zu welchen hier noch grau und Silber-Höhung hin-
zukommt.
307 Initiale P in Farben auf Goldgrund mit reichem Ornament u.
Rand- Verzierungen. Im Ganzen 13X6^« cm. Pergt.-Ausschnitt
von lateinischer Hs.: Augustinus' Psalmen-Commentar. Auf
Passepartout. 2. Hälfte XIV. Jahrh. Vgl. vor. Bl. 20.—
Das tiefgrüne Buchstaben-Gerüst enthält querliegende, leicht über-
fallende Akanthus-Motive mit starken Schatten und feiner weißer Um-
säumung des äußersten Randes. Im inneren Felde karmoisin-rotes
Schuppenwerk als Kern, umschlossen und umwogt von großen orange-
farbenen und blauen Blättern. Oie Zweige am Buch-Rande orange mit
Gold, Grau m. Gold, dazu Nebenfarben.
Karl W« Hiorsemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330«
12^
180 Miniaiwm u. Itätial-MaUrd in EinxMOäim. XI.-XV.JahHu
308 Initiale P. Aus einem Antiphotiarium von ca. 1400. OröBe
9,8X13,4 cm. 95.—
Buchstabe in Blau, die Auslaufer in OrOn u. Rot mit Weifi und Oelb
verziert Ooldgehöhter Untergrund. In der Mitte auf hellem, mit feinem
Rankenwerk ornamentierten Grunde je 2 große Blüten und Frucht-
Ornamente in Braunrot, Rot und Qrün, mit Weiß und Oelb leicht oraa-
namentiert, sowie mit Oold gehöht
309 Initiale P in Rot mit Weiß. Ooldgehöhter Untergrund.
Innen hübsches Blatt- u. BlQtenomament in OrOn, Blau, Oelb
und Rot auf dunklem Orunde. 4,2X6 cm. XV. Jahrh. Scharf
beschnitten. 10, —
310 Initiale S. Oröße 5,8X6 cnu Aus einer alten PergL-Hand-
schrift mit Musiknoten entnommen. XIV. Jahrh., jedenralls süd-
deutsche Arbeit 54.—
Buchstabe in Blau und Rot Eine Art durchbrochene Arbeit, die mitt-
leren Partien sind mosaikartig aus kleinen Platten in Rot, Blau, Qrün
und Weiß zusammengesetzt Heller Untergrund. Umrahmung olivgrün,
mit Rot und Oelb ornamentiert, rote Linien fassen dieses so gebildete
Band ein. . < . n . ; r\ ■ .
311 Initiale & Oröße 6,3X5,7 cm. Letztes Drittel des XIV. Jahrh.
12.—
Buchstabe fai Mat^ld auf blauem u. rotem Orunde, in der Mitte mit
stilisiertem Blattwerk in Oold verziert Ein vielverschlungenes, eckiges
Bandwerkgeffige in Ookiliniatur bildet die Umralunung. Obere u. untere
Hälfte nach Farbe versdiieden.
312 Initiale S in Rot, Weiß u. Orfln. Innen auf blauem Orunde
stilisiertes Blütenwerk in Rot u. Weiß. Ooldgehöhter Unter-
grund, leicht rissig. 5X6 cm. Mitte XV. Jahrh. 18.—
313 Initiale S in Rot u. OrOn, mit Weiß u. Oelb ausgemalt
Ooldgehöhter Untergrund. Innen auf blauem Orunde stilisiertes
Blatt- u. Rankenwerk in Orfln und Weiß. 6X6 cm. XV. Jahrh.
12.-
314 Initiale T in Blau, Orfln, Rot, hflbsch ornamentiert, auf
schwarzem Orunde mit Oold gehöht Aus einem Antipho-
narium des XV. Jahrh. Oröße 7X9 cm. 20.—
315 Initiale V. Rot u. goldgehöhter Untergrund m. reichem
Schlingomament, spiralförmigem Blattwerk u. gestielten Blatt-
enden. Farben: Blau, Orfln, Oold, Rot u. Weiß. 74X46 mm.
Ende d. XIII. Jahrh. Deutsch (?). Perg. 2 Bl. einer Olossa pro-
phetarum (Oseas). Sehr schönes Initialmuster des XIII. Jahrh.
95.—
Karl W* Hicnemann in Lelpxlg, Königsstrasse 3* Katalog 330*
MuUaiam u. Inäüd-Malerei in EützdUdäem. XVI. u. XVlI.Jahrh. 181
316 Initialen ornamentalen Charakter«, XIII.— XV. Jahrb., ein-
zelne Bll. aus livres d'heures d. XV. Jahrh. 22 Stück. 260.—
Sehr schöne Kollektion von Schrift- und Miniaturproben, bedeutenden
Proben reich ornamentierter Initialen etc.
317 Initialen. — 9 Initialen aus 2 verschiedenen Pergt-Handschriften
aus dem XIV. und der 1. Hälfte des XV. Jahrh. u. zwar D, I,
L, M, O, J, I, D, J in mehrfarbiger AusfQhrung u. mit Oold
gehöht Größe zwischen IV2X2 cm bis 4V2XI2 cm. Sehr
hObsch ornamentierte StOcke in guter Erhaltung. Auf einen
Karton gesetzt u. unter PassepaHout 40.—
Miniaturen u. Initial-Malerei in Binzelblättem.
XVI. und XVn. Jahrh.
318 BUdinitiale A. Christus als Weltrichter. 170X130 mm.
XVI. Jahrh. Deutsch. Perg. F0I.-BI. a. einem Antiphonarium.
Sehr schöne deutsche Renaissancearbeit Die Bordüre an
3 Seiten beschnitten. 550. —
Sehr interessante Miniatur.
319 BUdinitiale B. Die h. Dreieinigkeit. 110X95 mm. XVI. Jahrh.
Deutsch. Perg.-Fol.-BI. a. einem Antiphonarium. Sehr schöne
deutsche Renaissancearbeit Die Bordüre an oberer Seite be-
schnitten. 180.—
320 Bildinitiale P. Himmelfahrt 110X115 mm. XVI. Jahrh.
Deutsch. Perg. F0I.-BI. a. einem Antiphonarium. Sehr schöne
deutsche Renaissancearbeit Bordüre an der oberen Seite be-
schnitten. 180.—
321 Chrlatna nach der Oeisselung. — Man sieht den Heiland
entblößt in halber Figur, nur leicht in den über die rechte
Schulter geworfenen Mantel gehüllt, an den Händen gefesselt
die rechte Hand einen zerbrochenen Stab haltend. Das nach
links geneigte Haupt, mit der Domenkrone bedeckt, ist von
einem hellblauen Heiligenschein umgeben. Aquarellmalerei auf
Pergament in Rötelmanier, Hintergrund dunkelbraun. Die Um-
rahmung in Schwarz zu Orün mit Oold ist geschickt einem
Holzrahmen nachgeahmt Oröße 11X15 cm. 1. Hälfte des
XVII. Jahrh., wohl französ. Ursprunges. 40.—
322 Veronikabild. — Das Blatt ist besonders bemerkenswert, weil
eine mitteleuropäische Miniatur-Malerei, die man an den am
Rande und auf der Rückseite befindlichen geistlichen Texten
(in gotischer Schrift) als solche erkennen kann, zu Grunde liegt
Karl W* Hlersemann in Lelptlg^ Königsstrassc Z. Katalog 330»
182 Faesimäe-Reproduktionen von tiandsdurifteiu
und von einem Eingeborenen eines Missionslandes der Christus-
kopf mit schwarzer Farbe verändert ist. — Der Kopf ist in
einem Rundmedaillon auf hellrotem, weiß gesternten Hintergrunde
mit goldenem Kreuznimbusbalken gemalt und befindet sich auf
einem weißen Tuch, welches die dahinter stehende Heilige mit
ausgebreiteten Armen hält Hintergrund blau mit weißer Muste-
rung. Oberhalb, den Rahmen durchbrechend, ein Kruzifix in
weiß und hellgelb. Unten in primitiver Darstellung das Wappen
des 1585 gewählten Papstes Sixtus V. Am Rand in goti-
scher Schrift: Salva sancta facies | nostri redemptoris |
in qua nitet species | divini splendoris | impressa panni-
culo I nivei [candoris]. Der Text auf der Ruckseite des
Blattes hat sich im O^ensinne abgedruckt und ist älter als
das Bild. Bemerkenswert sind die markiert herausgesetzten
Anfangsbuchstaben jeder Zeile. Ende XVI. Jahrh. Bildgröße
15X10 cm. Pgt. 155.—
323 Initiale B. Blumen- u. Fruchtomament in reicher Verzweigung,
auf Goldgrund, die Initialsäulen tragen das eingerollte Blattmotiv.
140X150 mm. Eine vierseitige Blattbordure umrahmt den Text
2 Bl. aus einem Antiphonar, Anf. d. XVI. Jahrh., m. Musiknoten.
Fol. 220.-
Geistreich komponiertes Ornament
Pacsimile- Reproduktionen von Handschriften.
(Siehe auch Handschriftenkunde.)
324 The Apocalypse of S. John the divine^ represented by figures
reproduced in 23 facsimile-plates on vellum from a mss. in the
Bodleian Library, printed for the Roxburghe Club. London
1876. 4. Lwdbd. in Futteral. Auf Pergament gedruckt 520.—
Enth. 46 pag. vorzügl. ausgeführte, kolorierte Facsimiles.
Die Handschrift stammt a. d. XIII. Jahrh. und ist eines der kostbarsten
Erzeugnisse altenglischer Kunst. — Nur in wenigen Exemplaren für die
Mitglieder des Roxburghe-CIub gedruckt Selten.
325 Arthur of Little Britain, the History of the raliant Knight; a
romance of Chivalry translated from the French by John Bour-
chier, Lord Bemers. New edition (edited by E. V. Utterson)
with a series of plates (25), from illuminated drawings
contained in a valuable Ms. (Xllth or XIVth cent.) of the
original Romance. Large paper copy with double set
of plates, the one piain, the other finely coloured and
illuminated with gold and silver. 4. London 1814. Con-
temporary half russia gilt, uncut edges. 800.—
Ein in jeder Beziehung tadelloses Exemplar dieser nur in 25 Exempl.
hergestellten Ausgabe. Äußerst selten. Schon in den 80er Jahren wurde
1 Ex. zu L 31, 10 sh. (630 M.) vericauft
Karl W* Hiersemann In Leipzig» Königsstrassc 3. Katalog 330»
Faesimäi'Reproduktionen von Handschriftm, 183
326 Attavante. — Facsimile delle tniniature di Attavante Fioren-
tino conten. nel codice Marciano Capeila Le nozze di Mercurio
colla Filologia che si conserva nelle bibl. Marciana. 24 Tai in
Photogr. Fol. Venezia, Perini 1878. In Orig.-Mappe. 85.—
327 Bartoli, A., manoscritti italiani della Bibl. Nazionale di Firenze.
Sezione I. Codici Magliabechiani. Serie I. Poesia I.— 3. tom.
e tom. IV, 1. fasc M. photogr. Tafeln. Fir. 1879—85. In
Heften. (76 Lire.) 40.—
328 Breviarium Grimani in der Bibliothek von San Marco in
Venedig. Vollständige Reproduktion hrsg. durch Scato de
Vries, Direktor der Universitäts - Bibliothek in Leiden und
S. Morpurgo, Direktor der Bibliothek von San Marco. 12 Bände
mit 30O Facsimile -Tafeln in Dreifarben -Lichtdruck und 1268
Tafeln in Heliogravüre. Folio. (Leiden), Leipzig, Kart W.
Hiersemann, 1903 ff. Preis pro Band 200.—
Das Werk, von dem bisher Band I bis VI erschienen, wird ca. 1910
vollständigr sein.
Das Breviarium Grimani, dieses hochberühmte Manuscript mit seinen
zahlreichen vorzüg^lichen Miniaturen, die man den holländischen
Meistern Jan Memlingr, Gerart van de Meire, Levien van Antwerpen,
Gerart van Gent zuschreibt, wurde in der Bibliotheca Marciana als kost-
bares Kleinod grehütet Es wurde jedenfalls im Auftrage des Papstes
Sixtus IV. hergestellt Bedeutende Meister der Miniaturmalerei arbeiteten
lange Jahre an seiner Vollendung (ca. 1478 — 89). Danach verkaufte es
der Sizilianer Messer Antonio, einer der Mitarbeiter, 1489 an den Kar-
dinal Grimani, dem es seinen Namen verdankt. Im Jahre 1797 wurde
das Manuscript aus dem Tesoro der Basiiica von der Bibliothek zu San
Marco übernommen.
Das Breviarium Grimani, das bisher, trotz seiner außerordentlichen Be-
deutung, für die Forschung nur schwer erreichbar war, wird nunmehr
durch die oben angezeigte Reproduktion dem großen Kreise der Kunst-
forscher, Künstler und Kunstfreunde erschlossen. Das Breviarium mit
seinen Miniaturen wird vollständig und in meisterhaft naturgetreuer Weise
zur Darstellung gebracht
Erklärender Text wird je nach Wunsch der Subscribenten in deut-
scher, französischer, englischer oder italienischer Sprache beigegeben.
Die Reproduktion wird den hohen Erwartungen, die man einem der-
artigen bedeutenden Unternehmen entgegenbringt, voll und ganz ent-
sprechen. Ich habe den Alleinvertrieb für Deutschland, Öster-
reich-Ungarn, die Balkanstaaten und die Schweiz übernommen
und liefere außerdem auch noch fast nach dem gesamten übrigen außer-
europäischen Auslande zu den obigen Originaipreisen und Bedingungen
des holländischen Verlegers.
Ausführlicher Prospekt und Probetafeln, die letzteren leihweise zur
Ansicht stehen zu Diensten.
AT Ein reiches Material bietet das hervorragend schöne Werk für
Historienmaler, Gobelin-Maler, Glasmaler, Theatermaler u.
Architekten.
Kari W« Hiersemann In Lelptig^ Königsstrasse 3. Katalog 330»
184 Faesimile-Reproduktionen von Handsdir^tm.
329 Chronik der interimistischen Jahre nach dem Lawrentjeff 'sehen
Codex. Photolithographische Wiedergabe der Handschrift aus
dem Jahre 1377. 4. St Petersburg 1872. 191 S. Russisch.
Halblederband. 12.—
330 Codex Sinaiticu« Bibliorum Petropolitanus. Auspiciis Imper.
Alexandri II. ex tenebris protraxit, in Europam transtulit etc . .
edidit Constantinus Tischendorf. 4 voll. Imper. 4. Petropoli
1862. Orig.-Lwdbde. 700.—
Kollation: vol. 1: 16 u. 46 beiders. bedr. Blätter: Commentar in
latein. Sprache u. 21 photolith. Tafeln des griech. Textes, vol. 2: 87,
vol. 3: 112, vol. 4: 148 beiders. bedr. Blätter mit Wiedergabe des griech.
Textes.
Eins der auBerordentl. selten im Handel vorkommenden Exemplare
der im Jahre 1862 zum lOOOjähr. russischen Reichsjubiläum durch Kaiser
Alexander II. veranstalteten Reproduktion der ältesten griech. Bibelhand-
schrift
Const Tischendorf entdeckte diesen kostbaren, jetzt in St Petersburg
befindl., gleich dem Codex Vaticanus, dem 4. Jahrh. n. Chr. angehörigen
Codex Sinalticus im Jahre 1857 im Katharinenkloster auf dem Sinai.
Die wahrscheinlich auf Veranlassung des Eusebius durch Kaiser Kon-
stantin in Alexandria von 4 verschiedenen Schreibern hergestellte Per-
gamenthandschrift in 4 Columnen, mit griech. Undalschrift, ohne alle
Initialen u. späteren Abteilungen u. Zeichen, enthält 26 Bücher des AT.
und das vollständige NT., den Brief Bamabas u. den Anfang des Hermas,
sowie die bis ins 7. Jahrh. u. darüber hinaus reichenden zahlreichen —
15000 — Text-Korrekturen, zu denen Tischendorf seine umfangreichen
Prolegomena (im 1. Bd.) schrieb.
Die palaeograph. interessanten Tafeln, 21 an der Zahl, sind in photo-
lithogr. Reproduktionen wiedergegeben. Für die anderen Seiten der
Handschrift hat T. bedondere Typen herstellen lassen u. so eine typogr.
Nachahmung geschaffen, die alle Eigentümlichkeiten des Originals wieder-
gibt
Im ganzen wurden s. Z. 308 Exemplare gedruckt, die Kaiser Alexan
der II. verschenkte; in den Handel kamen nur wenige Exemplare. Be-
reits im Jahre 1881 wurde der Preis der 3 damals noch vorhandenen
Exemplare mit M. 1200.— pro Expl. angesetzt
Jetzt ist seit langen Jahren kein Exemplar mehr im Handel gewesen.
Die berühmte Bibelhandschrift-Ausgabe dürfte also zu den Seltenheiten
gehören. —
331 Corner, O. R., observations on four illuminations representing
the courts of Chancery, King's Bench, Common Pleas and
Exchequer, at Westminster from a Ms. of the time of Idng
Henry VI. Or. 8. Westminster 1865. 30.—
Mit 4 prächtigen farbigen Facsimile-Tafeln aus einer Handschrift des
XV. Jahrb., die Mitglieder der 4 obersten Gerichtshöfe Englands dar-
stellend.
Karl W. Hiersemann In Leipzigs Königsstrasse Z. Katalog 330*
Faesunäe-Reprodaktionen von Hmidsdtr^lm. 185
332 B1118, H., account of Caedmon's metrical paraphrase of Scrip-
ture History, an illumin. Manuscript of the tenth centuiy,
preserv. in the Bodleian library at Oxford. With 52 plates fac-
similes of the illuminations. 4. London 1832. Extr. 20.—
333 Bvangelia slavice^ quibus olim in r^^um Francorum oleo sacro
inungendorum solemnibus uti solebat ecclesia Remensis, vulgo
texte du Sacre^ ad exemplaris simih'tudinem delineavit J. B.
Silvestre, lat vertit Kopitar, cum notis ed. L. Paris. Cum
62 tab. facsim. 4. Paris 1852. 40.—
334 L'BvangUe et TApocalypse de Pierre. Le texte grec du
livre d'H^noch. Facsimil^ du manuscrit Teproduit en 34 planches
doubles en h^liogravure. Avec pr^face de A. Lods. 4. Paris
1893. (40 fr.) 22.—
M^moires publikes par les membres de la mission arch^ol. fran^. au
Caire tom IX, fasc. 3.
335 Poucquet, Jehan (1415—1483), oeuvre: heures de maistre
Estjenne Chevalier, tr^sorier des rois Charies VII et Louis XI.
etc Texte restitu6 p. I'abb6 Delaunay, Miniatures et encadre-
ments en Chromolithographie. Suivie de notices sur la vie et
les Oeuvres de Jehan roucquet. 2 vols. en 1. In 4. Paris
1867. 275.—
Das Werk des bedeutendsten französ. Miniaturmalers Ist eine der
großartigsten Publikationen auf dem Gebiete der Buchomamentik. 60
prächtige Separat-Chromotafeln und 236 durchweg verschiedene Bordüren
sind Meisterwerke der Chromolithographie, deren Ornamentik an Pracht
und Schönheit ihresgleichen sucht Vergriffen und selten.
336 Poucquet, J., grandes chroniques de France. Reprod. des 51
miniatures du manuscr. franc. 6465 de la Biblioth^que Nationale.
51 pl. et 10 pp. de texte. Paris s. d. (1906). In Hlwdmppe. 6. —
337 Gachet, Les sires de Oavresi roman du XV. si^e> accomp.
d'un glossaire. Edit. facsim. h'thogr. du manuscrit, om£e de
95 miniatures et initiales color. 4. Brux. (vers 1850) Cart.
T\x€ a 200 ex. 30.—
338 Genesis, die Wiener. Herausg. von N. v. Hartel u. F. Wick-
hoff. Mit 52 Lichtdrucktafeln, 6 Hilfstafeln u. 20 Textillustr.
Folio. Wien 1895. 80.—
Die Wiener Genesis ist die älteste christliche Handschrift, die mit
einer fortlaufenden Reihe von Bildern geschmückt ist Alle früheren
Ausgaben dieses wichtigen Denkmals sind fragmentarisch behandelt,
in der vorlieg, sind nicht nur alle Bilder, sondern die ganzen Seiten
dieses Ms.] auf Purpurpergament reproduziert; die Malereien sind ein
307erk der ausgehenden Antike.
Karl W^lflicnemann In Lelptigt KönigsstraiBe Z. Katalog 330.
186 Faesimäe-RitpnHiukäonm von Handsdiriftmu
339 Herrade de Landsberg, Hortus deliciarutn. Publik aux
frais de la Soci£t£ pour la conservation des tnonutnents histo-
riques d'Alsace. Texte explicatif commenc6 par A. Straub,
acnev£ par O. Keller. Avec 113 planches (reproductions h61io-
graphiques des miniatures). Folio. Strasbourg 1879—1001.
Hlwd.-Mappe. 200.—
Die aus der 2. Hälfte des XII. Jahrh. stammende Handsdirift bildet
durch die zahlreichen Miniaturen im romanischen Stil (ca. 700 im Ori-
ginal) eine Hauptquelle für die Kunst- und Kulturgeschichte des Mittel-
alters, bes. für Forschungen auf dem Gebiete der Trachten- und Waffen-
kunde und der Lebensweise jener Zeit überhaupt. Durch die vorlie-
gende Ausgabe der Kopien eines immer noch ziemlich großen Restes
von Miniaturen wird der 1870 durch den Brand der StraBburger Biblio-
thek herbeigeführte Verlust des Originales wenigstens einigermaßen er-
setzt; der Originaltext ist jedoch vollständig verloren, die beiden Heraus-
geber verfaßten dafür einen erklärenden Text zu den einzelnen Tafeln.
— Das mühsame Aufsuchen des noch vorhandenen Restes von kopier-
ten Miniaturen verursachte die 20 jähr. Erscheinungsdauer des Werkes.
Als ein Beispiel des wundervollen Kolorits der Qrig.-Miniaturen ist die
Tafel „la Femme de TApocalypse" in Chromolithographie hergestellt
worden.
340 Heitre« de la Reine Anne de Bretagne. — Le livre
d'heures de la reine Anne de Bretagne (1476 — 1514), publik et
trad. du latin et accomp. de notice in^d. p. l'abb^ Delaunay.
2 vols. Imp. 4. Paris, Curmer, 1861. In 2 reich vergold. braun
Maroquinbdn. m. Ooldschn., der 2. Bd. (das Fäcsimile der
Handschrift enthalt) mit el^. ziselierten Beschlägen u. auf d.
Vorderseite der Decke e. Elfenbeinschnitzerei v. 16 cm Höhe
u. 10 cm Breite eingelassen, welche in byzantin. Stile gearbeitet,
Christus am Kreuze mit Maria u. Johannes darstellt. 530.—
Prachtvolle Reproduktion dieses berühmten Livre d'heures mit seinem
49 außerordentlich schönen blattgroBen Miniaturen, durch welche es für
die Kostümkunde des Mittelalters von hervorragendem Interesse ist, u.
477 Seiten Orig.-Text, umgeben v. reichen Bordüren von Blumen u.
Früchten. Die französ. Obersetzung bildet einen besonderen Band in
Typendruck u. enthält u. a. auch einen Appendix mit e. Beschreibg. v.
350 im Manuscripte dargestellten Pflanzen aus d. Feder des Botanikers
Decaisne.
Die Herstellung der Reproduktion nebst Text kostete 450000 fr. —
In Paris wurde 1 Expl. zu 1500 fr. — in London zu 42 jT (=840 M.)
angeboten. Der Neupreis für das ungebundene, schon seit Jahrzehnten
vergriffene Werk betrug 750 fr.; der Einband des vorliegenden Exem-
plares allein hat sicher 300 Mark gekostet
Am Rücken 2 Verletzungen durch einen Nagel.
341 Heure«, Les, de Notre Dame dites de Hennesy, £tudes s.
1 Ms. de la Bibl. R. de Belgique p. J. Destr^e. Av. 58 pl. 4.
Brux. 1895. (60 fr.) 40.—
Karl W« Hiersemann In Ldpxigt Königistrassc Z. Katalog 330»
Facsünile-Reproduktionm von Handsdiriflen. 187
342 Das Jagdbuch Kaiser Maximilians I. Mit 3 farbigen Re-
produktionen gleichzeitiger Bilder und 3 Lichtdnicktafeln. In
Verbindung mit Wm. A. Baillie-Orohman hrsg. v. M. Mayr.
Kl.-fol. Innsbruck 1901. Orig.-Prgtbd. 30.—
In schöner Ausstattung^.
343 Kniga Gla^olemaja Kosmy Indikoplowa. Photolithogra-
phische Facsimile-Reproduktion in d. Farben des Manuscriptes
d. Metropoliten Makarij (Nowgoroder Verzeichn.) d. XVI. Jahrh.
(Sammlung d. Forsten Obojenskij). Aus dem Moskauer Haupt-
archiv d. Ministeriums d. Äußern. St. Petersburg 1886. Fol.
240 Seiten mit 48 Illustrationen in Farben. Beigefügt sind
4 Darstellungen aus dem Manuscript im Besitze des Fürsten
Wjäsemskij. Nicht im Handel. 90.—
Das Werk des unternehmenden Kaufmanns Kosma Indikoploff ist
in der griechischen Originalhandschrift bekannt unter der Bezeichnung:
„Christliche Monographie'^ Es wurde verfaßt in Alexandria in der ersten
Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Der Verfasser hat Ägypten, Abessinien
und Italien aus eigener Anschauung beschrieben und das damalige Wissen
von Ceylon und China überliefert. Seinen Beinamen Indikoploff, d. i.
Indienfahrer, verdankt er seinen wertvollen und verlässlichen Nachrichten
über Indien. In seinen späteren Lebensjahren wurde er Mönch.
Sein Buch war im Mittelalter, vom XVI. Jahrhundert an, besonders
in Russland stark verbreitet, wie aus den vielen Manuscripten der Ober-
setzung erhellt. Die vorliegende Reproduktion der kirchenslavischen
Obersetzung ist nicht nur wichtig als Denkmal altrussischer Literatur
und Weltanschauung, sondern ergänzt und erklärt auch eine Anzahl von
Stellen im griechischen Original, welches Monfaucon im Jahre 1706
herausgegeben hat.
344 Kokowzoff, R, Noch ein handschr. Fragment des Jerusalemer
Talmud, 13 pag. u. 2 facsim. Handschriften -Tafeln. St Petersb.
1898. S. A. (Russisch). 2.50
345 Kraus, F. X., die Miniaturen des Codex Egberti (X. Jahrh.) in
d. Stadtbibliothek zu Trier. M. 60 Facs.-Taf. in unveränder-
lichem Lichtdruck. 4. Freiburg 1884. (36 M.) 26.—
Ein sehr wichtiger Beitrag zur Sonographie des Mittelalters.
346 Leben de« Pedor-Jedessky. Facsimile-Reproduktion einer
Handschrift des XVI. Jahrhunderts. Mit 175 Miniaturen, aus-
fefOhrt in den Farben der Originale (21 darunter schwarz). 4.
t Petersburg 1879—85. 323 S. Russisch. 65.—
Nicht im Handel.
347 Leben des hoch würdigen Niphon. Facsimile- Wiedergabe
der Handschrift Mit 167 Miniaturen in den Farben der Origi-
nale. 4. St Petersburg 1879—85. 320 S. Russisch. 55.—
Nicht im Handel.
Karl W* Hiencmaan in lMpti%f Königfsstrasse 3« Katalog 330«
188 Facsimäe'Reprodaktionm von Handsehr^Un.
348 Leben und Erlebnisse der sehr gläubigen Oroßfflrstin JefrcH
sinija Susdalskaja, geschrieben von dem Mönch Origorij. Mit
58 Miniaturen, facsimiliert in den Farben des Originals auf
photolithogr. Wege. 4. St Petersburg 1888. Original-Carton.
148 pp. 90.—
Die GroBfurstin Jefrosinija war die Tochter des Tschernigoffsdien
Oroßfürsten Michael; die Entstehungr der Schrift fällt in das XIV.— XV.
hundert Der Text des Manuscriptes war von jeher geschätzt wegen
der charakteristischen, scharf umrissenen Sprache, in der hier die ältes-
ten Legenden behandelt sind. Noch wichtiger sind die Miniaturen, zumal
da, wo historische Episoden in den Vordergrund treten, wie der Oberfall
von Batij, als Dokumente der damaligen Lebensanschauung und Lebens-
weise, der Kriegsrüstungen, Trachten, Baukunst und des Hausrathes.
Der Druck ist nicht im Handel.
349 Leben unseres hochwQrdigen und gotterieuchteten Vaters Sergij
Radoneschsidj, des Wunderthäters von ganz Russland. 2 unbez.
Bl. u. 378 foliierte lithographierte Blätter mit 1 ganzseitigen und
652 halbseitigen Miniaturen in Lithographie, prächtig mit der
Hand koloriert 4. Moskau, Lithographie des Troizko-Sergiew-
schen Klosters 1853. In gleichzeitigem Kalblederband mit reicher
Ooldpressung und Silberpressung auf der Rückseite mit Krampen;
gepunzter Goldschnitt 480.—
Vorliegendes Werk ist eine Facsimile-Reproduktion des hn
Trojzko-Sergiew'schen Kloster erwähnten Manuscriptes. Das Leben
des hochwürdigen Sergej Radoneschsky, Gründer des Klosters, verfaßt
von seinem Schüler Seigij Epiphanij und ergänzt von Bachomij Serbij.
Die Wasserzeichen im Papier weisen darauf hin, daß das Ms. von Ende
des XVI. Jahrhunderts datiert
350 Legende von dem Tichwinschen Heiligenbild der Muttergottes.
Photolithograph. Wiedergabe eines Teiles der Handschrift aus
dem XVIII. Jahrhundert. Mit 45 nahezu blattgroßen Miniaturen
in den Farben des Originals. Folio. St Petersburg 1892.
109 Seiten. Russisch. 35. —
Nicht im Handel.
351 Liederhandschrift, die Jenaer. Facsimile-Ausgabe in Licht-
V druck (Phototypie). 133 Blätter nebst beschreib. Text von K.
K. Müller. Or. Fol. Jena 1896. In Mappe. (200 M.) 150.—
Dies Werk, die Reproduktion einer prächtigen, im Beginn des XIV.
Jahrhunderts geschriebenen Pergamenthandschrift, enthält eine vorzüg-
liche Sammlung deutscher Lieder des Mittelalters, nebst den gleichzeitig
beigeschriebenen Singweisen. Dasselbe wurde nur in wenig mehr als
100 Exemplaren hergestellt, von denen nur 50 in den Handel kamen.
352 Lives of Mabä Seyön and Oabra Krestös. Ethiopic texts
with English translation and a chapter on the illustrations of
Ethiopic mss. ed. by E. A. Wallis Budge. With 92 coloured
Karl W« Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330*
Facamäe-Reprodukäonen von Handsthriftmu 189
glates (chromolithogr.) and 33 illustrations. Or. 4. London 1898.
»rauner Maroqub. mit Blindpressung. LXXXIII S., 144 u. 65
Blatt 160.—
Lady Meux' Manuscript No. 1. Seltener Privatdruck, nur
in 300 numerierten Exemplaren hergestellt, in vornehmer Aus-
stattung auf starkem Velinpapier, einseitig bedruckt, außer den 33 Text-
illustrationen mit 92 prachtvollen Chromolithographien geschmückt
Der Herausgeber hält — wie er in der Vorrede sagt — die Hand-
. Schrift für eine im XVI. oder Anfang des XVU. Jahrh. angefertigte
Obersetzung aus dem Koptischen oder wahrscheinlicher noch Arabischen,
die Malereien scheinen dem XVII. Jahrh. anzugehören und sind auf
eine Beeinflussung durch spanische, ital. und bvzant Künstler zurück-
zuführen.
353 Livre du tr^s chevalereux Comte d'Artois et de sa femme
fille au Comte de Boulogne. Publik d'apr^s les manuscrits et
pour la premi^re fois (avec une introduction par J. Barrois).
Avec 28 planches (dont une a le titre en types dorls) grav^es
d'apr^s les miniatures du beau manuscrit de ce roman. Paris
1837. Blau Hmaroq. 40.—
In gotischen Typen z. TL rot u. schwarz gedruckt Nur in geringer
Anzahl veröffentlicht
354 Longnon, A., documents paris. sur l'iconogr. de S. Louis, publ.
d'apr^s un ms. de Peirese cons. ä la bibl. de Carpentras. Av.
13 pl. photolith. Paris 1882. 68 pp. (TVa frs.) 5.—
355 Mane88e-Hand8chrift. Minnesänger a d. Zeit d. Hohen-
staufen. Im XIV. Jahrh. gesammelt von Rudger Manesse von
Maneck. Facsimile der Pariser Hs. von B. C Mathieu. Mit
histor. Einleitung v. F. H. von der Hagen. Paris 1850. Fol.
Leinwdbd. 48.—
356 Miniatures du Psautier de S. Louis. Ms. lat 76 A de la
Bibliothfeque de TUniversit^ de Leyde. Edition phototyp. 25
illustr. sur 13 planches avec texte explic par H. Omont. 4.
Uyde 1902, 16.—
357 Miracle« de Notre Dame. Tome I: reprod. des 59 miniat.
du manuscr. franc. 9198; tome II: reprod. des 73 miniat. du
manuscr. franc 9199 de la bibl. nationale. 2 vols. 59 et 73 pl.
avec 13 et 15 pp. de texte. Paris s. d. (1906). In Lwdmappen.
358 Missal Pontifical de Estevam Oon^alves Netto. Propi£t6 de
l'Acad^mie Royale des Sciences de Lisbonne. Reproduit en
Chromolithographie et pr6c6d6 d'une notice sur Tomemen-
tation des Ms. portugais avec mention d'un po£me fran^ais
MS.y rappelant la ffite br^silienne qui eut Heu ä Ronen en 1550
Karl W. Hiersemafm in Leipzig:» Königfsstrasse 3* Katalog 330.
190 Faesimüe'Rqfroduktionm von Handsduifletu
par Mr. Denis. In-folio. Paris 1879. Magnifique reliure demi-
tnaroquin aux armes et ä petits fers en or et en couleur.
Trancne dor6e. 250. —
La reproduction du Missel comprend dans onze planches de miniatures
en Chromolithographie tout ce qu'il y a de plus riche; absolument
fid^le ä Toriginal suivant le certificat du Biblioth^caire de TAcad^mie de
Lisbonne; de plus les 76 pages du Codex, ^galement en riche Chromolitho-
graphie et contenant des miniatures, lettres-initiales facsimile bordures etc.
M^me l'introduction fran^aise de 96 pages est encadr^e en or et en
couleur et imprim^e sur papier tint^. Une charmant frontispice en Chromo-
lithographie rehauss^e d'or initie la süperbe publication, devenue assez rare.
359 Nikolai des Wunderthater's Leben. Facsimile - Reproduktion
einer Handschrift des XVI. Jahrhunderts. Mit über 400 Minia-
turen, von denen 15 hier völlig originalgetreu in Oold, Silber
und Farben wiedergegeben sind. 241 Blatt Folio. St. Peters-
burg 1882. In rotem Schaflederband mit russischer Silberpressung
überiaden. Mit Krampen. (Ladenpreis 150 Rubel = ca. 330 M.)
190.—
Das Manuscript stammt aus der Zeit des Zaren Johann IV. und ist
der prächtigen Ausführung nach zu schließen, wohl auf Befehl des
Zaren ausgeführt.
Den Miniaturen ist eine hohe Bedeutung zuzuerkennen, was Origi-
nalität, Kühnheit, Mannigfaltigkeit und Treue der Darstellungen anlangt.
360 Offenbarung Abraham«. Photolithographische Wiedergabe
einer byzantinisch-russischen Handschrift des XIII. bis XIV. Jahr-
hunderts. Mit 6 großen Miniaturen in Oold und Farben. Folio.
St Petersburg 1891. 44 S. Russisch. 25.—
361 PieraUsi, Sante. II preconio pasquale conforme all' insigne
frammento del codice barberiniano. — Dell' autore del piü
antico preconio pasquale. Due dissert. Con 5 taw. In -4.
Roma 1883. 8.—
362 Pmdentius. — Stettiner, R., die illustrierten Prudentius-Hand-
schriften. Tafelband: 695 Handschriftenseiten auf 200 Tafeln.
4. Bertin 1905. Cartoniert. 75.—
Der Textbd. erscheint im Herbst 1906.
363 A Psalter and Hours executed before 1270 for a lady connected
with St. Louis, probably his sister, Isabelle of France, founder
of the Abbey of Longchamp, now in the collection of Henry
Yates Thompson. Described by S. C Cockerell in rdation to
the companion psalter of St. Louis in Paris. W. 25 photo-
gravures of all the miniatures by E. Walker. Obl sm. folio.
London 1905. Boards, leather back. netto 68.—
Karl W« Hiersemann in Leipzig:, Königfsstrasse 3. Katalog: 330*
FacsMle-Reprodaktionm von HandsthHftau 191
364 Psautier de Saint Louia. Reproduction des 86 tniniatures
du manuscrit latin 10526 de la Biblioth^que Nationale. 92
planches avec introd. et notices p. H. Omont Kl. 4. Paris s.
d. Portef. Nicht im Handel. 10.—
365 Ren^ (d'Anjou). Les Tournois du Roi Ren£, d'apr^s le manu-
scrit et les dessins originaux de la Biblioth^ue Royale^ publi^s
p. Champollion-Figeac pour le texte et les notes explic, et L
J. J. Dubois pour les planches colori^es. Av. 1 frontispice et
20 grandes planches color. ä la main, repr^s. les portraits du
roi et de la reine, les tournois, et des d^tails d'armure et de
costume. Imp.-fol. Paris 1826. Sehr selten. Ewas papierfleckig.
Hldr. 340.—
Die Tafeln zeichnen sich durch prachtvolles Handkolorit aus und
liefern einen vorzüglichen Beitrag sowie zur Kulturgeschichte des Mittel-
alters, als auch zur Kenntnis der Kostüme, Waffen und Rüstungen.
Exemplare, in denen sämtliche Tafeln koloriert sind, kommen nur ganz
selten vor.
366 Sachsenspiegel. — Die Dresdner Bilderhandschrift des
Sachsenspiegels. Herausgegeben von Kari von Amira. Bd. I:
Facsimile der Handschrift in 184 Lichtdrucktafeln nebst 6 Tafeln
in Farbendruck und Ergänzungstafeln in Autotypie, sowie einer
Einleitung vom Herausgeber. Or.-Folio (48X36 cm). 2 Hälften.
In 2 Leinwandmappen. Verlag von Kart W. Hiersemann in
Leipzig, 1902—03. 180.—
Mit der soeben ausgegebenen 2. Hälfte ist das Facsimile der Hand-
schrift abgeschlossen.
Von hohem Wert für die Kunstgeschichte, Trachten- und Waffen-
kunde, da es kaum einen Gegenstand gibt, der nicht hier in den Illus-
trationen zur Darstellung gelangte.
Mit besonderer, ja übertriebener Sorgfalt sind die Körperbewegungen,
vor allem die Handbewegungen und Gebärden dargestellt, da diese
typisch, dem Sinne jedes Rechtssatzes angepaßt sind, so daß für den
Kundigen aus diesen Gesten der ungefähre Inhalt des illustrierten Textes
erhellt.
«r Eine Preiserhöhung wird noch in diesem Jahre eintreten.
367 Strzyrowski, J., die Miniaturen des serbischen Psalters der
Kgl. Hof- u. Staatsbibl. München. Nach e. Belgrader Kopie
ergänzt u. im Zusammenh. m. d. syrischen Bilderredaktion des
Psalters untersucht. Mit e. Einleitg. v. V. Jagic. Mit 1 Taf. in
Farben-, 61 Taf. in Lichtdruck u. 43 Textabb. 4. Wien 1906.
LXXXVII, 139 S. 42.—
368 Tolkowaja Palea 1477. (Erklärung des alten Testaments).
Photolithographische Wiedergabe des Manuscriptes aus dem
{ahre 1477, mit 28 Miniaturen in den Farben des Originals.
Jand I (soweit erschienen). 4. St. Petersburg 1892. 302 Bl.
Russisch. 60. —
Nicht im Handel.
Karl W. Hiersemann in Leipzig:» Köni^fsstrasse 3. Katalog 330*
192 Faetimäe'Reprodttkiionm von Handsdirtßm.
369 Der Totentanz. Blockbuch von etwa 1465. 27 Darstellungen
in photolithographischer Nachbildung nach dem einzigen Exem-
glar im Codex Palat germ. 438 der Heidelberger Universitäts-
ibliothek mit einer Einleitung von W. L &:hreiber. Or.-4.
(4 Seiten Text). Lpzg. Karl W. Hiersemann. 1900. Oebd. in
eleg. Lederbd. Nur in 100 numerierten Exemplaren hergestellt
60.—
Die von der Reichsdnickerei in Berlin hergestellte vorzflgliche Repro-
duktion bildet gewissermaßen eine Ergänzung zu den Publikationen der
Internationalen Chalkographischen Gesellschaft, es soll durch dieselbe
Bibliotheken und Sammlern ein geringer Ersatz für das nur den wenig-
sten Forschem und Liebhabern zugängliche, einzig existierende Exem-
plar der Universitäts-Bibliothek in HeidellK^, welches in allen hoch-
wissenschaftlichen .Werken besprochen wird, geboten werden.
Die dankenswerte Anregung zur Reproduktion gab Herr Oeheimrat
Lippmann in Berlin und der derzeitige beste Kenner der Blockbücher,
Herr W. L. Schreiber, unterzog sich der Mühe, eine einleitende Erläu-
terung dazu zu schreiben, in der er seine Mutmaßungen über Zeit und
Ort der Entstehung niederlegt, die ursprüngliche Anordnung der Blätter
feststellt und Vergleiche mit anderen Totentänzen gibt
370 Webb, J., translation of a French metrical history of the depo-
sition of King Richard the Second, written by a contem-
porary, and comprisins; the period from his last expedition into
Ireland to his death; from a Ms. formeriy belonging to Charles
of AnjoUy Earl of Maine and Mortain; but now preserved in the
British Museum; accompanied by prefatury observations, notes,
and an appendix; with a copy of the original W. 16 en-
graved plates (facs. of miniatures). 4. London 1823. A. 442 pp.
26.—
371 Wolf skron, A. v., die Bilder der Hedwigslegende nach einer
Handschrift vom Jahre 1353. Mit e. Auszuge d. Originaltextes
und histor.-archäolog. Anmerkungen. Mit 62 kolor. Bildern auf
32 Tafeln. Folio. Wien 1845. Hlwd< Unbeschnitten. Selten. 75.—
Nur in 200 Exemplaren hergestellt Die farbenreichen Miniaturen
sind in Facs. hergesteUt
Karl W* Hiefsemann in Leipzigs Kfinigsstrasse 3« Katalog 330.
HMdsdtriflenkmuU. Sdvdblumsi, HandschF^imfenäduussB. 193
Handschriftenkunde (Palaeographie).
Schreibkimst. HandschiiftenverzeichniMe.
(Siehe auch oben F€U^.-Be^rodukUonen.)
372 D'Abbadie. — Catalogue rais. de manuscrits Äthiopiens apparte-
nant ä A. d'Abbadie. 4. Paris 1859. Rare. 15.—
373 Album, chromotypogr. Sammlung der schönsten Miniaturen
d. Mittelalters a. d. XIV. u. XV. Jahrh. (Lott'sche Sammlung). 80
BIL in Chromo. Or. 8. (Wien 1870). Halbmaroquinbd. 33.—
374 Album palöographique, ou recueil de documents importants
relatifs ä l'histoire et ä la litt^rature nationales reprod. en
h^liogr. d'aprte les originaux des biblioth^ues et des archives
de la France, avec des notices explicatives par la Soci6t6 de
l'Ecole des chartes. Avec 50 planches. Fol. Paris 1887. In
Lwd.-Carton. (150 fr.) 100.—
Wurde in nur 3S0 num. Exemplaren gedruckt; vorlieg, ist No. 241.
375 Archivio paleografico italiano diretto da E. Monad. Fase 17
u. 18. Or. Fol. Roma 1900. 36.—
376 Arnold, Sammlung von Initialen aus Werken vom XI.— XVII.
Jahrti. 2. Aufl. 1. Bd. 5 Hefte. Mit 30 Farbdrucktaf. 4. Lpz.
1889. Nicht mehr erschienen. (15 M.) 6.—
377 Arundel-Societj. — An aiphabet of capital letters selected
from the illuminations of Ital. Choral books of th 15th a. löth
centuries. 23 pl. engr. in outline, 1 letter (F) printed in co-
lours. Fol. 1862. In Lwdmppe. Vergriffen. 60.—
378 Bastard» le Comte Auguste de, Pdntures et omements des
manuscrits. S^rie de planches in^dites, ex^cut^es en litho-
graphie de Texemplaire des peintures etc, que l'auteur avait
arrang^ pour son fils. 11 planches lithogr. Imper. -Fol.
Paris 18 . . 280.—
Verzeichnis der 11 planches:
Tome X, 3. Manuscrits allemands. Missel de Worms. Jesus
Christ implor^ par la Vierge. Lettres histori6es.
Tome XI: Manuscrits allemands: Aus Hortus deliciarum: Cr£-
ation des anges. Rebellion de Ludfer. Myst^re de la R^demption.
Prise de L^viathan. L'Eglise chretienne. UEnfer. Le sein d' Ab-
raham.
De la Librairie du Duc de Berry: Merveilles du Monde: planches
11—12: Grand capitales toumeures.
Karl W. Hiersemaiin in Lcipti& Köoigsstrasse 3* Katalog 330l
13
•>
194 Handsdiriflenktinde. SehrdbkunsL Handsdir^tmyentädmisse.
379 Biblioth&que de l'6cole des chartes. Revue d'6rudition con-
sacr^e sp^alement ä l'^tude du moyen-äge. Tomes 1—11,
13, 19, 23, 25, 31, 34, 37, 40—42, 44-52. Avec planches.
Paris 1839—92. üBd. 6, 9—11 Hfz. u. Hlwd., 15 Bde. Hkalbidr
Rest brosch. (465 fr.) 250.—
Die 15 Halbkalbldrbde. haben sauberen Dublettenstempel auf der
Rückseite des Titels.
380 Birch, W. de Gray, the histoiy, art and palaeography of the
manuscript styled the Utrecht Psalter. With 3 plates. London
1876. Cloth. (12 sh.) 7.50
381 Beim. — Catalogue of the collection of pictures, miniatures,
emanels and other objects of art, formed by H. O. Bohn.
Auction 19. III. 1885. 165 pp. London 1885. Mit Preisen. &—
382 Bocke of Christinas Cards. Illuminated from ancient
Manuscripts in the Brit Mus. 4. London, H. O. Bohn, n. d.
(ca. 1840). Rot Maroquinbd. mit Blindpressung. 30.—
Selected and arranged by Jos. Candall; drawn and lithographed by
J. Brandard; printed in colours by M. a. N. Hanhart; printed with type
by Ch. Whittingham. — Bordüren und Miniaturmalereien sind
Copien aus verschied. Ms. des Brit Mus.
383 Bradiej, J. W., dictionary of miniaturists, illuminators, calli-
graphers and copyists, with reference to their works, and
notices of their patrons from the establishment of Christianity
to the 18th Century. 3 vols. London 1887—89. Hfz. Ver-
griffen. 85.—
Schönes Exemplar.
384 Buslajeff, F., Sammlung von Darstellungen aus illustrierten
Apokalypsen, nach russischen Handschriften des XVI. bis XIX.
{ahrh. Textband, 4. XIV., 835 Seiten, russisch, gebunden und
-olio-Atlas von 285 Tafeln, wovon 23 in Oold und Fari3en
ausgeführt sind. Moskau 1884. Atlas in Mappe. Nicht im
Handel. 220.—
385 II Canxoniere Provenzale della Riccardiana No. 290Q. Ediz.
diplom. preceduta da un' introduz. p. Oiulio Bertoni. C. 2 tav.
facs. Dresden 1905. XXIV, 234 p. 14.—
Gesellschaft für Romanische Literatur, Band 8.
386 Catalogus codicum astrologorum graecorum. Vols IV. Co-
dices Italic! praeter Florentinos, Venetos, Mediol., Roman. Des-
cripserunt Bassi, Cumont etc Brux. 1903. (10 fr.) 7.—
387 Catalogus codicum manu scriptorum qui in Bibliotheca
Monasterii Einsidlensis O. S. B. servantur. Descr. P. Oabr.
Meier O. S. B. Tomus I. Compl. centur. quinque prior. Ein-
sidlae et Lipsiae 1899. XXIV, 422 pag. 20.—
Karl W. Hiefsemann in Leipzigs Kfinigsstrasse 3* Katalog 330*
Handsduiftenkunde, Schmbkansi, HandschriftenvendduUsse. 195
388 ChampoUion, M. A., Pal^ographie des classiques latins d'apris
les plus beaux manuscrits de la Biblioth^ue Royale de Paris.
Recueil de Fac-Simile, 12 planches avec notes historiques.
Fol. Paris 1839. Ppbd. 32.—
389 Chwolson, D., Corpus inscriptionum hebraicarum, enth. Grab-
schriften aus der Krim u. andere Orabschriften in alter hebr.
Quadratschrifty nebst Schriftproben a. Handschr. des IX.— XV.
Jahrh. Mit 7 Tafeln. Fol. St. Petersbg. 1882. 15.—
390 Daiize, P., Index bibliographique. Repertoire des ventes pu-
bliques catalogu^es. Vol. 1 — 5 (compren. lanvier 1894 au 30.
Sept 1898). 4. Paris 1895—1901. (180 frcs.) 120.—
391 Daj, L, alte und neue Alphabete. Ober 180 vollständige Al-
phabete, 23 Folgen von Ziffern und zahlreiche Nachbildungen
alter Daten usw. Für den praktischen Gebrauch, nebst einer
Einführung über „Die Kunst im Alphabete Autorisierte
deutsche Bearbeitung. 2. verb. u. verm. Aufl. In elegantem
Leinwandband. Leipzig 1906. 5.—
392 Delisle» L, Deux manuscrits de Tabbaye de Flavigny au X.
sifecle. Avec 3 planches. 4. Dijon 1887. Lwbd. 9.—
Extr. des M^moires de la Com. des Antiqu. de la C6te d'Or.
393 Delisle, L, Facsimile de livres copi6s et enlumin^s pour le
roi Charies V. Avec 14 planches. 4. (Paris) 1903. 22.—
Nicht im Handel. 20 S. u. 14 Facsimile-Tafeln; letztere bringen Re-
produktionen aus Miniaturhandschriften, welche im Auftrage Karls V.
hergestellt wurden.
394 Denkmäler, Teutsche. Hrsg. u. erklärt von Batt, v. Babo, Eiten-
benz, Mone u. Weber. 1. (einzige) Lief. Enthält die Bilder
zum Sächsischen Land- u. Lehnrecht Mit 35 (doppelseitig
gedr.) Tat, wovon 1 kolor. Fol. Heidelberg 1820. 10.—
Die Tafeln reproduzieren die Miniaturen der Heidelberger u. Dres-
dener Handschrift des Sachsenspiegels, deren erste dem frühen XI H.
Jahrh. angehört. Auf der Farbentafel Vertreter von 24 Standen nach
den Miniaturen.
395 Brler, O. Die Matrikel der Universität Leipzig, hrsg. im Auf-
trag d. k. Sachs. Staatsregierung. Bd. I u. II mit 9 Tafeln in
reichen Oold- u. Farbendruck. 4. Leipzig 1895 — 97. Lwd. m.O.
(90 M. brosch.) 70.—
Bd. I Die Immatrikulationen von 1409—1559 mit 8 Tafeln. — Bd. II
[>ie Promotionen 1409—1559 m. 1 Taf. Die Farbentafehi geben eine
getreue Wiedergabe der Ausschmückung der Handschriften durch die
künstlerischen Miniaturen.
Karl W. Hiersemann fn Leipzigs Kfinigsstrasse 3. Katalog 330*
106 Handsdtr^tmkttnde. SihnibkunsL Handsdtr^lmvinäduusse.
396 Plflgel, O.» die arabischen, persischen u. türkischen Hand-
schriften der K. K. Hofbibliothek zu Wien. 3 Bde. 4. Wien
1865—67. (56 M.) 12.—
397 Pugger, W., Bürger zu Nürnberg. Ein nutzlich vnd wolgegrundt
Formular / Manncheriey schöner schriefften / etc Nürnberg,
Katharina Dieterichin in verl^. Wolffg. Starck, 1553. 104 n.
gez. Bll. Quer-4. Prgt-Mscrptb. 140.—
Ebert 7999. Seltenes u. sehr schönes Schreibbuch m. Vorlagen in
4 Sprachen, deutsch, lat, griech. u. hebräisch. Schönes Exemplar. Einige
BU. m. Tusche laviert
398 Gebhardt, O. v. The miniatures of the Ashbumham Penta-
teuch. W. 20 plates. Lond. 1883. FoL Halbleinwd.-Mappe. 100.—
399 Gebhardt, O. v., Chr. Fr. Matthaei u. seine Sammlung grie-
chischer Handschriften. Beitrag z. Geschichte d. Mosloluer
Bibliotheken. Leipzig 1898. 110 S. 3.—
S.-A. aus „Centralblatt f. Bibliothekswe8en'^
400 Gesen, A., Skizzen und Bemerkungen aus der Philologie, Ge-
schichte und Philosophie, I. Teil: Geschichte der slawischen
Übersetzung der Symbole des Glaubens. Kritisch palaeographische
Bemerkungen. Mit 4 Tafeln (1 davon in Gold und Farben).
St Petersburg 1884. 12.—
401 Ginsburg, C D., The Massorah compiled from manuscripts
alphabetically and lexically arranged. 3 vols. Gr. Fol. London
1880—85. Gart. netto 190.—
402 Gotic Alphabets. (39 plates). The texi by Jaro Springer.
Lge.-4. London, Int. Chalc Soc, 1897. Boards. 40.—
403 Grauxy Gh., Essai sur les origines du fonds grec de l'Escurial.
Gr. 8. Paris 1880. Br. 10.—
404 Hamilton Palace Libraries. — Catalogue of the Hamilton
Palace Libraries. (Beckford-Library, 4 parts, and Hamilton-
Library, 1 vol.) = 5 parts. London 1882—84. With the price-
lists of the 1. and 2. part (29'/, M.) 15.—
405 Hoffmann von Pallersleben. Verzeichnis der altdtschn.
Handschriften der k k Hofbibliothek zu Wien. Lpz. 1841.
Hlwd. Mit Papier durchschossen. (9 M.) 5.50
406 Karabacek, J., Mitteilungen aus d. Sammlung d. Papyrus Erz-
herzog Rainer. 1.— 6.Bd. Wien 1886—1897. 4. (120 M.) 90.—
407 Kershaw, S. W., Art treasures of the Lambeth Library a
descript of the illumin. mss. etc With 8 pl. Lond. 1873.
Cloth. (14 sh.) VL—
Karl W. Hiersemann in Leipzigs Kfinigsstrasse 3« Katalog 330.
Handsduiflenkunde, SchrdbkunsL Handschriflenvenäehnisse. 197
408 Knlrowjedjenie. Monatliche illustrierte bibliographische Zdt-
schnn. Organ der Moskauer Bibliographischen Runde. I. u.
11. Jahrgang 1894, 1895 ä 12 Hefte. Moskau. Russisch; pro
Jahrgang 24.—
409 Kondakoff, N. P. Zoomorph. Initialen griech. und glagolit
Handschriften des X. u. XL Jahrh. in der Bibliothek des Sinai-
Klosters. 8 chromolithogr. Tafeln u. VIII pag. Text St Peters-
burg 1903. (In russischer Sprache). 5.50
410 Kopp, M. F., Bilder u. Schriften der Urzeit 2 Bde. m. vielen
schwarzen u. kolor. Abbildgn. Mannh.1819 — 21. Pp. Unbeschn.
(37Vs M.) 18.—
Schönes Exemplar.
411 Le Roux de Lincv et L M. Tisserand, Paris et ses histo-
riens aux XlVe et XVe siteles, documents et Berits originaux.
Avec 38 planches hors texte dont 13 en or et en couleur et 50
gravures dans le texte. 4. Paris 1867. Cart (100 fr.) 65.—
Von den farbigen Tafeln sind 10 prächtig in Oold u. Farben
ausgeführte Facsimiles von Miniaturen aus alten Manuscrip-
ten.
Auf Seite 265—81: Le dit des trois morts et des trois vifs, sculpt^
au portail de T^glise des Saints Innocents avec 2 grav. s. bois. — Auf
Seite 283—317: La Danse macabre peinte sur les murailles des
Charniers. Reproduction des ^itions princeps de Ouyot Marchant (1485
—1486). Texte et plunches (24 sujets).
412 Lichatscheff, N. P., die Paläographische Bedeutung der Papier-
Wasserzeichen (Filigrane). Bd. I: CCXll+510 pag. nebst 17
autotyp. Tafeln u. 1 Tabelle. Band II: 424 + 248 pac;. Band III:
enth. 1 Atlas von 4258 Wasser-Zeichen auf 635 lithogr. Tafeln,
sowie 1 Beilage von 4 Foliotafeln in Zinkographie. Die 3 Bände
in lex. 8^, Beilage foL In russischer Sprache. St Petersburg 1899.
160.-
Der durch seine früheren paläogr. Arbeiten bereits bekannte Autor
bietet hier unter Zugrundelegung eines gewaltigen Quellen-Materials,
zu dem ihm außer den russ. viele in- und ausl. Bibliotheken-Archive
Stoff geliefert haben, zum ersten Male eine erschöpfende Geschichte
der Papier-Wasserzeichen, sog. Filigrane.
[>ie übersichtl. Anordnung des Stoffes, die Beigabe von Sach- u.
chronolog. Registern, sowie die vielen tausend Abbildungen geben ein
anschauliches Bild der Filigrane von 1293—1832.
[>ie vorliegende Monographie ist eine grundlegende Arbeit auf diesem
Spezialgebiete.
413 Lichatscheff, N., Brief des Papstes Pius V. an den Zaren
Iwan den Grausamen in Verbindung mit der Frage Ober die
päpstl. Breviere. Mit zahlreichen Textillustr. u. 23 Tafeln. St
Petersburg 1906. 175 pag. (In russischer Sprache.) 16^0
In sehr geringer Auflage gedruckt, nicht im Handel.
Karl W« Hkrsemann In Ldp^t KAnlgsstrasse 3« Katalog 330»
1 98 Handsdiriftenkunde. SchreibkunsL Handsdir^tenvemidmisse.
414 Manuscripts of England. Facsimiles of National Manuscripts
from William the Conqueror to Queen Anne, photozincographed
by Sir Henry James. 338 facsimiles of all kinds of Documents,
State Papers, Royal Letters, Reports, Despatches etc. with trans-
lations. 4 vols., sm.-folio. Southampton 1865—68. Cloth. 90.—
415 National Manuscripts of Scotland. Facsimiles. Selected under
the direction of Sir William Oibson Craig, photozincographed
by Sir Henry James. 272 facsimiles of Documents ranging from
the tenth to the seventeenth Century. 3 vols. Folio. The title
pages with coloured reproductions of a Miniature. Southampton
1867—71. Half morocco, cloth sides, top gilt 280.—
416 Materialien zur Geschichte der Schrift der Orientalen, Griechen,
Römer und Slawen. Zum hundertjährigen Jubiläum der Mos-
kauer Universität, herausg^eben von den Professoren Petroff,
Klien, Menschikoff u. Buslajeff. Mit 32 Tafeln, Facsimilia alter
Handschriften, mit Ornamenten, Initialen, Kopfleisten und
Miniaturen mit Photolithographie in Gold und Farben ausgeführt;
femer schriftvergleichende Tabellen. Folio. Moskau 1855. 70. —
Inhalt: Lithogr. Titel in Gold und Farben. — 22 photolithogr. Tafeln
in Oold und Farben, zur Illustration der Geschichte der slawischen Schrift
aus 15 Manuscripten zusammengetragen. — Vorrede. — Petroff, P., über
die wichtigsten Alphabete der Orientalen, ihre Erfindung und Formum-
de literis earumque usu apud Graecos et Romanos. 47 S. — Loci Grae-
corum et Romanorum de Uterarum inventione et usu apud utrosque. 19 S.
— Mit 2 sprachvergleichenden Tabellen. ~ Russische Obersetzung dazu
von J. Schiwawo. 28, 32 SS. — Theophilakt, Leben des heiligen Klement,
Erzbischof von Bulgarien. 30 S. ~ Buslajeff, F., palaiographische und
philologische Materialien zur Geschichte der slawischen Schrift, aus 15
Manuscripten zusammengetragen, mit 22 photolithogr. Tafeln in Gold
und Farben. 58 S.
417 Miniaturen. Sammlung von 35 Photographien nach den vor-
zflglichsten Miniaturen des Mittelalters. Auf 35 Cartons in 4.
M^
418 Moritz, B., Arabic Palaeography. A collection of Arabic texts
from the first Century of the Hidjra tili the year 1000. 188
phototype plates, with descr. text. Large folio. Leipzig, Karl
W. Hiersemann, 1906. Portfolio; accurate Imitation of an old
Koran binding. 145. —
Der Zweck des Werkes ist, die Entwickelung der arabischen Schrift
und zwar hauptsächlich der Buchschrift nach dem auf der vizeköniglichen
Bibliothek in Kairo vorhandenen reichen Material darzustellen. Zwar
hat es an ähnlichen Arbeiten nicht gefehlt, doch kommen die älteren
nicht in Betracht, die nicht mehr auf der Höhe sind, da sie über das
unentbehrlichste Hilfsmittel, das der Photographie, nicht verfügten.
Karl W. Hiersemann in Leipzigs KAnlgsstrasse 3« Katalog 330.
Hanäsehriflenkunde. SchrabkunsL Handschriftenvenädmissi. 199
Die „Palaeographical Sodety^' in London hatte unter Wrights Leitung
ein großartiges Unternehmen zur Darstellung aller orientalischen Schriften
geplant, feider blieb es aus Mangel an Interesse sehr bald nach dem
Anfange stecken; 25 arabische und 7 persische Schrifttafeln sind alles,
was für die Erforschung der arabischen Schriften herausgekommen ist
Sodann hat Herr Professor Ahlwardt als Anhang zu seinem Katalog der
arabischen Handschriften der königlichen Bibliothek in Berlin auf 12
Tafeln in Quart nicht weniger als 63 arabische Schriften wiedergegeben,
jedoch wurde dabei die kufische Schrift ganz ausgeschlossen.
In dem vorliegenden Werk ist der Versuch auf 188 Folio-Tafeln in
umfangreichster Weise wiederholt Von diesen Tafeln entfallen 47 auf
die kufische Schrift. Durch Erwerbungen in den letzten Jahren ist die
Bibliothek zu Kairo in den Besitz mehrerer datierter kufischer Korane
bezw. Fragmente gekommen, die zur chronologischen Einordnung der
nichtdatierten beitragen. Die Naschi-Schrift ist auf mehr als 100 Tafeln
zur Darstellung gelangt, von denen 15 die Schrift der drei ersten Jahr-
hunderte auf Papyrus, Leder, Pergament, Papier und Stein zeige. Die
eigentliche Buchsdirif^ umfassend die Zeit von A. H. 350—1000 ist mit
118 Proben vertreten, unter denen sich 17 Autographen berühmter Autoren
und 20 maghribinische Handschriften befinden.
Schließlich sind auf 48 Tafeln eine Reihe von Prachtkoranen aus der
Mamelukenzeit, den Keimelien der Bibliothek, femer einige persische,
indische und türkische Korane zur Darstellung gekommen, weniger zu
palaeographischen Zwecken, als vielmehr ihrer reichen Ornamentik wegen,
die ein wichtiges Material zur Kunde der muhammedanischen Kunst in
den verschiedenen Landern des Islam bietet
Ein Textband aus der Feder von Professor Dr. B. Moritz, Kairo, ist
in Vorbereitung und wird nach Erscheinen gegen besondere Berechnung
geliefert.
Die Mappe, die der Herausgeber für das Werk anfertigen ließ, ist die
genaue Nachbildung eines alten Koran-Einbandes.
419 Mu^nier, F^ les manuscrits ä miniatures de la maison de
Savoie. Le breviaire de Marie de Savoie, Duchesse de Milan,
les heures des Ducs Louis et Am^^e IX. Av. 5 pl. Moutiers-
Tarentaise 1894. 6.—
420 Nikitskij, AI., Forschungen auf dem Gebiete der griechischen
Inschriften. Mit 3 autotyp. Inschriften. Kopien auf einer Tafel.
Dorpat 1901. XLVI + 290pag. In russischer Sprache. 8.—
421 Notices et Extraits des Manuscripts de la Biblioth^ue du Roi
(plus tard Biblioth^ue Nationale) et autres biblioth^ues publi^s
par rinstitut de France. Vols. 1—35 in Quarto (avec des planches)
et avec les 3 atlas in fol. Paris 1787—1897. Zusammen 55
Bde., von denen 21 in Hfrz., 14 kart u. 20 brosch. (Ober 900
francs). 485.—
[>ie zwei Atlanten in Folio tragen folgende Titel: Papyrus grecs du
Louvre et de la Bibl. Nationale (atlas pour le vol. 18 II) 52 planches. —
Karl W* Hierscmann in Leipzig, Kftnigsstrasse 3* Katalog 330.
200 Hoiidschrtflmkunde. SehnibhmsL HandsehiyimHnäekmsae.
Inscriptioiis sanscrites du Cambodge. 17 planches (pour le vol. 27). —
Inscriptions sanscrites de Campa et du Cambodge, planches 18—45
(pour le vol. 27).
422 Oechelhättser, A. von, die Miniaturen der Universitäts-Biblio-
thek zu Heidelberg. 2 Teile. M. 34 zum Teil farbigen Tafeln.
4. Heidelberg 1887—95. (90 M.) 65.—
Ein dritter Teil ist in Vorbereitung.
423 Omont, H., catalogues des manuscrits grecs de Fontainebleau
sous Franqois I. et Henri II. Avec 2 planches, heliogr., gr. 4.
Paris 1889. 24.—
Exemplar trägt eigenhändige Widmung des Verfassers an B. Prost
424 Omont, H., notice du Ms. lat 763 de la Bibl Nat cont plu-
sieurs anc glossaires grecs et lat prov. de Saint-Maximin de
Trives. 4. Paris 1903. 1.50
425 östgOta Laghbok. Ostgotisches Gesetzbuch. 106 Bl. doppel-
seitig in Lichtdruck^ 1 Bl. gedr. Text Handkoloriertes
Exemplar. Fol. Stockholm 1899. Hfzbd. 180.—
Das älteste bis zum heutigen Tage erhaltene Buch schwedischer Lite-
ratur, das sog. Västgotalagen ist bereits 1889 in Liditdruck -Reproduktion
und Buchform zugänglich gemacht worden, östgötalagen ist etwa 60 Jahre
jünger und stammt von 13S0; das Original (in der Konigl. Bibliothek
zu Stockholm) ist jedenfalls das am schönsten geschriebene Buch der
Folkunger-Konigszeit
426 Palaeographical Society. Facsimiles of Manuscripts and
Inscriptions. Ed. by E. A. Bond, E. M. Thompson, O. F. Warner
and W. Wright 31 pts., impl. fol. consisting of 565 facsimiles
a. descript Text, tables of contents, etc., and Oeneral-Index
to Series I and II. London 1873—1901. Hf. marocco gilt
1000.-
First Series, 13 parts, forming 2 vols., 1873—83; second series, 10 parts,
forming 1 vol., 1884—94; Oriental Series, 8 parts, forming 1 vol., 1875
bis 83 (=> 4 vols fol.) Oeneral-Index to Series I. II 1901. — Prachtiges
u. vollständiges Exemplar (zur Oriental Series ist ein Index nicht er-
schienen). Außer dem rein palaeograph. Interesse auch sehr wichtig
für Miniaturenkunde, Kunstgeschichte etc.
„The plates in the above set are arranged not in their numerical order
of publication, but in accordance with the plan of the Editors, under
their respective dasses, thus rendering the coUection more convenient
for reference. The Contents of the series, which is now dosed, are as
f<^lows: —
V. I, Oreek: v. II, Oreek and Latin: v. III, Latin, English and Irish:
V. IV, Latin Cursive: v. V, Oeneral Series: v. VI, Oriental, comprising
Hebrew, Phcenidan, Samaritan, Syriac, Arabic, Ethioplc, and NonSemitic
These facsimiles of original texts, etc., 365 in number, cover a period
of more than two thousand years, from B. C. 600 to A. D. 1500.'^
Karl W* Hicrsemann In Ldpxigt Kfloigsstrasse 3« XLatalog 330.
Haii^behrifienkunde. SehreibkunsL Handschriftmveruichnisse. 201
427 Palaeographical Society. — Facsimiles of manuscripts and
inscriptions. Oriental Senes ed, by W. Wright 100 plates.
Folio. London 1875—83. Lwd. 190.—
[>ie Tafeln enthalten teilweise auch Miniaturen und sind daher auch
von hohem Interesse für die Kunstgeschichte.
428 Palaeojpraphical societj. Facsimiles of ancient manuscripts,
ed by Bond and Thompson. Part VII. London 1877. 30.—
429 Palatino, G. B., libro nel quäl s'insegna ä scriuere ogni sorte
lettera antica et modema di qualunque natione, con le sue re-
gole, et misure et essempi, et con un breve discorso de le
cifre. Riueduto nuou. e corr. pel proprio aut., con l'aggivnta
di XI. tav. belliss. (in fine:) Roma in Campo di Fiore» p. Ant
Blado, 1548, In 4. Hfz. 63 Bl. 50.—
Interessantes u. sehr seltenes Schreibvorlagenbuch; mit Ausnahme der
Vorrede u. einiger Textblätter ganz xylographisch hergestellt Auf dem
Titel das Portrait des Autors u. am Schluß große Druckermarke.
Schlußblatt 64, weißes Bl., fehlt; unbedeutend fleckig.
430 Paleografia artistica di Monte-Cassino, Serie I u. II in 4 Lfgn.
I: Scrittura gotica corale con 16 tavole. II: Scrittura Longo-
bardo-Cassinese con 54 tavole. Folio. Montecassino 1876—77.
(80 fr.) 45.—
Prächtig kolorierte Tafeln mit Text. -— Es ist noch eine III. Serie
erschienen: scrittura latina mit 67 Tafeln.
431 Palermo, Fr.» i manoscritti Palatini di Firenze, ordinati ed es-
posti. Vol. I. 4. Firenze 1853. Hlwd. 22.50.
432 Papyrus, the demotic magical of London and Leiden ed. by
F. L. Oriffith and Herb. Thompson. In 8. With an Atlas of
33 inscriptions. In Folio. London 1904. Cloth. 21.—
433 Papyrus Erzherzog Rainer. Führer durch die Ausstellung.
(Bearb. u. beschr. v. J. Karabacek.) I. Theil (einz.). Mit
8Taf.u.zahIr.Textabb. 4. Wien 1892. Nicht Im Handel. 6.—
Zu Ehren des IX. internationalen Orientalischen-Kongresses in London
als Mscrpt. gedruckt.
434 Pettisrew, Th. J., Bibliotheca Sussexiana. 2 vols. With Por-
trait (Prince Aug. Fred, of Sussex) and 19 plates (facsim.) gr.
in 8. London 1827—39. Kalbleder. (105 sh.) 65.—
Wertvoller Katalog von ca. 300 Bibelmanuscripten, ca. 400 Bibel-
ausgaben hebräisch, griech., latein. etc. mit genauer Beschreibung.
435 Pol de Mont, le Mus6e des Enluminures. (Revue p^riodique
pour r^tude de l'art m^di^val.) Livraison I. Quelques pr^cur-
seurs des Fr^res van Eyck. Livre d'heures du Duc de Berry.
Katl W* Hkrsemami In Leipzigs Königsstrasse 3. Katalog 330.
202 Handsdiriflmkunde. SchmbkunsL Handsthr^tm^enäduusse.
Titre (frontisp.) 20 planches (dont 1 en couleurs) et texte expL
Fol Haariem 1905. Cait 50.—
Voraussichtlich werden 6 Lieferungen im Laufe jedes Jahres er-
scheinen; der Subscriptionspreis für mindestens 6 Lieferungen beträgt
für die Lieferung 40 M., während er bei Abnahme einzehier Hefte 50 M. ist
436 Pomialoffskij, J., Sammlung griechischer und lateinischer In-
schriften des Kaukasus. Mit 8 lithogr. Tafeln. 4. St Peters-
bui^ 1881. 96 pp. Russisch. 9.—
437 Psautier de Saint Louis. Reprod. des 86 miniatures du
manuscr. latin 10525 de la Biblioth^ue Nationale. 92 pl. et
20 pp. de texte. Paris (1906). In Hlwdmppe. 10.—
438 Publications of an American Archaeological Expedition to
Syria in 1899—1900. Ed. by Garrett, Butler, Prentice, Littmann
and Huxley under the Patronage of Macy, Hyde and Stokes.
5 parts. With many autotype illustrations. 4. New York
1904, ff. Orig. cloth.
Bisher erschienen Pt II zum Preise von netto 84 — u. IV zum Preise
von netto 42—, die Preise für die noch ausstehenden Bände I, HI, V
liegen z. Zt noch nicht fest Einzelne Bände werden abgegeben.
Dieses großartig angelegte, auf 5 Bände berechnete Werk bringt die
archaelogischen, topographischen und anthropologischen Ergebnisse der
amerikanischen Syrien-Expedition, welche in den ausgedehnten, aber
noch wenig bekannten bergigen Gebieten des nördlichen Mittel-S3rrien
und des Djebel Haurän erfolgreich tätig war. Eine sehr große 21ahl gut
ausgeführter Abbildungen in Autotypie nach den photographischen Auf-
nahmen und Messungen geben einen Einblick in die riihrige Arbeit der
Expedition, deren Ziel außer der Aufdeckung neuer Monumente des Alter-
tums auch die Nachprüfung unserer beiden bisher einzigen Quellen für
die archaeologische Kenntnis jener Gegenden war, d. h. der Arbeiten
von Marquis de Vogü^ „La Syrie centrale: Architecture dvile et reli-
gieuse, 1865'' u. „Inscriptions semitiques, 1868"; femer von W. H. Wad-
dington „Inscriptions grecques et latines de la Syrie, 1870''.
Der Inhalt der fünf Bände ist folgender:
I. R. Garrett, Topography and itinerary. Mit 4 Karten.
IDieser Teil, der die Einleitung zum Gesamtwerke bilden soll, um-
fast einen kurzen Oberblick über das Land, eine Geschichte der Reise,
welche die Expedition gemacht hat, und 4 Karten, von denen
3 dasjenige Gebiet zeigen, auf das sich die Hauptarbeit der Expe-
dition erstreckte, während die 4. eine Qeneralkarte von Syrien mit
dem eingezeichneten Reisewege ist
11. H. C. Butler, Architecture and other arts. Mit über 600 Autotypien.
IDieser Teil enthält die Beschreibung der Architektur-Monumente
des nördlichen Teiles von Mittel-Syrien, des Djebel Haurän, Aleppo,
Palmyra etc. und behandelt eingehend die Skulptur-Mosaik und
Wandmalerei. (Bereits erschienen.) 84 —
Karl W« Hiersemann in Leipzig, KAnigsstrassc 3. Katalog 330*
Handsdtriflmkunde. Schrabkuftst. Handschriftmvenäehmsse. 203
III. K. W. Prentice, Oreek and Latin Inscriptions.
Dieser Band reproduziert nicht weniger denn 4S0 griechische und
einige lateinische Handschriften, von denen die Mehrzahl bisher un-
ediert ist, wobei jede einzelne sowohl in den Original-Sdiriftzeichen
als auch in moderner Type mit einer Obersetzung ins Englische
und einem Kommentar wiedergegeben wird.
IV. E. Littmann, Semitic Inscriptions. Mit 40 Photographien und
220 Abbildungen.
Auch von diesen 233 syrischen, arabischen, hebräischen etc. In-
schriften ist die große Mehrzahl hier zum ersten Male reproduziert.
Von besonderer Wichtigkeit sind die 24 syrischen Handschriften, da
epigraphische Denkmäler in dieser Sprache bekanntlich außerordent-
lich selten sind. (Bereits erschienen.) netto 42 —
V. K. M. Huxley, Anthropology.
In diesem Bande gibt der Verfasser, der noch ein volles Jahr länger
in Syrien verblieben ist, als alle anderen Mitglieder der Expedition,
eingehenden Bericht über die wissenschaftlichen Ei^ebnisse seiner
anthropologischen Studien, die er an 804 Eingeborenen voi^enom-
men hat.
439 Rabano Mauro. Miniature sacre e profane dell' anno 1023
illustranti renciclopedia medioevale di Rabano Mauro. Ripro-
dotte in 133 tavole cromolitografiche. 4. Montecassino 1896.
In Mappe. 40.—
440 Rivoli, duc de, les misseis v6nitiens: leur description,
illustrations, bibliographie. Etüde sur l'art de la gravure sur
bois ä Venise de 1400 ä 1600. Av. plusieurs h61iogravures et
d'environ 200 gravures. Fol. Paris 1894. 200.—
441 Rothschild. — (Picot, E.), Catalogue des livres composant la
biblioth^ue de James de Rothschild. 3 vols. Avec
34 planches noires et color., de reliures ant, facs. d'anc
miniatures, gravures etc. Paris 1884—93. (100 fr.) 60.—
Ein sehr wichtiger Katalog mit zahlreichen literar. und bibliograph.
Noten.
442 Sabbadlnl, R., le scoperte dei codici latini e greci ne' secoli
XIV e XV. Flrenze 1905. IX, 233 pp. netto 4.—
443 Sakkellon, J., narfAiaxri ßiftXto^^rj rjroi civayqaq>fi xdv iv t^
ßtßXioihfixfi Tv; Tuxrä %rv viflov Tldxaov y^gagdg xal ßaaiXixilg
(Aovrjg Tov ayiov dnotfroXov xal svayyelltnov *Iodvvov zov
ßeoXoYOV ts&fjCavQiiffiivfov XBiQoyqa^iov %Bv%iaVj vvv is g>$XoTlfAfp
TtQOvoiif X. dvaXdiaaai %ov g>iXoXoY^xoif avXXoyov IlaqvaCCov IxMo*
fiiv^. 7 planches. Athen 1890. (25 fr.) 14.—
444 Sammlimg palaeographischer Aufnahmen von alten Chroniken
und Akten im Wilnaer Zentral - Archiv. Lieferung 1.
(1432—1548). Mit 30 Tafeln, 59 facsimilierte Aufnahmen ent-
haltend. (Alles Erschienene.) Folio. Wilna 1884. In Mappe.
20.—
Karl W* Hiersemann In Leipzigs K&nigsstrasse 3. Katalog 330*
204 HandsehriflenkttmU. SchrdbkiuuL ManäsckrffUnvinäekittSse.
445 Sawaitoff, J., Einzelblätter zum Studium russischer Urkunden
herausg^eben von der Oesellschaft für Liebhaber alter
Literatur. 6 Foliobiätter in chromolithogr. Facsimiledruck 11
Blätter aus russischen Urkunden darstellend, mit Translitteration
und acht Spalten Text St Petersburg 1877. In Mappe.
Russisch. 30.—
Längest vergriffen und gesucht
446 Scheiwl, J., kalligraphische Denkmale, entnommen aus Hand-
schriften böhmischer Bibliotheken. Hrsg. v. F. Skrej§owsky.
Text (böhmisch, deutsch u. franz.) v. J. E. Wocel. 2 Hefte
m. 11 col. Tafeln. Qu. 4. Prag 1869—73. (24 M.) 20.—
447 Schiff, M.» la bibliothfeque du marquis de Santillane (Don
Juigo Lopez de Mendoza). Paris 1905. 509 pp. (15 fr.) U.—
448 Schow, N.» Charta papyracea graece scripta musei Borgiani
Velitris, qua series incolarum Ptolemaidis Arsinoiticae in agge-
ribus et Tossis oper. exhib., c annot. crit et palaeogr. C. 6 tab.
4. Romae 1788. Ppbd. 14.—
449 Schtschepkin, W. N., Die Graffiti -Inschriften in Nowgorod.
Mit 9 Lichtdr.-Tafeln. 4. Moskau 1902. 23 pag. In russischer
Spr. 3,50
450 Seghers, Louis, Alphabets antiques, initiales, fragments,
extraits de misseis, bibles, manuscripts etc du XII e au XIX e
si^e. 24 planches. Petit 4. oblong. Anvers (ca. 1880). Cart.
Fleckig. 8.—
45f Serapettin. Zeitschrift f. Bibliothekswissenschaft, Hand-
schriftenkunde u. ältere Literatur; hrsg. v. R. Naumann.
31 Jahrgänge mit 2 Reg. z. 1—26. Leipz. 1840—70. Soweit
erschienen. (423 M.) 165.—
452 Shaw, H., Hand-book of medioeval alphabets and devices;
specimens of labeis, monograms, heraldic devices etc 39
colourplates. London 1856. (15 sh.) 7.50
453 Specimina palaeographica regestorum Romanoram pontificum
ab Innocentio III ad Urbanum V ex Vaticani tabularii Roman,
pontificum registris selecta et photographica arte ad unguem
expressa. Cum 60 tab. facsim. Fol. Romae 1888. 58 S.
88.—
Seiner Wichtigkeit entsprechend schön ausgestattetes Werk, dessen
Text von H. Denifle u. O. Palmieri verfaßt Es ist Leo XIII. gewidmet
u. erst vor kurzem bekannt geworden, da es zunächst nicht im Handel
erschienen war.
Karl W« Hterscmaon In Ldpxlg» Kfiiügsstraise Z. K«Ulog 33a
HandsdirifUnkunde. SchräbkunsL Handsduifleiwenäehnisse. 205
454 Swarzenski, Oeorg, Die Regensburger Buchmalerei des X.
und XL Jahrhunderts. Studien zur Geschichte der deutschen
Malerd des frühen Mittelalters. Mit 101 Lichtdrucken auf 35
Tafeln. Ein stattlicher Band in vornehmer Ausstattung. In
eleg. Oanzleinwand mit Schutzkarton. Leipzig 1901. 75.—
Eine umfassende Untersuchung über die Entwickelungsgeschichte der
künstlerischen Tätigkeit einer Malschule in frühromanischer Zeit, unter
Berücksichtigung der politischen, Kirchen- und Kulturgeschichte der Zeit,
existierte bisher noch nicht Selbst Einzeluntersuchungen existierten bis-
her nur für andere deutsche Malschulen der Zelt, denen hiermit die baye-
rische Malerei als ein für die mittelalterliche Kunstentwickelung in Deutsch-
land wichtigstes und eigenartiges Glied gegenübergestellt wird. Das
Material ist größtenteils unbekannt und fast ausnahmslos unpubliziert
Außer den Untersuchungen über die Malerei findet sich manche neue
Bemerkung über die gleichzeitige monumentale Skulptur, die Ooldschmiede-
und Elfenbeinplastik. — Bei der Beschreibung der einzelnen Nummern
und in einem besonderen Anhange sind Studien zu der Geschichte der
Liturgie und kleinere Beiträge zur Paläographie gegeben. — Für die
Geschichte des Kirchenkalenders bieten die im Anhang veröffent-
lichten 5 gesicherten Regensburger Kaiendarien des X. und XI. Jahr-
hunderts einen erwünschten Beitrag.
Das Werk wird von bleibendem Werte für die Geschichte der Kunst
u. der Liturgie, sowie für Paläographie sein.
Weitere Untersuchungen stellt der Verfasser in Aussicht und bezeichnet
den Band daher zugleich als ersten Teil der „Denkmäler der süddeutschen
Malerei des frühen Mittelalters." — Besonderes Augenmerk wurde auf
sorgfältige Wiedergabe der Abbildungen gerichtet, zu denen der Autor
die photographischen Aufnahmen meist selbst direkt vom Original ge-
macht hat, oft unter recht schwierigen Raum- und Beleuchtungsver-
hältnissen.
455 EvXXoyog mXoXoyixog iXXfivtxog. Bd. I— XXVI. Mit Tafeln, z. T.
color. (Inschriften, Münzen, Facsim. etc) u. zahlr. Holzschn.
im Texte. Lex.-8. Konstantinopel 1863—1896. In 17 t\eg.
roten Halblederbänden. 560.—
Vollständige Exemplare mit allen Supplementen (zu Bd. IX, XI, XIII,
XIV, XV, XVI, XVIII, XIX, XX-XXII wie das meinige, sind von
großer Seltenheit, da ein großer Teil der Bände durch einen Brand
vernichtet wurde.
Archäolog., epigraph., numismat., histor., linguist. Arbeiten von Kara-
theodory, Maurogenis, Prospati, Vasiades, Paranikas, Aristarchi, Sopho-
klis, Millingen, Mordtmann etc., sowie zahlr. Volkslieder in verschiedenen
griech. Dialekten. Beigelegt ist das Inhaltsverzeichnis zu Bd. I— -XIII.
456 Thöophile, prgtre et moine, essai sur divers arts (diversarum
artium schedula), publik par Ch. de L'Escalopier et pr^c^d^
d'une introduction par J. Marie Ouichard. Avec facsimile. 4.
Paris. Rot Hmaroq. 32.-
Sehr selten u. gesucht. Stempel auf d. Titel.
Karl W. Hiersemafm In Ltipägf Königsstraase 3. Katalog 330.
206 Handsduiflmkunde. Schmbkunsi. Mandschnflmvenäehnisse,
457 Tikkanen, J. J^ eine illustrierte Klimax-Handschrift der Vatikan.
Bibliothek. Mit 10 Holzschn. 4. Helsingf. 1890. S. A. 16
Seiten. 2.—
458 Tikkanen, J. J., Die Psalterillustration im Mittelalter. 1. Band.
Heft 1: Byzantinische Psalterillustration. Mönchisch -theolo-
gische Redaktion. 90 Seiten mit 6 Tafeln u. 97 Textillu-
strationen. 4. 1895. 4.—
Heft 2: Byzantinische Psalterillustration. Der mönchisch-
theologischen Redaktion verwandte Handschriften. Die
aristokratische Psaltergruppe. Einzelne Psalterhandschriften.
S. 91—152 mit 3 Tafeln und 50 Textillustrationen. 4. 1897.
2.40
Heft 3: Abendländische Psalterillustration: Der Utrechtpsalter.
S. 153—320 mit 7 Textillustrationen. 4. 1900. 7.—
459 Titoff, A., Beschreibung der Slavisch-Russischen Handschriften
seiner Sammlung. IV. Teil: Die theolog. Systeme. Moskau 1901.
XIII, 424, 24 pag. In Russischer Sprache. 7^0
Privaidruck.
460 Todd, J. H., descriptive remarks on illuminations in certain
ancient Irish Manuscripts. With 4 splendidly coloured plates
(chromolithogr.). Gr.-fol. London 1869. Nicht im Handel. 22.—
Mit dem Autog^aph des berühmten Keltologen Whitley Stokes,
DubUn 1870.
461 Trombelli, O. O., arte di conoscere l'etä de' codid latini e
italiani. Con 2 tavole e figure. 4. Bologna 1756. Pergament 30.—
Erste Ausgabe. — Prachtvolles Exemplar mit schönem Ex-libris.
462 Turajeff, B., Aethiopische Handschriften in St Petersburg.
Mit 4 Tafeln. St Petersb. 1906. 136 pag. (In russischer Spr.)
Denkmale der aethiop. Literatur III. ' *
463 Type Pacsimile Society, Oxford. — Specimen of eariy
pnnting types in collotype and printed at the Oxford Univer-
sity Press for the Type Facsimile Society. 6 parts (all issued
tili 1905). 4. Oxford 1900—05. In Orig.-Umschlägen. 420.—
Diese facs. Dnidce bringen 250 scharfe Reproduktionen von seltenen
Erstdrucken und zwar besonders Typenreproduktionen, die mit zahlreichen
prächtigen Holzschnitten, Frontispize etc darstellend, geziert sind. Jedem
Jahrgang ist ein Tafel- Verzeichnis mit näheren Besdireibungen der Origi-
nale etc beigefugt Gedruckt wurden nur SO Exemplare auf Subscription,
daher sehr selten.
Der Name der Oxford University Press als Herausgeberin bfirgt für
gute Ausführung der Reproduktionen.
Karl W« Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse Z. Katalog 330«
Handschriflenkunde. Schrabkunst, Mandschriflenverzächnisse. 207
464 Wattenbach, W^ Das Schriftwesen d. Mittelalters. 2. Aufl.
Lpz, 1875. Hlwd. (11 M.) Vergriffen. 9.—
465 Werner, Jalc, die ältesten Hymnensammlungen von Rheinau.
Mit 2 Tafeln. 4. Leipzig 1891. (4 M.) 3.—
466 Wessely, C, Studien z. Palaeographie u. Papyruskunde. Heft
1—5 (so>^
1901—05.
1—5 (soweit erschienen). Mit vielen autogr. Taf. 4. Leiozig
467 Westwood, l O., palaeographia sacra pictoria: a series of
illustrations of the ancient versions of the bibl^ copied from
illum. Mss. executed betw. the IV. a. XVI. centuries. With 50
beautiful plates of miniatures and facsimiles of ancient manu-
scripts, executed in gold and colours. Or. 4. London 1843 — 45.
Hfrz. ob. Schnitt vergoldet 110.—
468 Wickhoff. — Verzeichnis, Beschreibendes, der illuminierten
Handschriften in Österreich, hrsg. von F. Wickhoff, Band I
und II. Mit vielen teils ganzseitigen Abbildungen in Autotypie
und Tafeln in Lichtdruck und Heliogravüre. Qr.-fol. Leipzig,
Kart W. Hiersemann, 1905. Origlwd. 160.—
Die Titel der auch einzeln käuflichen Bände sind:
I. Die illuminierten Handschriften in Tirol, beschr. v. H. J. Hermann.
Mit 124 teils ganzseitigen Abbildungen in Autotypie und 23 Tafeln
in Lichtdruck und Heliogravüre. Or.-fol. Leipzig 1005. XVI, 307 S.
Origlwd. 120 —
II. Die illuminierten Handschriften in Salzburg, beschr. v. H. Tietze. Mit
40 teils ganzseitigen Abbildungen in Autotypie und 9 Tafeln in Licht-
druck. Or.-fol. Leipzig 1905. 113 S. Origlwd. 40 —
In Vorbereitung befinden sich und werden Ende 1906 und im Laufe
des Jahres 1907 erscheinen:
III. Kärnten und Krain.
IV. Küstenländer, Istrien und Dalmatien.
V. Steiermark.
Ein ausführlicher Prospekt über diese als Publikation des Institutes
für Osterreichische Oeschichtsforschung erscheinenden, für die Sprach-
wissenschaft und Kunstgeschichte gleich wichtigen Bände steht Inter-
essenten kostenfrei zur Verfügung.
469 Wyss, F. v., alamannische Formeln u. Briefe aus d. IX. Jahrh.
Mit 1 Facsimile. 4. Zürich. 1850. 2.—
Karl W« Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 33(K
206 Einige Mäkne RergßmuUdnuke.
Einige seltene Pergamentdmcke.
470 Hetires. Ces presentes heures sont a lusaige de Romme | tout au
long Sans requerir. Imprimees a Paris par O. Hardouyn libraire
jure de luniuersite de Paris | demourant au dit lieu entre les deux
portes du Palais | a limaige saincte Marguerite. Almanach ffir
1538—55. Mit der Druckermarice O. H. und 14 in Art der
Miniaturen übermalten Kupfern. Ca. 1537. Pergamentdruck. In
altem, braunen Lederbande m. O. 800. —
Der außerordentlich seltene u. schön erhaltene Pergamentdruck (Bru-
net u. Graesse nicht bekannt) besteht aus je 4 Blatt der Buchstaben A--M
u. 2 BUtt N. » 100 BUtt (200 Seiten).
Unter dem bunt ausgemalten Dnickerzeichen O. H. steht:
Chascun soit content de ses biens,
Qui na Süffisance na riens.
Den Heures vorangeht eine Hymne auf die Hostie (mit kleinem Bild)
in französ. Reimen. Dann folgt der Almanach f&r 18 Jahre (1S38— 1555)
u. das Kalendarium.
Wie die vielen kleinen u. größeren in blauem oder rotem Gründe
stehenden goldenen Initialen des lateinischen Textes, so sind die 14 Mi-
niaturen in lebhafte Deckfarben gemalt (Pariser Schule). Die Miniaturen,
frei in die Textseite eingezeichnet, stellen Szenen aus dem Leben Christi
u. der Maria dar u. sind von einem gokienen Rahmen mit braunen Kon-
turen eingefaßt, der dann auch den darunterstehenden Text noch um-
rahmt Das fast unberührte, lückenlose Gebetbuch ist .von selten schöner
Erhaltung und Frische der. Farben.
471 Horae beatissimae Mariae virginis secundum usum Romanum
ecclesiae. Paris 1505. Kalbleder. 1350.—
Herrlicher Pergamentdruck in schwarz u. rot, aber leider nicht
ganz vollständig. Mit einem Kalendarium beginnend zählt derselbe 92 Bll.
(statt 124) mit reichen Holzschnittbordüren auf jeder Seite und 9 größeren
Holzschnitten.
Die überaus schönen Bordüren stellen Bilder aus der bibl. Geschichte,
aus dem häusl. Leben, Jagdscenen etc. dar. Die Initialen sind mit
Oold auf blaue und rote Farbe geschrieben. Am Ende das Signet
T. Kerver's mit dem Titel. Die Signaturen der Bogen sind von un-
berufener Hand ausgeschabt, ohne jedoch die Bll. zu verietzen.
472 Höre in laudem beatissime virginis Mariae, multis orati-
onibus figurisq. nouiter inuentis. Incipiunt feliciter. Venales
habentur in officina Ouillermi Oodard librarij iurati Parisini.
Auf der letzten Seite Una cum Alphabete greco, Oratio.
Dominieali, Salutatione Angelica, Symboio apostolo, & Salue
regina, Wpis ac caracteribus Orecis nouiter Parisiis exarate,
opera industrii Bibliographi Petri Vidouci, impressoris peritissimi,
Karl W. Hlcncmaan in Leipzig, Königsstrassc 3. Katalog 330.
Nadärag. 209
ere ac impendio Honesti viri Ouillermi Oodard, comorati, ante
Horologiu Palatii r^. Sub intersignio hominis syluestris.
Anno a partu virgineo 1523, ad calcalü Röanu. — Mit 15 blatt-
groBen und IQ kleineren in Art der Miniaturen künstlerisch
übermalten Kupferstichen und schwarzen Bordüren. 92 Blatt.
Mit 2 blattgroBen gemalten Wappen. Almanach 1524 — 1533.
Kl. 8®. Pergamentdruck. Modemer Samtband mit Schließen.
1400.—
Der außerordentlich seltene Pergamentdruck (Oraesse,
Suppl. fol. 377 u. Brunet V. 1652 kennen nur 1 Exemplar sur v^lin
in der Bibiioth^que Nationale, Paris) ist nicht paginiert u. besteht aus
den je 8 Blatt umfassenden Buchstaben A— L und 4 Blatt M » 92 Blatt
Jede Seite des schwarz u. weiß gedruckten Textes zieren Bordüren, die
Initialen sind in Oold auf blauem u. rotem Gründe ausgemalt Von den
in Art der Miniaturen übermalten Kupferstichen sind 15 in Blattgröße,
die 19 kleineren sind meist in MedaiUonformat
Die Malerei, eine Arbeit der Pariser Miniaturkunst im 1. Viertel des
16. Jahrh. ist nicht nur künstl. und ikonogr., sondern auch kostfimgesch.
interessant, da die Personen in den Kostümen der damaligen Zeit dar-
gestellt sind. Wie in den gleichzeitigen livres d'heures, stellen die
Bilder die Evangelisten, Soenen aus der Oesch. Christi, der Maria, sowie
die verschiedenen Heiligen dar. Manche Bilder sind mehrmals vor-
handen. Die Erhaltung des seltenen Pergamentdruckes, insbeson-
dere der kleinen Malereien in ihren lebhaften Farben ist vondiglich.
Reich verzierter, dunkelroter Kalblederbd. mit einer geometr. Figur
in Silber, durch welche sich ein dunkelgrünes Rankenmotiv hindurchzieht;
beide sind mit Ooldlinien eingefaßt In der Mitte des Vorderdeckels
befindet sich in Medaillonform der Hl. Franz von Assisi, auf dem hin-
teren der Hl. Joseph m. d. Christuskinde, beide in Ooldpressung. Der
Rücken zeigt zwischen den 3 Bändern 4 Pressungen in Oold, Silber
u. grün. Rotschnitt A. d. Vorderdeckel a. unteren Rande der Eigen-
tumsvermerk: Thomai Maioli et amicorum. — Der Einband ist aus-
gebessert
Nachtrag.
473 Aktenstücke zur Geschichte d. englischen Marine 1662—1703.
320.-
Wertvolle» tadellos erhaltene englische Handschrift aus dem Anfang
des 18. Jahrh. 264 S. in Folio in gleichzeitigem Pgtbd. mit Ooldpressung.
Sorgfältige u. deutlich lesbare Schrift Vom eingeklebt das in Kupfer
gestochene Ex-libris des Staatssekretärs William Bromley, der die Doku-
mente offenbar während seiner Amtszeit von den Originalen abschreiben
Heß. Die Sammlung umfaßt hauptsächlich Instruktionen für die eng-
lischen Admirale u. Berichte derselben an den König über den Zustand
Kftfl W. HIefseiiiAfm in Leipzig» Kö&igsstrasse 3* Katalog 330.
14
210 NaMrag.
u. die Tätigkeit der Flotte, ferner Patente u. Instruktionen für andere
hohe Marineoffiziere u. Beamte, die einen genauen u. höchst lehrreidien
Einblick in die Organisation der englischen Flotte jener Zeit gewähren,
endlich interessante statistische Tabellen über Zahl u. Bemannung der
Schiffe, Nachrichten über die Verluste in den Seekriegen jener Zeit,
Anweisungen für die Verpflegung der Seeleute u. ähnliches.
474 Alphabet of capital letters selected from the illuminations of
italian Choral books of the fifteenth and sixteenth centuries.
24 pl. engraved in outline, with one letter printed in gold and
colours. Fol. London 1862. Cloth. 65. —
475 Armenisches Bvangellar mit Angabe der ammonianischen
Sektionen am linken Rand jeder Columne. Die Handschrift
besteht aus 261 beiderseitig beschriebenen Blättern aus Baum-
wolienpapier in einem Einband aus Holzdeckeln mit gepunztem
Lederuberzug nebst Vorderklappe. Die Seite enthält je 21 ge-
spaltene Zeilen in großer, deutlicher Rundschrift Außer je
einem mattfarbigen Vollbilde vor dem Evangelium des
MatthaeuSy Lucas und Johannes — das vor Marcus ist offen-
bar verioren gegangen — weist die Handschrift bei jedem
Evangelium einen ornamentierten Kapitelanfang und außerdem
noch an verschiedenen Stellen des Textes einfachere Rand-
verzierungen auf. Die letzten Lagen sind zum Teil durch-
löchert, die letzten Blätter, das Ende des den Schluß bildenden
Nachworts, soweit beschädigt, daß nur ein Teil des Textes
erhalten ist. Die für die Datierung in Betracht kommenden
Stellen sind jedoch vor Beschädigungen bewahrt geblieben.
Nach diesen ist die Handschrift i. J. 1583 geschrieben und i.J.
1608 gebunden worden. 600.—
476 fCarlos V.) — Cedula real dada en Medina del Campo ä 4.
de febrero 1532, otorgando ä Miguel Sanchez de Arraiz y ä
Lope de Ribera una renta de 80000 mrs sobre las minas que
en el t^rmino de Ferez de Badajoz tenian los herederos del
doctor Lorenzo Oalindez de CarvajaL Verkauft.
Documento original escrito en dos hojas de papel in folio, con
ia firma autografa de la reina-emperatriz Da. Isabel, y de los
del consejo y algunas otras. De interes para la historia de Ia mi-
neria en Espatla.
477 Calderon, P., Libro de la racon desta muy noble y real ciu-
dad de Salamanca, cabega de Estramadura y de toda su
hacienda. Manuscrito de ä folio. 855 päj« Cuero con
correa. VerUattft.
Sehr interessantes Manuscript a. d. XVII. Jahrh. Ende des Werkes
vom XVIII. Jahrh. — Verschiedene Schriften mit roter u. schwarzer
Tinte. Aus 5 Teilen zusammengesetzt: I. Verzeidinis der Renten, Arbeits-
leistungen, Gemeindebesitz von Salamanka im XVII. Jahrh. — II. Ein-
Karl W* Hierscmann in Ldp£ig# Königsstrasse 3« Katalog 330«
Nachtrag. 211
riditung der Stadtverwaltung u. Beridit üb. die Ausgaben für verschiedene
Feste, deren Beschreibung gegeben ist Anmerkungen über die Regierung
der Alcabalas. — III. Stadtleben. Preisverzeidinis der Waren; Brot;
Frucht; Notjahre; Kriegswesen; Einrichtung des Bistums v. Salamanka;
Bruchstücke der Oeschidite Salamankas, von dem Lizentiaten de Xilgs
d'Avila erzählt; Adel; Alcantaras Orden. — IV. Der Stadt verliehene
Vorrechte. Einrichtung der religiösen Verbindungen. Verzeichnis der
Straßen, Pfarrsprengel u. Klöster von Salamanka im XVII. Jahrh. —
Beschreibung der Hauptereignisse nach der Zeitfolge geordnet, Erd-
beben etc. Inventar der Stadt-Urkunden. Im Ganzen 445 leere Blatt
Das vorliegende Manuscript — wahrscheinlich ungedruckt — verdient
publiziert zu werden.
= Curieux manuscrit du XVII^ si^de, avec quelques pi^ces de la fin du
XVIII^ s. II contient un relev^ des rentes, charges et propri^t^s communales
de Salamanque au XVII^ si^de. Details sur l'organisation administra-
tive de cette oXi et d^penses organis^es pour diverses f^tes dont on
donne le r^cit, notes sur le regime des Alcabalas. Vie int^rieure de la
cit^, tarif des denr^es, fruits, famines et ann^es de pain eher; milice,
Organisation de l'^vech^ ds Salamanque, fragments de Thistoire de
Salamanque par le licenci^ de Xilgs d'Avila; noblesse, ordre d'Alcantara.
Privileges accord^s ä la ville, Organisation des communaut^s religieuses,
liste des nies, paroisses et couvents de Salamanque au XVIl^ s.Principaux
^v^nements, tremblements de terre, inventaire de documents d'archives.
Ce cartulaire municipal pourrait 6tre Fobjet d'une publication.
478 Coleccion de documentos originales asi manuscritos
como impresos relativos ä la vida y tiempos de Juan Cini,
mercader y vecino de Barcelona desde 1785 hasta 1843.
Verkauft.
Un volume in folio, conteniendo unos cien documentos de pro-
cedenda varia. Empieza por 13 diplomas con las firmas autögrafas
de los reyes Carlos IV. y Fernando VII. Siguen papeles de familia,
partidas de bautismos &c Mas adelante contiene una coleccion im-
portantisima de hojas volantes, proclamas y extraordina-
rios del tiempo revolucionario de 1820 k 1823. Tambien contiene
impresos los reglamendos de todos los empleos que durante su vida
dvica habia desempenado Juan Cini. Colecdon de sumo interes para
la historia de Espana en los primeros decennios del siglo XIX.
479 eBinonai^iov. Pergamenths. des XII.— XIII. Jahrh. 16X11 Vi cm;
die Blätter (216 Pergt 7 Papier) sind nicht numeriert; Dicke der
Handschr. 8—9 cm. 3000.—
Das gelbliche Pergament ist dick und wenig geschmeidig; es scheint
namentlich gegen das Ende durch Wasser und (in der Ecke rechts oben)
auch durch Feuer gelitten zu haben. Teile des Geschriebenen sind aber
dadurch nidit zerstört Die Quatemionen sind am Anfang der Hs. am
inneren Rande unten durch Buchstaben (8, t, X, usw.) bezeichnet Vier
Blatter am Schluß sind von junger Hand auf Papier ei^gänzt
Karl ^« Hlersemann in Leipzig» Könlgsstraise 3. Katalog 330.
14*
212 Nachtrug.
Die Seite hat meist 24 Zeilen, deren Buchstaben von den vertieften
resp. erhöhten Linien herabhängen. Die schwarze Tinte des Textes hat
sich meist gut erhalten, dagegen die rote der Überschriften, Initialen und
Ornamente ist oft stark verblaßt
Gebunden ist die Hs. in einen starken Holzband mit schwarzem Leder
überzogen, der ursprünglich zwei Schließen hatte. Die Fläche des Vorder-
u. Hinterdeckels ist durch eingepreßte schräge Linien in längliche Felder
o +
geteilt; darin verschiedene Stempel z. B. A B in einem Kreis eingeschlossen.
Der Einband stammt aus d. J. 1653 nach einer Notiz der letzten (Papier-)Seite :
lTcax<*>^ icapa M(i]T)pof avou(
frou( jSpE^: 6(eoTo)xap((ov).
Metrophanes scheint Mönch gewesen zu sein; Papadopulos-Kerameus gibt
in seinem Katalog der Bibliothek von Jerusalem 2, S. 783 eine Liste von
Buchbindern, die sich in Hss. nennen; es sind meistens Mönche des be-
treffenden Klosters. Vgl. cod. Athous 4121: laxo.f^^ nspa x^^P^^ "^^^
icp<oTOicaica Zafjioui^X.
Die Hs. ist ein
6eoToxap(ov.
Diesen Titel liest man auch im oberen Schnitt der Hs.; sie enthält Hymnen
und Gebete zu Ehren der Mutter Gottes (Proben s. Gardthausen, Catal.
codd. graec Sinait, Oxford 1886, p. 181, No. 839 ff.), ähnlich wie im Abend-
lande die horae beatae Viiginis Mariae.
Die erste rote Überschrift ist so verblaßt, daß man nur einzelne Buch-
staben erkennen kann; dann beginnt der schwarze Text:
[M]{av TpttuRoaraTOv apxT.v * Ta aspa^iiJi ttoj^rixo; $o(al2ouatv * xtX.
Nächste größere Überschrift Bl. 4 (rot):
Ku(piaxf) la;:8p\.vov. Ka(vciüv) t\% x^ uic(epa)*)f lov (?) »ix<>(?) «• V^'i ^*
tacoac Xa^v d-aujiaToupyi.
Schwarz: Aoyoi; oc afijivf.v t^v U9^p Xoyov ^Lmt^ d(eo)v Tsxouaav xta.
Vgl. cod. Sinait. 851, 852.
Letzte rote Überschrift auf Pergament:
Hx(o?) ß. IT ^"f* ^* "^^^ fuXou a«.
Schwarz: Dovou^ ujcofuivaaa tcoXXou^ h xf xoC ulou xoi d(eo)C oou ox(au)p<i>9ti
«Xpavxt. xxX.
Auf Papier:
— Tcopeoxcoaa Ixpauf oScv * oXo^ upopivn] xexvov (lou fXuxuxoxov xrX.
Ende der Hs.: co^ 6 Aa(u\)S raXal icpoavixpa(ev, 6 u|jLvoypafO( ;:oxi: —
Zum Schluß sind noch 3 Papierblätter vom Buchbinder z. T. verkehrt
eingeheftet: Listen von Personennamen mit einer beigeschriebenen Zahl,
meistens 5, P, ^, T, x usw., z. B.
Mt^a^ avi4'(0( recopyiou xoC Maxp{ T
FscüpYioc KapXioxt( ä
NtxoXao« KapXiox(( ä
Sie sind nach Dörfern geordnet: x^P^^ XioTcpaoo, x^P^^ xoupaoßo. x^?^^ Scaiavt.
Eine Stadt wird auf der letzten Seite erwähnt: Xapiaao; es ist also wahr-
scheinlich, daß unsere Hs. aus der Gegend von Larissa stammt oder doch
dort gebunden wurde.
Karl W« Hlersemann in Leipzig, Kö&igsstrasse 3« Katalog 33(X
Nachtrag, 213
480 Felipe V., R^ de Espana. Carta de poder dada al duque
de Parma D. Francisco Famesio para tomar posesion en caso
de vacante del ducado de Toscana en nombre del Infante de
Carlos; su fecha en el Pardo a 24 de febrero 1726. Verkauft.
Documento original con la firtna autografa del rey D. Felipe
y contrasignado del duque de Ripperda, escrito en cuatro hojas de
papel in folio y sellado del sello real.
481 Indische Originalmalereien. — 3 Aquarellbilder ,,Indische
Musiker'' darstellend. 8 Musiker in ihrer farbenreichen Tracht,
die verschiedenartigsten Instrumente spielend. Unter Passe-
partouts. (Ca. 1825.) 30.—
482 Indische Originalmalereien. — 10 Aquarelle aus dem ersten
Viertel des XIX. Jahrhdts. „Indische Handwerker bei der Arbeit"
darstellend. Interessante farbenreiche Darstellungen der ver-
schiedensten Berufe. Saubere flotte Malereien unter Passe-
partout gelegt 80.—
483 Laurent du Bois, Somme le Roi. 14Q (145) numerierte
Bll., beiderseits mit je 28 Zeilen beschrieben. Klein 4. Sehr
wertvolle, durchaus wohlerhaltene französische Pergamenthand-
schrift des ausgehenden XIII. oder angehenden XIV. Jahrh.
Sorgfältige, durchgängig sehr gut lesbare Schrift mit roten
Initialen und Überschriften. Modemer Einband mit braunem
Leder mit Ooldpressung, auf dem RQcken der Name des Buch-
binders: J. Forsthoff relieur. 2800.—
Der Dominikaner Laurent du Bois, bekannter unter dem Namen
Fr^re Lorens oder Laurentius Oallus, Beichtvater des Königs Philipp
des Kühnen von Frankreich, verfaßte um 1279 nach älteren lateinischen
und französischen Quellen unter dem Titel Somme le Roi oder Somme
des vices et vertus einen Katechismus der diristlichen Olaubens-
und Sittenlehre, der als einer der besten in seiner Art galt und darum
vom ausgehenden 13. bis ztun 15. Jahrh. in sehr zahlreichen Hand-
schriften in französischer, provenzallscher, italienischer, catalonisdier,
spanischer und flämischer Sprache, auch in verschiedenen Volksmund-
arten verbreitet wurde, von denen sich viele, zum Teil in glänzender
Ausstattung, bis auf die Gegenwart erhalten haben. Eine bedeutende
Auswahl von gegen 30 Exemplaren besitzt die Pariser Nationalbibliothek.
Über das Leben des Verfassers und die Handschriften seines Werkes
vgl. Histoire litt^raire de la France XIX, 1838, S. 397—405, F. Chavannes
in den M^moires et documents publi^s par la Soci^t^ d'histoire de la
Suisse ^romande IV, 1845, P. Meyer im Bull, de la Sod^t^ des anciens
textes XVIII, 1892, S. 70ff und Gröber, Grundriß der romanischen Philo-
logie, Bd. II, Abt 1, 1902, S. 1027, wo auch die ältere Literatur ange-
geben ist Die Somme wurde wiederholt von andern Autoren umge-
arbeitet und kommt deshalb auch unter veränderten Titeln wie Le mireur,
Le miroir du monde, Le livre des commandemens de Dieu, vor. Eine
abschließende Untersudiung und Vergleichung der untereinander viel-
Karl W« Hiertcfnaim in Leipzig» Königsstrasse 3. Katalog 330.
214 Nachtrag.
fach abweichenden und durch die Abschreiber mannigfach ergänzten
Texte ist bisher noch nicht vorgenommen worden. Ebenso fehlt es an
einer modernen kritischen Ausgabe. Von Drucken sind nur einige aus
der Inkunabelzeit bekannt (vgl. Copinger, Supplement to Hain's Reper-
torium II, Nr. 3513—3515): ein niederländischer, Summe le roy of des
conincs summe, Delff {]2iQoh Jacobszoen) 1842, 4, in der Kgl. Bibliothek
im Haag; ein englischer, The ryal book, (Westminster, William Capton,
um 14S8) fol., und ein französischer, Summe le Roy, Paris, Anthoine
Verard (1495) 4, beide im Britischen Museum. Neuerdings gab O. de
Oregorio einen Text im sizilianischen Volksdialekt aus der 1. Hälfte
des 14. Jahrh. nach einer Handschrift der Bibliothek von Palermo beraus
(II libro dei vizii e delle virtü, Palermo 1892).
Die hier voriiegende Handschrift stammt spätestens aus dem Anfang
des 14. Jahrhunderts und überragt darum die meisten andern durch ihr
Alter. Sie zerfällt in zahk-eiche, durch rote Oberschriften gekennzeichnete
Abschnitte, von denen die wichtigsten folgende sind:
1. Bl. la: Erklärung der 10 Gebote.
2. Bl. 3b: Erklärung des apostolischen Glaubensbekenntnisses.
3. Bl. 5a: Von den Sünden, namentlich den 7 Todsünden.
4. Bl. 37 a: Von den Tugenden, besonders den 4 Cardinaltugenden.
5. Bl. 49 a: Vom Gebet, nebst Auslegung des Vaterunsers.
6. Bl. 81b: Von der Beichte.
7. Bl. 95 b: Von den Werken der Barmherzigkeit
8. Bl. 114a: Vom Ehestand und vom ehelosen Leben.
9. Bl. 140a: Von den Gaben des heil. Geistes.
Auf Bl. 135b liest man: Ce liure compila et perfist uns freres de lordre
des precheurs a la regueste du roi de france Philippe et fut escris eis
liures en lan del incarnation nostre signor mil cc ^ et neuf (= 1289)
en mois de nouembre. Priez pour celui qui lescrist.
484 Pierre Margry, France Pierre Margry, France
d'outre-mer. Les Normands d'outre-mer. Les Normands
dans 1' Afrique occidentale avant dans 1' Af rique occidentale avant
les Portugals. 1850.— les Portugals. 1850.—
Ein Quartband in rotem Leder, Rel. in-A^ en cuir rouge, contenant
enthaltend Kollektaneen zur älteren des recueils relatifs ä Phistoire an-
französischen Kolonialgeschichte In denne des colonies fran^ises en
Afrika und den umliegenden Inseln, Afrique et dans les lies environnan-
meist von der Hand Pierre Mar- tes. Ellessonten majeure partie de la
gry's geschrieben. M., zuletzt Con- main de Pierre Margry, conservateur
servateur adjoint des archives du adjoint des archives du minist^re de
minist^re de la marine et des colonies, la marine et des colonies, connu
ist bekannt durch seine verdienst- pour ses ceuvres sur les andennes
vollen Werke über die älteren ma- entreprises maritimes des Francis et
ritimen Unternehmungen seiner pour ses relations sur la part que
Landsleute, sowie über den Anteil les Normands ont prise aux d6cou-
der Normannen an den überseeischen vertes d'outre-mer.
Entdeckungen. Hervorzuheben sind Ses ouvrages les plus importants
Karl W« Hienemann in Leipzig, Kö&igsstrasse 3« Katalog 33(K
Nachtrag.
215
namentlich Origines iransatlantiques:
Belain d' Esnambuc et les Normands
aux Antilles (Paris 1863), Les navi-
gations fran^aises et la r^volution
maritime du XIV« au XV« si^de
(Paris 1867), sowie das Hauptwerk
seines Lebens: M6moires et docu-
ments pour servir ä l'histoire des
origines fran^aises des pays d'outre-
mer. Von diesem erschien aber nur
die erste Abteilung: D^couvertes et
toblissements des Francis dans
Fouest et dans le sud du TAm^rique
septentrionale in 6 Bänden (Paris
1879—88). Auch für die andern
Abteilungen, welche die übrigen
Kolonialgebiete umfassen sollten,
hatte er Stoff gesammelt, doch war
derselbe bei seinem Tode noch nicht
druckreif.
Den Hauptteil des hier vorliegen-
den Bandes bildet eine sehr genaue
Abschrift eines aus dem XV. Jahr-
hundert stammenden Manuscripts,
in dem die 1402 begonnene Erobe-
rung der Canarischen Inseln
durch den normannischen Ritter
Jehan de Bethencourt von dessen
beiden Kaplänen Pierre Boutier und
Jehan la Verrier in französischer
Sprache geschildert wird. Margry
plante eine Drucklegung dieses
Werkes, die aber ohne sein Zutun
von anderer Seite auf Orund des
im Besitz der Nachkommen Bethen-
courts erhaltenen Originalmanuscripts
erfolgte. (Le Canarien. Uvre de la
conquete et conversion des Canaries
par Jean de Bethencourt, publik
d'apr^s le manuscrit original avec
introduction et notes par Gabriel
Gravier, Ronen 1874). Die Er-
zählung der beiden Priester war
schon früher nach einer jetzt in der
Pariser Nationalbibliothek befind-
lichen Abschrift auf Veranlassung
des Seigneur Galien de Bethencourt
durch Pierre Bergeron unter dem
sont: Origines transatlantiques: Be-
lain d'Esnambuc et les Normands
aux Antilles (Paris 1863), les navi-
gations fran^aises et la r^volution
maritime du 14« au 15« si^de (Paris
1867) et son ouvrage prindpal
„M6moires et documents pour ser-
vir ä l'histoire des origines fran^ises
des pays d'outre-mer'', dont la pre-
mi^re partie seulement a ii€ im-
primee: D6couvertes et Etablisse-
ments des Francis dans l'ouest et
dans le sud de l'AmErique septen-
trionale, en 6 vols. (Paris 1879—88).
II a aussi laissE des recueils relatifs
aux autres colonies, mais Us n'6taient
pas encore imprimables ä sa mort
La partie prindpale du präsent
volume est une copie tr^s exade d'un
manuscrit du 15« siMe, repr^sentant
la conquete des lies Canaries par le
Chevalier normand Jehan de Be-
thencourt en 1402 (Beriten fran^s
par ses deux chapelains Pierre
Boutieret Jehan le Verrier). Margry
avait l'intention de faire imprimer cet
ouvrage, qui fut cependant publik par
quelqu'un d'autre, d'apres le manu-
scrit original appartenant aux des-
cendants de Bethencourt (Le Cana-
rien. Uvre de la conquete et conver-
sion des Canaries par Jean de Bethen-
court, publik d'apres le manuscrit
origininal avec introduction et notes
par Gabriel Gravier, Ronen 1874).
Le r6dt des deux pr^tres avait d6jä
€i€ publik d'apres une copie de la
Biblioth^que Nationale ä Tinstigation
de Seigneur Galien de Bethencourt,
par Pierre Bergeron, sous le titre:
Histoire de la premi^re descouverte
etconquestedesCanaries(Parisl630).
Une r^impression du texte avec tra-
dudion anglaise et beaucoup de notes
historiques se trouve dans le 46«.
volume des publications de la Hakluyt
Sodety, par Richard Henry Major.
(The Canarian, or book of the con-
Karl W« Hiersemann in Leipzigs Königsstrasse 3« Katalog 330*
216
Naehin^.
Titel: Histoire de la premi^re des-
couverte et conqueste des Canaries
(Paris 1630) veröffentiicht worden.
Einen Abdruck des Textes gab nebst
beigefügter englischer Übersetzung,
sowie reichem historischen Apparat
Richard Henry Major im 46.
Bande der Hakluyt Sodety heraus
(The Canarian, or book of the con-
quest and conversion of tiie Cana-
rians in tiie year 1402 by Jean de
Bethencourt, London 1872).
Die hier vorliegende Abschrift
stimmt mit dem Drucke von 1630
nahezu wörtlich fiberein, auch hin-
sichtlich der Emteilung in 93 Kapitel,
doch fehlen folgende Abschnitte des
Druckes:
1. Die Widmung des Heraus-
gebers Bergeron an Oalien de Be-
thencourt
2. Der die Stelle einer Einleitung
vertretende Sommaire de l'histoü^
des Canaries.
3. Das Privü^e du Roy.
4. Die Table des mati^res.
Die abweichenden Lesarten dieses
Druckes hat Maigiy bis Kapitel 63
an den Rand geschrieben, für den
Rest aber ist diese Veigleichung
Untertassen worden. Audi mit der
Ausgabe Oraviers von 1874 stimmt
Margrys Abschrift fast durdigehends
wörtlich und meist sogar budistäblich
überein, nur ist gegen Ende hin die
Einteilung verschieden, so daß der
Druck 97 statt 93 Kapitd zählt, ohne
daß indessen der Text umfangreicher
geworden wäre. Dagegen fehlt in
der Abschrift ein Appendix von
14 Abschnitten, der sich über die
spätere Geschichte der Familie
Bethencourt verbreitet
In Margiys Abschrift finden sich
viele Spuren seiner kritischen Tätig-
keit Insbesondere hat er Lesarten,
die ihm irrtümlich erschienen und
die vermutlidi auf Lesefehler oder
quest and conversion of the Cana-
rians in the year 1402 by Jean de
Bethencourt London 1872).
La prdsente copie correspond
presque mot pour mot ä Fimpression
de 1630. Öle a aussi le m^me
norabre de diapitres (93). II manque
seulement les parties suivantes:
1. Lad6dicacedeF6diteurBergeron
ä Oalien de Bethencourt
2. Le „sommaire de l'histoue des
Canaries'' (rempla^ant la pr^ce).
3. Privil^ du Roy.
4. Table des mati^res. Margry
a not^ les variantes en maige jusqu'au
chap. 63, mais fl s'est arr6t^ lä.
La oopie de Margiy correspond
aussi avec r6dition de Gravier de
1874 presque mot pour mot, le plus
souvent m€me lettre pour letfa-e;
seulement, vers la fin, la dhdsion
diff^ de mani^e que l'ouvrage im-
prim^ a 97 diapitres, au Heu de 93,
Sans que le texte soit d'une plus
grande ^tendue. II manque oepen-
dant, dans la copie, un appendice de
14 diapitres, relatif ä l'histoire, plus
r6cente, de la famille de Bethencourt
Dans la copie de Margiy on
trouve beaucoup de ses corredions.
II a partout soulign^ et maiqu^ de
points d'interrogations des variantes
qui lui semblaient erron^es et qui
sont dues probablement ä des fautes
de lecture ou bien ä des fautes
d'^criture dans Toriginai. Les 85
dessins ä lamaindu manuscrit
original offrent un int^r^ttout
particulier, car ils sont ex^-
cut^s ä la mani^re des gra-
vures sur bois du 15« si^cle.
Presque chaque diapitre est om^
d'un tel dessin, repr^sentant une
sc^ne caract^ristique. Les 6di-
tions imprim^es ne les con-
tiennent pas, mais Margiy les
a ajout^s ä sa copie en forme de
dessins ä la plume, calqu^ et lav^.
Karl W« Hlenemaan in Leipzigs Kftnigsstrasse 3. Katalog 330.
Naehtn^.
217
auch an! Schreibfehler im Original
zurückgehen, durch Unterstreichung
und Fragezeichen geicennzeichnet
Von besonderem Interesse sind die
85 ganz in der Holzschnittmanier
des XV. Jahrhunderts gehaltenen
Handzeichnungen des Original-
manuscripts, von denen fast zu jedem
Kapitel eine gehört, die eine charak-
teristische Scene daraus darstellt
Diese Abbildungen fehlen in den
Druckausgaben, Margiy dagegen hat
sie seiner Absdirift sämtlich in Ge-
stalt von durchgepausten und ange-
tuschten Federzeichnungen bei-
gegeben, einige außerdem nebst
verschiedenen Schriftproben in photo-
graphischer Reproduktion. Das
schöne Kupferstichbildnis Bethen-
courts, gestochen von Balthasar
Moncomet, das sich in dem Pariser
Drucke findet, hat Margiy seiner
Arbeit sowohl in photographischer
Nachbildung als auch in einer sorg-
föltigen Bleistiftnachzeichnung bei-
gefügt Am Schluß der Abschrift
steht die Bemerkung: „La copie de
ce manuscrit adiev^e le . . . mai 1852
de ma main. Les calques ont ^t^
faits par mon p^re. Pierre Margiy^.
Ausser dem Bericht über die
Abenteuer Bethencourts finden sich
in dem vorliegenden Sammelbande
noch folgende Stücke:
1. Handschriftliche Kollektaneen
Margry's zur Geschichte und Gene-
alogie der Familie Bethencourt vom
14. bis zum 17. Jahrhundert, meist
aus Druckwerken, aber auch aus
Handschriften der Pariser National-
bibliothek geschöpft, zum Teil auf
Zetteln.
2. Briefentwürfe Margry's, seine
geplante Ausgabe Bethencourts betr.
3. Das Wappen des Ritters Ga-
difer, der Betiiencourt nach den
Canarien begleitete, in Kupferstich-
reproduktion.
Plusieurs de ces dessins se trouvent
aussi en reproduction photographique,
avec quelques sp^dmens d'toiture.
De plus, la copie contient (en repro-
duction photogr. et dessin6 au crayon)
le beau portrait de Bethencourt,
grav6 par Moncomet, qui se trouve
dans r^ition de Paris. A la fin
de la copie, on lit „La copie de ce
manuscrit achev^e le .... mai 1852
de ma main. Les calques ont ^t^ faits
par mon pfcre Pierre Margiy*'.
Outre le r^t des aventures de
Bethencourt, le pr^ent volume con-
tient les pi^ces suh^antes:
1. Des recueils manuscrits de
Margiy relatifs i l'histoire et i la
g6n6aiogie de la famflle de Bethen-
court, du 14« au 17« siMe, en majeure
partie extraits d'ouvrages imprim^,
mais aussi de manuscrits de la
Bibliotii^que Nationale. II sont pour
la plupart Berits sur des bulletins.
2. BrouUlons de lettres de Margry,
concemant son 6dition projet^e de
Bethencourt
3. Les armoiries grav^es, du
Chevalier Godifer, qui accompagna
Bethencourt aux ües Canaries.
4. Une lettre originale de l'histo-
rien Georges Garnier, adress^e ä
Margiy et dat^e de Bayeux, 27 sept
1877, relative ä la d^couverte des
ües Canaries.
5. Notices sur les exp^riences
coloniales de la Compagnie du S6n6-
gal ä Gor^e (cöte de S6n6gambie)
en 1679, sur une entreprise commer-
dale de plusieurs marchands de
Ronen ä St Louis, sur le S^n6gal
et sur quelques andens voyageurs
fran^ais en Afrique, Normands pour
la plupart
4. Ein Originalbrief des Histori-
kers Georges Garnier an Margry,
dat Baxery, 27. Sept 1877, betr.
die Entdedoing der Canarien.
Karl W. Hlersemann in Leipzigs Kö&igsstrassc 3. Katalog 330.
218 Nachtrag.
5. Notizen über Kolonialversuche der Kompagnie du S^n^gal in Oor^e
an der Küste von Senegambien 1679, über ein Handelsunternehmen meh-
rerer Kaufleute aus Roren in St Louis am Senegal und über einige
ältere französische Afrikareisende, namentlich aus der Normandie.
485 Jean de Meun, Testament et codicille. Wertvolle und
wohlerhaltene französische Pergamenthandschrift des XIV. Jahr-
hunderts, ehemals Phillipps Ms. 2528. 43 beschriebene Bll. in Fol.
von je 35 Zeilen mit deutlicher, gut lesbarer Schrift von einer
Hand. Am Anfang des Textes ein sorgfältig ausgeführtes gold-
gehöhtes L auf rot und blauem Grunde mit Ornamenten. Alter
brauner Lederband, der statt der Pappdeckel eine verklebte
französische Papierhandschrift des XV. Jahrhunderts enthält
880,—
Maltre Jean Clopinel aus Meun-sur-Loire (deshalb meist Jean de
Meun genannt), einer der bekanntesten französischen Dichter des Mittel-
alters, lebte in der Z Hälfte des XIII. und im Anfang des XIV. Jahrhunderts.
Er ist hauptsachlich dadurch berühmt geworden, daß er um 1280 den von
Ouillaume de Lorris begonnenen allegorisch-erotischen Roman de la Rose
wesentlich erweiterte und vollendete. Ober sein Leben und seine Werke
vgl. Histoire litt^raire de la France XXIII, 42 ff. und XXVIII, 391 ff., femer
Gröber, Grundriß der romanischen Philologie II, 1, 734 ff., sowie die neueren
kritischen Ausgaben des Roman de la Rose, namentlich die von lA€on
(Paris 1810—14) und Marteau (Orleans 1878—80). Die Drucke stehen bei
Brunet 3, 1170 ff.
Die voriiegende Handschrift umfaßt folgende kleinere Dichtungen Clo-
pinels, die aus seinen letzten Lebensjahren stammen und seit der Inkunabel-
zeit wiederholt, zuletzt in der erwähnten Ausgabe von M^on gedruckt sind.
1. BL 1—31. Testament 530 vierzeilige Strophen a a a a. Anfang:
Li peres et filz et li sains esperiz Ung dieu en troiz personnes
aourez et dieriz . . .
Ende: Et lui prit humblement que nous soions escripi
Au sainct livre de vie que il meisme a escripi
Explicat testamentum magistri Johis de meduno.
Andere Handschriften bei Gröber, S. 741.
2. BL 32—43. Codicille. 135 zwölfzeilige Strophen aabaabbba
b b a. Anfang:
O glorieuse trinite
Une essence en vraie unite . . .
Ende: Prendras en gre que je en puiz
Car ce te piaist quon en peut faire.
Explicat le codicille maistre Jehan de Meun.
Andere Handsdiriften bei Gröber S. 741.
Der vorliegende Text beider Gedichte stimmt mit den neueren Drucken,
abgesehen von abweichenden Lesarien, im wesentlichen überein. In der
Hist lith. de la France XXVIII, 428 wird das 2. Gedicht als über de con-
temptu mundi bezeichnet, als Codicille dagegen ein weit kürzeres poeti-
sches Werk von 11 Strophen, das in der vorliegenden Handschrift fehlt
Karl If. Hienemann in Leipzig, Königsstrasse 3« Katalog 330«
NaMrag. ^ 219
485 naQaiO^iKii. Pergamenths. des XI.— XII. Jahrh., 365 Bl., 13X9V,
cm im Original -Holzbandy mit rotbraunem Leder Aberzogen;
die ursprünglichen Schließen resp. Lederbänder sind entfernt.
6800.—
Blätter sind nicht numeriert; Dicke der Hs.:6— 7 cm.
Pergament nicht grade besonders dünn, aber gleichmäßig, weiß
und geschmeidig; es ist in Quatemionen geordnet, die an der Langseite
mit einen Punctorium durchstochen sind, um die Linien zu ziehen:
22 auf der Seite. Die Buchstaben hängen herab von den gezogenen
Linien. Der I. Quatemio blieb ursprünglich leer, der IL, mit dem der
Text beginnt, hat am unteren Rande die Bezeichnung A; dann folgt
B, r usw. — A6; in der letzten Hälfte fehlen die Quatemionenbezeich-
nungen oftmals.
Die Erhaltung der Hs. ist gut; nur das erste Blatt von Quatemio H
hat gelitten.
Der Inhalt unserer Hs. entspricht ungefähr dem der horae und vigillae
des latelnisdien Westens; es sind Gedichte und Oebete an Christus, die
Mutter Gottes und die Heiligen.
Die Griechen nennen einen solchen Codex icapaxXirrun] (Proben s.
Gardthausen, Catalogus codd. graecorum Sinaiticorum. Oxford 1886,
p. 167, No. 776-827.)
Der erste Titel (p. 1) lautet: 2t{(xoi) «vaaT(aaijia) •l(«) t(o) x(üpi)t
2x^(xpaSa). Dann folgt der Anfang: Ik^ ioTnpiva« i^ficov eu^^c icpo^S^at
Syii x(^pO< ^^ 37apd[(7xou ;^(iiv af toiv stMcpTtcCv etc (vgl. cod. Sinait No. 778).
Die zweite (goldene) Überschrift: Tf xu(pi«xf) TtlJi ;:pü>\. xiO-(ia{ia)
8?C TO ^(SO)? x(upio)?.
Den Schluß des Ganzen (vor dem Vollbild) macht ein vexpcu9((Aov,
das mit den Worten schließt: jfxTcpoodw d^ x^v :qcrTop£av aou:
Der gewöhnlidie Text ist mit schwarzer Tinte geschrieben, die eine
sdiöne rostbraune Färbung bekommen hat Goldschrift ist reichlidi ver-
wendet bei Oberschriften, Initialen und Ornamenten; sie ist vielfadi
deutlich abgedruckt auf der gegenüberstehenden Seite. Rote Buchstaben
bezeichnen oft die Zitate bekannter Hymnen. Ausnahmsweise wird statt
dessen auch wohl blaue Farbe angewendet
Geschlossene Rahmen (nicht H) umgeben den Titel größerer Abschnitte
z. B. oTixepa avaaTaaifia s?« t^ x(upi)e ixtfxpa^a. Die Fläche des Rahmens
ist ausgefüllt durch Kreise und Blattomamente Rot und Blau auf Goldgrund.
Der Text ist illustriert durch kleine Figuren ohne Goldgrund am
Rande, gewöhnlich nicht größer als 2—3 cm, entweder eine Figur, oder
auch Gruppen bis zu 5 Figuren; sie wird meist fein und gut gezeichnet
und durch rote Oberschriften erklärt:
f} avaataai^. i[ 9T(au)ptt>ai(. o a(7ioc) *Ici>(d[vvT)() IIp(c8po(AO().
(j.(rTT))p ^(8o)C, *I(t)9oC){ X(piaT^)(. o! Syioi a9c(o9ToXoi). 6Ta9(o()Tou
X(p(9To)u. o! Sf tot (AapT(upe() usw.
Die Oberschrift wiederholt sich; die figürliche Darstellung selten.
Selbst die Buchstaben des sdiwarzen oder roten Textes sind manch-
mal zu kleinen Scherzen verwendet Nicht nur, daß sie unmäßig ver-
längert werden, um den Rand der Seite auszufüllen; mandimal nehmen
Karl W. Hiersemann in Leipzig, Königsstraise 3. Katalog 330.
220 y- Nachtrag.
sie dabei Tiergestalt an: ein X endet oben in einen nett gezeidineten
Hasenkopf; das 4> entwickelt sich zu einem seitwärts gewendeten
Fisch. Der lange Strich des p verlängert sich zu einem langen Faden,
nadi dem ein Vogel schnappt; der Querstrich des T ist wellenartig fort-
geführt bis zu 2 Vogelköpfen rechts und links. Alle diese scherzhaften
Figuren sind fein und sicher gezeichnet
Am Schluß des Hauptwerkes befindet sich ein Vollbild auf Goldgrund.
(Beschädigt) Das rot umränderte Büd ist durch einen roten Querstrich
in] eine* obere und eine untere Hälfte geteilt In jeder Ecke sitzt ein
Evangelist mit seinem Evangelium; neben dem ersten von junger Hand:
«(fioO y.a I a« /// etc
Spuren der Herkunft sucht man vergebens; nur in der Mitte des Qua-
temio c liest man in der verschnörkelten Schrift vielleicht des 17. Jahrh.
T((Ai(üv uTcapysi to 7capo(v) JcapoucXijxix^v toü aficaraTou Aopio^Eou Ix
T(uv 6(c)aaoKXov6a](.
Das erste Blatt zeigt die moderne Notiz:
napaxX92TixT) ** (xaXXov
icapaxXvfTixov
1862 *Aicp(X{ou 21.
töcüpr^ (jLOi jcapa Sspaf «{(i,
euYV(ü(jLovi]aavTo^ Sia Tr.v SiSaoxoXfsv.
Hinter dem Vollbild folgen noch einige Quatemionen von anderem
Pergament, anderer Hand und anderer Zeit mit schwarzer Tinte ge-
schrieben; rote Randbemerkungen sind von jüngerer Hand. Es ist ein
*ESa7co9T8(Xap(ov,
wie es handschriftlich oft mit der TcapaxXiiTixi^ verbunden wird (s. Oardt-
hausen, Catal. codd. graec. Sinait p. 269 u. d. W.). Es beginnt:
2(aico9T8iXapiov «vaaTaaifiov tI JcpuTov. Tol( (Mcdrjraic ouveXO^jov ht
opct FaXtXaCa«
Auf derselben Seite: £ua(y')rAiov) icu^ivliv npcoTov. ix xou xaT&
MttT^alov. Tc{> xa^pc^ ^«{v^i iicopfu^aav ol cvScxa (AadTjraf etc
Auf dem vorletzten Blatte:
*£(aicoaT8iXapiov lä.
Mfft& T^v ^lav ifyipmv. Tp^( xc^ D^pcj) etc
Auf der Rückseite desselben Blattes:
Euaff e'Xiov ico^iv^v fä. *Ex tou xata *I(i>(avvi]v).
Tc^ xaipo) lx{v(o l^av^afv iauTov 6 *I(yiaou)( Tc$t( {ia^T]Tflft{ auxou usw.
Schluß des Ganzen: ou8k auTcv o?(jLai tov xoojiov yiy^QOii -zk fpaf^jov«
pipXia (Ev. Joh. 21, 25). — Rot: Tölo«.
478 '/ aXT^Qiov. Pergamenths. des XII. Jahrh. 65 Bl., 20X15 cm ; die Hs.,
deren Blätter nicht numeriert sind, ist ca. 2 cm dick. Die Seite
hat 32 Zeilen. Die Buchstaben hängen vor den vertieften resp.
erhöhten Linien herab. 1150.—
Der Einband ist besdiädigt, manche Lagen sind lose; auch der vordere
Holzdeckel mit gepreßtem sdiwarzem Leder überzogen, ist abgerissen.
Zwei Schließen sind entfernt Bezeichnung der Quatemionen fehlt.
Karl W« Hiefsemaan in Ldpzlgt Könlgsstrassc 3« Katalog 330.
Nachtrag. 221
Neben der sdiwarzen Tinte ist auch rote Farbe angewendet für die
Oberschriften, Initialen und die Zahlen am Rande.
Die erste Oberschrift (rot) unten auf der ersten Seite lautet:
VaXxiQpiov TepTcvlv t\% 0-(«c)v. (aAo(. A
Schwarz: Maxapio^ avf p o( oCx ^Tcopeu^ h ßouXf aotfßcov (Ps. 1, 1).
Hinter dem Psalm öc eine Seite leer, hinter pjlß: 3^/« Seiten leer, hinter
pv P/, Seiten leer.
Dann folgt ohne Randzahl der Psalm Mixp^« tjiaijv h t<^( aScX^otc (u>u
if üli3v 'lapoiiX. Vgl. cod. Sinait 28—31 etc; darauf IVt Seiten leer.
Den Beschluß bilden, wie meistens bei den griechischen Psalterien,
größten Teils alttestamentliche Hymnen:
Exodus 15, 2. (ü$f Mci)ua^ci)( £v tt I^oSo).
Deuterom. 32, 2. „ „ „ xc^ SeuTepovo(A{a>
1 Reg. 2, 1. 7cpo98uy^7) "Avvij? (AYitpoc £a(Aour|X.
Habac 3, 1. cx$8r) *A{xßaxoi*x xou Tcpo^niTou.
Esai. 26, 1. „ 'H9a(ou „ „
Jon. 2, 3. Tcpo^süx.^ 'IwvS „ „
LXX ed. Tischend. 2, p. 488. „ xeTv xptcov 7ca{8cüv.
„ „ „ 2, p. 489 V. 34. S|ivo? „ „ „
Ev. Luc 1, 47. cü$^ ftT^^C d'(8oxc)xou cv xcu axouaai
xoC diyyAou. „ ^
ohne Zahl:
Ev. Luc 1, 68 — 79. npoaeu)(^7) xou 7cpofi]xou Za)(^ap£ou.
Ober die Provenienz der Hs. vom Sinai beriditet ein beigelegter
Zettel, dem zu mistrauen wir keinen Orund haben:
Tb ^%kxi\<^\f3N xouxo IxofJLta^ Ix xou opou^ Ziva eU *A^jva( uno xoC ''Apaßoc
(j.ova)(ou Xa(Ao\x ZxavSkp (= *Af a^ou *AXe(av$pou), cuc sTtuv o TccuXr.aac auxo( 2(jlo\
•n:6i:a€p>Ji« iv 'a^jvö«« xf 1/13 'AäpiXwu 1897.
Mit den im Katalog des Sinai (Oxford 1886) aufgezahlten Psalterien
No. 21—147 läßt sich unsere Hs. nicht identifizieren.
V8l
5
n
P
»
7
11
1
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f
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488 TtfT^a«t;a)7ii#oy. Pergamenths. des XIII.— XIV. Jahrh. 234 Bl
IOVjXQ cm; Dicke 3Vt— 4 cm. 1100.—
Der moderne braune Lederband hat auf den Rücken in Golddruck
den Titel:
Tl $ia xcaaspcov euafye'Xtov.
Das Pergament ist an der Langseite des Außenrandes ziemlich miirbe,
und blättert stellenweise ab, wie Papier.
Vorausgeschickt wird eine Lage Pergament von junger Hand in roter
und schwarzer Schrift Die rote Tinte ist sehr verblaßt, die schwarze
hat das Pergament stark zerfressen; an anderen Stellen (gleich im An-
fang) ist sie vollständig abgesprungen aber man sieht die Buchstaben
noch weiß auf weiß vertieft im Pergament (Transskription liegt bei).
Dann folgen ebenfalls von junger Hand von romanischen Doppel-
bögen eingeschlossen die Eusebianischen Canones s. Tischendorf-Ore-
gory, N. T. prolL p. 145, Herzog-Hauck, Realencydop. 1898, 5, S. 612.
Karl W« Hiersemann in Ldp^igr Königsstraise 3. Katalog 330.
222 Nachtrag.
Dann erst beginnt die eigentliche Hs. von einer Hand sdiwarz und
rot geschrieben mit einem rot gesdiriebenen Register der Lesestücke
aus den Evangelium Matthaei (ohne Anfang) mitten auf der Seite be-
ginnend:
„ „ IxoTovrixpow f
Darauf wieder mehrere Blätter leer oder von modemer Hand be-
schrieben.
Oberschrift und Anfang des Matthaeus-Evangelium sdieint zu fehlen;
nach 6 Blättern: moderne Bleistiftnotiz am Rand: «xf^. 7'
Mi^ xpivexs tva ^ xpi^Tt. (Ev. Matth. 7, 1.)
bis zum Schluß
fcof T^( ouvTsXsfac TOU alcüvof. apjv.
Dann folgen mit ganz verblaßten Ornamenten Evang. Marcus, Lucas
und Johannes mit roten Zahlen am Rande, die denen des Registers
entsprechen. Schluß des Ganzen: ouBk auTov oT^iai tov xoajxov x<*><ni<'>i "^^
Ypa96(icva ßißXfa. ajjnjv. (Evang. Joh. 21, 25.)
Auf der ersten Seite liest man von einer Hand des XVI. Jahrh.:
TsTpatuaffiXiov.
To Tcaplv ßißXiov unap/ct Nso^utou Ispo(i.ovaxou ex IVIapou^ AhcoXCa^ ix ;:<'Xem(
CT
Nau (?) xa\ apx^i(i.avSpiTou :
In verschnörkelter Schrift, ähnlich einem Monocondylion :
7C67
Nso^uTO^ /// 7Cv(«u(i.aTi)xb{ xa\ ap^iJ^avSpiiijc Nau '(?).
Karl W* Hiersemann in Leipzig» Königsstrasse 3« Katalog 330*